mini|Klein Hilligsfeld, Blick vom Eichberg über den Ort nach Nordwesten, im Hintergrund links der Schweineberg und rechts der Süntel, 2025 Hilligsfeld liegt im Nordosten Hamelns, wurde am 1. Januar 1973 als ursprünglich eigenständige Gemeinde im Rahmen der Gebietsreform in die niedersächsische Stadt Hameln eingemeindet und ist flächenmäßig der größte Stadtbezirk. Er besteht aus den beiden Ortsteilen Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld. mini|Blick vom Schweineberg über Groß Hilligsfeld und das von Baumreihen verdeckte Klein Hilligsfeld nach Osten. In Bildmitte hinter dem Ort das Gut Oehrsen, im Mittelgrund rechts der Eichberg, im Hintergrund der nördliche Teil des Ith, 2025
Geografie Hilligsfeld liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln in der Hamelaue auf 87 m NHN und ist jeweils von Teilen des Weserberglands im Westen bzw. des Leineberglands im Osten umgeben. Hilligsfeld liegt am mittleren Abschnitt des Flusses Hamel, eines rechtsseitigen Nebenflusses der Weser, deren Quelle im Süntel liegt und die im Stadtgebiet von Hameln in die Oberweser einmündet. Der Fluss Hamel wurde 1309 erstmals schriftlich erwähnt. Der Herksbach fließt im Ortsgebiet von Hilligsfeld als rechtsseitiger Nebenbach in die Hamel; seine Quellen liegen ebenfalls im Süntel. Entlang der Hamel sind abschnittsweise Erlen-Eschen-Auenwälder meist galerieartig ausgebildet. Die Böden der Auen sind sehr fruchtbar und werden vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. In der Hamel und im Herksbach gibt es geschützte Vorkommen von Groppe und Bachneunauge. Die Hamelaue ist ein Nahrungsgebiet des Schwarzstorchs. Die Bundesstraße 217 führt durch Groß Hilligsfeld.
Geschichte Vorgeschichte In Groß Hilligsfeld wurde in den späten 1980er Jahren eine aus Quarzit gefertigte Geröllkeule, die in die mittlere Steinzeit datiert wird, im Boden eines Gartens gefunden. Es ist jedoch möglich, dass der Gartenboden von Bauarbeiten an der Rathaus-Tiefgarage in Hameln stammt, so dass die Geröllkeule durch moderne Erdarbeiten verlagert worden sein könnte.Daniel Lau, Archäologische Fundchronik 2023 für die Stadt Hameln, in: Museumsverein Hameln e. V. (Hrsg.), Hamelner Jahrbuch 2024, ISSN 0947-8566, S. 159. Beim Bau der Landstraße von Hameln nach Hannover, der heutigen Bundesstraße B217, wurde bei Hilligsfeld ein vorgeschichtliches Gräberfeld gefunden.
Frühmittelalter Ludolf Fiesel (* 1888, † 1979) deutet die Anfänge von Hilligsfeld in den Hamelauen als fränkische Siedlung im altsächsischen Gebiet: „Westlich und östlich sind die Orte Wengen (Wangelist), Uisbeccae (Fischbeck) und Hilligesfelde (Hilligsfeld) zum Schutz des Weserüberganges Hamelon (Hameln) vorgelagert.Ludolf Fiesel, 1972; siehe auch die Fuldaer Traditionen Cap. 3, Nr. 87. […] Das GW (Grundwort) -feld ist, wie bei Hünfeld, als Bezeichnung einer karolingischen Funktionssiedlung anzusehen.“Ludolf Fiesel, 1972; siehe auch DKdG 139 a. 781. Dagegen stellt die neuere Ortsnamenforschung fest, dass die fränkische Interpretation von Ludolf Fiesel mehrfach fehlerhaft sei, dass die Dörfer im Raum um Hameln ausnahmslos altsächsische Siedlungen gewesen seien und dass die Ortsnamen alle altsächsischen Ursprungs seien. Jürgen Udolph schreibt: „Der Name von Hilligsfeld leitet sich vom germanischen/altsächsischen Namen Hilling oder Hilding (abgeleitet von hild = Kampf) ab; es bedeutet Das Feld des Hilling/Hilding.“ Dabei handelte es sich wohl um einen Ort, für den kein Wald gerodet werden musste, weil er auf offenem Land an der Hamel lag.Der Ortsnamenforscher Jürgen Udolph lehnt die fränkische Interpretation des Historikers Ludolf Fiesel ab und führt den Ortsnamen von Hilligsfeld auf viel frühere germanische bzw. altsächsische Wurzeln zurück. Er schreibt: „Der ON. Hilligsfeld kann aufgrund seiner alten Belege aus dem 9. Jh. (Abschr.12. Jh.) in Hillingesfeldo, 856/69 (A. 12. Jh.), Hillingesfelden, 980-982 (Abschr. 15. Jh.) in Hillikesfelle, (1055-1080) in Hildinesfelda, 1188 Hillingelvelt verschieden erklärt werden: entweder auf Hillingesfeld beruhend zu einem PN. Hilling oder aber wegen der Hildingesfeld-Formen zu einem PN. Hilding.“ Quelle:
Ein Gründungsdatum von Hilligsfeld wird in den Traditiones Fuldenses des Klosters Fulda nicht genannt, und es gab in dieser Zeitstellung auch noch keine anderen Aufzeichnungen über Hilligesfelde. Nach Auffassung der neueren Ortsnamenforschung wurde Hilligsfeld viel früher als in der Zeitstellung der fränkischen Okkupation Sachsens im 9. Jahrhundert gegründet.
