mini|Studentenmütze aus Finnland; die Mützen mit Quaste werden von Studenten der technischen Wissenschaften getragen mini|Mütze einer deutschen Studentenverbindung (Corps Berlin) mini|hochkant=1.2|Färöische Studentinnen in Nationaltracht mit Studentenmütze
Studentenmützen (in Österreich und Süddeutschland Deckel) werden von Studenten und Alumni in Europa und in Nordamerika getragen. Am weitesten verbreitet sind sie seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wobei sie heute nur noch bei traditionellen Studentenverbindungen als Bestandteil des Couleurs Verwendung finden. In den Nordischen Ländern trägt man eine Studentenmütze nach dem Schulabschluss. Zu bestimmten Feiertagen, besonders in der Walpurgisnacht und am Maifeiertag, sieht man die Mütze in großer Anzahl auf öffentlichen Plätzen und bei privaten Feiern.
Europäische Wurzeln im Mittelalter
mini|hochkant=0.75|Theologiestudent in Marburg 1576mini|hochkant=0.75|Student in Paris 1578 Als sich im 13. Jahrhundert die mittelalterlichen Universitäten in Europa zu bilden begannen, trugen Lehrende und Lernende aufgrund des großen Einflusses der Kirche ganz selbstverständlich die mönchsähnliche Tracht eines Klerikers. Die gesamte Lebensform an den Universitäten war vom Klerus beeinflusst, denn die Vorgänger der Universitäten waren die Kloster- und Domschulen. Die theologische Fakultät galt als die wichtigste der Fakultäten. Zur Tracht gehörten lange Talare mit Kapuze, was bei den großen, ungeheizten Räumen wohl auch notwendig war. Später kamen Kappen und Barette dazu, wohl um die Tonsur zu wärmen.
Schon 1321 bestimmten die Statuten der Universität Coimbra in Portugal, dass Doktoren, Lizentiaten und Bakkalaureaten Talare zu tragen hätten. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts verboten in England die Statuten verschiedener Colleges ausufernde Kleiderpracht (excess in apparel). Erlaubt war nur der lange Talar. Diesen Prinzipien folgten im Prinzip alle Universitäten in Europa, bis sich die Entwicklungen mit der Reformation in der frühen Neuzeit in den einzelnen Ländern auseinander entwickelte.
Deutschsprachiger Raum mini|hochkant|Marburger Student um 1700 mit Dreispitz
Geschichtliche Entwicklung mini|links|Kneipszene um 1810: Studenten mit unterschiedlichsten Kopfbedeckungen
In Deutschland, Österreich und in der Schweiz ist die traditionelle Studentenmütze heute Abzeichen eines Angehörigen einer farbentragenden Studentenverbindung. Dabei werden Farbe und Form einzig von der Verbindung festgelegt und sind vollkommen unabhängig von Universität, Fakultät und Studienfach, da die Verbindungen sich traditionell für autonom und unabhängig von Staat, Parteien und Universitätsgremien halten. Vielmehr gab es seit dem 18. Jahrhundert bis ungefähr in die Mitte des 19. Jahrhunderts ständig Verbote des Tragens von „Abzeichen geheimer Gesellschaften“. Die deutschen Studentenmützen – wie auch die übrigen Bestandteile des Couleurs – entwickelten sich also in ständiger Opposition gegen die Obrigkeit. Voraussetzung war zunächst die Änderung der Frisur bei den Studenten. Mit der Französischen Revolution wurden Zopf und Dreispitz zunächst durch die revolutionäre Kurzhaarfrisur und den Zweispitz ersetzt. Der Fortfall des Zopfes und die politische Entwicklung in Europa stellten auch schnell den napoleonischen Zweispitz zur Disposition, und erst jetzt war etwa gegen Ende der zweiten Dekade Raum für die Studentenmütze als Neuerung.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trugen die Mitglieder der Studentenverbindungen die Farben ihrer Verbindung als Farbe ihrer regulären Alltagsbekleidung. Hosen, Jacken, Mützen, ja sogar die Kordeln und Quasten an den damals üblichen langen Tabakspfeifen wurden in sorgsam ausgewählten Farben getragen. Besonders ab 1810 bis etwa 1820 war die Mode in Deutschland – vermutlich wegen der gesellschaftspolitisch unruhigen Zeiten – extrem vielfältig und zeichnete sich durch experimentelle Entwicklungen aus. Besonders junge Leute trugen Kleidungsstücke, die vielen Menschen abenteuerlich vorkamen. Aus der Vielfalt der Kopfbedeckungen kristallisierte sich zwischen 1820 und 1830 die später übliche Studentenmütze als Standard heraus.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts strahlte diese studentische Mützenmode nach Osteuropa (vor allem Polen), ins Baltikum, nach Skandinavien und in den niederländisch-flämischen Bereich aus.
