mini|Illustration (Köhler’s Medizinal-Pflanzen 1887) mini|Ungeschälte, über 250 Jahre alte Korkeiche im botanischen Garten Domaine du Rayol - Le Jardin des Méditerranées, Côte d’Azur mini|Teilweise abgeschälte Korkeiche
Die Korkeiche (Quercus suber ), auch Pantoffelholzbaum oder Pantoffelbaum,Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Band 3. Leipzig 1798, S. 646.Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1886), Bd. VII (1889), Sp. 1426, Z. 29. ist ein immergrüner Laubbaum des westlichen Mittelmeerraums aus der Gattung der Eichen (Quercus). Sie erträgt Dürre und stellt geringe Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit. In Mitteleuropa ist sie nicht winterhart. Namensgebend sind die dicken Korkschichten des Stammes, die zur Korkgewinnung genutzt werden. Ein einzelner Baum kann während seines Lebens 100 bis 200 Kilogramm Kork liefern. Korkeichenwälder beheimaten eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten. Da Kork als Flaschenverschluss zunehmend von anderen Materialien verdrängt wird, sind diese Wälder als Bestandteil der Kulturlandschaft gefährdet und damit auch Tierarten wie der Pardelluchs vom Aussterben bedroht. Die Korkeiche wurde 2018 zum Europäischen Baum des Jahres gewählt.
Beschreibung Erscheinungsbild und Borke Die Korkeiche wächst als immergrüner Baum, der eine durchschnittliche Wuchshöhe von 10 bis 20 Metern oder in seltenen Fällen bis über 25 Meter und Stammdurchmesser (BHD) von 50 bis über 250 Zentimeter erreicht.Quercus suber bei Trees and Shrubs Online. Er bildet eine dichte und asymmetrische, in einer Höhe von 2 bis 3 Metern ansetzende Krone, die sich bei freistehenden Bäumen weit ausbreitet. Die Krone kann sich in mehrere voneinander abgesetzte, rundliche Teilkronen gliedern.
Die jungen Zweige sind dicht hellgrau oder weißlich behaart. Ältere Äste sind kräftig und knotig. Ältere Bäume bilden nur noch kurze Triebe mit Längen zwischen 7 und 15 Zentimeter.
Charakteristisch für die Korkeiche sind die dicken, längsrissigen Korkschichten der graubraunen Stammborke. Das Kambium der bei jungen Bäumen glatten Rinde bildet sehr früh eine Korkschicht, die drei bis fünf Zentimeter dick werden kann. Das leichte und schwammige Korkgewebe zeigt senkrechte Risse und ist an der Außenseite weiß, an der Innenseite rot bis rotbraun. Nach der Ernte des Korkes erscheint der Stamm rotbraun, später jedoch deutlich dunkler. Das Holz ist ringporig, hat ein braunes Kernholz und ein hellrötliches Splintholz.Schütt et al.: Enzyklopädie der Laubbäume. S. 503. Die Korkeiche entwickelt eine Pfahlwurzel, die eine Tiefe von ein bis zwei Metern erreicht, und von der mehrere Meter lange, horizontal verlaufende Seitenwurzeln ausgehen. Die Bäume werden über 400 Jahre alt, beerntete Exemplare werden 150 bis 200 Jahre alt.Schütt et al.: Enzyklopädie der Laubbäume. S. 501.
Blätter Die ledrigen Blätter sind wechselständig und werden 3 bis 5 Zentimeter lang und 1,5 bis 4 Zentimeter breit. Die Form variiert zwischen rundlich, oval und lanzettförmig -oval. Die Blattspreite hat an beiden Rändern fünf bis sieben scharfe Zähne und einen zugespitzten Vegetationskegel (Apex). Die Mittelrippe tritt an der Blattunterseite deutlich hervor, die Seitennerven erster Ordnung führen meist zu den Zähnen des Blattrandes. Die Blattoberseite ist hellgrün, die Blattunterseite weißlich und dicht behaart. Bei jungen Bäumen fehlt die Behaarung. Die Blattstiele werden 6 bis 18 Millimeter lang und sind ebenfalls behaart. Am Grund des Blattstiels stehen zwei schmal lanzettliche, fünf Millimeter lange und leuchtend rote Nebenblätter, die im ersten Jahr abfallen. Die neuen Blätter erscheinen in den Monaten April und Mai, in denen auch ältere Blätter abgestoßen werden. Sie bleiben meist zwei bis drei Jahre am Baum, seltener nur ein Jahr, letzteres besonders bei strengen Umweltbedingungen und an der Nordgrenze des Verbreitungsgebiets. Extrem kalte Winter können auch zur völligen Entlaubung führen.
