Das Gedicht (Eigenschreibweise: DAS GEDICHT) ist eine seit 1993 jährlich erscheinende Lyrikzeitschrift in Buchformat (Untertitel: Zeitschrift für Lyrik, Essay und Kritik).
Sie wurde von dem Schriftsteller und Verleger Anton G. Leitner zusammen mit Ludwig Steinherr gegründet und von 1994 bis 2007 sowie 2020 bis 2022 von Leitner alleine herausgegeben. Von 2008 bis 2019 sowie 2023 bis 2025 wurde Das Gedicht von wechselnden Mitherausgebern veröffentlicht.
Da besonders in der Gattung Lyrik der literarische Diskurs im deutschsprachigen Raum in Zeitschriften, Jahrbüchern und Anthologien repräsentativ verhandelt wird, spiegelt Das Gedicht als Phänomen im Literaturbetrieb produktionsästhetische Trends. Darüber hinaus lassen sich aus den einzelnen Ausgaben auch Entwicklungen im rezeptiven Verhalten zur Lyrik bei einem breiteren Publikum ablesen.Sprudelnder Quell des Anstoßes. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 26. Januar 2011.
Schwerpunkt Inhalt sind Erstveröffentlichungen älterer bekannter, speziell aber auch jüngerer Autoren, sowie Essays zur Poetologie, dem Formen- und Themenwandel der Lyrik. Seit 2000 widmen sich die jeweiligen Folgen einem Schwerpunktthema (u. a. Erotik, Religion, In: Sonntagsblatt – Evangelische Wochenzeitung für Bayern, 14. Mai 2002.Wo bleibt jetzt der Heiligenschein? Interview, Publik-Forum, 14. November 2001. Popkultur, Politik, Kinder, Tiere, Natur, Menschlichkeit, Jung und Alt). Weiterhin enthalten die buchstarken Ausgaben Kritiken und Kommentare sowie (bis einschließlich Bd. 14) eine Bibliografie zu lyrischen Neuerscheinungen deutschsprachiger Verlage.Das Gedicht. Artikel, Basler Zeitung, 19. November 1993.
Die national wie international vielbeachtete Arbeit der Zeitschrift Das Gedicht wird flankiert von einer breit angelegten Öffentlichkeits- und Pressearbeit, die versucht, die gesellschaftliche Akzeptanz von Poesie in der Gesellschaft zu erhöhen.Deutschland als Lyrikstandort. Nachrichtenbeitrag, Die Welt 3. September 1996. Somit bewirkt die Zeitschrift einen länderübergreifenden, öffentlichen Diskurs über Lyrik.Die Sprache - Das Haus der Dichter. Rezension, Deutsche Tagespost, 25. Februar 1997: „Die von Anton G. Leitner seit 1993 herausgegebene Lyrik-Zeitschrift zählt ohne Zweifel zu den wichtigsten Publikationen des deutschen Literaturbetriebs, die sich der Gattung Lyrik angenommen haben.“ (S. 10). Das Gedicht erhält in der Regel keine Subventionen aus öffentlichen Mitteln und erhält sich dadurch ihre publizistische Unabhängigkeit.Zerstreute Gedichte wieder eingesammelt. Der Weßlinger Lyriker Anton G. Leitner verschafft sich einen Überblick über sein Werk in 25 Jahren. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 16. Juni 2006.Klartext statt Volltext. Branchenträger: Der Deutsche Literaturfonds in der Kritik. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 1./2. April 2006.
Am 7. November 2024 beschloss der Kulturausschuss des Münchner Stadtrats einstimmig, den literarischen Vorlass und die Archive (Initiative Junger Autoren, Verlagsarchiv DAS GEDICHT) von Anton G. Leitner für das Monacensia-Literaturarchiv der Stadt München im Hildebrandhaus anzukaufen. Der vereinbarte Ankaufspreis ist geheim.
