mini|Kirche San Carlo ai Catinari (Sant’Eustachio, Rom) San Carlo ai Catinari ist eine Kirche in Rom aus dem 17. Jahrhundert und unter dem Patrozinium Santi Biagio e Carlo ai Catinari () eine Titeldiakonie der römisch-katholischen Kirche. Sie enthält u. a. Fresken von Domenichino und ein Gemälde von Pietro da Cortona.

Die Kirche war Sitz der gleichnamigen Pfarrei, die am 14. September 2020 aufgelöst wurde.

Lage Die Kirche liegt im VIII. römischen Rione Sant’Eustachio an der Piazza Benedetto Cairoli etwa 200 m südwestlich des Largo di Torre Argentina.

Namensgebung und Baugeschichte Den Beinamen erhielt die Kirche von den umliegenden Werkstätten, in denen u. a. Krüge und Waschbecken () hergestellt wurden.

Die Bauarbeiten begannen 1612 nach Entwürfen von Rosato Rosati. Die Fassade wurde 1635 von Giovanni Battista Soria fertiggestellt. Drei Jahre später wurde die Apsis errichtet, die Bauarbeiten insgesamt wurden 1650 abgeschlossen.

Grundstruktur Den Grundriss der Kirche bildet ein griechisches Kreuz, das Langhaus öffnet sich in Seitenkapellen. Über der Vierung erhebt sich eine Kuppel.

Äußeres mini|Detail der Fassade Die Fassade ist eine breite Barockfassade. Sie ist in fünf vertikale Achsen gegliedert, von denen die drei mittleren in Form eines Risalites hervortretend ausgeführt sind. Die begrenzenden Pilaster tragen korinthische Kapitelle. Die Fassade wird horizontal von einem kräftigen Gesims in zwei Stockwerke geteilt. Fensterblenden und Nischen teilen die Fassade weiter ein.

Inneres Das Innere der Kirche wird dominiert von den mächtigen Pfeilern, über denen sich die Kuppel erhebt. Dem Stil der Zeit folgend ist das Innere prächtig in hochbarocken Formen gestaltet. Das Tonnengewölbe über dem Langhaus ist geometrisch kassettiert, zum Langhaus hin öffnen sich Seitenkapellen. Die Pilaster der Seitenwände tragen korinthische Kapitelle. Zwischen den Fenstern befinden sich Fresken von Francesco Coghetti.

Kuppel mini|Blick in die Kuppel Der Kuppeltambour wird von zwölf Fenstern durchbrochen. An den Kuppelkonsolen befinden sich vier Fresken von Domenichino, sie stellen die vier Kardinaltugenden dar (Weisheit, Tapferkeit,Besonnenheit und Gerechtigkeit).

Ausstattung mini|Das Innere der Kirche Apsis und Altar Die Apsis wurde von Giovanni Lanfranco mit Die Auffahrt des Hl. Karl Borromäus freskiert. Es wurde 1647 fertig und war sein letztes Werk. Der Hochaltar wurde von Martino Longi d. J. geschaffen. Das Altarbild stellt den Hl. Karl Borromäus, einen Nagel vom Kreuz Christ tragend, dar und wurde von Pietro da Cortona angefertigt. Das Hochaltarblatt von Pietro da Cortona stellt den Heiligen Karl Borromäus während der Pest in Mailand dar. Im linken Querschiff liegt die Cappella di Santa Cecilia (Cäcilienkapelle), die zwischen 1692 und 1700 von Antonio Gherardi als barockes Gesamtkunstwerk mit einer von Stuckengeln getragenen Lichtkuppel errichtet wurde.

Sakristei In der Sakristei befindet sich ein Fresko von Guido Reni. Dieses stellt den Hl. Karl Borromäus beim Gebet dar.

Weitere Kunstwerke Das Altarbild des linken Querarmes stellt Der Tod der Hl. Anna dar und wurde von Andrea Sacchi gemalt. Rechts des Eingangs befindet sich auf dem dortigen Altar die Verkündigung von Giovanni Lanfranco. In der Kirche befindet sich weiterhin ein Triptychon mit der Darstellung der Mutter Gottes zwischen Johannes dem Täufer und dem Erzengel Michael. Das Bild wurde von Leonardo da Roma im Jahr 1453 geschaffen. Bemerkenswert hieran ist, dass inmitten der Frührenaissance dieses Gemälde noch in spätgotischer Form gemalt wurdeMarco Bussagli (Hrsg.): Rom. Kunst & Architektur, S. 381..

Nachwirkungen mini|Universitätskapelle Ste. Ursule (Sorbonne) Der Bau könnte Vorbild für die Kirche Ste. Ursule in der Sorbonne gewesen seinRolf Toman (Red.): Die Kunst des Barock. Architektur, Skulptur, Malerei, S. 128.. Diese wurde 1635 begonnen, Baumeister war Jacques Lemercier, der sich zuvor in Rom aufgehalten und u. a. die Bauwerke Giacomo della Portas studiert hatte.

Kardinalpriester Zwischen dem 17. Oktober 1616 und 1627 war sie eine Titelkirche. Folgende Kardinäle trugen den Titel: Ottavio Belmosto (Belmusti) (17. Oktober 1616 – 16. November 1618) Luigi Capponi (5. Mai 1621 – 2. Mai 1622, dann Kardinalpriester von San Pietro in Vincoli) Giovanni Dolfin (23. August 1622 – 25. November 1622)

Kardinaldiakone Papst Johannes XXIII. errichtete die Titeldiakonie am 2. Dezember 1959. Seither hatten folgende Kardinäle deren Titel inne:

Arcadio María Larraona Saralegui, C.M.F. (14. Dez. 1959 bis 28. April 1969, dann Kardinalpriester von Sacro Cuore di Maria) Luigi Raimondi (5. März 1973 bis 24. Juni 1975) Giuseppe Maria Sensi (24. Mai 1976 bis 22. Juni 1987, dann Kardinalpriester von Regina Apostolorum) Angelo Felici (28. Juni 1988 bis 17. Juni 2007) Leonardo Sandri (seit 24. November 2007; seit 28. Juni 2018 Kardinalbischof pro hac vice)

Literatur Johann M. Wiesel: Rom. Ein Kunst- und Reiseführer. 7. Aufl. Kohlhammer, Stuttgart 19680, ISBN 3-17-005633-6. Anton Henze: Kunstführer Rom. Kunstdenkmäler und Museen (= Reclams Kunstführer; Bd. 5). 5. Aufl. Reclam, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-008679-5 (früherer Titel: Rom und Latium). Rolf Toman (Hrsg.), Achim Bednorz (Photos): Die Kunst des Barock. Architektur, Skulptur, Malerei. Könemann, Köln 1997, ISBN 3-89508-991-5. Marco Bussagli (Hrsg.): Rom. Kunst & Architektur (Roma, l'arte nei secoli). Neuausgabe Edition Ullmann, Königswinter 2007, ISBN 978-3-8331-3588-0.

Weblinks

Vedutenstich von Giuseppe Vasi (italienisch)

Einzelnachweise

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