Die erste bekannte urkundliche Erwähnung von Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld ist eine Abschrift des 12. Jahrhunderts der Traditiones Fuldenses des Reichsklosters Fulda aus dem 8./9. Jahrhundert. Der altsächsische Edle Gibicho (Gibicho de Saxonia) schenkte Hilligesfelde (Hilligsfeld) in der Zeitstellung zwischen 780 und 820 in seinem Namen und im Namen seiner Frau Abba dem fernen, 744 gegründeten Reichskloster Fulda. Die Güter (predia) des Gibicho lagen u. a. im Gebiet der Hamel im Tilithigau. Hilligesfelde, Munimeri (Bad Münder) und Unenhusen (Unsen) wurden explizit als Schenkungen an das Kloster genannt. Daneben übertrug er eine ganze Reihe weiterer im engernschen Tilithigau und im südlich davon gelegenen engernschen Augau (im Raum der heutigen Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden) liegender Orte aus seinem Besitz, sowie 20 Leibeigene (mancipia 20) an das Reichskloster Fulda. Die Schenkung wurde in den Traditiones Fuldenses (Kapitel 41, Nr. 100) dokumentiert.Quellen:a) Ernst Friedrich Johann Dronke (Hrsg.): Traditiones et antiquitates Fuldenses, Fulda, 1844;b) Kirstin Casemir & Uwe Ohainski: Niedersächsische Orte bis zum Ende des ersten Jahrtausends in schriftlichen Quellen, Hahnsche Buchhandlung, S. 56, ISBN 978-3-77525-843-2. Auch ein Hitto schenkte dem Reichskloster Fulda Land, ein Haus und eine familia (die Gesamtheit aller von ihm abhängigen Personen) in Hillingesfeldo. Ältere Ersterwähnungen von Schenkungen an das Reichskloster Fulda wurden im 12. Jahrhundert im Codex Eberhardi (Band II, S. 194), in einer Abschrift zusammengefasst.Gudrun Pischke: Zur Ersterwähnung von Ortsnamen in Schriftquellen mit 1200 Jahre Bevern, in: Südniedersachsen, Zeitschrift für regionale Forschung und Heimatpflege, 51. Jahrgang, S. 82, 3. Dezember 2023. Hilligsfeld existierte also bereits in der Zeitstellung der ersten Christianisierungswelle gegen Ende des 8. oder Anfang des 9. Jahrhunderts im Zuge der Okkupation Sachsens durch Karl den Großen. Damit ist Hilligsfeld zusammen mit Munimeri, dem heutigen Bad Münder und Unenhusen (Unsen) einer der ältesten urkundlich erwähnten Orte im Tilithigau.