Geschichte Die Zeitschrift zählt inzwischen zu den auflagenstärksten Literaturzeitschriften im deutschen Sprachraum. Internationales Aufsehen erregte die Jahresschrift z. B. mit der Liste der Jahrhundertdichter (Ausgabe Nr. 7, 1999/2000), die weltweit millionenfach nachgedruckt wurde.Die besten Lyriker des Jahrhunderts. Artikel, Salzburger Nachrichten, 29. September 1999.Lyriker spielen um den Aufstieg. Artikel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. September 1999.NERUDA ENTRE LOS DIEZ POETAS MAS IMPORTANTES DEL SIGLO. Artikel, EFE, 21. September 1999. Anton G. Leitner hatte zur Jahrhundertwende 50 führende Persönlichkeiten aus dem literarischen Leben eingeladen, die nationalen und internationalen Top 100 der Lyrik zu bestimmen.Poesie und empirische Sozialforschung. Die Zeitschrift „Das Gedicht“ präsentiert ihre Millenniums-Edition, Artikel, Passauer Neue Presse, 28. Oktober 1999.Un ranking de poetas del siglo fecha de publicion. Artikel, La Nación, 27. September 1999: „Warum mit Dichtern nicht das tun, was auch mit Filmstars, Millionären und Fußballspielern veranstaltet wird? […] Außer Borges wurden auch Roberto Juarroz (58), Alejandra Pizarnik (72) und Olga Orozco (89) in die Wertung aufgenommen. Diese Anerkennung der argentinischen Lyrik kann nicht weniger als zufriedenstellen.“
Interventionen wie die TOP-100-Dichter, die Das Gedicht mit einer 50-köpfigen Kommission aus Literaturwissenschaftlern, Lyrikern, Herausgebern und Kritikern ermittelte,Die Lyriker des Jahrhunderts. Zeitschrift kürte Gottfried Benn und Ezra Pound, Artikel, Hamburger Abendblatt, 22. September 1999. führten nicht nur zur internationalen Beachtung der Zeitschrift, sondern machten Das Gedicht zu einem Modell für erfolgreiche Kulturvermittlung.Selbstmord vor einem geisterhaften Publikum. Im literarischen Dauerlauf: Die Lyrik-Zeitschrift „Das Gedicht“, Artikel, Sächsische Zeitung, 11. September 1996. In der Bayerischen Staatszeitung und im Bayerischen Rundfunk erschienen positive Rezensionen zur Arbeit der Zeitschrift.Die schönsten Verse der Menschen. Artikel, Bayerische Staatszeitung, 10. Dezember 1999.Zeitschriftenschau, Hörfunkbeitrag, Bayerischer Rundfunk, Sendung vom 24. September 1996, 22:20 Uhr.
Schon die erste Ausgabe im Oktober 1993 erfuhr flächendeckende Beachtung (ca. 130 Berichte in Zeitschriften, Zeitungen und Rundfunk) im gesamten deutschsprachigen Raum.Gelungenes Gedicht. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 8. November 1993.Wagnis Gedicht. Artikel, General-Anzeiger (Bonn), 4. November 1993.Rettung für eine „bedrohte Gattung“. Artikel, Nordkurier, 30. Oktober 1993.Gegenwartslyrik. Erstes Heft „Das Gedicht“. Artikel, Nordkurier, 15. Oktober 1993.Das Gedicht. Artikel, Frankfurter Neue Presse, 6. Oktober 1993.Interview mit Anton G. Leitner. Rundfunkbeitrag, Deutsche Welle, Sendung vom 18. Oktober 1993.Gute Zeiten für Lyrik. Artikel, Neue Zürcher Zeitung, 25. November 1993. Viele Kommentatoren würdigten die konzeptionelle Klarheit sowie die überregionale und generationsübergreifende Orientierung der neuen Zeitschrift.Das Gedicht. Artikel, Der Literat, 35. Jg. Nr. 10/1993. Diese Ausrichtung machte die Zeitschrift zu einem „integrativen“ Medium für zeitgenössische Lyrik.Poesiezeitschriften. Artikel, Das Goetheanum. Wochenzeitschrift für Anthroposophie, 14. November 1993. Wie kaum ein anderes Organ für Lyrik konnte Das Gedicht die Diskussion über die Kunst der Poesie bei einer breiteren Leserschaft anfachen. Die Stuttgarter Zeitung schrieb, dass mit dieser Zeitschrift für die Lyrik „eine Spurensuche nach einer neuen Identität“ beginne.Gegenwartslyrik. Erstes Heft „Das Gedicht“, Stuttgarter Zeitung, 15. Oktober 1993.Das Gedicht. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 8. September 1993.
