rechts|mini|Hattie Johnson bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen Sportschießen oder auch Schießsport ist international der sportliche Umgang mit Schusswaffen, Sportbogen (Armbrust, Bogen) oder Blasrohren. Sportliches Schießen bedeutet Schießen nach bestimmten Regeln, die Waffe wird dabei – entgegen ihrem militärischen oder jagdlichen Ursprung – als Sportgerät verwendet, ähnlich wie der Speer beim Speerwurf oder der Degen beim Fechten.

Schießsport wird oftmals auch als Präzisionssport bezeichnet.

Grundzüge des Sports Ziel bei den meisten Disziplinen des Sportschießens ist es, möglichst genau in die Mitte einer Schießscheibe, durch Einklang von Körper (statischem Aufbau und Körperbeherrschung) und Geist (innere Ruhe und Kontrolle von äußeren Einflüssen), zu treffen. Bei anderen Disziplinen liegt der Fokus mehr auf Schnelligkeit und/oder Körperbeherrschung. All dies erfordert Training, sowohl körperliches als auch mentales. Oft werden diese Belastungen unterschätzt und Schießen gelegentlich nicht als Sport anerkannt.

Ziel Die Ringanordnung auf einer Schießscheibe wird „Spiegel“ genannt, in den meisten Disziplinen handelt es sich um Ringscheiben, bei denen maximal zehn Ringe erreicht werden können. Je näher man die Treffer in der Mitte platzieren kann, umso mehr Ringe erhält der Schütze. Im Finale wird jeder Ring noch mit „Zehntel“ unterteilt, damit es nicht zum Gleichstand kommt.

Dagegen wird bei der sogenannten Teilerwertung der Abstand des Schusses in hundertstel Millimetern von der Mitte der beschossenen Scheibe angegeben. Diese Wertungsart wird meist bei Preis- oder Königsschießen angewendet.

Wettkampf In der Regel werden beim Sportschießen Wettkämpfe mit, je nach Disziplin und Altersklasse, 20, 30, 40 oder 60 Schuss geschossen. Es werden dabei in der Regel einzelne Zehnerringscheiben verwendet, in Wettkämpfen mit dem Luftgewehr jedoch seit einiger Zeit fast ausschließlich Scheibenstreifen, die mit jeweils zehn oder fünf Spiegeln versehen sind. Auch werden jetzt oft elektronische Anlagen verwendet. Bei Luftpistole werden fünf Schuss auf eine Scheibe geschossen.

Wertung Seit der Jahrtausendwende kommen immer mehr elektronische Messverfahren zum Einsatz. Infrarot-Lichtschranken erfassen den Durchtritt eines Geschosses mit hoher Auflösung mittels eines feinen Rasters aus IR-Strahlen. Akustische Systeme „hören“ mittels mehrerer sehr fein kalibrierter Mikrophone das Geräusch, welches das Geschoss beim Durchschlagen der Papierscheibe erzeugt, und ermitteln so die Position des Treffers. Diese Systeme zeigen das Ergebnis im Gegensatz zur manuellen Auswertung sofort und mit einer höheren Genauigkeit an.

Olympischer Sport Während bei den olympischen Disziplinen zwischen den Geschlechtern unterschieden wird, gibt es in den nationalen Verbänden auch Disziplinen, bei denen diese Unterscheidung entfällt.

Nationale Besonderheiten Deutschland In Deutschland wird der Schießsport streng abgegrenzt vom Verteidigungsschießen und dem militärischen Schießen. In anderen Ländern, zum Beispiel in den Vereinigten Staaten und der Schweiz, ist dies historisch bedingt anders.

Mindestalter Gerade in Hinsicht auf den Nachwuchs bieten immer mehr Vereine eine rein elektronische Alternative zu den Druckluftwaffen an. Für diese Art des Schießens gibt es kein Mindestalter. Die Ausübung des Schießsports mit Druckluftwaffen bis 7,5 Joule ist mit Vollendung des 12. Lebensjahres erlaubt, wobei es hierbei auch die Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung gibt (eine altersbedingte Untergrenze ist dabei nicht im Waffengesetz festgelegt). Jugendlichen, die das 14. Lebensjahr vollendet haben und noch nicht 16 Jahre alt sind, ist auch das Schießen mit kleinkalibrigen Schusswaffen (bis Kaliber 5,6 mm/.22 lfB mit max. 200 J Mündungsenergie) und Einzellader-Langwaffen mit glatten Läufen (Flinten) bis Kaliber 12 unter Obhut des zur Aufsichtsführung nach §11 der AWaffV berechtigten Sorgeberechtigten oder verantwortlicher und zur Kinder- und Jugendarbeit für das Schießen geeigneter Aufsichtspersonen (Lehrer, Jugendleiter berufliche Ausbilder und Inhaber einer Jugendbasislizenz bzw. lizenzierter Vereinsübungsleiter §27.4.2 AWaffV) erlaubt (§27 WaffG + §27 AWaffV). Ab 16 Jahren entfällt die Obhutspflicht. Das heißt, der Jugendliche muss nicht mehr von einem Inhaber einer Jugendbasislizenz beaufsichtigt werden, sondern die Anwesenheit einer Standaufsicht reicht aus. Unter bestimmten Auflagen bezüglich der physischen und psychischen Entwicklung der Jugendlichen können Ausnahmen von den Altersgrenzen beantragt werden. In allen Fällen ist eine Einverständniserklärung der Personensorgeberechtigten erforderlich. Beim Bogenschießen gibt es keine gesetzliche Alterseinschränkung.

