Die Vatikanischen Museen () beherbergen vor allem die päpstlichen Kunstsammlungen und befinden sich auf dem Territorium der Vatikanstadt. Die Sammlung ist eine der wichtigsten und größten der Welt und umfasst die Bereiche orientalische Altertümer (Altes Ägypten und Assyrien), klassische Antike (griechisch-römische Kunst), etruskisch-italische Altertümer (heutiges Italien vor der Römerzeit), frühchristliche und mittelalterliche Kunst (3.–14. Jahrhundert), Kunst der Renaissance (15. Jahrhundert) bis ins 19. Jahrhundert, zeitgenössische Kunst und eine völkerkundliche Sammlung. Der wohl bekannteste Teil, der im Zuge eines Museumsbesuchs besichtigt werden kann, ist die Sixtinische Kapelle.
Übersicht mini|Mitte oben: Die Vatikanischen Museen in umgedrehter L-Form mini|Übersichtsskizze der Vatikanischen Museen mini|Skulptur über dem Eingangsportal
Bei den Museen handelt es sich um mehrere im Laufe der Zeit entstandene und in unterschiedlichen Teilen des vatikanischen Palastes untergebrachte Sammlungen:
Palazzi Vaticani (Papstpalast) Gallerie (Galerien) Galleria dei Candelabri (Galerie der Kandelaber) Galleria degli Arazzi (Galerie der Wandteppiche) Galleria delle Carte Geografiche (Galerie der Landkarten) Cappelle (Kapellen) Cappella Sistina (Sixtinische Kapelle) Cappella Niccolina (Nikolaus-Kapelle) Cappella di Urbano VIII. (Kapelle Urbans VIII.) Stanze/Sale (Gemächer) Appartamento di San Pio V. (Gemächer des heiligen Pius V.) Sala Sobieski (Sobieski-Saal) Sala dell'Immacolata (Saal der Unbefleckten Empfängnis) Stanze di Raffaello (Stanzen des Raffael) Stanza della Segnatura (Saal der Signatur) Stanza di Eliodoro (Saal des Heliodor) Stanza dell'Incendio di Borgo (Saal des Borgobrands) Sala dei Chiaroscuri (Saal der Hell-Dunkel-Malereien) Sala di Constantino (Konstantinssaal) Loggia di Raffaello (Loggien des Raffael) Sala dei Chiaroscuri (Saal der Chiaroscuri) Appartamento Borgia (Borgia-Gemächer) Sala delle Sibille (Saal der Sibyllen) Sala del Credo (Saal des Glaubensbekenntnisses) Sala delle Arti Liberali (Saal der Artes Liberales) Sala dei Santi (Saal der Heiligen) Sala dei Misteri (Saal der Geheimnisse) Sala dei Pontefici (Saal der Päpste) Sala delle Nozze Aldobrandine (Saal der Aldobrandinischen Hochzeit) Sala delle Dame (Damen-Saal) Vatikanische Höfe Cortile della Pigna (Pinienhof) Cortile della Biblioteca (Bibliothekshof) Cortile del Belvedere (Belvederehof) Musei e Collezioni (Museen und Sammlungen) Musei di Antichità Classiche (Antikensammlungen) Museo Pio-Clementino Museo Chiaramonti (beziehungsweise Galleria Chiaramonti) Galleria detta Braccio Nuovo Galleria Lapidaria (Inschriftengalerie) Spezielle Ausstellungsorte Sala della biga (Saal des Zweigespanns) Museo Gregoriano Profano Museo Gregoriano Etrusco Antiquarium Romanum Vasensammlung Museo Gregoriano Egizio (Gregorianisch-Ägyptisches Museum) Collezione Grassi Pinacoteca vaticana (Gemäldesammlung) Collezione d’Arte Religiosa Moderna (Sammlung moderner religiöser Kunst) Museo Pio Cristiano (Sammlung frühchristlicher Kunst) Museo Missionario-Etnologico Museo Storico Vaticano (Historisches Museum des Vatikans) Padiglione delle Carrozze (Kutschenpavillon, Verkehrsmittel des Vatikans) Museo Filatelico e Numismatico (Philatelie und Numismatik) Musei della Biblioteca Apostolica Vaticana (Museen der Vatikanischen Bibliothek) Museo Sacro beziehungsweise Museo Cristiano Salone Sistino Sala dei Papiri Sale Paoline, Sale dell'Alessandrina und Galleria Clementina Sammlungen Keramik des 9. bis 18. Jahrhunderts Kleine Mosaiken
Papstpalast und Profanbauten Baugeschichte und Topographie mini|Der Hauptkomplex der Vatikanischen Museen mini|Der Haupteingang an der Via del Vaticano Papst Nikolaus V., der große Humanist unter den Päpsten, begann um 1450 mit dem Bau der heutigen Anlage des Papstpalastes. Als er 1455 starb, waren nur das Appartamento Borgia und die Stanzen fertiggestellt. Sixtus IV. ließ zwischen 1471 und 1484 die päpstliche Hauskapelle, die Sixtinische Kapelle, errichten. Unter Innozenz VIII. wurde zwischen 1484 und 1492 das Gartenhaus des Belvedere gebaut. Alexander VI. erweiterte den Komplex um den sogenannten Borgiaturm, der als Wehranlage diente.
