mini|hochkant|Portrait Max Reisch, ca. 1960

Max Reisch (* 2. Oktober 1912 in Kufstein; † 18. Jänner 1985 ebenda) war ein österreichischer Reisepionier, Reiseschriftsteller, Geograph, Journalist und Orientfachmann.

Leben und Wirken Max Reisch ging in Bozen und Kufstein zur Schule, absolvierte die HTL Mödling (Fachrichtung Hochbau) und erwarb 1931 den Ingenieurstitel. Er studierte an der Technischen Universität Wien Architektur, allerdings ohne Abschluss, und an der ehemaligen Hochschule für Welthandel, die er als Diplom-Kaufmann 1937 abschloss. Darauf folgte 1939 ein Doktorat beim Wirtschaftsgeographen Bruno Dietrich.Siehe den Eintrag der Dissertation „Eine betriebswirtschaftliche Untersuchung der Absatz (und Export) fördernden Faktoren in der deutschen Automobil-Industrie“ im Österreichischen Bibliothekenverbund OBV, abgefragt am 6. November 2024.

In seinen Jugendjahren war er sportlich interessiert und als Amateur auch aktiv als Skifahrer, Motorsportler (Skijöring) und Bergsteiger.siehe: Horst Christoph: „Max Reisch. Über alle Straßen hinaus – Forscher, Pionier und Wüstenfahrer“, Innsbruck 2012: Tyrolia, ISBN 978-3-7022-3212-2, S. 10ff.

Er wurde vor allem bekannt als früher Reisepionier und Fernreisender mit Expeditionsfahrten nach Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten, also auch nach Palästina, Syrien, Persien, Irak, Afghanistan oder Indien, sowie bis in den Fernen Osten, also ganz Hinterindien bis China. Seine Fahrten wurden durchgeführt mit Motorrad, Auto und einem ersten, von ihm selbst entworfenen Wohnmobil bzw. auch mit von ihm gestalteten Camping-Ausrüstungen. Er war auch Reisepionier der Rotel Tours und plante bzw. leitete dort Reisen über Afghanistan bis Pakistan oder Sahara-Fahrten in Algerien sowie Rotel-Tours-Fahrten weltweit (siehe unten: Reisen und Expeditionen).

Reisen und Expeditionen (Auswahl) 1930: Solo-12-Alpenpässe-Motorrad-Fahrt mit einem Puch-Motorrad Type 175, u. a. über das Stilfserjoch„Mit 3 PS. zum Stilfser-Joch“. In: Das Motorrad (Wien/AT: Verlag Kapri), 8. Jahrgang 1932, Nr. 167 (1. April 1932), S. 6–14.; 1931: Solo-Motorrad-Fahrt mit einem Puch-Motorrad Typ 175 zum und rund um den Gardasee„Osterfahrt zum Gardasee“. In: Das Motorrad (Wien/AT: Verlag Kapri), 8. Jahrgang 1932, Nr. 170 (15. Mai 1932), S. 4–8.; 1932: Nordafrika-/Sahara-Motorrad-Fahrt zusammen mit Alfred Schricker, mit einem serienmäßigen Puch-Motorrad Type 250 (für die Expedition von Max Reisch zusätzlich aufgerüstet); als erster Österreicher.„Mit Motorrad und Zelt nach Afrika --!“ Artikelserie in 7 Teilen. In: Der Motorfahrer – Illustrierte Auto- & Motorrad-Zeitung (Wien/AT: Eigenverlag „Motorfahrer“), 11. Jahrgang 1933, Nrn. 6, 8, 10, 12, 14, 15, 16.; 1933: Indien-Motorrad-Expedition zusammen mit Herbert Tichy, auf einer serienmäßigen Puch 250 mit verbesserter Spezialausrüstung von Max Reisch, Fahrt über: Balkan, Anatolien, die Syrische Wüste und den Iran zum indischen Subkontinent bis Mumbai. Max Reisch und Herbert Tichy waren die Ersten, die den Landweg nach Indien mit einem Motorrad erfolgreich bewältigten.„Auf dem Landweg nach Indien. Eine Versuchsfahrt mit dem Motorrad“. Artikelserie in 14 Teilen. In: Innsbrucker Nachrichten (Innsbruck/AT: Wagner’sche Univ.-Buchdruckerei), 80. Jahrgang 1933: Nrn. 204, 205, 214, 216, 217, (NZ) 242, 244, 250, 284, 296, 300; + 81. Jahrgang 1934: Nrn. 4, 16, 28; siehe auch das Buch „Indien – lockende Ferne“ (1949). 1934: „10.000 km durch Europa“, Fahrt mit der „Indien-Puch 250“, nach Italien, Deutschland, England und Frankreich (zus. mit Rolf Hecker) zur Vorbereitung einer geplanten Asien-Fernreise„10.000 km durch Europa“. Artikelserie in zwei Teilen. In: Das Motorrad (Wien/AT: Verlag Kapri), 11. Jahrgang 1935, Nrn. 234, 235.

