Kevin Großkreutz (* 19. Juli 1988 in Dortmund) ist ein ehemaliger deutscher Profi-Fußballspieler. Mit Borussia Dortmund gewann er zwei Meisterschaften und einmal den DFB-Pokal, mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 2014 in Brasilien Weltmeister.
Jugend Großkreutz wuchs im Dortmunder Stadtteil Eving auf. Er war mit dem Verein Borussia Dortmund stets stark verbunden; mit sieben Jahren besaß er seine erste Dauerkarte.
Bereits mit vier Jahren begann Großkreutz beim VfL Kemminghausen mit dem Fußball. Danach spielte er bei DJK Rot-Weiß Obereving, FC Merkur 07 Dortmund und schließlich bei der Borussia. Im Jahr 2002 musste er den Klub allerdings wieder verlassen, weil er als zu schmächtig eingestuft wurde. Großkreutz wechselte deshalb zu Rot Weiss Ahlen und schaffte dort den Sprung aus der Jugend in die erste Mannschaft.
Karriere als Spieler Vereine Rot Weiss Ahlen Bei Rot Weiss Ahlen spielte er ab 2006 als Stammspieler in der Regionalliga Nord. 2008 stieg die Mannschaft wie auch Mitspieler Marco Reus in die 2. Bundesliga auf, in der der Offensivspieler mit zwölf Toren zweiterfolgreichster Torschütze seiner Mannschaft war und vom Kicker-Sportmagazin in die Elf des Jahres gewählt wurde.
Borussia Dortmund mini|Kevin Großkreutz im Training bei Borussia Dortmund Am 24. Januar 2009 unterzeichnete Großkreutz einen Dreijahresvertrag bei Borussia Dortmund, dessen Laufzeit zur Saison 2009/10 begann und später bis 30. Juni 2016 verlängert wurde. Sein erstes Bundesligaspiel absolvierte er am ersten Spieltag der Saison 2009/10. In seiner ersten Bundesligasaison etablierte er sich als Stammspieler; am 5. Dezember 2009 erzielte er im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg sein erstes Bundesligator.
Bei Borussia Dortmund spielte Großkreutz überwiegend auf einer der offensiven Flügelpositionen, wurde aber auch als Außenverteidiger eingesetzt. Aufgrund seiner Flexibilität wurde er gerne als „Allrounder“ bezeichnet. In Dortmund spielte er auf sieben verschiedenen Positionen. Dazu zählte auch ein Einsatz als Torwart am 34. Spieltag der Saison 2012/13 im Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim: Nachdem Torwart Roman Weidenfeller nach einer Notbremse in der 81. Minute mit der roten Karte vom Platz gestellt worden war und weil Borussia Dortmund keine Wechselmöglichkeit mehr besaß, übernahm Großkreutz die Torwartposition. Den anschließenden Elfmeter konnte er nicht halten.
Am 11. Dezember 2013 erzielte Großkreutz für den BVB kurz vor Schluss den 2:1-Siegtreffer bei Olympique Marseille; die Borussia zog damit ins Achtelfinale der Champions League ein. Im Viertelfinale schied die Mannschaft trotz eines 2:0-Sieges aufgrund des 0:3 im Hinspiel gegen Real Madrid aus.
Wegen verschiedener Verletzungen war Großkreutz fast in der gesamten ersten Jahreshälfte 2015 nicht einsatzfähig. Unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel, der die Mannschaft ab dem 1. Juli 2015 übernommen hatte, fand er keine Berücksichtigung mehr und wurde nur noch in der 2. Mannschaft des BVB eingesetzt.
Mit der Borussia gewann er 2011 die deutsche Fußballmeisterschaft und 2012 das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal. In der Bundesliga lief er 176-mal für den BVB auf.
Galatasaray Istanbul Zum 31. August 2015 einigten sich Großkreutz, Borussia Dortmund und Galatasaray Istanbul auf einen Vereinswechsel. Wegen eines Formfehlers – Galatasaray hatte innerhalb der Wechselperiode unvollständige Unterlagen bei der FIFA registriert – erteilte die FIFA ihm keine Spielberechtigung für den neuen Verein. Die Vereine verständigten sich darauf, den Wechsel dennoch zu vollziehen. Großkreutz hatte damit einen gültigen Vertrag bei Galatasaray, durfte jedoch bis zum Beginn der nächsten Wechselperiode am 1. Januar 2016 nicht in Pflichtspielen des Vereins eingesetzt werden.Großkreutz wechselt ohne Spielgenehmigung. In: kicker.de, 2. September 2015. Galatasaray zahlte eine Ablösesumme von 1,5 Mio. Euro.