Als eigentlicher Begründer der Vatikanischen Sammlungen des Vatikans gilt Papst Julius II., der bereits über eine nur ausgewählten Besuchern zugängliche, private Antikensammlung verfügte. Julius II. ließ an den um 1487 errichteten Palast den Cortile delle Statue anbauen. Zwischen 1506 und 1513 erwarb er für den Belvedere die berühmtesten antiken Skulpturen seiner Zeit. Der päpstliche Architekt Donato Bramante verband zwischen 1503 und 1513 den Belvedere durch den riesigen rechteckigen Hof, der Cortile del Belvedere genannt wurde. Der Papstpalast wurde 1508–1519 von dem jüngeren Antonio da Sangallo erweitert und erstrecke sich rund um den zentralen Cortile San Damaso, der bis 1519 von Bramante gestaltet wurde. Der Bau des Damasushofs schloss jetzt im Osten an die früheren, unter Sixtus IV. errichteten Bauteile an. Im Hof des Belvedere wurden prächtige Feste gefeiert, bevor dieser von 1585 bis 1590 von Domenico Fontana durch einen Querkorridor in zwei Teile zerlegt wurde: den höher gelegenen Cortile della Pigna und den unter Pius IV. umgestalteten und erweiterten Cortile del Belvedere. Von 1817 bis 1822 wurde im heutigen Bereich der Vatikanischen Bibliothek ein zweiter Querkorridor gebaut, der Braccio Nuovo. Dadurch wurde ein dritter kleiner Hof geschaffen, der Cortile della Biblioteca.
Der gesamte Papstpalast umfasst heute einen Gebäudekomplex mit etwa 1.400 Räumen und 55.000 m² Grundfläche und verfügt über etwa zwanzig Höfe. Dem Papst und seinem Hofstaat ist nur ein kleiner Teil dieses Komplexes vorbehalten, der Großteil ist den Besuchern geöffnet. Schwer zugänglich bleiben die Vatikanischen Gärten, deren Atmosphäre aber über die Fenster der Museen wahrgenommen werden kann. Der offizielle Eingang vom Petersplatz her führt über die Scala Regia. Diese verbindet auch den Petersdom mit der Sixtinischen Kapelle und den Stanzen. Diese Treppenanlage wurde von Antonio da Sangallo errichtet und 1663 bis 1666 von Gian Lorenzo Bernini erneuert. Am Fuß der Treppe steht ein Reiterstandbild Konstantins des Großen von Bernini. Der heutige Zugang zum Museum erfolgt aber von der Nordseite, vom Viale Vaticano durch einen zum Heiligen Jahr 2000 neu errichteten Eingangsbereich.
Sixtinische Kapelle
mini|Deckenfresken von Michelangelo mini|Die Erschaffung Adams – Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle
Die Cappella Sistina wurde zwischen 1475 und 1483 unter Sixtus IV. erbaut, nach ihm benannt und am 15. August 1483 eingeweiht. Der von einem flachen Tonnengewölbe überdeckte, rechteckige Bau ist 40,90 Meter lang, 13,40 Meter breit und 20,70 Meter hoch. Die Kapelle entspricht in den Proportionen dem Salomonischen Tempel der Bibel, ihre Länge entspricht in etwa der doppelten Höhe und der dreifachen Breite. Die Wände mit den Lünetten hatten bei Baubeginn durch den Florentiner Architekten Giovannino de Dolci 14 Fenster erhalten, die im 16. Jahrhundert zugemauert wurden. Eine marmorne Schranke teilt die Kapelle in zwei Bereiche, wobei sie der Geistlichkeit bei der Zelebration großen Raum lässt. Die Wandgemälde zeigen Szenen aus dem Leben Jesu und Mose und wurden von bekannten Malern der Renaissance geschaffen: Sandro Botticelli, Perugino, Domenico Ghirlandaio, Cosimo Rosselli, Biagio d’Antonio und Luca Signorelli. Die unter Julius II. beauftragten und durch Michelangelo ausgeführten weltberühmten Deckenmalereien folgt einer programmartigen Ikonografie und beinhaltet Darstellungen wichtiger Episoden des Alten und Neuen Testamentes. Sie wurden am 1. November 1512 enthüllt und zeigen auf insgesamt 520 m² Szenen aus der Genesis mit 115 überlebensgroßen Charakteren. Besonders der Ausschnitt „Die Erschaffung Adams“ ist ein weltberühmtes und oft reproduziertes Werk. Es zeigt, wie Gottvater mit ausgestrecktem Finger Adam zum Leben erweckt. Papst Clemens VII. wollte Michelangelos Jüngstes Gericht auf der Altarwand haben und opferte dafür die vorhandenen Werke von Perugino. Die verblasste Farbenkraft der Fresken wurde gegen Ende des 20. Jahrhunderts in aufwendiger Säuberungsarbeit gründlich restauriert.