In den 1870er Jahren wurden in ganz Deutschland für die Schüler weiterführender Schulen sogenannte Schülermützen eingeführt, die nach dem Muster der Studentenmützen gefertigt waren. Durch die Mützen wurden die Schüler nach Schule und Klassenstufe unterschieden. Diese Mützen wurden in den 1930er Jahren durch die Nationalsozialisten abgeschafft. Davon unabhängig tragen die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gegründeten Schülerverbindungen Mützen nach dem Muster der Studentenverbindungen, diese aber als Abzeichen der Verbindungszugehörigkeit.
Heutige Verwendung mini|hochkant=1.5|Verschiedene Mützen
In der Regel wird die Mütze nach dem Band als zweitwichtigstes Element der Couleur einer Studentenverbindung angesehen. Die Kombination Band und Mütze wird oftmals auch als „Vollcouleur“ bezeichnet.
Einige Verbindungen sind der Auffassung, dass Couleur traditionell zur Alltagsbekleidung der Studenten gehörte (sich daraus sogar entwickelte), und tragen deshalb heute Band und Mütze kombiniert auch mit moderner Freizeitkleidung. Einige andere Arten von Verbindungen sind der Ansicht, dass die modischen Veränderungen, die sich gegen Ende der 1960er Jahre vollzogen haben, nicht zum studentischen Couleur passen. Denn noch in den 1950er und Anfang der 1960er Jahre trug der Student an der Universität Anzug und Krawatte und die Studentin Rock. Im Zuge der 68er-Bewegung, die in beträchtlichem Maße den Studentenverbindungen ablehnend gegenüberstand, änderte sich das jedoch völlig. So wandelte sich in der Folge auch das alltägliche Erscheinungsbild des Verbindungsstudenten, – doch die Auffassungen, wie das mit dem Tragen von Couleur, insbesondere der Mütze, zu vereinbaren sei, waren geteilt.
So gilt heute in vielen Studentenverbindungen die Regel, dass die Mütze nur auf den vom Senior oder Sprecher, d. h. dem ersten Vorsitzenden einer Studentenverbindung, als „plenis coloribus“ (lat. „mit vollen Farben“) erklärten Veranstaltungen zu tragen sei. Dabei sollte nur „couleurfähige“ Kleidung getragen werden, also in der Regel ein nicht zu heller Anzug mit Hemd und Krawatte.
Mützenformen mini|hochkant=1.4|Verschiedene Mützenformen (v. l. n. r.): Stürmer, Cadorna-Mütze, Biedermeiermütze, Tellermütze, Biertönnchen (AKV Kyburger Zürich).
Die Grundstruktur der Mützen ist bei allen Studentenverbindungen gleich. Sie besteht aus einem Kopfteil („Mützenkörper“), an dessen unterem Rand zumeist ein Farbstreifen („Mützensteg“, „Vorstoß“) angebracht ist. Vorne befindet sich ein Schirm aus schwarzem Leder.
Die Mützenformen sind in der Regel für eine Verbindung spezifisch, können also nicht individuell gewählt werden. Die Form vor allem des Kopfteils kann sehr stark variieren.
Es gibt sehr große Mützen, bei denen der obere Rand des Kopfteils einen deutlich größeren Durchmesser hat als der Kopfumfang (Tellermütze). Der „Bonner Teller“ ist oben durch einen eingearbeiteten Metallring versteift (vergleichbar mit den Mützen der Polizei), sodass er sich nicht zusammendrücken und in der Mantel- oder Jackentasche transportieren lässt.
Bei manchen besonders großen Variationen kann das Kopfteil der Mütze in Form eines Baretts zu einer Seite herunterhängen.
Auf der anderen Seite gibt es sehr kleine Mützen, die mehr auf dem Kopf aufliegen, als um ihn herum führen. Sie werden meist auf der hinteren Kopfseite getragen („Hinterhauptcouleur“).
Typisch für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts ist eine Mützenform, die sich durch einen kleinen Kopfteil und einen besonders langen, nach vorn ragenden Schirm auszeichnet. Man spricht hier auch von der Biedermeiermütze. Um 1910 wurde diese Mützenform vermehrt als Kopfbedeckung zu Pferde getragen.
Bei süddeutschen und österreichischen Verbindungen heißt die Mütze „Deckel“.
