Die USS Louisville (Kennung: CA 28) war ein Schwerer Kreuzer der United States Navy. Das Schiff gehörte zur ersten Baugruppe der Northampton-Klasse. Zwischen den Weltkriegen gebaut, wurde der Kreuzer im Zweiten Weltkrieg eingesetzt und überstand den Krieg nach zahlreichen Einsätzen. 1959 wurde das Schiff abgewrackt.
Baugeschichte und Technik Nach (um drei Jahre verspäteter) Autorisierung im Jahr 1927 wurde die Louisville am 4. Juli 1928 auf Kiel gelegt. Benannt ist das Schiff nach der Stadt Louisville im US-Bundesstaat Kentucky. Der Kreuzer lief am 1. September 1930 auf dem Puget Sound Naval Shipyard vom Stapel und wurde bereits am 15. Januar 1931 in Dienst gestellt. Die Baukosten betrugen 9 Millionen Dollar (Wert 1931).
Das Schiff gehörte zur ersten Untergruppe der Northampton-Klasse (CA 26-28). Deren drei Einheiten waren gegenüber den drei Einheiten der zweiten Baugruppe (CA 29-31) durch die fehlende Verlängerung des Oberdecks und des entsprechend umbauten Raumes seitlich des ersten Schornsteins gekennzeichnet. Sie waren nicht als Flaggschiffe vorgesehen, die diesen zusätzlichen Raum brauchten. An dieser Stelle führten die Schiffe der erste Baugruppe Beiboote, die auf der zweiten Baugruppe (auch wegen der dort von Anfang an fehlenden Torpedorohre) seitlich der achteren Aufbauten untergebracht waren. Die Zweiteilung der Klasse setzte sich auch in der modifizierten Northampton-Klasse (Portland-Klasse, CA 33 und CA 35) fort, bei der die Portland der Variante ohne und die Indianapolis der Variante mit Flaggschiffsfunktion entsprach.
Die Besatzungsstärke der Louisville betrug ursprünglich 45 Offiziere und 546 Mann, im Krieg stieg die Zahl insbesondere durch die drastisch verstärkte, personalintensive Luftabwehrbewaffnung und erhebliche weitere technische Ausrüstung ganz beträchtlich auf zuletzt 68 Offiziere und 1.061 Mann (1945).
Gemäß dem Washingtoner Flottenvertrag war das Schiff auf eine Standardverdrängung von 10.000 ts (zu 1.016 kg) konstruiert, mit einer geplanten Einsatzverdrängung von 11.574 tn.l. Schon unmittelbar nach Indienststellung betrug die Verdrängung bei voller Ausrüstung 11.826 tn.l. Nach Verdoppelung der Sekundärbewaffnung 1940 wurde schon eine Maximalverdrängung von 13.353 tn.l. – Zahl für das weitgehend identische Schwesterschiff Chester – erreicht. Sie wuchs im Krieg aufgrund zahlreicher Nachrüstungen über 13.910 tn.l. (1943) auf zuletzt 14.030 tn.l. (1945). Bei Indienststellung entfielen hiervon knapp 4.500 tn.l. auf die eigentliche Rumpfstruktur, knapp 2.000 tn.l. auf den Antrieb, rund 550 tn.l. auf die Panzerung, knapp 900 tn.l. auf die Bewaffnung, der Rest auf Aufbauten, sonstige Ausrüstung und Vorräte. Die Wasserlinienlänge betrug 177,39 m, die Gesamtlänge 182,88 m, die Breite 20,14 m in der Wasserlinie, der Tiefgang je nach Beladung 4,95 m bis 7,16 m.
Der Antrieb erfolgte durch vier Parsons-Getriebeturbinen auf vier Propeller (acht Kessel von White-Forster), mit einer Entwurfsleistung von 107.000 shp (amerikanische Wellen-PS) und einer Konstruktionsgeschwindigkeit von 32,5 Knoten. Bei den Probefahrten wurden diese Werte leicht überschritten (109.049 shp für 32,76 kn bei 10.503 tn.l., 1931). Der Wendekreis (taktisch) lag bei 686 m bei 20 kn. Die Treibstoffvorräte (Öl) waren auf maximal 3.067 tn.l. für eine Seeausdauer von 10.000 Seemeilen bei 15 kn vorgesehen. Tatsächlich wurden im Krieg (1945) jedoch mit 2.957 tn.l. nur 7.580 sm bei 15 kn und 5.250 sm bei 20 kn erreicht. Grund war die typischerweise zu günstige Kalkulation im Entwurf, das im Krieg deutliche erhöhte Einsatzgewicht und auch die Abnutzung der Maschinenanlage durch die jahrelange sehr hohe Beanspruchung im Einsatz.