Erotik-Special Skandal 2000/2001 Auf die Erotik-Ausgabe Bd. 8 der Zeitschrift reagierten im Herbst 2000 Teile des Buchhandels mit einem Verkaufsboykott, weil sie die darin publizierte Liebeslyrik führender deutscher Lyriker als Pornografie missverstanden. Die Süddeutsche Zeitung schrieb, das Erotik-Special sei „anstößig und dennoch ungewöhnlich authentisch.“Erotik und Pornographie. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 7. Juli 2000.Der Böse Reim auf Öse. Ein Gedichtband aus Weßling erregt die Republik, Artikel, Süddeutsche Zeitung, 26. September 2000. Zur Innengestaltung des Bandes hatte der Künstler Gerhard Rühm mit „Bildstrophen“ beigetragen.Ein lyrisches Symphonieorchester. Artikel, Münchner Merkur, 23. Januar 2008.Umschlagfoto sorgt für Wirbel. Artikel, Münchner Merkur, 26. September 2000.hochkant|mini|Das Gedicht Bd. 8: Vom Minnesang zum Cybersex - geile Gedichte Die Ausgabe erreichte eine Auflage von 10.000 Exemplaren.Goldener Heiligenschein. Artikel, Der Spiegel, 16. Juli 2001. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete:
Die Reaktionen von empörten HändlernBuchhändler irritiert über Erotik-Ausgabe. Artikel, Der neue Tag, 7. Oktober 2000.Erotik in Versen. Artikel, Kölner Stadt-Anzeiger, 5. Oktober 2000.Buchhändler gegen Erotik. Artikel, Stuttgarter Nachrichten, 27. September 2000.Annahme erotischer Lyrik verweigert. Artikel, Kieler Nachrichten, 26. September 2000.Buchhändler weisen erotische Lyrik zurück. Artikel, Leipziger Volkszeitung, 26. September 2000. reichten von wüsten Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen gegen den Herausgeber.Das Gedicht Nr. 8: Vom Minnesang zum Cybersex. Geile Gedichte. Pressespiegel, Anton G. Leitner Verlag, 2000.Das Schwein im Reim. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 7. Oktober 2000.Erotik kommt nicht ins Haus. Artikel, Neue Presse, 26. September 2000. Die Redaktion hatte solchen Reaktionen jedoch schon etwas vorgebeugt und der Ausgabe heraustrennbare schwarze Balken als Zensurbalken-Kollektion beigelegt, die erlaubten, anstößige Verse während der Lektüre zu überdecken. Pressemitteilung, Department für öffentliche Erscheinungen, 1. Oktober 2000.
Als sich jedoch mehrere überregionale Medien (u. a. ZDF, PRO 7, RTL, Bild,Erotische Lyrik: Aufregung, weil Dichter das Spiel 69 erklären. Artikel in der Bundesausgabe, Bild, 27. September 2000. Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung sowie der Videotext des Bayerischen Rundfunks) hinter Leitners erotische Auswahl stellten, avancierte die Folge zur Kultnummer.Matthias Koeppel: Wahre Liebe. Die Zeit, 5. Oktober 2000.Leitners Gedichtband vergriffen. Empörung über Cover-Foto puscht Erotik-Special. Münchner Merkur, 4. Oktober 2000. Das Münchner Nachrichtenmagazin Focus platzierte die Nummer auf Platz 41 in seinem Ranking „Die 100 besten Bücher“ (vgl. Focus Nr. 42/2000),Focus Nr. 42/2000 - Die 100 besten Bücher. Zeitschriftenartikel, Focus, 16. Oktober 2000. der Westdeutsche Rundfunk sendete jeden Tag ein erotisches Gedicht aus dem Erotik-Special von Das Gedicht und Lilo Wanders rezitierte daraus in ihrer Sendung Wa(h)re Liebe.
Poesie in der Öffentlichkeit Von der ersten Ausgabe an war der Kreis um Das Gedicht bestrebt, Lyrik im gesellschaftlichen Kontext zu sehen.Wie man aus Bayern die Republik mit Lyrik aufmischt: Anton G. Leitner im Gespräch. Luxemburger Tageszeitung, Tageblatt, 22. August 2008. So legten die Herausgeber der ersten Ausgabe 1993 eine Sonderbeilage zum Thema Gedichte und Stasi bei.DAS GEDICHT, Band 1: Lyrik und Stasi. Verlagsseite, Anton G. Leitner Verlag, 1. Oktober 1993.Stasi-Spitzel in Darmstadt. Artikel, Darmstädter Echo, 4. Oktober 1993.