Im Dezember 2015 wurde bekannt, dass Großkreutz wieder nach Deutschland zurückkehren wollte, um nicht mehr länger zwischen der Türkei und seiner Familie in Deutschland pendeln zu müssen. Ohne einen Einsatz für Galatasaray wechselte er im Januar 2016 zurück in die Bundesliga.
VfB Stuttgart Am 6. Januar 2016 wechselte Großkreutz für rund 2,2 Mio. EuroBestätigung von Galatasaray. zum deutschen Bundesligisten VfB Stuttgart. VfB Stuttgart 6. Januar 2016. Sein Pflichtspiel- und Ligadebüt für den VfB absolvierte er am 23. Januar 2016, dem 18. Spieltag, beim 3:1-Auswärtssieg gegen den 1. FC Köln. Zum Saisonende stieg Großkreutz mit seinem Verein in die zweite Bundesliga ab.
Am 2. März 2017 wurde der Vertrag zwischen Großkreutz und dem VfB Stuttgart aufgelöst. Grund dafür waren ein nächtlicher Ausflug wenige Tage zuvor mit minderjährigen Mannschaftskameraden in die Stuttgarter Innenstadt und eine anschließende gewalttätige Auseinandersetzung. In der Folge hielt sich Großkreutz bei der Regionalligamannschaft des BVB fit.
SV Darmstadt 98 Zur Saison 2017/18 unterschrieb Großkreutz einen Zweijahresvertrag beim SV Darmstadt 98. Am 29. Juli 2017 gab er beim 1:0-Heimsieg gegen die SpVgg Greuther Fürth sein Debüt für die Südhessen. Er absolvierte 27 Spiele in der 2. Bundesliga, erzielte drei Tore und beendete die Saison 2017/18 mit der Mannschaft als Zehnter.
KFC Uerdingen Zur Saison 2018/19 wechselte Großkreutz für 350.000 Euro in die 3. Liga zum KFC Uerdingen und unterschrieb beim Aufsteiger einen Vertrag mit einer Laufzeit bis zum 30. Juni 2021. auf der Website des KFC Uerdingen, abgerufen am 5. Juli 2018 In seiner ersten Saison war er auf der rechten defensiven Außenbahn gesetzt und verpasste lediglich vier Ligaspiele aufgrund von Gelbsperren und kleineren Verletzungen.Großkreutz: Weltmeister auf dem Abstellgleis in Liga 3, wz.de, abgerufen am 6. August 2020 Allerdings wies der KFC nach Saisonabschluss gemeinsam mit dem Absteiger Aalen die zweitmeisten Gegentore der Liga auf. In der folgenden Spielzeit verlor Großkreutz seinen Stammplatz an Alexander Bittroff sowie später an Boubacar Barry und kam auf lediglich 15 Pflichtspiele, wozu auch eine Tätlichkeit gegenüber einem Gegenspieler beitrug, die ihm eine Sperre für vier Ligapartien eintrugDrastische Sperre für Kevin Großkreutz, reviersport.de, abgerufen am 6. August 2020. Des Weiteren litt Großkreutz an muskulären Problemen sowie einer Hüftverletzung. Sein Vertrag wurde Anfang Oktober 2020 fristlos gekündigt.rp-online.de: KFC Uerdingen kündigt Kevin Großkreutz fristlos (2. Oktober 2020), abgerufen am 2. Oktober 2020 Anschließend erstritt Großkreuz vor Gericht ausstehende Gehaltszahlungen ein. Dabei wurde bekannt, dass er in Uerdingen mit 51.000 € monatlich ein Vielfaches des durchschnittlichen Gehalts eines Drittligaprofis erhalten hatte.wdr.de: Uerdingen-Kapitel für Großkreutz beendet (27. November 2020), abgerufen am 4. Mai 2021wdr.de: Streit mit Großkreutz: Gericht schlägt KFC Vergleich vor (17. September 2020), abgerufen am 4. Mai 2021liga3-online.de: Trotz Rekordumsatz: Drittligisten machen Rekordverlust (16. Oktober 2019), abgerufen am 4. Mai 2021
Im Januar 2021 beendete Großkreutz seine Karriere als Profi, gab aber an, im Amateurbereich weiter aktiv bleiben zu wollen.Weltmeister und BVB-Fanliebling Großkreutz beendet seine Profi-Karriere kicker.de, abgerufen am 24. Januar 2021
Amateurfußball Ende Januar 2021 erhielt Großkreutz eine Spielberechtigung beim Westfalenligisten TuS Bövinghausen, einem Dortmunder Stadtteilverein. Sein Vertrag war ab dem 1. Februar gültigPerfekt – Kevin Großkreutz wechselt in die 6. Liga, t-online.de, abgerufen am 26. Januar 2021 und lief bis zum 30. Juni 2023. In seiner ersten Spielzeit stand er in allen Ligaspielen auf dem Feld, steuerte sieben Tore bei und stieg mit dem Team als Meister der Staffel 1 in die fünftklassige Oberliga Westfalen auf.Meisterschaft des TuS Bövinghausen ist offiziell, fupa.net, abgerufen am 22. Juni 2022
