Die Pfaueninsel mit dem Schloss Pfaueninsel und weiteren Gebäuden liegt in der Havel im Südwesten Berlins. Sie ist ein zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gehörender 67 Hektar großer Landschaftspark und steht seit 1990 gemeinsam mit den Schlössern und Parks von Sanssouci in Potsdam und mit dem Schloss Glienicke in Berlin als Weltkulturerbe auf der Liste der UNESCO. Die Pfaueninsel ist eng verbunden mit wichtigen Ereignissen und Personen der brandenburgisch-preußischen Geschichte.
Lage
Die Insel liegt im wald- und wasserreichen Ortsteil Wannsee des Bezirks Steglitz-Zehlendorf im Südwesten Berlins. Die Entfernung zur Stadtmitte Berlins beträgt etwa 22 km (Luftlinie), die Entfernung zur Stadtmitte Potsdams rund fünf Kilometer. Seit 1924 ist die Pfaueninsel mit einer Fläche von 88 Hektar, davon 67 Hektar Landfläche, als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Naturschutzgebiet ist als Fauna-Flora-Habitat gemeldet und Teil des EU-Vogelschutzgebiet Westlicher Düppeler Forst.Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin: natürlich Berlin! S. 84. Eingebettet in eine komplexe, historisch vielschichtige Kulturlandschaft müssen die zum Teil unterschiedlichen Belange von Naturschutz und Denkmalpflege sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.
Die Pfaueninsel ist aus Berlin über den Bahnhof Wannsee (S-Bahn oder Regional-Express-Zug) und von dort mit der Buslinie 218 erreichbar. Anschließend erfolgt die kurze Fährüberfahrt zur Pfaueninsel.Berliner Verkehrsbetriebe: Pfaueninsel und Park Glienicke. Faltblatt Berlin, 30. September 2010 Wie früher eine Landschaft im Samland wird die Pfaueninsel als „Preußisches Paradies“ bezeichnet.Gabriela Walde: Besuch im preußischen Paradies. In: Berliner Morgenpost, 3. Mai 2010.
Geschichte Erste Nutzungen ab 1650 mini|Schloss Pfaueninsel, Ansicht von Südwesten (2025) mini|Gedenkstein für Johannes Kunckel
Eisenzeitliche Armringe und Haarspiralen aus Bronze kamen bei Erdarbeiten im Mai 1843 auf der Pfaueninsel zutage. Im Nordosten der Insel fanden sich Spuren einer wendischen Siedlung.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ließ der Große Kurfürst auf der Insel, wie auch anderswo in Brandenburg, einen Canienengarten, also eine Kaninchenzucht anlegen, und dafür etwa an der Stelle des heutigen Schlosses ein Hegerhaus bauen. 800 Kaninchen erbrachten 200 Taler pro Jahr für die kurfürstliche Kasse. Aus dieser Zeit stammt der Name Kaninchenwerder, eine eher inoffizielle Bezeichnung neben den Begriffen Pauwerder, Pfau-Werder oder Zu den Pfauen, die in alten Dokumenten verwendet wurden, obwohl von Pfauen auf der Insel damals nichts bekannt war – die kamen erst sehr viel später. Seit 1795 wird durchgehend der Name Pfaueninsel verwendet.
Die Insel wurde 1685 dem Alchimisten und Glasmacher Johannes Kunckel „erb- und eigentümlich“ als Geschenk übereignet. Kunckel hatte zuvor schon im Auftrag des Kurfürsten die wenig leistungsfähige Glasherstellung in Brandenburg konkurrenzfähig gemacht. Nun sollte diese Arbeit auf der Pfaueninsel intensiv fortgesetzt werden. Vor allem ging es darum, die nach dem Dreißigjährigen Krieg noch immer schwer geschädigte Wirtschaft des Landes voranzubringen. Es ging aber auch um die wissenschaftlich-technischen Interessen des Landesherrn, um sein barockes Vergnügen an Experimenten mit Feuer und Glas und den verschiedensten Elixieren. Während gewöhnlichen Außenstehenden das Betreten der Insel bei Strafe verboten war, ließ sich der Kurfürst häufig aus der nahe gelegenen Residenz Potsdam herüberrudern, um die Fortschritte seines Glasmachers zu begutachten und um selbst stundenlang zu experimentieren. Dunkle Rauchschwaden und stechende Gerüche zogen von der Insel hinüber zum Festland und veranlassten die Einwohner dort zu allerlei Vermutungen über Goldmacherei und schwarze Magie.
