mini|Dorfstraße in Lehrberg, mit der evangelisch-lutherischen Kirche St. Margaretha (Lehrberg)
Lehrberg (fränkisch: LährberchE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 121. Dort folgendermaßen transkribiert: „lǟrbęrch“.) ist ein Markt im mittelfränkischen Landkreis Ansbach und zählt zur Metropolregion Nürnberg.
Geografie Geografische Lage Lehrberg liegt im Naturpark Frankenhöhe an der Fränkischen Rezat.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat 26 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Einöden Buhlsmühle, Marienhöhe und Schmalenbacher Mühle sind keine amtlich benannten Gemeindeteile.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Brünst, Gräfenbuch, Heßbach, Lehrberg und Obersulzbach. Die Gemarkung Lehrberg hat eine Fläche von 19,829 km². Sie ist in 3549 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5587,34 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Buhlsbach, Dauersmühle, Fritzmühle, Hürbel am Rangen, Kohlmühle, Pulvermühle, Schmalenbach, Seemühle, Zailach und Ziegelhütte.
Nachbargemeinden
Geschichte Postkartenansicht von Lehrberg mit Blick auf die obere Hindenburgstraße (1914)|mini
Die ersten Siedler gab es etwa ab dem 6./7. Jahrhundert n. Chr. im breiten Rezat- und Zailachtal sowie auf den östlichen Hügeln an, die ihnen einen optimalen Standort boten.
Der Ort wurde in einer Urkunde, die im Zeitraum von 1057 bis 1075 entstand, als „Lerenburen“ erstmals erwähnt. Das Grundwort ist ahd. bûr (Haus), das Bestimmungswort lāre, leāre (leer, bar). Als Erklärung ergibt sich somit Bei den gering ausgestatteten Wohnungen.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 129. In den Jahren 1265, 1268, 1311, 1387 wurde der Ort als „Lerpur“ erwähnt, 1282, 1291, 1317, 1351, 1407 und ca. 1434 in der Form „Lerbawr, Lerpaur“, erst 1465 als „Lerperg“.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 121.
Im Jahr 1059 wurde die St.-Margarethen-Kirche erbaut als Kirche und Festung für die Einwohner. Die darauf folgenden Jahrhunderte standen im Zeichen des Wohlstandes, der sich darauf begründete, dass die Kirche mit ihren zahlreichen Reliquien ein Wallfahrtsort war. Der Dreißigjährige Krieg und die Pest trafen Lehrberg schwer.
Im 16-Punkte-Bericht des Oberamtes Ansbach von 1684 wurden für Lehrberg 82 Mannschaften verzeichnet: 45 Anwesen unterstanden dem Hofkastenamt Ansbach, 36 Anwesen dem Hochstift Eichstätt und 1 Anwesen dem Rittergut Trautskirchen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Salbuch 129. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 686 f.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Lehrberg mit Ziegelhütte, Fritz-, Kohl-, Pulver- und Seemühle eine Realgemeinde bestehend aus 110 Anwesen. Das Hochgericht übte das Hofkastenamt Ansbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatten das eichstättische und das ansbachische Vogtamt Lehrberg gemeinsam inne. Grundherren waren das Fürstentum Ansbach Hofkastenamt Ansbach (51 Anwesen: 1 Hof und Wirtschaft, 4 Güter mit Backrecht, 22 Gütlein, 5 Halbgütlein, 2 Mühlen, 2 Tafernwirtschaften, 1 Bräuhaus, 1 Haus mit Wirts- und Brandweinrecht, 15 Leerhäuser, 1 Leerhaus mit Backrecht, 1 Leerhaus mit Badrecht, 1 Schmiede, 1 Halbhaus als Synagoge, 2 Halbhäuser) Vogtamt Birkenfels: 1 Schlossgut, 1 Ziegelhütte das Hochstift Eichstätt (Propsteiamt Herrieden, 37 Anwesen: 12 Halbhöfe, 1 Halbhof und Tafernwirtschaft, 1 Tafernwirtschaft, 8 Viertelhöfe, 3 Gütlein, 2 Mühlen, 1 Schmiedgut, 8 Leerhäuser, 1 Leerhaus mit Back- und Brandweinrecht) das Rittergut Rügland der Herren von Crailsheim (1 Tafernwirtschaft, 1 Mühle) die Pfarrei-Pfründe Lehrberg (1 Wirtschaft, 1 Gut, 1 Gütlein, 1 Haus) die Kaplanei Lehrberg (1 Wirtschaft mit Braustatt, 1 Kaplaneihaus, 1 Backhaus, 2 Häuser) die Gemeinde Lehrberg (8 Gemeindeleerhäuser). Neben diesen Anwesen gab es noch kirchliche (Kirche, Pfarrhof, Kappelplatz mit Turm), kommunale (Schulhaus, Hirtenhaus, oberes und unteres Brechhaus) und herrschaftliche Gebäude (1 eichstättisches Amtshaus, 1 eichstättisches Amtsknechthaus, 1 ansbachisches Amtsknechthaus).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 898 f. Es gab zu dieser Zeit 115 Untertansfamilien, von denen 77 ansbachisch waren.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 3, Sp. 313. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Ansbach.