Blütenstand und Blüte Die Korkeiche ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), es treten sowohl weibliche als auch männliche Blüten an einem Exemplar auf. Die weiblichen Blüten bilden aufrechte Blütenstände in den Blattachseln junger Zweige. Diese werden aus einer 5 bis 30 Millimeter langen, behaarten Achse mit zwei bis fünf getrennten Blüten gebildet. Die weiblichen Blüten enthalten eine kleine, behaarte, vier- bis sechs-zipfelige Blütenhülle und drei bis vier Griffeln. Die männlichen Blütenkätzchen entstehen ebenfalls an den Blattachseln junger Zweige. Sie sind zu Beginn leuchtend rot und stehen aufrecht, ältere Kätzchen sind gelb und hängend, vier bis sieben Zentimeter lang und haben eine weißlich behaarte Achse. Die Einzelblüten sind ungestielt und haben eine außen dicht behaarte Blütenhülle, die beim Öffnen rot gefärbt ist. Die vier bis sechs Staubblätter sind weißlich mit gelben, eiförmigen Staubbeuteln. Sie sind länger als die Hüllblätter.
Fruchtstand, Frucht und Samen Die Fruchtstände werden 0,5 bis 4 Zentimeter lang und tragen zwei bis acht Eicheln. Die Früchte werden etwa zur Hälfte durch den Fruchtbecher (Cupula) eingeschlossen, die Fruchtbecher haben Durchmesser von 2 bis 2,5 Zentimeter. Die oberen Schuppen der Cupula sind grau und behaart, bei der Unterart Quercus suber occidentalis liegen die Schuppen eng beieinander oder sind verwachsen. Die Größe der Eicheln variiert zwischen Längen von 2 bis 4,5 Zentimeter und Durchmessern von 1 bis 1,8 Zentimeter. Das Fruchtgehäuse (Perikarp) ist kahl, glatt und glänzend bräunlich rot. Das Hilum (die Ansatzstelle des Samens) ist konvex und hat einen Durchmesser von sechs bis acht Millimeter.
Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.
Verbreitung und Standortansprüche mini|Natürliches Verbreitungsgebiet der KorkeicheHouston Durrant, T., de Rigo, D., Caudullo, G., 2016. Quercus suber in Europe: distribution, habitat, usage and threats. In: San-Miguel-Ayanz, J., de Rigo, D., Caudullo, G., Houston Durrant, T., Mauri, A. (Eds.), (Atlas of Forest Tree Species, abgerufen am 27. Februar 2023). Publication Office of European Union, Luxembourg.
mini|Korkeiche mit frisch geschälter Borke in Portugal Das Verbreitungsgebiet der Korkeiche ist der Raum um das westliche Mittelmeerbecken. In Portugal bedecken natürliche und angepflanzte Bestände ein Gebiet von 750.000 Hektar. Natürliche Bestände der Nominatform gibt es in Höhenlagen zwischen 150 und 300 Meter über dem Meeresniveau, die Unterart occidentalis findet man entlang der atlantischen Küste. In Spanien bleiben die Vorkommen meist unter einer Höhe von 600 Metern, erreichen aber selten auch Höhen von 1200 Metern. In Zentralspanien sind Korkeichen selten. In Italien findet man natürliche Vorkommen entlang des Tyrrhenischen Meeres und im östlichen Apulien an der Adria. Ebenfalls an der Adria gibt es die Korkeiche an der dalmatinischen Küste. Auf Sardinien ist sie einer der häufigsten Waldbäume. Natürliche und vom Menschen geschaffene Vorkommen existieren in Afrika an der Mittelmeerküste von Tunesien, Algerien und Marokko und in Höhenlagen bis 1000 Meter, am Hohen Atlas bis 2000 Meter. Außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets wird die Korkeiche auf der Krim, im Kaukasus, in Indien und im Südwesten der USA kultiviert. Die Unterart Quercus suber occidentalis gedeiht auch in milden Gegenden Englands.
Die Art ist sehr lichtbedürftig und kann in dichten Beständen nicht überleben. Sie ist wärmeliebend, wächst bei Jahresmitteltemperaturen von 13 bis 17 °C und erträgt Maximaltemperaturen bis 40 °C. Im Verbreitungsgebiet fällt die Temperatur nur selten unter den Gefrierpunkt, es werden aber Temperaturen bis zu −5 °C ohne Schäden und bis −10 °C ohne große Schäden ertragen. Die Korkeiche ist in Mitteleuropa nicht winterhart. Sie erträgt Dürre und überdauert sommerliche Trockenperioden durch die Reduzierung des Stoffwechsels. Eine jährliche Niederschlagsmenge von 500 bis 700 Millimeter gilt als optimal, an kühleren Standorten können bei ausreichender Luftfeuchte 400 bis 450 Millimeter ausreichen. Korkeichen stellen geringe Bodenansprüche und wachsen auch auf mageren, trockenen oder felsigen Standorten. Sie gedeihen kaum auf kalkhaltigen Böden, man findet sie jedoch häufig auf kristallinen Schiefern, auf Gneis, Granit und Sanden. Der Säuregrad des Bodens sollte zwischen pH-Werten von 4,5 und 7 liegen.Schütt et al.: Enzyklopädie der Laubbäume. S. 504.
