mini|Roland Béguelin (1980) Roland Béguelin (* 12. November 1921 in Tramelan-Dessus; † 13. September 1993 in Delémont) war ein Schweizer Dichter, Schriftsteller, Journalist, Herausgeber und Politiker (SP). Als Mitbegründer des Mouvement séparatiste jurassien im Jahr 1947, Generalsekretär der Nachfolgeorganisation Rassemblement jurassien von 1953 bis 1991 und Chefredaktor der Wochenzeitung Le Jura libre gehörte er zu den Hauptakteuren der Separatisten in der Jurafrage. Jahrzehntelang setzte er sich mit grossem Einsatz für die Loslösung der französischsprachigen Region Jura vom Kanton Bern ein. Dieses Ziel konnte er jedoch nur zum Teil erreichen, da in den Juraplebisziten der Jahre 1974 und 1975 schliesslich nur die drei Bezirke Delémont, Franches-Montagnes und Porrentruy im Norden des Gebiets sich für die Zugehörigkeit zum neuen Kanton Jura aussprachen. Béguelin war daraufhin Vizepräsident der verfassunggebenden Versammlung und prägte wesentlich die Kantonsverfassung, die 1979 in Kraft trat. Danach war er bis 1990 Abgeordneter des jurassischen Parlaments.

Biografie

Studium und Beruf Roland Béguelin war der einzige Sohn des Uhrmachers Léon Béguelin und der Sekretärin Denise Jobin. Von 1927 bis 1937 absolvierte er seine Schulausbildung an der Primar- und Sekundarschule in Tramelan. Während seines Militärdienstes war er Buchhalter des Feldarmeekorps 1. Er setzte seine Ausbildung an der Handelsschule in Saint-Imier fort, wo er 1941 ein Handelsdiplom erhielt. 1942 schloss er die Handelshochschule in Neuchâtel mit der Matura ab. Anschliessend studierte er bis 1945 an der Universität Neuchâtel und machte dort sein Lizenziat in Wirtschaftswissenschaften.

Ebenfalls ab 1945 war er als Gemeindeschreiber von Tramelan-Dessus tätig, ebenso trat er den Sozialdemokraten bei. Nachdem die Gemeindebehörden der benachbarten, überwiegend von Mennoniten bewohnten Gemeinde Mont-Tramelan das Deutsche als Amtssprache einführen wollten, gab es Überlegungen, dies auch in Tramelan-Dessus zu tun. Béguelin protestierte und prangerte einen Versuch der Germanisierung des Jura an. Er begann seinen politischen Kampf mit der Veröffentlichung des Textes Comment on germanise le Jura («Wie man den Jura germanisiert)». Seine ersten journalistischen Schritte machte er in verschiedenen Zeitschriften, darunter Journal du Jura, Le Démocrate und Curieux. In einem Artikel der SP-Zeitung Le Progrès schrieb er, dass die Gemeindebehörden des Berner Jura von Kandidaten mit Deutschschweizer Namen «zu reinigen seien»; ihm wurde deswegen später noch lange Hass auf Deutschschweizer vorgeworfen.

Béguelin hegte eine Leidenschaft für Lyrik und Prosa. Er nahm 1946 Kontakt zu Laurent Boillat und Roland Stähli auf, um die sechs Jahre zuvor eingestellte Zeitschrift Revue Transjurane wieder ins Leben zu rufen. Diese veröffentlichte Gedichte, Essays und Romane lokaler Autoren. Sie legte Wert auf eine avantgardistische Literatur, die sich an eine intellektuelle Elite richtete. Finanzielle Probleme und Auseinandersetzungen mit Stähli, der in der Jurafrage eine entgegengesetzte Haltung einnahm, führten 1950 zur Einstellung. Béguelin engagierte sich in zahlreichen literarischen und kulturellen Vereinigungen, unter anderem war er Vizepräsident der Sektion Delémont der Société jurassienne d’émulation.

