mini|Jože Plečnik 1943
Jože Plečnik (auf seinen Bauten in Wien gelegentlich als Josef Plecnik bezeichnet; * 23. Jänner 1872 in Laibach, Österreich-Ungarn; † 7. Jänner 1957 ebenda, SFR Jugoslawien) war ein Architekt, der in Wien, Prag und Laibach wirkte. Ein Großteil der von Plečnik verantworteten Laibacher Stadtgestaltung wurde 2009 als nationales Kulturerbe Sloweniens unter Schutz gestellt und 2021 von der UNESCO unter dem Titel „Die Werke von Jože Plečnik in Ljubljana – am Menschen orientierte Stadtgestaltung“ in die Liste des Welterbes aufgenommen.
Leben und Wirken Jože Plečnik war das dritte Kind eines Tischlers in Laibach/Ljubljana. Während seine Brüder studierten, besuchte er nur eine Klasse im Gymnasium und arbeitete anschließend in der Tischlerei. Sein Vater wollte aus ihm einen Praktiker machen und duldete keinen Künstler in der Familie. Ein Stipendium ermöglichte ihm die Tischlerausbildung an der Gewerbeschule Graz ab dem Jahr 1888. Dort unterstützte er Leopold Theyer mit Zeichnungen für die Verbauung des Joanneum-Parks in Graz.
Im Jahr 1892 starb sein Vater, Jože war aber zu jung, um den Betrieb zu übernehmen, ging deshalb nach Wien und arbeitete dort in der Hof-Bau-Kunsttischlerei J. W. Müller, wo er vor allem Möbelentwürfe zeichnete.
Wien In der Folge kam er an die Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er Schüler von Otto Wagner, der gerade sein Lehramt antrat, wurde. Dieses Studium brach er aber bald darauf ab, da er den Aufgaben Wagners nicht gewachsen war, und trat stattdessen in die Meisterschule Wagners ein, wo er dessen bester Schüler wurde.
Seine vorwiegenden Wirkungsstätten waren Laibach / Ljubljana, Wien und Prag. Reisen nach Rom und Paris hatten großen Einfluss auf seinen späteren Architekturstil.
In den Jahren 1900 bis 1913 entstanden seine bekanntesten Gebäude in Wien: das Zacherlhaus (1903–1905), ein Firmengebäude in Wiens Innerer Stadt (Brandstätte, Ecke Bauernmarkt) mit eleganten Formen und ausgestaltet mit Marmor und Stahlstiften, sowie die Heilig-Geist-Kirche in Wien-Ottakring (16. Bezirk, 1910–1913).
1911 wurde er vom Professorenkollegium einstimmig als Nachfolger von Otto Wagner vorgeschlagen. Durch Intervention von Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand wurde die Professur aber mit Leopold Bauer besetzt.
Prag Plečnik konnte jedoch die Nachfolge von Jan Kotěra an der Akademie der Bildenden Künste in Prag antreten. Im Jahr 1920 ernannte ihn der tschechoslowakische Staatspräsident Tomas G. Masaryk zum Architekten der Prager Burg und der Burggärten (Paradiesgarten, Wallgarten, Königlicher Garten), wo seine Interventionen bis heute erkennbar sind, unter anderem im Kleinen und Großen Bellevue und in der Treppe im Paradiesgarten.
Ljubljana 1922 begann er mit Vorträgen in Laibach, kehrte jedoch bis 1935 regelmäßig nach Prag zurück. 1925 begann er mit der städtebaulichen Umgestaltung von Laibach. Von 1936 bis 1941 errichtete er dort das prägnante Gebäude der National- und Universitätsbibliothek. Auch die Uferbebauung der Ljubljanica sowie die Drei Brücken (Tromostovje) im Stadtzentrum sind sein Werk, ebenso die Gestaltung der Straßenbeleuchtung. 1936–1940 arbeitete er im Auftrag der Stadtverwaltung an der ersten Erweiterung am zum Laibacher Zentralfriedhof gewordenen Zentralfriedhof Žale im Bezirk Bežigrad, wo er später auch selbst beigesetzt wurde.
Bekannt ist auch seine behutsame Renovierung und Erweiterung der Kirche in Bogojina, Ortsteil der Gemeinde Moravske Toplice in der Prekmurje im nordöstlichen Slowenien.
Plečniks langjähriger Wohnsitz im Laibacher Stadtbezirk Trnovo ist als Museum mit einer Dauerausstellung über sein Leben und sein Werk öffentlich zugänglich.
Bedeutung und Einordnung seines Werkes "Nach den Versuchen in den 80er Jahren, Plečnik für die Postmoderne zu vereinnahmen, wird er heute allgemein der Moderne zugerechnet. Freilich nicht dem Mainstream der „weisen“, klassischen Moderne, sondern einer höchst individuellen, von den Zwängen der Manifeste unabhängigen Seitenlinie. Innerhalb dieser „alternativen“ Moderne befindet er sich in Gesellschaft von Gunnar Asplund, Alvar Aalto, Josef Frank, Dimitris Pikionis, Hans Döllgast, Antoni Gaudí und anderen, diesen nicht formal ähnlich, sondern geistesverwandt.