mini|Max Reisch 1935 in Afghanistan 1935/1936: Automobil-Weltfahrt (mit Helmuth Hahmann)Reisch und Hahmann wurden anfangs auch von Hermann Erben begleitet, der die Expedition wegen Streitigkeiten in Kolkata verließ; siehe Horst Christoph: Max Reisch. Über alle Straßen hinaus – Forscher, Pionier und Wüstenfahrer, Innsbruck 2012: Tyrolia, ISBN 978-3-7022-3212-2, S. 66–74 mit einem nach Plänen von Max Reisch zum Expeditions-Fahrzeug umgebauten Steyr Automobil Type Steyr 100, mit damaliger Erstdurchquerung von Hinterindien (Burma, Thailand, Laos nach China) im Automobil, und dann eine Weltumrundung über Japan und die USA zurück nach Österreich.„Im Kleinauto durch Asien / Im Kleinauto um die Erde“. Artikelserie in 42 Teilen. In: Innsbrucker Nachrichten (Innsbruck/AT: Wagner’sche Universitäts-Buchdruckerei), 82. Jahrgang 1935: Nrn. 198, 199, 271, 277, 283, 289, 295, 299, 301; + 83. Jahrgang 1936: Nrn. 3, 50, 107, 113, 118, 124, 129, 192, 196, 198, 204, 207, 210, 216, 222, 228, 234, 240, 246, 252, 258, 264, 270, 276, 282, 285, 287, 293, 297; + 84. Jahrgang 1937: Nrn. 1, 3, 6, 12; siehe auch das Buch „2 Mann und 32 PS. Im Auto um die Erde“ (1951). 1939: Automobil-Fahrt nach Skandinavien (geplant bis zum Nordkap, Abbruch wegen Beginn des II. Weltkrieges)„Im Kraftwagen von Wien ans nördliche Eismeer. Max Reisch erzählte von seiner Nordlandfahrt“. In: Innsbrucker Nachrichten (Innsbruck/AT: Wagner’sche Universitäts-Buchdruckerei), 86. Jahrgang 1939, Nr. 297 (21. Dezember 1939), S. 4.; 1942/1943: als Offizier beim Deutschen Afrikakorps unter General Erwin Rommel Fahrten in den Wüsten Tunesiens, Libyens und Ägyptens, u. a. bis zur Oase Siwa.siehe das Buch „Mausefalle Afrika. Meine Wüstenfahrten bei Rommel, und wie wir aus Tunis entwischt sind“ (1962). 1952: Arabien-Reise, zusammen mit Rolf Hecker, mit dem von Max Reisch konzipierten ersten Wohnmobil EuropasInfos zur Konzipierung des Wohnmobils auf Basis des Jenbacher-Gutbrod Transporters „Atlas 800“, abgerufen am 4. November 2024. über den Nahen Osten bis in den Irak, Kuwait, sowie nach Saudi-Arabien bis Riad.siehe die Bücher „Im Auto nach Koweit. Eine Arabienreise“ (1953) und „König im Morgenland“ (1954). 