Stürmer mini|hochkant|links|Kaiser Wilhelm II. mit Stürmer mini|hochkant|General McClellan (Mitte), Oberbefehlshaber der Unionsarmee im Sezessionskrieg, und Adjudanten, jeweils mit zeitgenössischer, dem „Stürmer“ ähnelnder Kopfbedeckung
Manche Verbindungen tragen als offizielle Kopfbedeckung den sogenannten Stürmer. Diese Mützenform sieht ein wenig aus wie eine Mütze mit einem zylinderartigen Aufsatz, der nach vorn umgeklappt ist, und erinnert an die Uniformmütze der ehemaligen Armeen des amerikanischen Sezessionskriegs. Auch Stürmer haben einen schwarzen Schirm; über diesem verläuft ein Riemen. Einen umlaufenden Farbstreifen gibt es im Gegensatz zu anderen Mützenformen nicht, stattdessen Verzierungen mit Kordeln in den Couleurfarben. Die meisten Stürmer, aber nicht alle, sind weiß. Manche Verbindungen tragen ihre Stürmer auch nur im Sommersemester, im Winter tragen sie eine reguläre Mütze. Die Herkunft dieser Kopfbedeckung ist weitgehend unklar, Studentenhistoriker vermuten, dass sie in den 1840er Jahren in Bonn entstanden ist. Eine Ähnlichkeit besteht zur Phrygischen Mütze, die jedoch eine zum Zipfel ausgeformte Spitze und weder Schirm noch Riemen aufweist. Allerdings zeigt bereits die Dömitzer und die Meißner Bilderhandschrift (aus den Befreiungskriegen, 1813) schwedische Soldaten und preußische Freikorpsangehörige (Lützower) mit dem Stürmer.Thomas Hemmann: Die Dömitzer Bilderhandschrift aus dem Jahr 1813. BoD, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-6669-7. Thomas Hemmann: Die Meißner Bilderhandschrift aus den Jahren 1809 - 1814. BoD, Norderstedt 2013, ISBN 978-3-7322-3624-4. Berühmt ist das Bild von Kaiser Wilhelm II., der als Bonner Preuße den weißen Stürmer trägt.
Mützenfarbe mini|hochkant=1.2|Corpsstudenten mit verschiedenfarbigen Mützen
Der Kopfteil der Mütze ist grundsätzlich einfarbig in der „Hauptfarbe“ des Bandes. Das ist meistens die erste Farbe in der Aufzählung, aber nicht immer. In seltenen Fällen kann die Mütze auch in einer Farbe gehalten sein, die überhaupt nicht im Band vorkommt. Das ist vor allem in Österreich der Fall oder bei Verbindungen, die aus einer Fusion zweier Verbindungen mit unterschiedlichen Farben entstanden sind.
Der Farbstreifen („Mützensteg“, „Vorstoß“), der am unteren Rand die Mütze umläuft, ist meistens analog zum Band (oft auch inklusive Perkussion) gestaltet. Wenn die Mütze die erste (obere) Farbe des Bandes aufweist, kann es sein, dass der Farbstreifen nur die beiden unteren Farben zeigt. Eine Spezialität ist der sogenannte „Göttinger Streifen“, der auch außerhalb Göttingens vorkommt, (zum Beispiel beim Corps Hasso-Nassovia und beim Corps Suevia-Straßburg zu Marburg). Die Mütze ist dabei in der ersten Farbe gehalten. Der umlaufende Farbstreifen zeigt die dritte Farbe, umgeben von zwei schmalen Rändern in der zweiten Farbe. Es gilt die Faustregel: „Die zweite Farbe schließt die dritte ein“.
Für das Jahr 1830 ist die Kranzmütze erstmals bei einer Nachfolgeverbindung der Urburschenschaft (Burschenschaft der Bubenreuther zu Erlangen) belegt. Bei dieser speziellen Mützenform ist ein samtener, meist schwarzer Mützensteg mit goldenem Eichenlaub bestickt, das kranzförmig die Mütze umschließt. Diese Mützenform gilt als Bekenntnis zu den Werten der Urburschenschaft, deren Fahne in rot-schwarz-rot mit goldenem Eichenlaub bestickt war.
Bei vielen Verbindungen tragen die Füchse (Neumitglieder) eine farblich anders gestaltete Mütze. So kann beispielsweise der umlaufende Farbstreifen die Farben des Fuchsenbandes zeigen, oder die Fuchsenmütze weist besondere Merkmale, zum Beispiel eine zusätzliche Litze, auf.