Hartmannsdorf bei Kirchberg (früher auch: Hartmannsdorf bei Saupersdorf) ist eine Gemeinde im südlichen Teil des westsächsischen Landkreises Zwickau. Sie gehört seit 1999 zur Verwaltungsgemeinschaft Kirchberg.

Geographie Geographische Lage Hartmannsdorf liegt im Naturraum Westerzgebirge im Tal des Rödelbachs zwischen Kirchberger Granitgebiet und Hartmannsdorfer Forst. Der Hirschenstein im Hartmannsdorfer Forst ist mit 610,4 m die höchste Erhebung der Gemeinde und des Landkreises Zwickau. Am Südostrand der Hartmannsdorfer Ortsflur, welche in diesem Bereich gleichzeitig die Grenze des Landkreises Zwickau zum Erzgebirgskreis bildet, befindet sich der Filzteich, welcher wie das daneben befindliche KiEZ "Am Filzteich"Webseite des KiEZ "Am Filzteich" teilweise in der Gemarkung Hartmannsdorf liegt.

Schneeberg liegt 6 km östlich, Zwickau 17 km nördlich und Reichenbach 18 km westlich.

Nachbargemeinden und -orte

Gemeindegliederung Der Ortsteil Hartmannsdorf befindet sich im Tal des Rödelbachs am Westrand des Hartmannsdorfer Forstes, in dem lange Zeit Torf gestochen wurde. An der Straße in den Torfstich des Hochmoores Jahnsgrün befinden sich zwei Häuser, die zur ehemals größeren Siedlung Jahnsgrün gehören. Der Ortsteil Giegengrün liegt weiter westlich im Tal des Giegengrüner Bachs.

Eingemeindungen 1996 wurde Giegengrün eingemeindet.

Geschichte mini|links|Kirche in Hartmannsdorf um 1840 mini|Gemeindeamt Hartmannsdorf bei Kirchberg

Hartmannsdorf wurde 1316 erstmals urkundlich erwähnt. Die Besiedelung der Region begann im Rahmen des aufblühenden Bergbaus im Hohen Forst.

Um 1318 wird Kirchberg selbständige Kirchgemeinde, wozu von Beginn an auch die Hartmannsdorfer Feldkapelle gehört.

Hartmannsdorf gehörte 1606 zum Amt Zwickau und ab 1764 zum Amt Wiesenburg, das 1843 in „Amt Kirchberg“ umbenannt wurde. 1836 berichtete das Neue alphabetische Orts-Verzeichnis des Königreichs Sachsen über Hartmannsdorf, in 138 Wohngebäuden lebten 1024 Einwohner.Neues alphabetisches Orts-Verzeichnis des Königreichs Sachsen. Nach officiellen Nachrichten zusammengestellt von Central-Comité des statistischen Vereins für das Königreich Sachsen. Mit allergnädigst ertheiltem Privilegio. Verlag der Waltherschen Hofbuchhandlung. Erste Abtheilung A.–L. Dresden 1836, S. 104 Digitalisat, abgerufen am 18. Februar 2015 Durch das Forstamt zur Verwaltung des herrschaftlichen Wiesenburger Waldes, hatte der Ort eine Sonderstellung in der Herrschaft Wiesenburg. 1856 kam der Ort zum Gerichtsamt Kirchberg und gehörte seit 1875 zur Amtshauptmannschaft Zwickau, deren Nachfolger der Landkreis Zwickau war. Zur Unterscheidung von Hartmannsdorf bei Werdau hieß der Ort damals Hartmannsdorf bei Saupersdorf. Im Jahr 1996 kam der bis dahin zu Leutersbach gehörende Ort Giegengrün zu Hartmannsdorf. Hartmannsdorf ist Geburtsort von Christoph Graupner.

Religionsgemeinschaften Zur evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Hartmannsdorf gehören die Orte Hartmannsdorf mit Jahnsgrün und Giegengrün. Schwesterkirche ist die Gemeinde in Bärenwalde. Weiterhin gibt es im Ort eine Gemeinde der Landeskirchlichen Gemeinschaft und der evangelisch-methodistischen Kirche.