1953: Nordafrika/(Nord-)Sahara-Reise, zusammen mit Gattin Christiane Reisch, ebenfalls mit dem o.a. Pionier-Wohnmobil, vor allem durch die Libysche Wüste.siehe das Buch „Auf nach Afrika!“ (1957). 1955/1956: Reise auf die Sinai-Halbinsel und in die Wüsten Ägyptens entlang von Rotem Meer und Mittelmeer, mit einem Opel-Caravan (Bj. 1954), mit speziellem Dachzelt-Aufbau (= der sog. „Sinai-Moses“), zusammen mit Gattin Christiane Reisch.siehe das Buch „Siwa, Sinai und Sid“ (1958). 1958: Reise „Auf den Spuren Alexanders des Großen“ über den Libanon, den Iran, Afghanistan bis ins heutige Pakistan, ebenfalls mit dem „Sinai-Moses“ und mit Gattin Christiane Reischsiehe das Buch „Straße der Zehntausend. Auf den Spuren Alexanders des Großen“ (1962).. 1959: Erste Gruppen-Pilgerfahrt/Reise (als Konzeptersteller und Reiseleiter) für Rotel Tours nach Jerusalem, damals mit 3 Reisebussen samt SchlafanhängernMax Reisch Expeditionen, 60er Jahre, abgerufen am 4. November 2024.. 1961: Einzel-Reise „Auf den Spuren des ersten Kreuzzugs (1096–1099)“ ins Heilige Land und bis nach Petra und die Küste des Roten Meers im heutigen Jordanien, mit einem Ford Taunus (Bj. 1961) und einem Wohnwagen der Fa. Knaus, auch diesmal zusammen mit Gattin Christiane Reischsiehe das Buch „Die Straße des Glaubens. Auf den Spuren der Kreuzritter“ (1965).. 1962–1975: Max Reisch konzipierte und leitete auch die erste (und mehrere folgende) Rotel-Tours-Reise(n) von Europa bis Indien, und durchquerte dabei die Türkei, Iran, Afghanistan und Pakistan, ebenfalls mit Reisebus(sen) und Schlafwagenanhänger(n).siehe z. B. „Of Mountains, Deserts and Rolling Hotels“. In: Kabul Times, 6. Jahrgang 1967, Nr. 182 (5. November 1967), S. 3 (auch online: Text zu Reisch in Kabul 1967, abgerufen am 13. November 2024). 1969–1980: Gruppenreisen (als Konzeptersteller) für Rotel Tours, Nordafrika und Sahara, zunächst von Tunis bis Tamanrasset, später weiter über Agadez, Niamey (Niger), dann über Abomey und Porto-Novo (beide Benin) bis Accra (Ghana). 1972–1981: Fallweise Reiseleitungen und Konzepterstellungen bei Rotel-Tours (neben der o. a. Indien-Route und der o. a. Sahara-Route): Reisen in/nach Südafrika, den Kaukasus, nach Skandinavien, in Island, in Südamerika und zuletzt auch in Indonesien.

