Die Zweite Trachtenserie, auch Volkstrachten oder kurz Trachten genannt, ist eine österreichische Dauermarkenserie mit 37 Werten von 3 Groschen bis 10 Schilling. Die ab 1948 ausgegebenen Marken zeigen ausschließlich Frauen in historischen österreichischen Volkstrachten aus verschiedenen Regionen des Landes. Die Entwürfe stammen von Josef Seger. Die Marken blieben bis zum 30. Juni 2002 frankaturgültig.

Die Bezeichnung als „Zweite“ Trachtenserie bezieht sich auf die Erste Trachtenserie, die von 1934 bis 1936 ausgegeben wurde. Diese von Georg Jung gestaltete Vorgängerserie bestand aus 21 Motiven mit österreichischen Volkstrachten, teilweise vor Landschaften oder Bauwerken, und war bis zum 30. September 1938 frankaturgültig. Während dort auch Männer dargestellt wurden, beschränkte sich die Zweite Trachtenserie auf weibliche Trachten.

Geschichte Die Zweite Trachtenserie entstand nach dem Zweiten Weltkrieg und der Währungsreform 1947. Die Österreichische Post bezeichnete sie rückblickend als sichtbaren Beitrag zum Zusammenhalt und zur neuen Identitätsfindung der österreichischen Bevölkerung nach dem Krieg. Als Motiv wurde damit erneut ein Thema aufgegriffen, das bereits während der Ersten Republik für österreichische Dauermarken verwendet worden war.

Die Trachtenmarken prägten das Erscheinungsbild der österreichischen Freimarken in den 1950er und 1960er Jahren. Ab 1957 wurde parallel die Dauermarkenserie Österreichische Baudenkmäler, kurz „Bautenserie“, ausgegeben, die die Trachtenserie schrittweise ablöste. Die Werte zu 5 und 7 Schilling hatten keine unmittelbare Entsprechung in der Bautenserie; 1973 begann mit Landschaften aus Österreich die nachfolgende Dauermarkenserie.

Die Auflagenzahlen der einzelnen Werte sind großteils nicht bekannt. Aufgrund der jeweiligen Portostufen und der langen Verwendungsdauer gehören die Werte zu 0,30 Schilling, 1 Schilling in Grün und 1,50 Schilling zu den häufigeren Ausgaben. Weniger verbreitet sind die Werte zu 0,03, 0,45, 0,75, 0,90, 1,70, 2,70, 4,50 und 10 Schilling.

Gestaltung und Herstellung Die Entwürfe der Serie stammen von Josef Seger. Auf einigen Marken befindet sich als Entwerferzeichen ein kleines „S“. Alle Ausgaben wurden von Hans Ranzoni d. J. gestochen.

Die Marken zeigen Frauen in historischen Volkstrachten aus unterschiedlichen Gegenden Österreichs. Die jeweilige Region ist am unteren Bildrand angegeben. Teilweise wird zusätzlich das Bundesland genannt, teilweise nur die Region, etwa Zillertal oder Gailtal, beziehungsweise ein Ort wie Kitzbühel. Bei einigen Motiven findet sich außerdem eine zeitliche Angabe wie „Wien um 1850“ oder „Wien 1853“.

Die Marken sind überwiegend im Hochformat ausgeführt. Der Höchstwert zu 10 Schilling unterscheidet sich durch sein größeres Format von den übrigen Werten. Die Österreichische Staatsdruckerei stellte die Marken überwiegend im Rastertiefdruck her; der 10-Schilling-Wert wurde als einziger im Stichtiefdruck gedruckt. Die Marken wurden in Bögen zu je 100 Stück hergestellt.

Zur Briefmarkentrennung wurde Kammzähnung verwendet. Bekannt sind die Zähnungsmaße K 14 und K 14,50 : 13,75.

Mehrere Nominalwerte erschienen in verschiedenen Farben. Insbesondere die Werte zu 0,30, 0,40 und 1 Schilling weisen Farbvarianten auf. Die Farben waren unterschiedlichen Portostufen zugeordnet: Grün stand für Postkarten, Rot für Inlandsbriefe und Blau für Auslandsbriefe.

Varianten und Sammelpraxis Aufgrund der langen Verwendung der Serie existieren zahlreiche Varianten und Abarten. Grundsätzlich werden sogenannte gelbe beziehungsweise gelbliche und weiße Ausgaben unterschieden. Unterschiede bestehen insbesondere beim Briefmarkenpapier und bei der Gummierung. Die später ausgegebenen weißen Varianten kommen bei 21 Werten vor.

Das Briefmarkenpapier der älteren Ausgaben ist grau bis gelblich. Ab 1958 wurde dünneres und weißeres Papier verwendet. Die Varianten lassen sich außerdem anhand des Druckrasters unterscheiden. Es kommen Raster mit 70 beziehungsweise 100 Linien je Zentimeter vor; bei 100 Linien wirkt das Markenbild feiner. Die weitere Differenzierung dieser Merkmale ist Gegenstand philatelistischer Spezialliteratur.

Auch bei der Gummierung bestehen Unterschiede. Anfangs wurde tierischer Leim verwendet. Ab 1958 kam eine sogenannte Adhäsingummierung mit Henkel-Leim-Adhäsin 25 zum Einsatz, die das Einrollen der Markenbögen vermindern sollte. Später wurde Kaltleim verwendet, dessen Färbung schwach rosa, beige oder bläulich sein kann. Bei manchen Exemplaren ist außerdem eine Gummiriffelung erkennbar, die ebenfalls dem Einrollen der Marken entgegenwirken sollte.