Die Seitenpanzerung (Gürtelhöhe 4,57 m) war (nur) 3,00 bis 3,75 Zoll stark, die Panzerdicke der Schotten betrug 2,5 Zoll an den Munitionskammern und 1,5 Zoll beim Antrieb, das Deck war mit 1,0 Zoll (2,0 Zoll über den Munitionskammern) geschützt. Die Barbetten der Geschütztürme waren 1,5 Zoll stark gepanzert, die Hauptgeschütztürme mit 2,5 Zoll vorn, 1,5 Zoll oben und 0,75 Zoll seitlich und hinten gepanzert. Der Kommandoturm war mit 1,5 Zoll Panzerung geschützt (1 Zoll = 25,4 mm). Insgesamt war die Panzerung für ein Schiff dieser Größe erheblich zu leicht und wurde in der späteren zweiten Generation der zwischen den Kriegen gebauten Schweren Kreuzer drastisch verstärkt (nahezu dreifaches Gewicht für die Panzerung verbaut).
Bewaffnung Die Hauptbewaffnung bestand aus neun Geschützen des Kalibers 203 mm (acht Zoll) L/55 Mk.14/0 in drei Drillingstürmen (zwei überhöhend vorn, einer achtern), wobei die drei Geschützrohre eines Turms in einer Wiege lagen und nur gemeinsam bewegt werden konnten. Die verschossenen Granaten wogen 260 Pfund, die Reichweite lag bei rund 30 km, und die Feuerkadenz bei 2,1 Schuss pro Rohr und Minute. Die Lebensdauer eines Rohres wurde auf über 700 Schuss veranschlagt.
Als Sekundärbewaffnung (Mittelartillerie) insbesondere zur Zerstörerabwehr und als schwere Flak waren vier Geschütze 127 mm (fünf Zoll) L/25 in offenen Einzellafetten (beiderseits der achteren Aufbauten) an Bord. Die Zahl wurde 1940 durch vier weitere gleiche Geschütze auf den Hangardächern verdoppelt. Zur Feuerleitung befanden sich zwei Mk.24-Leitgeber (für die Achtzöller) und zwei Mk.19-Feuerleitgeräte (für die Fünfzöller) an Bord. Während des großen Modernisierungsumbaus 1943 wurden diese durch die modernen Typen Mk.34 (für die Achtzöller) und Mk.33 (für die Sekundärbewaffnung) ersetzt. Ab 1942 wurden Feuerleitradare geführt (siehe Radarausrüstung).
Die Louisville wurde (als letzter Schwerer Kreuzer der US Navy) noch mit sechs Torpedorohren mit 533 mm Durchmesser (zwei Drillinge in Nischen in den achteren Aufbauten) fertiggestellt, die jedoch bereits 1934 wieder abgegeben wurden. Für die Konzeption Schwerer Kreuzer sowie auch größerer Leichter Kreuzer (10.000-Tonnen-Klassen) sah die US Navy ab Mitte der 1930er-Jahre einheitlich eine reine Artilleriebewaffnung vor. Torpedorohre blieben fortan den beweglicheren kleineren Kreuzern (6.000-Tonnen-Klassen) und Zerstörern vorbehalten.
Die leichte Flugabwehrbewaffnung der Louisville bestand ursprünglich nur aus acht, ab 1940 aus zwölf Maschinengewehren 12,7 mm (0.50 cal). 1941 sollen als Interimslösung auch vier 3-Zoll-Flakgeschütze an Bord gewesen sein. Im Mai 1942 wurden diese durch 16 Geschütze 28 mm (1,1 Zoll) in vier Vierlingen (jenseits der Brücke und jenseits des zweiten Schornsteins) und zwölf 20-mm-Oerlikon-Kanonen ersetzt, deren Zahl im November 1942 um sieben Stück (vier um den Großmast, zwei in der Brücke, eine auf Turm B) auf 19 erhöht wurde. Die Feuerleitung für die 28-mm-Vierlinge übernahmen Mk.44-Feuerleitgeräte.
Beim großen Modernisierungsumbau 1943 wurde die Flak erneut erheblich verstärkt, und zwar auf 24 Rohre 40-mm-Bofors-Geschütze (vier Vierlinge, vier Zwillinge) und insgesamt 27 Einzelflak 20-mm-Oerlikon (eine auf Turm C, 16 in den achteren Aufbauten, zwei neben dem ersten Schornstein, acht auf der Back und neben der Brücke). Die Feuerleitung für die Bofors-Geschütze übernahmen Mk.51-Leitgeräte. Ein letztes Mal wurde die Bewaffnung 1945 nachgerüstet: ein zusätzlicher 40-mm-Vierling auf der Back brachte die Gesamtzahl auf 28 Rohre (5 × 4, auf Back, jenseits der Brücke und jenseits der achteren Aufbauten, 4 × 2 auf dem Schanzdeck), und die 20-mm-Einzelflak wurden durch 13 Zwillinge gleichen Kalibers (26 Rohre) ersetzt (sechs auf den Decks vor der Brücke, sechs in den achteren Aufbauten, eine auf Turm C).