Sonstiges Wirken Zusammen mit seinem Bruder Hans F. Reisch (1907–2004)Nachruf Hans F. Reisch, abgerufen am 25. November 2024. war er einer der Gründer der Vorläufer-Organisation der Spar Österreichische Warenhandels-AG (der sog. Andreas-Hofer-KG Kufstein)Infos zur Andreas-Hofer-KG heute, abgerufen am 3. November 2024. im Jahr 1946, und auch Co-Geschäftsführer dieser Firma sowie der ab 1954 gegründeten nachfolgenden Spar AG (s. o., bis 1955).

Im Jahr 1950 errang Max Reisch den österreichischen Rallye-Staatsmeistertitel und war der erste Tiroler, der den OSK-Pokal gewinnen konnte.Kapitel „1946-1950 Nachkriegszeit – „Rallye“-Staatsmeister“, abgerufen am 5. April 2015.Bericht zur OSK-Pokalverleihung in der Zeitung „Dolomiten“, abgerufen am 28. Dezember 2024.

Max Reisch war auch als Volksbildner tätig und hielt zwischen 1934 und 1984 mehr als 700 Lichtbilder-Vorträge über seine Reisen und Expeditionen in Volksbildungs- und vergleichbaren Einrichtungen in Österreich, Deutschland, Südtirol, der Schweiz und Ungarn.Kapitel „Wer war Max Reisch“ auf der Web-Seite „www.maxreisch.at“, abgerufen am 28. Dezember 2014.

Für sein Wirken erhielt Max Reisch auch etliche österreichische Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl).Siehe Kapitel „Auszeichnungen und Ehrungen“ auf der Webseite www.maxreisch.at, abgerufen am 6. November 2024. 1954 Goldenes Verdienstzeichen des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring ClubBericht zur Verleihung in der Zeitung „Dolomiten“, abgerufen am 26. Dezember 2024.; 1971 wurde ihm der österreichische Berufstitel Professor verliehen; 1978 erhielt er die Silberne Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien; 1981 Ehrenzeichen in Silber des Motor-Presse-Club-Austria; 1982 ehrte ihn das Land Tirol mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol. 1984 bekam er das Goldene Kultur-Ehrenzeichen der Stadt KufsteinBericht zu Max Reisch in der Wochenzeitung "Mein Bezirk: Kufstein" vom 16. Oktober 2024, abgerufen am 31. Dezember 2024..

Publikationen Bücher (Auswahl) Transasien. Verlag F.A. Brockhaus, Leipzig 1939 (Bericht zur Asienfahrt im Auto 1935). Mit 32 PS nach China. Verlag F.A. Brockhaus, Leipzig 1941 (Kurzfassung von „Transasien“ 1939). Transasia. Blix forlag, Oslo 1944 („Transasien“ 1939, auf Norwegisch). Indien – lockende Ferne. Ullstein Verlag, Wien u. a. 1949 (Bericht zur Indienfahrt 1933 mit Herbert Tichy, Motorrad). Gewürzkunde. Beschreibung, Prüfung und Verwendung der Gewürze (mit Hans Lang). Verlag Waldheim und Eberle, Wien 1950. 2 Mann und 32 PS. Ullstein Verlag, Wien u. a. 1951 (Asienfahrt 1935 und Fortsetzung als Weltumrundung über Japan und die USA 1936). Im Auto nach Koweit. Ullstein Verlag, Wien u. a. 1953 (erster Bericht zur Arabienfahrt 1952). To ar Pa Fire Hjul. Verlag John Griegs, Bergen 1953 („2 Mann und 32 PS“ 1951, auf Norwegisch, Titel deutsch „Zwei Jahre auf Vier Rädern“). König im Morgenland. Ullstein Verlag, Wien u. a. 1954 (zweiter Bericht zur Arabienfahrt 1952). Till Kuwait. Verlag Natur och Kultur, Stockholm 1955 („Im Auto nach Koweit“ 1953, auf Schwedisch, Titel deutsch „Nach Kuwait“). Mit 6 PS durch die Wüste. Verlag Carl Ueberreuter, Wien 1956 (Jugendbuch auf Basis verschiedener Afrika-/ Saharafahrten). Auf nach Afrika! (mit Christiane Reisch). Ullstein Verlag, Wien u. a. 1957 (Bericht über die Afrika-/ Saharareise 1953). Tapis Volants et Pipelines. Verlag Calmann-Levy, Paris 1957 („König im Morgenland“ 1954, auf Französisch, Titel deutsch „Fliegende Teppiche und Pipelines“). Siwa – Sinai und Sid. Geographischer Verlag Kümmerly+Frey, Bern 1958 (Bericht zur Ägypten- und Sahara-Reise 1955/1956). Mit Fridolin nach Indien. Verlag Ehrenwirt, München 1960 (Jugendbuch auf Basis der Indienfahrt 1933).