miniatur|Servatiusbasilika am Vrijthof Die katholische Servaasbasiliek () im niederländischen Maastricht ist eine romanische, dreischiffige Basilika, die als die älteste erhaltene Kirche der Niederlande gilt.

mini|links|Grundriss der Basilika, Hauptportal nordwestlich des Kreuzgangs

Geschichte mini|Westwerk der Servatiusbasilika mini|Kapitell im Westchor

Nachdem Servatius, Bischof von Tongern, 384 bei Maastricht verstorben war, wurde über seinem Grab eine hölzerne Gedächtniskapelle errichtet. Kurz nach 549 wurde diese auf Betreiben von Bischof Monulphus durch eine steinerne Kirche mit Krypta ersetzt. Der große Zustrom von Pilgern machte einen größeren Neubau notwendig, der um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert in Angriff genommen wurde. Aus dieser Bauphase stammen große Teile des heutigen Mittelschiffs, die Seitenschiffe und der Chor. Während der zweiten Bauphase in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstanden das Querhaus und die anschließenden Kapellen.

Im 12. Jahrhundert wurde die Apsis umgebaut und erhielt eine Zwerggalerie und Chortürme nach dem Vorbild des Speyerer Doms. Auch das Westwerk mit Westchor und Kaisersaal (erbaut worden unter den Pröpsten Arnold II. von Wied, Gerhard von Are und Christian von Mainz) entstand um diese Zeit. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde an der Südseite ein frühgotisches Portal angebaut, möglicherweise das früheste gotische Bauwerk in den Niederlanden. Weitere gotische Umbauten erfolgten im 14. Jahrhundert. 1556 erhielt die Kirche zwischen den beiden Westtürmen einen dritten Turm, der 1770 durch einen barocken Bau ersetzt wurde.

Das Stift wurde 1797 während der französischen Besetzung aufgehoben, die Kirche danach als Pferdestall genutzt. 1804 wurde die Basilika zur Pfarrkirche. Zwischen 1866 und 1900 wurde die Kirche von den Architekten Pierre Cuypers durchgreifend restauriert, die barocken Umbauten dabei rückgängig gemacht. Sein Leitbild war, den spätmittelalterlichen Bauzustand – so weit als möglich – wiederzugewinnen.Wim Alings: Kentekens in stad en land. Nefkens, Utrecht 1978, S. 32. 1955 wurde die Basilika durch Brand beschädigt, der Mittelturm zerstört. 1985 wurde die Kirche zur Basilica minor erhoben. Nach Plänen, die der Architekt Teunis (Teus) van Hoogevest seit 1977 erarbeitet und für die er die Baugeschichte der Kirche untersucht hatte,Wim Alings: Kentekens in stad en land. Nefkens, Utrecht 1978, S. 28–30. wurde sie von 1981 bis 1993 von Grund restauriert. Bei dieser Gelegenheit erfolgten unter dem Langhaus von 1981 bis 1989 umfangreiche Ausgrabungen unter Leitung von Titus A.S.M. Panhuysen.Titus A.S.M. Panhuysen: De Sint-Servaaskerk te Maastricht in de vroege middeleeuwen. Voorlopig eindverslag van de opgravingen door de dienst Stadsontwikkeling Maastricht in de periode 1981–1989. In: Koninklijke Nederlandse Oudheidkundige Bond (Hrsg.): Bulletin KNOB. Tweemaandelijks tijdschrift van de KNOB voor monumentenzorg, architectuurgeschiedenis, archeologie, cultuurbeleid, musea en archieven, Jg. 1991, Nr. 90, S. 15–24. Die Restaurierung war so tiefgreifend, dass man sich entschloss, die Kirche 1993 noch einmal zu weihen. Wie schon bei der Kirchweihe 1039 waren auch bei der Kirchweihe 1993 zwölf Bischöfe zugegen.