Waffenrecht

Das deutsche Waffenrecht, das durch das „Gesetz zur Neuregelung des Waffenrechts“ (WaffRNeuRegG) zum 1. April 2003 grundlegend geändert wurde, regelt ebenfalls die besondere Qualifizierung der Aufsichtspersonen für das Training mit Jugendlichen.

Wettkampf Die offiziellen Wettkämpfe in den verschiedenen Schießdisziplinen werden in den Sportordnungen des Deutschen Schützenbundes, des Bund Deutscher Sportschützen und weiterer Verbände, wie zum Beispiel der Bund der Militär- und Polizeischützen oder der Deutschen Schießsport Union, geregelt. Die Sportordnungen werden waffenrechtlich von den Behörden geprüft und genehmigt. Teilnehmen an Wettkämpfen auf Kreis-, Bezirks-(Gau)-, Landes- und Bundesebene darf nur, wer die entsprechende Waffendisziplin in einer Vereinsmeisterschaft absolviert hat. Jeder Schütze muss also (mindestens) einem Schützenverein angehören und dort in einer Vereinsmeisterschaft die Waffendisziplin schießen, in der er an höherwertigen Wettkämpfen teilnehmen will. Für die Teilnahme an höherwertigen Wettkämpfen ist zum Teil das Erfüllen bestimmter Limit-Ergebnisse erforderlich.

Schweiz Aufgrund der allgemeinen Wehrpflicht in der Schweiz und der Tatsache, dass die dieser Pflicht nachkommenden Männer (sowie die freiwillig Militärdienst leistenden Frauen), ihre persönliche Waffe (Sturmgewehr oder Ordonnanzpistole) bei sich zu Hause aufbewahren und diese nach Ende der aktiven Wehrpflicht unter gewissen Voraussetzungen übertragen bekommen können, ist das sportliche Schießen mit diesen Militärwaffen (Ordonnanzwaffen) in der Schweiz sehr verbreitet. Unter gewissen Auflagen kann jeder Schweizer Bürger eine Ordonnanzwaffe als Leihwaffe beantragen. mini|Jungschütze mit einem Leihsturmgewehr 90 Aber auch schon bevor man in das Alter der Wehrpflicht und damit in den Besitz einer persönlichen Waffe kommt (20. Altersjahr), kann man an Jungschützenkursen bei ausgebildeten Jungschützenleitern in vielen Schützenvereinen den Umgang mit der Ordonnanzwaffe (Sturmgewehr 90 oder der Armeepistole 75) erlernen und auch bereits an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen. Zu diesem Zweck werden vom VBS (Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, dem schweizerischen Ministerium, dem auch das Militär untersteht) für die Dauer der Kurse unpersönliche Leihwaffen abgegeben.

Neben diesem sportlichen Schießen mit Ordonnanzwaffen nehmen an den Wettkämpfen auch Schützen mit reinen Sportwaffen teil, also ohne militärischen oder polizeilichen Ursprung, meist in eigenen Kategorien oder gar in eigenen Wettkämpfen. Es werden meist auch Alterskategorien gebildet. Männer und Frauen treten jedoch in den Wettkämpfen ohne Unterschiede gegeneinander an, das heißt, es gibt meist keine separaten Ranglisten für Frauen und Männer mehr.

Geschichte mini|Die Nachtwache, Rembrandt Das Sportschießen hat insbesondere in Europa eine lange Tradition. Das korporierte Schützenwesen geht auf die Bürgerwehren der Städte zurück. In Deutschland und in den angrenzenden Nachbarländern gibt es zum Beispiel bereits seit dem Mittelalter Schützengilden. Davon zeugt unter anderem das berühmteste Bild des niederländischen Malers Rembrandt, Die Nachtwache von (1642), welches die Amsterdamer Bürgerwehr darstellt, eine Schützengilde. Der erste bezeugte Schützenwettbewerb wurde aber bereits 1442 in Zürich (Schweiz) abgehalten.