1806 kam Lehrberg an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Lehrberg gebildet, zu dem Buhlsbach, Buhlsmühle, Dauersmühle, Fritzmühle, Kohlmühle, Pulvermühle, Seemühle und Ziegelhütte gehörten. Die Ruralgemeinde Lehrberg entstand 1811 und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–1817. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 961. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt). Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurden Hürbel am Rangen, Schmalenbach und Schmalenbacher Mühle von Neuses bei Ansbach nach Lehrberg umgemeindet. Am 13. September 1827 wurde Zailach von Gräfenbuch nach Lehrberg umgemeindet.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 949. Am 16. August 1840 erfolgte die Bildung der Ruralgemeinde Zailach mit Hürbel am Rangen, Schmalenbach und Schmalnbachermühle, das sich damit wieder von der Gemeinde Lehrberg loslöste.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 949.K. Rosenhauer: Der Landkreis Ansbach, S. 12. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstand ein Anwesen in Lehrberg von 1820 bis 1848 dem Patrimonialgericht Rügland.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 972 und 999. Ab 1862 gehörte Lehrberg zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1870 beim Landgericht Ansbach, von 1870 bis 1879 war das Stadt- und Landgericht Ansbach zuständig, seit 1880 ist es das Amtsgericht Ansbach.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 998f. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 11,926 km².
Lehrberg wurde zwar in Ortsverzeichnissen des 19. Jahrhunderts gelegentlich Markt genannt, die offizielle Erhebung zum Markt fand jedoch erst am 1. Juni 1931 statt.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 943.
Eingemeindungen Gemeinde Einwohner(1970) Eingemeindungs-datum Brünst 363 1. Januar 1978 Gräfenbuch 139 1. Januar 1974 Heßbach 133 1. Januar 1972 Obersulzbach 294 1. Mai 1978 Zailach 205 1. Januar 1972
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 2647 auf 3089 um 442 Einwohner bzw. um 16,7 %.
Gemeinde Lehrberg Jahr 1818 1840 1852 1861 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1979 1987 1995 2008 2015Einwohner 1120 1079 1123 1166 1155 1142 1140 1162 1142 1148 1153 1148 1060 1078 1007 985 1066 1706 1831 1645 1574 2570 2605 2839 3138 3115HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2015 als Wohngebäude. 257 142 186 191 182 181 188 230 297 723 933Quelle Für die Gemeinde Lehrberg zuzüglich der Einwohner von Buhlsbach (S. 14), Buhlsmühle (S. 14), Dauersmühle (S. 17), Fritzmühle (S. 27), Hürbel am Rangen (S. 44), Pulvermühle (S. 73), Schmalenbach (S. 81), Schmalnbachermühle (S. 81) und Seemühle (S. 85). Die Anzahl der Feuerstellen ist höchstwahrscheinlich falsch. www.lehrberg.de (4 Dez. 2012 15:28:30 UTC) auf archive.is Die Einwohnerzahl sämtlicher Ortsteile entspricht annähernd dem Einwohnerstand der Gesamtgemeinde für den 31. Dezember 2008. Die Differenz von 8 Einwohnern erklärt sich durch die Nichtauflistung der selbstständigen Ortsteile Dauers-, Fritz-, See- und Walkmühle.
Ort Lehrberg Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2008Einwohner 921 988 1099 1047 1033 1047 930 1702 1561 1478 1524 2056Häuser 223 126 168 162 173 213 280 445 Quelle
Politik Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2014 erbrachten folgende Ergebnisse: Partei/Liste20202014Sitze%Sitze% CSU424,84 3 17,3 Bürgerblock 529,97 7 45,8 Liste für die Marktgemeinde Lehrberg 745,19 6 36,9 Wahlbeteiligung58,52 %69,3 %
Vorsitzende des Gemeinderates ist die Erste Bürgermeisterin.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Seit 1959 hat Lehrberg eine Gemeindeflagge. Diese ist gelb-grün.
Raumordnung Die Gemeinde Lehrberg ist Mitglied der 2004 gegründeten Kommunalen Allianz NorA. Die Allianz hat ein gemeinsames Integriertes ländliches Entwicklungskonzept. NorA bildet mit den benachbarten Allianzen Aurach-Zenn und Kernfranken die Lokale Aktionsgruppe Rangau. Diese wird durch das LEADER-Programm 2023–2027 gefördert.
Gemeindepartnerschaft Die Partnergemeinde ist seit 2022 Allassac, eine französische Gemeinde im Département Corrèze am westlichen Rand des Zentralmassivs.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler
Lehrberger Kappl mini|Lehrberger „Kappl“ (Chorturmruine der St. Jobst-Kapelle)
Im 13. Jahrhundert hatten sich die Herren von Birkenfels zu einer starken Herrschaft entwickelt und eine zahlenmäßig beachtliche Untertanenmannschaft geschaffen, wodurch sie neben den Bischöfen von Eichstätt das örtliche Geschehen zu Lehrberg bestimmten. Ihre Burg auf der östlichen Anhöhe, die ihre Anfänge wohl schon im 10. Jahrhundert hatte, bekundete sichtbar ihre Macht. Als die Lehrberger Linie dieses Geschlechts 1536 mit Sigmund von Birkenfels ausstarb, kam der Besitz an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Die Burg wurde im Kampf der Markgrafen mit der Freien Reichsstadt Nürnberg (Markgrafenkrieg) offenbar völlig zerstört. Von ihr ist seit langem nichts mehr vorhanden. Allein erhalten sind Reste der unweit der Burg auf dem westlichen Vorsprung der Anhöhe 1430 durch einen Friedrich oder Eustachius von Lerpauer errichteten Bergkapelle St. Jobst, von der noch die Turmruine, die so genannte „Kappl“, steht. Nachdem der letzte des Geschlechts von Birkenfels ohne Nachkommen gestorben war, verlor die Bergkapelle an Bedeutung und verfiel. Bis ins 18. Jahrhundert wurde sie von den Bewohnern Lehrbergs als Steinbruch für den Häuserbau genutzt, bis dieses Vorgehen vom Markgrafen unter Strafe gestellt wurde. Im 19. Jahrhundert wurde die Turmruine unter Denkmalschutz gestellt.
St.-Margaretha-Kirche mini|St.-Margaretha-Kirche