In Wien wird er zu den führenden Mitbegründern der frühen modernen Architektur gerechnet. Fünf Jahre vor dem berühmten Looshaus am Michaelerplatz ist sein Zacherlhaus das modernste Gebäude der Stadt, an dem sich die Geister scheiden. Es ist seine Ernsthaftigkeit, mit der er Neues sucht, die ihn resistent macht gegen oberflächliche Novitäten und Moden. „So paradox es klingen mag, er nahm die Moderne zu ernst, um sie ein Opfer ihrer eigenen Oberflächlichkeit werden zu lassen.“, attestiert ihm der große Kenner der österreichischen Architektur Friedrich Achleitner."
Werke
Auszeichnungen Ehrenmitglied der Masarykova Akademie práce (Masaryk Akademie für Arbeit), 1925. Burgarchitekt (ernannt von Präsident Masaryk), 1926. Mitglied der Akademija znanosti i umetnosti (Slowenische Akademie der Wissenschaften und Künste), Ljubljana, 1938 Ehrenbürger der Stadt Ljubljana, 1939. Jugoslawischer Staatsorden, 1949. Ehrendoktor der Technischen Hochschule Wien, 1952 Ehrendoktor der Technischen Hochschule Ljubljana, 1952. Korrespondierendes Mitglied des Royal Institute of British Architects, 1954. mini|500-Tolar-Schein Im Juli 2021 nahm die UNESCO die Stätte Die Werke von Jože Plečnik in Ljubljana – am Menschen orientierte Stadtgestaltung in die Liste des Welterbes auf.
Würdigung Jože Plečniks nicht verwirklichter Entwurf für ein Parlamentsgebäude in Ljubljana ist auf der nationalen Seite der slowenischen 10-Cent-Münze abgebildet. Auch der 500-Tolar-Schein der von 1991 bis 2007 gültigen slowenischen Währung zeigt ein Porträt Jože Plečniks.
Am 8. Oktober 1987 wurde in Wien-Donaustadt (22. Bezirk) der Plecnikweg nach ihm benannt.
Literatur alphabetisch geordnet
Zoran Smiljanić, Blaž Vurnik: Plečnik. Graphic Novel, aus dem slowenischen von Erwin Köstler, Bahoe Books, Wien 2022, ISBN 978-3-903290-84-6.
Tomáš Valena: Der Architekturgarten der zwanziger Jahre: Plečniks Gärten am Hradschin. In: Die Gartenkunst 3 (1/1991), S. 49–68. a+u 2010:12 Jože Plečnik – Vienna, Prague and Ljubljana Tomáš Valena: Jože Plečnik. Für eine humanistische Architektur. Birkhäuser, Basel 2022, ISBN 978-3-0356-2406-9.
Weblinks
The works of Jože Plečnik in Ljubljana – Human Centred Urban Design, Website UNESCO World Heritage Convention, 2025 (englisch)
nextroom Architekturdatenbank – Besprechung von einigen Beispielen aus Plečniks Schaffen auf Wiener Zeitung vom 12. Mai 2000, abgerufen am 3. November 2008 Plečnik's Ljubljana – Portrait of a city. (Ljubljana 2017 – in englischer Sprache)
Jože Plečnik (1872-1957), Webseite ajda.at, Mitteleuropas Südosten Zuzana Güllendi-Cimprichova: “Architekt Josip Plečnik Und Seine Unternehmungen in Prag Im Spannungsfeld Zwischen Denkmalpflegerischen Prinzipien Und Politischer Indienstnahme.”, Band I: Text, Inaugural-Dissertation Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2010, PDF-Download Zuzana Güllendi-Cimprichova: “Architekt Josip Plečnik Und Seine Unternehmungen in Prag Im Spannungsfeld Zwischen Denkmalpflegerischen Prinzipien Und Politischer Indienstnahme.”, Band II: Abbildungen und Dokumente, Inaugural-Dissertation Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2010, PDF in: Internet Archive, 10. Januar 2017 Damjan Prelovšek: Monuments by the Architect Jože Plečnik, in: "Acta Historiae Artis Slovenica - Visualizing Memory and Making History Public Monuments in Former Yugoslav Space in the Twentieth Century", France Stele Institute of Art History ZRC SAZU, Ljubljana, 18. Februar 2013 (englisch/slowenisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Jugoslawien) Kategorie:Architekt (Österreich) Kategorie:Architekt des Jugendstils Kategorie:Architekt der Reformarchitektur Kategorie:Hochschullehrer (Akademie der Bildenden Künste, Prag) Kategorie:Mitglied der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Wien Kategorie:Ehrendoktor der Universität Ljubljana Kategorie:Ehrenbürger von Ljubljana Kategorie:Träger des Tomáš-Garrigue-Masaryk-Ordens Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Jugoslawe Kategorie:Geboren 1872 Kategorie:Gestorben 1957 Kategorie:Mann