Erst auf der wirtschaftlichen Basis des durch Schenkungen erworbenen Raumbesitzes im Tilithigau war es dem Reichskloster Fulda möglich, mit seinen Mönchen um 826 das Romanus- und Emerentianakloster in Hameln zu gründen. Es wurde auf der dem Kloster Fulda ebenfalls geschenkten Eigenkirche des sächsischen Grafen Bernhard von Engern und Ohsen († 826) und seiner Frau Christina (oder Odegundina) gebaut. Auf den Mauern des Romanus- und Emerentianaklosters in Hamelon baute das Reichskloster Fulda im Jahr 851 wiederum das Benediktinerkloster St. Bonifatius als Nachfolgeeinrichtung und Filialkloster. Beide Klöster in Hameln dienten dem Reichskloster Fulda nacheinander zur Verwaltung seiner bereits erworbenen Besitzungen im Tilithigau. Im 11. Jahrhundert wurde das Kloster St. Bonifatius in ein Kollegiatstift umgewandelt. Aus dem Kollegiatstift entwickelte sich nach Bränden und Umbauten im 13. Jahrhundert die noch heute bestehende Hamelner Münsterkirche.
Mitte des 9. Jahrhunderts besaß das Stift St. Bonifatius (heute evangelisch-lutherisches Hamelner Münster St. Bonifatius) eine Hufe Land in Hilligsfeld (das sind ca. 30 ha). Der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont schreibt: „Die erste Gründung einer Pfarr- oder Hauptkirche geschah im 8. oder 9. Jahrhundert.“Karl Kayser: Inspektion Groß Berkel, in: Die hannoverschen Pfarren und Pfarrer seit der Reformation, Braunschweig, 1908. Erste Kirchen wurden bewusst an Orten errichtet, die seit alter Zeit durch den Glauben geweiht sind. Ludolf Fiesel erläutert: „Die Kirche von Hilligsfeld hat den Stammesheiligen der Merowinger und Karolinger, den Martin von Tours, als Schutzpatron.“ (St. Martinikirche). „Hiltop... unam habam in Hillingesfeldo cum domo et familia.“Ludolf Fiesel, 1972; siehe auch Fuldaer Traditionen, Kap. 41, Nr. 1-110. Angeblich hätten Mönche des Reichsklosters Fulda die Kirche errichtet; urkundlich und archäologisch lässt sich diese Aussage jedoch nicht belegen.Karl Kayser, 1908, S. 85. Nach Jürgen Udolph kam der fränkische Einfluss mit der Vergabe des Martinspatroziniums für die Kirche erst nachträglich ins Dorf. Um 980/982 schenkte ein Ludolf dem Kloster Corvey eine familia sowie Land in Hillikesfelle. Die Dorfkirche wird auch im 11. Jahrhundert erwähnt. Der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont schreibt: „Im 13. Jahrhundert ist Hilligsfeld ein Kirchspiel (mit umliegenden Höfen, Häusern und Katen). 1540 wird Hilligsfeld durch den Reformator Hamelns, Rudolf Moller, lutherisch.“Kirchenkreis Hameln-Pyrmont, 2025. Das Patronat über die Kirche in Hilligsfeld lag 1353 beim Propst des Bonifatiusstifts in Hameln, später beim welfischen Landesherrn, belegt 1588,Karl Kayser: Die General-Kirchenvisitation von 1588 im Lande Göttingen-Kalenberg, in: Zeitschrift der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte, Teil 1, 1904, S. 207. 1626 bei der Familie von Quitzow, danach bis 1871 wieder beim Landesherrn.Karl Kayser, 1904, S. 90.
Namensvarianten von Hilligsfeld waren Hillikesfelle, Hillingesfeldo, Hilligesulde, Hillingesfelden, Hillingesfelda, Hillingesvelt, Hildingesvelt, Hillincesvelde, Hilliesfelde.Vgl. zur Ortsnamenforschung das Niedersächsische Ortsnamenbuch (NOB). Es ist ein langfristig angelegtes Projekt des Instituts für Historische Landesforschung an der Universität Göttingen. Siehe auch Gerhard Köhler, 2016, „Feld“ in der deutschen Ortsgeschichte.
Die Goe auf der Hamel war ein mittelalterlicher Gerichtsbezirk für 14 Dörfer beiderseits der Hamel im altsächsisch-engernschen Tilithigau, der in vorkarolingischer Zeit schon weit vor dem 9. Jahrhundert als altsächsischer Siedlungsraum bestand. Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld lagen im Zentrum der Goe. Ein Platz auf dem Eichberg südsüdöstlich von Klein Hilligsfeld war der Gerichtsort der Goe auf der Hamel, auch Malstätte oder Mahlstätte genannt. Dort wurden Versammlungen aller Eingesessenen (erven) der Goe abgehalten.