Einsatz für den Kanton Jura Im Zuge der Moeckli-Affäre gründeten Roland Béguelin, Daniel Charpilloz und Roger Schaffter am 30. November 1947 in Moutier die jurassische Separatistenbewegung Mouvement séparatiste jurassien (MSJ). Sie setzte sich die Unabhängigkeit des französischsprachigen Teils des Juras vom Kanton Bern und die Schaffung eines neuen Kantons innerhalb der Eidgenossenschaft zum Ziel. Béguelin und Schaffter gründeten am 6. Februar 1948 in Moutier zusammen mit Roger Chatelain den genossenschaftlich organisierten Verlag Le Jura libre, der die gleichnamige Propagandazeitung herausgab. Béguelin war ab dem 22. September 1950 deren Chefredaktor. Obwohl der Kanton Bern in den frühen 1950er Jahren Französisch als Amtssprache der jurassischen Bezirke, die Existenz eines «jurassischen Volkes» und die Garantie von zwei Sitzen in der Kantonsregierung anerkannte, hielt der MSJ diese Reformen für unzureichend. Béguelin konnte durchsetzen, dass der MSJ sich am 9. September 1951 in Rassemblement jurassien (RJ) umbenannte, um zu zeigen, dass es sich um eine unpolitische und nichtreligiöse Vereinigung handelt. Anfang 1952 zog Béguelin nach Delémont um und war am 1. Februar Direktor und Eigentümer der Boéchat S.A. Diese Druckerei, die bereits seit 1948 für den Druck von Le Jura libre zuständig gewesen war, nutzte er für den Druck seiner übrigen Publikationen. Seine Ideen verbreitete er insbesondere im Buch Le réveil du peuple jurassien.

Ab dem 19. April 1953 war Béguelin Generalsekretär des Rassemblement jurassien. Von nun an nutzte er sein Amt, um seine Positionen gegen die Berner Kantonsregierung effektiver zu verbreiten. Am 1. September 1957 beschloss das Rassemblement jurassien auf seine Anregung hin die Lancierung der kantonalen Volksinitiative «im Hinblick auf die Organisation einer Volksbefragung im Jura über das Problem der Autonomie». Die Initiative kam am 5. Juli 1959 zur kantonalen Volksabstimmung. Im gesamten Kanton Bern betrug der Anteil der Ja-Stimmen bei tiefer Stimmbeteiligung lediglich 11 %. In den jurassischen Bezirken betrug der Anteil der Ja-Stimmen immerhin 48 %. Trotz der Niederlage gab Béguelin nicht auf. Im Gegenteil, er steigerte seinen Kampfgeist und sah sich selbst als den grossen Reformer der separatistischen Bewegung. Gemeinsam mit anderen Führungspersönlichkeiten des Rassemblement jurassien führte er eine Umstrukturierung durch. Sie beschlossen, mehr Demonstrationen und Aktionen zu organisieren und setzten entschieden auf die Jugend.

Béguelin engagierte sich auch in Vereinigungen, die sich für die Pflege der französischen Sprache einsetzten. Zusammen mit Schaffter gründete er 1958 die Éditions de la Bibliothèque jurassienne, deren Ziel die Verbreitung der jurassischen Kultur und Geschichte war. Im Jahr darauf gründete er die Vereinigung Mouvement romand. 1960 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Groupe romand, die ab 1962 in der Association européenne de l’ethnie française vertreten war. Sein Engagement sowie seine separatistischen und pro-frankophonen Positionen waren dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei des Kantons Bern unangenehm. Am 15. Februar 1961 beschloss er den Parteiausschluss Béguelins, der im Januar 1962 wirksam werden sollte. Doch die SP-Sektion Delémont setzte den Beschluss nie um.

Um das Jura-Problem im Rest des Landes bekannt zu machen, forcierte Béguelin am 9. Dezember 1961 die Gründung der Association suisse des Amis du Jura Libre («Schweizer Vereinigung der Freunde des freien Jura»). Diese umfasste nichtjurassische Mitglieder vor allem aus der Genferseeregion und hatte zum Ziel, Honoratioren und Intellektuelle der Romandie durch Vorträge und Aufrufe für die Jurafrage zu sensibilisieren. Durch seine Publikationen wie Le Jura des Jurassiens («Der Jura den Jurassiern»), Comment résoudre la Question jurassienne («Wie kann die Jurafrage gelöst werden») oder Berne à l’heure du choix («Bern in der Stunde der Entscheidung») verbreitete er das Thema über die Landesgrenzen hinaus. Er veröffentlichte auch Gedichte, die ihn in Frankreich bekannt machten. 1963 erhielt er den Prix des Amitiés latines, 1965 die französische Medaille für Kunst, Wissenschaft und Literatur und 1967 die Medaille des französischen Kulturverdienstes. Zwischen 1965 und 1970 veröffentlichte er acht weitere Werke. 1971 gründete er zusammen mit Pierre Fosson und Marcel Thiry in Genf die «Konferenz der französischsprachigen ethnischen Gemeinschaften», deren Generalsekretär er ab Dezember 1971 war.