Dort stand er in 20 Oberligaspielen für Bövinghausen auf dem Feld, zweimal auch als Kapitän. Nach dem 26. Spieltag wurde er für keinen Spieltagskader mehr nominiert und verließ den Verein Anfang Mai aus beruflichen wie auch familiären Gründen vor Abschluss der Saison.Kevin Großkreutz verlässt TuS Bövinghausen mit sofortiger Wirkung, spox.com, abgerufen am 2. Mai 2023 Im Frühjahr 2023 gab der zu diesem Zeitpunkt in der Westfalenliga spielende SV Wacker Obercastrop die Verpflichtung des Verteidigers zur Spielzeit 2023/24 bekannt.Wacker Obercastrop meldet Vollzug – Kevin Großkreutz spielt künftig in Castrop-Rauxel, ruhrnachrichten.de, abgerufen am 4. April 2023 Der Vertrag wurde um ein Jahr für die Saison 2024/25 verlängert.Sebastian Schneider: Fussball Westfalenliga: Großkreutz trifft Entscheidung - und macht Aufstiegs-Ansage, waz.de, 4. Mai 2024
Seit Januar 2026 steht er beim Dortmunder Verein TuS Eichlinghofen unter Vertrag.
Nationalmannschaften mini|140px|Großkreutz bei der Siegerehrung der WM 2014 Großkreutz wurde am 5. August 2010 für das Spiel der deutschen U21-Nationalmannschaft gegen Island am 11. August 2010 nominiert. In diesem Spiel stand er in der Startelf und erzielte das Tor zum 1:1 (Endstand 1:4).
Bereits zuvor, am 13. Mai 2010, hatte er sein Debüt in der A-Nationalmannschaft im Länderspiel gegen Malta auf dem Tivoli in Aachen gegeben. Er wurde in der 57. Minute eingewechselt und leitete mit seinen ersten Ballkontakten das Tor zum 2:0 ein; die deutsche Elf siegte mit einem 3:0 (1:0).
Nach insgesamt drei Spielen im Nationaltrikot in den Jahren 2010 und 2011, bei denen er einmal in der Startaufstellung stand, fand Großkreutz zunächst keine weitere Berücksichtigung in der Nationalmannschaft. Erst für die Länderspielreise im Juni 2013 in die USA wurde er – als einziger Dortmunder nach dem absolvierten Champions-League-Finale – wieder nominiert, musste die Einladung jedoch verletzungsbedingt absagen. Am 5. März 2014 wurde er beim 1:0 gegen Chile erstmals seit drei Jahren wieder aufgeboten. Dabei profitierte Großkreutz davon, dass Abwehrspieler Philipp Lahm den verletzten Sami Khedira im defensiven Mittelfeld ersetzte, und so kam er für Lahm als Rechtsverteidiger zum Einsatz.
Am 2. Juni 2014 wurde er von Bundestrainer Joachim Löw in den Kader der deutschen A-Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in Brasilien aufgenommen, die anschließend den Titel gewann. Ebenso wie Matthias Ginter und Erik Durm blieb er als Feldspieler ohne Einsatz.
Nach der WM 2014 wurde er noch zweimal nominiert: Zum einen für das Freundschaftsspiel gegen Argentinien am 3. September 2014, bei dem er auch sein letztes Länderspiel absolvierte, und schließlich für das EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland am 7. September 2014, bei dem er ohne Einsatz blieb. Für die nachfolgenden Länderspiele im Oktober 2014 wurde Großkreutz als einziger einsatzbereiter Weltmeister nicht nominiert, begründet wurde dies mit der hohen Belastung im Verein. Auch im Jahre 2015 fand Großkreutz keine Berücksichtigung für das Nationalteam.
Im Januar 2016 gab Bundestrainer Löw bekannt, dass Großkreutz nicht für die Europameisterschaft im selben Jahr in Frankreich nominiert werde. Als Begründung gab Löw neben der mangelnden Spielpraxis an, dass Großkreutz während seiner Zeit in Istanbul an fast jedem Wochenende nach Deutschland gereist sei und damit keinerlei Integrationswillen gezeigt habe.
Karriere als Trainer