Die Korkeiche gilt als Pyrophyt, da sie mit ihrer dicken Borke ausgezeichnet vor Feuer geschützt ist.Hermann Remmert: Ökologie. Ein Lehrbuch. 5. Auflage. Berlin Heidelberg 1992, ISBN 3-540-54732-0. S. 64.
Ökologie mini|Der Pardelluchs, ein Bewohner der Korkeichenwälder Spaniens mini|Der Kaiserling, ein Symbiosepartner der Korkeiche mini|Raupe des Schwammspinners In natürlichen Populationen wächst die Korkeiche gemeinsam mit der Steineiche (Quercus ilex), der Flaumeiche (Quercus pubescens), der See-Kiefer (Pinus pinaster), der Pinie (Pinus pinea), dem Westlichen Erdbeerbaum (Arbutus unedo) und dem Olivenbaum (Olea europaea), in kühleren Lagen auch mit der Edelkastanie (Castanea sativa). Neben diesen Baumarten kommen als strauchbildende Arten die Kermes-Eiche (Quercus coccifera), der Stechpalmen-Kreuzdorn (Rhamnus alaternus), Arten der Gattung Phillyrea, die Myrte (Myrtus communis), die Heide-Art (Erica scoparia), die Raue Stechwinde (Smilax aspera) und die Montpellier-Zistrose (Cistus monspeliensis) häufig gemeinsam mit der Korkeiche vor. Korkeichenwälder bilden die Heimat mehrerer seltener Arten, so auf der Iberischen Halbinsel für den vom Aussterben bedrohten Pardelluchs (Lynx pardinus) und den gefährdeten Iberienadler (Aquila adalberti), außerdem überwintert hier ein Großteil der europäischen Kranichpopulation. In den Korkeichenwäldern Tunesiens lebt der Berberhirsch (Cervus elaphus subsp. barbarus).
Symbiose Die Korkeiche geht mit mehreren Pilzarten eine Mykorrhiza-Symbiose ein. Dabei ist das Feinwurzelsystem der Eiche in engem Kontakt mit dem Myzel des Pilzes. Die Eiche erhält vom Pilz Wasser und Nährsalze im Tausch für Produkte der Photosynthese. Eine solche Symbiose existiert unter anderem mit folgenden Arten:Schütt et al.: Enzyklopädie der Laubbäume. S. 502.
Kaiserling (Amanita caesarea) Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) Pantherpilz (Amanita pantherina) Amanita gilberti Herrenpilz (Boletus edulis) Scharfer Zinnober-Täubling (Russula rubra)
Krankheiten und Fraßfeinde Mehrere Schmetterlingsarten schädigen die Korkeiche, der bedeutendste ist der Schwammspinner (Lymantria dispar). Die Art legt ihre Eier in die Rinde der Äste und Stämme, die im Frühjahr schlüpfenden Raupen verteilen sich in der Krone und fressen sie kahl. Als biologisches Pflanzenschutzmittel gegen den Schwammspinner wird die Bakterienart Bacillus thuringiensis eingesetzt. Ein weiterer Schädling ist der Eichenwickler (Tortrix viridana), dessen Raupen Blüten und junge Blätter anfressen und diese mit Gespinstfäden zu typischen Wickeln zusammenrollen. Schäden an den Blättern richtet auch der Ringelspinner (Malacosoma neustria) an, der seine Eier in mehrreihigen Ringen an der Rinde dünner Zweige anklebt, und ebenfalls der Goldafter (Euproctis chrysorrhoea), dessen Raupen die Blätter skelettieren und nach Überwinterung im Frühjahr den Baum weiter schädigen. Ein spezieller Korkschädling ist der Prachtkäfer Coraebus undatus, der seine Eier in das Korkgewebe legt. Eine ebenfalls schädliche Käferart ist der Große Eichenbock (Cerambyx cerdo), dessen Larven lange Gänge in das Eichenholz fressen.
Ungünstige Klimaverhältnisse und Pilzbefall werden für die Schwächung von Bäumen und für Kronenschäden verantwortlich gemacht. Solche pilzlichen Schwächeparasiten sind Diploida mutila, Hypoxylon mediterraneum, Endothiella gyrosa und Vertreter der Schimmelpilz-Gattung Fusarium. Dürre und der Befall durch Parasiten gelten auch als Ursache für das Schwächesyndrom in Teilen Spaniens und Portugals.Schütt et al.: Enzyklopädie der Laubbäume. S. 504–505.