Politik Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 11 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: CDU: 10 Sitze AfD: 1 Sitz (ein Sitz bleibt mangels Kandidaten unbesetzt) +letzte GemeinderatswahlenVorschlag202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU1082,91188,11186,1AfD117,1––––Linke––111,9113,9Wahlbeteiligung76,5 %69,1 %59,7 %

Bürgermeister Bürgermeisterin war von 1990 bis November 2007 die Landtagsabgeordnete Kerstin Nicolaus (CDU). Nach einer Verurteilung wegen Betrugs erfolgte ihre Suspendierung seitens des Regierungspräsidiums Chemnitz. Bei den Kommunalwahlen im Juni 2008 wurde Nicolaus, die sich offiziell nicht wieder um das Amt beworben hatte, mit mehr als 70 % der Stimmen erneut zur Bürgermeisterin gewählt.Statistisches Landesamt Auch im Jahr 2015 wurde sie nach Ablauf der Amtsperiode wiedergewählt.Statistisches Landesamt Im Juni 2021 gab Kerstin Nicolaus bekannt, dass sie ihr Amt nach 31 Jahren zur Verfügung stellen wolle.Freie Presse Am 26. September 2021 wurde Christfried Nicolaus (CDU) mit 95,8 % der Stimmen zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Hartmannsdorf gewählt.Landeswahlleiter +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2021Christfried NicolausCDU95,82015Kerstin NicolausCDU97,32008Einzelvorschlag70,52001CDU99,2199490,7

Gedenkstätten Auf dem Ortsfriedhof befinden sich die Grabstätte und ein Gedenkstein für die NS-Gegner Ernst Georg Enderlein und Max Emil Haufe, die im März 1933 von SA-Männern überfallen, misshandelt und erschlagen wurden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kirche mini|Kirche in Hartmannsdorf Die evangelische Pfarrkirche von Hartmannsdorf wurde früher mit dem Zusatz „zu Johannis Enthauptung“ bezeichnet. Dieser Zusatz ist heute ungebräuchlich, mit ihm sollte ausgedrückt werden, dass sie Johannes dem Täufer geweiht ist.

Zur Entstehungszeit der ersten Kirche gibt es verschiedenen Angaben: Sie wird verschiedentlich als im 15. oder 16. Jahrhundert entstanden beschrieben. In Dehios Kunstführer heißt es im Band Sachsen II, die Saalkirche bestehe vermutlich seit Mitte des 13. Jahrhunderts.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, bearbeitet von Barbara Becker, Wiebke Fastenrath, Heinrich Magirius u. a., München 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 388 Als gesichert kann dies gelten: Die erste Kirche war schon im Jahr 1529 vorhanden. Bei der ersten Kirchenvisitation in Sachsen nach Beginn der Reformation im Januar/Februar des Jahres 1529 wurde festgestellt, dass Hartmannsdorf zwar noch keinen eigenen Pfarrer hatte und kirchlich zu Kirchberg gehörte, aber bereits eine Kirche gebaut war.Karl August Hugo Burkhardt: Geschichte der sächsischen Kirchen- und Schulvisitatitionen von 1524 bis 1529, Neudruck der Ausgabe Leipzig 1879, Scientia-Verlag, Aalen 1981, S. 24f.

Der ältere Teil der Kirche ist im spätgotischen Stil entstanden. Im Altar aus dem Jahr 1969 sind alte Plastiken untergebracht, nämlich Altarfiguren von Peter Breuer. Sie werden auf 1511/1512 datiert: in der Predella die Geburt Christi, im Schrein eine Mondsichelmadonna mit heiliger Barbara und heiliger Margareta und in den Flügeln Anna Selbdritt und Katharina.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, bearbeitet von Barbara Becker, Wiebke Fastenrath, Heinrich Magirius u. a., München 1998, Seite 389 Dehio schreibt die Wandmalereien auf der Nordseite der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu. Der dachhohe Anbau nach Süden entstand 1750. Er vergrößerte den Kirchenraum und veränderte insbesondere die Südseite deutlich, war aber wegen der gewachsenen Bevölkerungszahl notwendig geworden. Die Kirche hat keinen Turm. Der Dachreiter mit Haube und Laterne ist aber turmartig gestaltet und sehr prägnant.