Appartamento Borgia Papst Nikolaus V. ließ diesen frühen Teil des Papstpalastes zwischen 1449 und 1455 errichten, der nach seinem Nachfolger Alexander VI. (bürgerlich Rodrigo Borgia) benannt wurde. Die im Trakt eingebaute Cappella Niccolina ist den Erzdiakonen Stephanus und Laurentius geweiht und wurde von Fra Angelico unter Mithilfe von Benozzo Gozzoli 1447 bis 1449 ausgemalt.
Alexander VI. erweiterte das Appartamento um die Torre Borgia. Die künstlerische Ausgestaltung stammte von Pinturicchio, der von 1492 bis 1495 sechs Säle mit Legenden und Geschichten des Alten und Neuen Testamentes ausstattete, wobei einer der Säle, die Sala dei Pontifici, nach einem Einsturz bereits zu Anfang des 16. Jahrhunderts neugestaltet werden musste. Die Hauptsäle werden nach den Motiven ihrer Fresken benannt: Sala delle Sibille, Sala del Credo, Sala della Madonna und Sala dei Santi. Die Sala dei Pontifici ist ein Werk der Schüler Raffaels, Giovanni da Udine und Pierin del Vaga. Die Dekoration stammt aus dem 16. Jahrhundert. Leo XIII. ließ die Räume durch Ludwig Seitz restaurieren und gab sie der Öffentlichkeit zur Besichtigung frei. Aus der Sala delle Sibille führt eine Treppe zu den darüber liegenden Stanzen des Raffael. Im Appartamento Borgia ist heute ein Teil der Sammlung moderner Kunst untergebracht.
Stanzen des Raffael
mini|Stanza della Segnatura
Die Fresken der Stanzen (italienisch stanza „Zimmer“) wurden von Julius II. ab 1508 für seine privaten Gemächer im zweiten Stock des Vatikanspalastes in Auftrag gegeben. Sie wurden von Raffael und seinen Mitarbeitern unter dem Patronat Papst Leos X. (1513–1521) bis 1524 ausgeführt. Die vier Räume werden heute nach ihren Hauptthemen bezeichnet. Das größte und für die offiziellen Empfänge gedachte Gemach, die Sala di Costantino, stellt in vier Szenen das Leben des Kaisers Konstantin (306–337) dar. Die legendäre Szene aus der Schlacht an der Milvischen Brücke gegen Konstantins Mitkaiser Maxentius symbolisiert den Beginn des Christentums als Staatsreligion. Die Stanza di Eliodoro beschreibt ebenfalls in vier Szenen die Vertreibung Heliodors aus dem Tempel von Jerusalem, die Erzwingung Attilas Umkehr vor Rom, das Wunder von Bolsena und die Befreiung von Petrus aus dem Kerker. Die Stanza della Segnatura zeigt Raffaels Meisterwerke Die Schule von Athen, eine Allegorie des Parnass, den Triumph der Eucharistie. In der Stanza dell’Incendio di Borgo wird der Brand von Borgo, ein Sieg Leos IV. über die Sarazenen, die Krönung Karls des Großen und die Rechtfertigung Leos III. dargestellt.
Der Glanz der vollendeten Fresken dauerte nicht lange. Schon 1527, beim Sacco di Roma, wurden sie von protestantischen Landsknechten schwer beschädigt: Gesichter, die die Söldner für die von Päpsten hielten, wurden ausgekratzt, Inschriften wurden in die bemalten Wände geritzt. Diese Details traten bei der letzten Restaurierung 1999–2001 zutage, die nicht nur Schmutz und Übermalungen beseitigte, sondern auch Schäden, die von alten Restaurierungen herrührten. Die Stanzen waren bald nach dem Sacco di Roma von Malern, die für die Päpste arbeiteten (darunter Sebastiano del Piombo), notdürftig restauriert worden. Weil sich Teile des Stucks von den Wänden zu lösen begannen, erfolgte 1754 eine größere Restaurierung, weitere in den Jahren ab 1856 und 1937. Die Restaurierung von 1937 verursachte durch Anwendung ungeeigneter Substanzen wie Salzsäure Schäden an den Farbschichten. Die aktuelle Restaurierung unter kunsthistorischer Leitung von Arnold Nesselrath hat auch die Zuschreibungen einzelner Bildteile verändert.
Die Loggien Raffaels mini|hochkant|Die Loggien Raffaels