mini|Antwerpener Schnitzaltar in einer Kapelle neben der Basilika

Krypten Die Ostkrypta, die kleine Krypta und die Servatiuskrypta waren schon Teil der Kirche, die 1039 im Beisein von Kaiser Heinrich III. und zwölf Bischöfen geweiht wurde. Diese Kirche – von der Teile des Langhauses, des Querhauses und des Westwerks erhalten geblieben sind – war eine bedeutende Wallfahrtskirche. Das Querhaus hatte zunächst polygonale Abschlüsse; Teile davon wurden 1981 unter der heutigen Schatzkammer wiederentdeckt und von Panhuysen zunächst als dodekagonale karolingische Kapelle gedeutet.Titus Panhuysen: De Sint Servaas (Restaurierungs-Bulletin), Stichting Restauratie de Sint Servaas, Maastricht 1988, S. 310 (niederländisch). Die Umgänge an den Querhausabschlüssen beherbergten wahrscheinlich die Zugänge zum Grab des heiligen Servatius, dem geistigen Mittelpunkt der Kirche und Ziel zahlreicher Wallfahrten. Der Pilgerstrom stieg auf der einen Seite in die Ostkrypta hinab, gelangte über einen gewölbten Gang zur kleinen Krypta mit der Confessio und verließ den unterirdischen Bereich anschließend über den Aufgang im gegenüberliegenden Querhausarm.Titus Panhuysen: De Sint Servaas (Restaurierungs-Bulletin), Stichting Restauratie de Sint Servaas, Maastricht 1992, S. 506 (niederländisch). In der Ostkrypta befand sich ein dem heiligen Petrus – einem der ursprünglichen Patrone der Kirche – geweihter Altar.Kroos 1985, S. 44. Auf diesem Altar stand ein spätantiker Sarkophag, der ab 1039 die Reliquien der heiligen Bischöfe Valentinus, Candidus, Monulfus und Gondulfus barg; heute steht er auf dem Altar der Vierungskrypta. Die Ostkrypta wurde im Zuge der Umgestaltung des Ostteils der Kirche im 12. Jahrhundert aufgegeben. Sie wurde mit Erde verfüllt und zugemauert, bis sie bei der Restaurierung Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde.

Der Pilgerweg durch die Kirche funktionierte offenbar nicht ganz zufriedenstellend, denn die polygonalen Querhausarme wurden wenige Jahrzehnte später durch rechteckige ersetzt – möglicherweise bereits während der Amtszeit des Propstes Geldulfus (um 1039–1050). Während der Bauphase unter seinem Nachfolger, Propst Humbertus (um 1050–1086), wurde der relativ schmale Durchgang zwischen der Ostkrypta und der kleinen Krypta wahrscheinlich durch die wesentlich geräumigere Vierungskrypta ersetzt. Diese blieb bis zu ihrem Abbruch im Jahr 1811 weitgehend unverändert, abgesehen von den Treppenaufgängen, die aufgrund des Baus des gotischen Lettners am Ende des 13. Jahrhunderts verlegt werden mussten.Eugène Octave Marie van Nispen tot Sevenaer: De monumenten in de gemeente Maastricht, Teil 1. Arnheim 1926/1974 (Text online). Die praktisch einzige Quelle zum Erscheinungsbild der alten Vierungskrypta ist die Beschreibung und Zeichnung des Juristen und Hobbyhistorikers Martinus van Heylerhoff (1776–1854), der den Abbruch in den Jahren 1811–1812 aus nächster Nähe miterlebte und den Vorgang dokumentierte.Ubachs/Evers 2005, S. 226–227.

Das Grab des heiligen Servatius spielte traditionell eine bedeutende Rolle in der Liturgie. Am Karfreitag stieg der Dekan des Kapitels zum Grab des Heiligen hinab (das das Grab Christi symbolisierte) und legte dort den in ein Tuch gehüllten Korpus eines Kruzifixes nieder. Während der Osternacht zog das gesamte Kapitel in einer Prozession zur Krypta; dort holte der Dekan den Korpus hervor, der anschließend im Chor aufgestellt wurde. Wenige Stunden später stieg man erneut zum Grab hinab, um die Auferstehung Christi zu bestätigen, woraufhin das Hochamt begann. Während dieser Messe verließ das Kanoniker-Kapitel den Chor und führte am Kenotaph der Heiligen Monulf und Gondulf in der Kirchenmitte ein Osterspiel auf. Bei Belagerungen, wie etwa jener von 1632, wurde die *Noodkist* – der Reliquienschrein mit den Gebeinen des heiligen Servatius, der normalerweise auf dem Hochaltar stand – in die Krypta verbracht, wo fortan auch das Stundengebet gefeiert wurde.

Kunsthistorische Bedeutung Das Westwerk der St. Servatiuskirche gilt als einer der interessantesten Bauten des 12. Jahrhunderts im Maasgebiet. Wichtig ist vor allem die Bauskulptur im Westbau, wahrscheinlich während der Amtsperiode des Propstes Gerhard von Are hergestellt. Die 34 Kapitelle gehören zu den bedeutendsten Beispielen der Maasländischen Skulptur. Abgebildet sind Szenen aus Augustinus De civitate Dei: Blättermotive, Tierpaare, kämpfende Menschen und Tiere, und Menschen bei der alltäglichen Arbeit. Eine enge Verwandtschaft zwischen der Maastrichter Steinplastik und der Zwerggalerie der Doppelkirche in Schwarzrheindorf und einem Teil der Kapitelle im Palais der Wartburg bei Eisenach wurde von Kunsthistorikern festgestellt.Siehe: Mekking, Seiten 195–202; Den Hartog, Seiten 14–16.