Neben den deutlichen Farbunterschieden bei den Werten zu 0,30, 0,40 und 1 Schilling existieren zahlreiche feinere Farbnuancen. Weitere von Spezialsammlern unterschiedene Merkmale sind wiederkehrende Plattenfehler, Fluoreszenzen, optische Aufheller sowie Symbolzahlen am unteren Rand der Markenbögen. Für die zahlreichen Unterarten bestehen spezialisierte Kataloge und Arbeitsgemeinschaften.

Aufgrund der alltäglichen Verwendung der Dauermarken ist gestempeltes Material in großer Zahl erhalten. Bei gebrauchten Exemplaren spielen für Sammler daher unter anderem Qualität und Lesbarkeit des Stempels eine Rolle. Besondere Aufmerksamkeit findet auch der rote 1-Schilling-Wert, von dem vergleichsweise wenige postfrische Exemplare erhalten sind.

Werte der Serie Nennwert(S) Motiv / Bundesland Farbe Ausgabe ANK MiNr. 0,03 InntalTirol grau gelb: 13. März 1950 887 893 0,05 PinzgauSalzburg blaugrün gelb: 5. März 1949weiß: 15. Oktober 1958 gelb: 888weiß: 1052 894 0,10 SalzkammergutSteiermark schwarzblau gelb: 6. September 1948weiß: 21. Oktober 1958 gelb: 889weiß: 1053 895 0,15 LutzmannsburgBurgenland braun gelb: 6. September 1948 890 896 0,20 Montafon um 1850Vorarlberg grün gelb: 1. Juni 1948weiß: 5. November 1958 gelb: 891weiß: 1054 897 0,25 Wien 1850Wien lilabraun gelb: 24. September 1949weiß: 9. Jänner 1959 gelb: 892weiß: 1055 898 0,30 PongauSalzburg lilarot gelb: 6. September 1948 893 899 0,30 PongauSalzburg violett gelb: 13. März 1950weiß: 21. August 1958 gelb: 894weiß: 1056 900 0,40 Wien 1840Wien blauviolett gelb: 6. September 1948 895 901 0,40 Wien 1840Wien blaugrün gelb: 3. Dezember 1949weiß: 5. November 1958 gelb: 896weiß: 1057 902 0,45 LesachtalKärnten violettblau gelb: 1. Juni 1948 897 903 0,50 BregenzerwaldVorarlberg braun gelb: 5. März 1949weiß: 4. September 1958 gelb: 898weiß: 1058 904 0,60 LavanttalKärnten rot gelb: 6. September 1948weiß: 21. August 1958 gelb: 899weiß: 1059 905 0,70 WachauNiederösterreich grün gelb: 5. März 1949weiß: 4. Dezember 1958 gelb: 900weiß: 1060 906 0,75 SalzkammergutSteiermark grünblau gelb: 1. Juni 1948 901 907 0,80 EnnstalSteiermark rot gelb: 3. Dezember 1949weiß: 6. Oktober 1958 gelb: 902weiß: 1061 908 0,90 MittelsteierSteiermark braunlila gelb: 3. Dezember 1949 903 909 1,00 PustertalTirol blau gelb: 1. Juni 1948 904 910 1,00 PustertalTirol rot gelb: 13. März 1950 905 911 1,00 PustertalTirol grün gelb: 24. September 1951 906 912 1,20 WienerwaldNiederösterreich blauviolett gelb: 24. September 1951weiß: 7. November 1958 gelb: 907weiß: 1062 913 1,40 InnviertelOberösterreich braun gelb: 1. Juni 1948 908 914 1,45 WiltenTirol rot gelb: 26. November 1951weiß: 8. September 1958 gelb: 909weiß: 1063 915 1,50 Wien 1853Wien blau gelb: 24. September 1951weiß: 14. August 1958 gelb: 910weiß: 1064 916 1,60 Wien 1850Wien orangebraun gelb: 24. September 1949weiß: 4. Dezember 1958 gelb: 911weiß: 1065 917 1,70 OsttirolTirol blau gelb: 13. März 1950 912 918 2,00 OberösterreichOberösterreich blaugrün gelb: 6. September 1948 913 919 2,20 Ischl 1820Oberösterreich blaugrau gelb: 15. November 1952weiß: 20. November 1958 gelb: 914weiß: 1066 978 2,40 KitzbühelTirol blau gelb: 26. November 1951weiß: 21. November 1958 gelb: 915weiß: 1067 920 2,50 Obersteiermark 1850Steiermark rotbraun gelb: 15. November 1952weiß: 4. September 1959 gelb: 916weiß: 1068 979 2,70 Kleines WalsertalVorarlberg braun gelb: 26. November 1951 917 921 3,00 BurgenlandBurgenland braunrot gelb: 5. März 1949weiß: 9. Dezember 1958 gelb: 918weiß: 1069 922 3,50 Niederösterreich um 1850Niederösterreich grün gelb: 26. November 1951weiß: 27. August 1958 gelb: 919weiß: 1070 923 4,50 GailtalKärnten blauviolett gelb: 26. November 1951 920 924 5,00 ZillertalTirol rotviolett gelb: 6. September 1948weiß: 27. August 1959 gelb: 921weiß: 1071 925 7,00 SulmtalSteiermark grün gelb: 15. November 1952weiß: 19. September 1959 gelb: 922weiß: 1072 980 10,00 Wien um 1850Wien blaugrau gelb: 13. März 1950 923 926

Literatur Michel-Katalog Österreich. Austria Netto Katalog Österreich. Richard Zimmerl: 50 Jahre Trachtenserie. In: Die Briefmarke. Juni 1999, S. 39–42. Heinz Gindl: Die Österreichische Trachtenserie 1948/52.

Einzelnachweise

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