Wegen notwendiger Bauarbeiten war die Kirche für eine längere Zeit nicht nutzbar. Kirchliche Veranstaltungen fanden in der Bärenwalder Kirche statt. Notsicherung, Dekontamination und Voruntersuchungen für die Sanierungs- und Bauarbeiten waren 2018 abgeschlossen. Hierfür wurden um 92.000 Euro aufgewendet., abgerufen am 20. März 2018 Wesentlicher Grund für die Sperrung der Kirche war ein Befall mit Hausschwamm. Schon Weihnachten 2017 konnte kein Gottesdienst mehr in der Kirche abgehalten werden.Bericht von TV Westsachsen vom 28. Dezember 2017 bei Youtube, abgerufen am 20. März 2018 Eine Grundsanierung der Kirche wurde 2020 abgeschlossen.Irmela Henning: Warum in Stützengrün ein Altar im Geheimen restauriert wird, Bericht über die Restaurierung der Altarfiguren der Hartmannsdorfer Kirche, in: Freie Presse – Regionalausgabe Aue –, vom 21. März 2019, S. 9 Seitdem kann die Kirche wieder genutzt werden. Über die Geschichte der Kirche entstand 2021 eine Chronik.Bericht auf der Website Kirche-Baerenwalde-Hartmannsdorf.de, Abruf am 3. Dezember 2025

Naturdenkmäler Im Hartmannsdorfer Forst konnten sich viele Tier- und Pflanzenarten in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Das Hochmoor Jahnsgrün stellt eine Besonderheit aufgrund seiner geographischen Lage in den niedrigeren Lagen des Westerzgebirges dar. Vergleichbare Hochmoore finden sich im Erzgebirge nur in den Kammlagen. Das Gebiet um das Hochmoor steht seit 1995 unter Naturschutz und wurde 2010 in das Naturschutzgebiet „Heide und Moorwald am Filzteich“ integriert, welches auch das Quellgebiet des Filzbachs und die Hartmannsdorfer Seite des Filzteichs umfasst.

Sport und Freizeit mini|Freibad in Hartmannsdorf mini|Floriansdorf im KiEZ „Am Filzteich“ (Hartmannsdorf bei Kirchberg) In Hartmannsdorf gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und sportlichen Betätigung. Der Hartmannsdorfer Forst ist ein mit Wander- und Radwegen erschlossenes Naherholungsgebiet, in dem einmal jährlich der Nordic Walking Volkslauf stattfindet. In der Ortsmitte befindet sich ein Sport- und Freizeitzentrum, zu welchem ein Kunstrasenplatz mit Sozialgebäude und Fitnessstudio sowie einem Bolzplatz gehören. Diese werden durch den FV Blau-Weiß Hartmannsdorf e. V. betrieben.Website des FV Blau-Weiß Hartmannsdorf e. V., abgerufen am 19. September 2018 Sie liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zum 1972 errichteten Hartmannsdorfer Freibad, dass 1994 sowie 2017 umfassend saniert und modernisiert wurde., abgerufen am 19. September 2018 Am nördlichen Ortseingang befindet sich eine Turnhalle, die vom Sportverein und der Grundschule genutzt wird.

Neben dem Strandbad Filzteich in Schneeberg wurde während der DDR-Zeit das Pionierlager „Wilhelm Pieck“ errichtet, das heute als Kinder- und Jugenderholungszentrum KiEZ „Am Filzteich“ betrieben wird und teilweise in der Flur der Gemeinde Hartmannsdorf liegt.Website des KiEZ „Am Filzteich“ Im Hartmannsdorfer Teil wurde am 13. Oktober 2020 ein Floriansdorf eröffnet.

Hartmannsdorf hat ein vielfältiges Vereinsleben: FV Blau-Weiß Hartmannsdorf e. V. (Sport)https://www.blau-weiss-hartmannsdorf.de/ Feuerwehrverein e. V. FireAbend e. V. (Veranstaltungen im ehemaligen Bahnhof Oberhartmannsdorf, Kinderklamottenbasar) Heimatfreunde Hartmannsdorf e. V. (Traditionspflege) DRK-Ortsverein Hartmannsdorf Rassegeflügelverein Hartmannsdorf e. V. Volkschor „Liederkranz“ e. V. (gegründet 1864) EC Jugendbund Hartmannsdorf (Evangelischer Jugendbund) Ländlicher Reit- und Fahrverein „Am Sonnenberg“ e. V. (Jahnsgrün, Reiterhof Weiser)https://stephan-weiser.jimdofree.com/reit-und-fahrverein/ Erzgebirgischer Kulturverein „Glück auf! Hartmannsdorf“ e. V.https://glueckauf-hartmannsdorf.de/

Montanregion Erzgebirge Die Bergbaulandschaft Hoher Forst und der Filzteich im Hartmannsdorfer Forst sind Bestandteile der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, die seit 2019 zum UNESCO-Welterbe gehört.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Hunt vor der ehemaligen Hammerschänke