Unter dem Druck von Separatisten, Antiseparatisten und dem Bund sah sich die Kantonsregierung 1969 gezwungen, dem Grossen Rat eine Verfassungsbestimmung zu unterbreiten, welche die Durchführung eines Plebiszits im Jura ermöglichte. Béguelin hatte jedoch kein Vertrauen in den Kanton Bern und liess über das Rassemblement jurassien verlauten, dass er das Plebiszit ablehne. Seiner Meinung nach sollte es vom Bund organisiert werden und nicht von «der dominanten Macht, von der man sich trennen können sollte». Er war der Ansicht, dass die Ergebnisse nicht zugunsten der Separatisten ausfallen würden. Zudem befürchtete er, dass es zu einer Teilung des jurassischen Gebiets kommen könnte, da die Antiseparatisten im Süden die Mehrheit stellten. Das Rassemblement jurassien änderte jedoch seine Meinung und stimmte dem Verfassungszusatz in der von der Kantonsregierung vorgelegten Form zu. Dieser Meinungsumschwung ist darauf zurückzuführen, dass das Plebiszit den Jurassiern eine nicht zu verpassende Chance bot, ihr Selbstbestimmungsrecht zu nutzen, auch wenn sie dabei einen Teil des historischen Territoriums verlieren würden.

Der Verfassungszusatz wurde in der kantonalen Volksabstimmung vom 1. März 1970 angenommen. Er legte die Modalitäten eines Selbstbestimmungsverfahrens im Jura fest, das aus drei Stufen von «Kaskadenabstimmungen» bestand, die als Juraplebiszite bezeichnet wurden. Beim ersten Plebiszit am 23. Juni 1974 fiel das Ergebnis zugunsten der Schaffung eines neuen Kantons aus. Die projurassische Bevölkerung versammelte sich um 20 Uhr auf dem Platz vor dem Rathaus in Delsberg, wo Germain Donzé, Roland Béguelin, Roger Schaffter und François Lachat auf dem Balkon die Ergebnisse verkündeten.

Bei den Plebisziten am 16. März und 14. September 1975 entschieden sich die vier Bezirke Moutier, Courtelary, La Neuveville und Laufen jedoch dafür, beim Kanton Bern zu bleiben. So stand fest, dass der neue Kanton nur aus den Bezirken Delémont, Franches-Montagnes und Porrentruy im Norden bestehen würde. Es trat somit ein, was Béguelin befürchtet hatte: die Teilung des Jura. Die grundsätzliche Zustimmung zur Gründung des neuen Kantons Jura war für ihn nur ein Teilsieg, und er war der Meinung, dass der Kampf weitergehen müsse, um «die verlorenen Bezirke zurückzugewinnen».

Politische Tätigkeiten mini|Links Roland Béguelin bei der Zeremonie der Annahme der Verfassung des Kantons Jura in Saint-Ursanne (3. Februar 1977) Nach dem positiven Ergebnis für die Gründung des Kantons Jura erarbeitete eine verfassungsgebende Versammlung die neue Kantonsverfassung. Eine der grössten Befürchtungen Béguelins war, dass sich die künftigen Verfassungsgeber vom Bundesrat beeinflussen lassen und sich in das traditionelle politische System der Schweiz integrieren würden, was sie de facto ihre Forderungen nach Rückgewinnung der südlichen Bezirke vergessen lassen würde. Um dem entgegenzuwirken, rief er bei der Wahl der Verfassungsräte die Bevölkerung dazu auf, aktive und wichtige Mitglieder des Rassemblement jurassien zu wählen. Béguelin selbst war einer der am 21. März 1976 gewählten Kandidaten. Die Versammlung nahm am 13. April 1976 ihre Arbeit auf und er amtierte als ihr Vizepräsident. Bei der Ausarbeitung setzte das Rassemblement jurassien Artikel durch, in denen es hiess, dass der Kanton Jura seinen Kampf fortsetzen und alles daran setzen müsse, die südlichen Bezirke zurückzugewinnen. Béguelin schrieb die wichtigsten Grundsätze der Grundrechtecharta des neuen Kantons in die Verfassung. Sie wurde am 20. März 1977 in einer Volksabstimmung angenommen und die Arbeit der verfassungsgebenden Versammlung endete am 6. Dezember 1978.Molliet: Les événements qui ont modelé l’histoire jurassienne. S. 78–81.

Nachdem der Kanton Jura mit der eidgenössischen Volksabstimmung vom 24. September 1978 ihre Unabhängigkeit auf Bundesebene erlangt hatte, wurde Béguelin am 19. November desselben Jahres als Abgeordneter in das jurassische Parlament gewählt. Allgemein hatte man von ihm erwartet, dass er sich in die jurassische Regierung wählen lassen würden, doch aufgrund seiner «strikten Unparteilichkeit» verzichtete er auf diese Option.