Ausstattung Schatzkammer Sie befindet sich neben dem nordöstlichen Flügel des Kreuzganges. Unter den Besitztümern der Schatzkammer sind der sogenannte Servatius-Schlüssel (Aachen, 9. Jh.), das Servatius-Kreuz (Trier, 11. Jh.), der Servatius-Schrein (Maastricht, 12. Jh.), die Servatius-Büste (Maastricht, 14./16. Jh.) und ein Patriarchenkreuz (Maastricht, 15. Jh.) bemerkenswert, sowie auch eine Sammlung mittelalterlichen Textilien. Große Teile des Kirchenschatzes (so auch der sogenannte Einhardbogen, lateinisch Arcus Einhardi) gingen nach der Aufhebung des Stiftes durch die französischen Besetzer in 1797 verloren. Trotzdem ist der Servatius-Schatz weitgehend der wichtigste Domschatz der Niederlande.

Seitenschiffe und Kapellen In und um die Seitenschiffe sind die Kapellen mit zahlreichen Kunstwerken, Grabmälern, Epitaphen zu finden. Von den ursprünglichen 14 Kapellen sind heute sieben erhalten: Die Taufkapelle, die Kapelle „Unsere lieben Frau - Sitz der Weisheit“, die Kapelle des Antonius von Padua, die Kapelle der Heiligen Monulphus und Gondulphus, die St. Josef-Kapelle, Die Barbara-Kapelle und die Kapelle „Unserer Lieben Frau der sieben Schmerzen“.Coenen u. Paloni, S. 21ff.

Orgeln mini|Prospekt der Hauptorgel mini|Chororgel mini|Kabinett-Orgel

Die Basilika verfügt über drei Orgeln: Die Hauptorgel im Westwerk, eine Chororgel und eine Kabinettorgel.Informationen zu den Orgeln (englisch)

Die Hauptorgel im Westwerk der Basilika hat eine abwechslungsreiche Geschichte. Die Ursprünge des Instruments reichen zurück in die Zeit um das Jahr 1650; erbaut wurde die Orgel für die nahe gelegene Dominikanerkirche, mit 19 Registern auf drei Manualen. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Instrument durch den Orgelbauer Jean-Baptiste Le Picard umgebaut und erweitert (insgesamt 28 Register auf drei Manualwerken).

Zu dieser Zeit stand in der Basilika eine Orgel, über die es keine Informationen gibt. Es muss sich aber wohl um ein größeres Instrument gehandelt haben, welches in den Wirren der Frz. Revolution verloren ging. Nach Wiedereröffnung der Servatius-Basilika im 19. Jahrhundert wurde die Orgel der Dominikanerkirche für die Basilika erworben, und dort durch den Orgelbauer Joseph Binvignat mehr oder minder unverändert aufgestellt. Um das Jahr 1840 führte sein Sohn Adam Binvignat einige Veränderungen an dem Instrument durch. 1843 wurde die Orgel durch die Orgelbauer Gebr. Franssen (Horst) neu errichtet und im Westwerk der Basilika aufgestellt, wobei ein Großteil des Pfeifenwerks erneuert wurde und ein eigenständiges Pedalwerk hinzugefügt wurde. In den 1850er Jahren wurde die Orgel nach und nach durch die Orgelbauer Pereboom und Leijser erweitert.

Zuletzt wurde das Instrument 1989 durch die Orgelbaufirma Verschueren restauriert, wobei auch das Orgelgehäuse überarbeitet und angepasst wurde, und der Spieltisch mittig vor der Orgel untergebracht wurde. Das Instrument hat heute 41 Register auf drei Manualwerken und Pedal.

I Grand Orgue C–g31.Montre 16′2.Bourdon 16′3.Montre 8′4.Bourdon 8′5.Flute Harmonique 8′6.Viola di Gamba 8′7.Prestant 4′8.Flute 4′9.Salicional 4′10.Quinte ′11.Doublette 2′12.Fourniture III 13.Cymbale II 14.Cornet V 15.Bombarde 16′16.Trompette 8′17.Clairon 4′ II Positif C–g318.Montre 8′19.Bourdon 8′20.Salicional 8′21.Unda Maris 8′22.Bilingua 8′23.Prestant 4′24.Flute 4′25.Doublette 2′26.Flageolet 1′27.Mixture II-III 28.Basson-Hautbois 8′ III Echo C–g329.Bourdon 8′30.Flute 4′31.Flageolet 2′32.Cornet II–III 33.Voix humaine 8′ Pédale C–f134.Montre 16′35.Soubasse 16′36.Quinte ′37.Flute 8′38.Prestant 4′39.Bombarde 16′40.Trompette 8′41.Clairon 4′ Koppeln: II/I, III/II, I/P Sonstiges: Tremblant