Der Kreuzer verfügte ab Indienststellung über zwei Katapulte und einen Doppelhangar für Schwimmer-Bordflugzeuge, von denen drei bis vier mitgeführt wurden. Aus Gewichtsgründen wurde das Steuerbord-Katapult im März 1945 ausgebaut. Die verwendeten Flugzeugtypen waren zunächst Vought O3U Corsair, ab 1936 dann Curtiss SOC Seagull Doppeldecker. Erst mit dem letzten Umbau im März 1945 kamen dafür drei moderne Curtiss SC-1 Seahawk an Bord.
Radarausrüstung Im Kriege wurde die Louisville umfassend mit Radar ausgerüstet. Im Mai 1942 kam als Luftsuchradar SC-1 an Bord, das beim großen Umbau 1943 durch SK ersetzt wurde. Ab November 1942 war auch ein SG-Seesuchradar an Bord, nach dem Umbau von Ende 1943 waren es zwei. 1945 kam schließlich noch das Jägerleitsystem (pencil beam) SP hinzu. Die Feuerleitung wurde 1942 mit zwei Mk.3 (FC) für die Schwere Artillerie und zwei Mk.4 (FD) für die Sekundärbewaffnung für Radarbetrieb nachgerüstet. Beim großen Umbau 1943 wurden die neuen Feuerleitgeräte mit dem modernen phased array System Mk.8 Mod.1 ausgestattet (je eine Anlage für jedes Mk.34-Feuerleitgerät), während für die neuen Leitgeber der Sekundärartillerie Typ Mk.33 die alten Mk.4-Radare (vorgebaut) technisch unverändert übernommen wurden. 1945 wurden die Mk.8-Mod.1-Radare durch die weitgehend schon Mk.13 entsprechende, voll wettergeschützte geschlossene Variante Mk.8 Mod.3 ersetzt und die beiden Mk.4-Antennen gegen den neuen lightweight microwave-dish (Leichtgewichtsantenne) Mk.28 ausgetauscht.
Umfangreiche ECM/ECCM-Anlagen wie DBM und der S-Band TDY-1a-Sperrsender kamen hinzu.Das TDY-System besteht aus drei Komponenten mit zahlreichen Antennen, dem Richtungssucher auf dem Hauptmast mit zwei Antennen Rücken an Rücken, den eigentlichen Störsendern in ovalen Wetterschutzgehäusen seitlich am Rumpf in Hauptdeckhöhe und den ähnlich aussehenden Samplern in den Aufbauten, sowie für weitere Frequenzbereiche kleineren Antennen verschiedener Bauart in den Masten (näher: Norman Friedman: Naval Radar. Conway, London 1981, S. 132/133; ders., Cruiser Electronics. In: Warship Vol.6, Conway, London 1978, S. 74 ff., 79; Steve Wiper: USS Louisville CA-28. Warship Pictorial, Tucson 1998, S. 47/48) In den achteren Aufbauten fand sich SQ als Notsystem zur Navigation, und die achteren 40-mm-Vierlinge trugen bereits eigenes Mk.34-Feuerleitradar als Teil der Anti-Kamikaze-Nachrüstung. Auf dem Vormast waren neben TBS und VHF-Funkantennen auch der BK-Transponder für die eigene Freund-Feind-Kennung (IFF) und der entsprechende BN-Interrogator für die Identifizierung anderer Schiffe installiert.
Anstrich mini|Die Louisville vor Mare Island, 17. Dezember 1943, getarnt nach Measure 32/6d
1942/1943 war die Louisville einheitlich in Measure 21 (Vertikalflächen „navy blue 5-N“ über alles, Decks „deck blue 20-B“) gestrichen. Am Ende des großen Umbaus im Dezember 1943 präsentierte sich der Kreuzer dann im sogenannten „dazzle“-Tarnschema Measure 32 Design 6D mit einem komplexen Seitenmuster aus „light gray (5-L)“, „ocean gray (5-O)“ und „dull black (BK)“Schwarz wurde vom Tarnplan gemäß Measure 32 verlangt; großformatige Werftfotos vom Umbau lassen daran Zweifel aufkommen, da die dort erkennbare Farbe deutlich heller als schwarz ist. Es könnte sich um „navy blue 5-N“ handeln. und einem Decksmuster aus „ocean gray (5-O)“ und „deck blue (20-B)“. Dieses Schema trug der Kreuzer noch bis Anfang 1945. Der letzte Umbau, der dem Kamikazetreffer vom Januar 1945 folgte, führte im März 1945 zu einem Wechsel auf das „graded system“ des Measure 22, mit Vertikalfarbe „navy blue (5-N)“ unterhalb des Hauptdecks, „haze gray (5-H)“ oberhalb, und Decks komplett in „deck blue (20-B)“, wobei die Holzdecks jedoch gegen Kriegsende nicht mehr überstrichen wurden. 1945 wurde das Schiff dann in Friedensgrau (Measure 27, „haze gray 5-H“ über alles, unbehandelte naturfarbene Holzdecks) umgestrichen, mit großer weißer, am Rand schwarz schattierter Kennziffer „28“ beiderseits des Bugs, wie nach dem Krieg üblich geworden.
Großer Umbau 1943