Nach den Befreiungskriegen (1813 bis 1815) setzte ein Aufschwung im Vereinswesen ein, von dem auch der Schießsport profitierte.

Olympische Geschichte mini|Olympisches Schießen 1900 in Paris Das Sportschießen war bereits 1896 in Athen eine der olympischen Disziplinen. Einer der Gründe war vermutlich, dass der Begründer der Spiele der Neuzeit, Pierre de Coubertin, ein begeisterter Pistolenschütze war. Auf dem Programm standen fünf Wettbewerbe, vorwiegend mit Militärwaffen. Die Schießwettbewerbe wurden auf dem Schießstand im Vorort Kallithea ausgetragen. Es wurden zwei Wettbewerbe für Gewehre und drei für Pistolen ausgerichtet.

Erster Wettbewerb war das Militärgewehrschießen über 200 Meter. Der Sieger Pantelis Karasevdas war der einzige, der mit allen Schüssen das Ziel traf. Der zweite Wettbewerb, das Militärpistolenschießen, wurde von zwei US-amerikanischen Brüdern dominiert, John Paine und Sumner Paine. Um die Gastgeber vor einer weiteren Blamage zu bewahren, beschlossen die Brüder, dass nur einer von ihnen im freien Pistolenschießen antreten würde. Sumner Paine gewann den Wettbewerb und war der erste Verwandte eines Olympiasiegers, der selbst Olympiasieger wurde. mini|Olympisches Pistolenschießen auf den Polizeischießständen von Ruhleben (Berlin) Mit Ausnahme von St. Louis 1904 und Amsterdam 1928, war das sportliche Schießen mit Schusswaffen immer Bestandteil des olympischen Programms. Die Form der Ziele für die (in frühen Jahren nur männlichen) Schützen, unterscheidet sich allerdings von den aktuellen deutlich. So wurde bspw. 1936 auf Scheiben geschossen, die eine menschliche Silhouette zeigten. Dies war auch Bestandteil der offiziellen Dokumentation zur Berliner Olympiade 1936. Die Frauen nehmen seit Los Angeles 1984 in getrennten Wettbewerben teil, früher konnten sie (ab 1968) in die „Männer-Teams“ integriert werden.

mini|Bogenschütze bei den Olympischen Spielen 1900 Bei den Olympischen Sommerspielen 1900 in Paris wurde auch das Bogenschießen für Männer in das Programm aufgenommen. Bereits bei den Olympischen Sommerspielen 1904 in St. Louis wurden dann auch erstmals Wettbewerbe im Bogenschießen für Frauen ausgetragen, als einzige Sportart bei diesen Spielen, bei denen Frauen teilnahmeberechtigt waren. Nach den Olympischen Sommerspielen 1908 war der Bogen dann, mit Ausnahme der Olympischen Sommerspiele 1920, bis zu den Spielen in München 1972 nicht mehr Bestandteil des Schießprogramms. Seit 1972 ist das Bogenschießen mit dem olympischen Recurvebogen ohne Unterbrechung wieder im Programm.

Deutschland Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg wurden alle Schützenvereine in Deutschland offiziell von den vier Siegermächten verboten und erst in den folgenden Jahren in der jungen Bundesrepublik wieder genehmigt. Insbesondere die Erlaubnis zur Wiedergründung des Deutschen Schützenbundes 1951, der bereits 1861 in Gotha gegründet worden war, sorgte in Westdeutschland für einen erneuten Aufschwung im Schießsport. In der Folge wurden ab Mitte der 1950er-Jahre auf Kreis-, Bezirks- und Landesebenen die Strukturen für eine moderne Sportorganisation geschaffen.

In der DDR war die Gründung von Schützenvereinen, wie auch die Gründung sonstiger Vereine, nicht möglich. Im Rahmen der Aktivitäten der damaligen Gesellschaft für Sport und Technik (GST) war das sportliche Schießen im Rahmen des ebenfalls in der GST angesiedelten militärischen Mehrkampfes möglich. Verwendung fanden fast ausnahmslos Kleinkaliber-Langwaffen und -Kurzwaffen. Geschossen wurde im militärischen Mehrkampf mit Karabinern nachempfundenen Einzelladern mit dem Kaliber .22 lfb, aber auch mit Druckluftwaffen.