Im Jahr 1689 brannten die Glashütte und das Laboratorium im Nordosten der Insel bis auf die Grundmauern nieder, Kunckel war wirtschaftlich ruiniert. Ohnehin hatte ihm der Sohn und Nachfolger des Großen Kurfürsten, Friedrich III. (der spätere König Friedrich I.), seit 1688 jede Unterstützung entzogen, ihn sogar zur Rückzahlung von 8000 Talern verurteilen lassen, weil er die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt habe. Als er befragt wurde, welchen Nutzen denn seine kostspieligen Versuche gehabt hätten, gab Kunckel zur Antwort: „Der hochselige Herr Kurfürst war ein Liebhaber von seltenen und kuriosen Dingen und freute sich, wenn etwas zustande gebracht wurde, was schön und zierlich war. Was dieses genützt hat, diese Frage kann ich nicht beantworten.“ 1692 folgte Kunckel einer Einladung nach Schweden und fand dort für seine Kenntnisse und Fertigkeiten hohe Anerkennung.
Friedrich Wilhelm II. ab 1790
Das Projekt Die Insel war danach für etwa 100 Jahre ungenutzt. Ihr eigentlicher Aufstieg begann unter König Friedrich Wilhelm II., dem Neffen und Nachfolger Friedrichs des Großen. Schon als Kronprinz hatte er sich zusammen mit Wilhelmine Encke, der Tochter eines Hornisten der Hofkapelle, zu romantisch-erotischen Aufenthalten auf die verwilderte Insel übersetzen lassen. Im Alter von 17 Jahren wurde Wilhelmine Mutter; die beiden hatten danach noch vier gemeinsame Kinder. Das Verhältnis überdauerte mehrere andere Liebschaften des Kronprinzen und späteren Königs (volkstümlicher Beiname: Der dicke Lüderjahn), auch zwei Ehen, die er aus Gründen der Staatsräson schloss, und hielt an bis zu seinem Tod 1797. Für die Entwicklung der Pfaueninsel hatte die langjährige Mätresse – seit 1796 Wilhelmine Gräfin von Lichtenau – erhebliche Bedeutung.
Im Jahr 1793 dachte der König darüber nach, die Parklandschaft des Neuen Gartens, die er am Ufer des Heiligen Sees in Potsdam hatte anlegen lassen, zu erweitern. Daraus entwickelte sich die Idee, dies nicht auf direkt angrenzendem Gelände zu tun, sondern auf der Pfaueninsel, die er von Potsdam aus immer vor Augen und seit über 30 Jahren in bester Erinnerung hatte. Durch eine Kabinettsorder vom 12. November 1793 übermittelte der König seinen Wunsch: „[…] Zu dem Amte Bornstedt gehört eine in der Havel liegende Insel, genannt der Caninchenwerder, welche ich der Lage halber zu einigen Anlagen selbst übernehmen will“. Mit dem damaligen Besitzer, dem Militärwaisenhaus in Potsdam, war schnell eine finanzielle Regelung getroffen; schon am 24. November 1793 wurde die Insel übergeben, im Frühjahr 1794 begannen die notwendigen Arbeiten.
Landschaft und Gebäude mini|Englisches Tableau, um 1800
Unter Friedrich Wilhelm II. wurden besonders zwei Bereiche gestaltet: am Ufer der Westspitze das Schloss Pfaueninsel und seine Umgebung, im feuchten Wiesenland im Osten der Insel die Meierei und deren Umland. Das kleine weiße Schloss wurde so platziert, dass man es schon aus der Ferne, vom Potsdamer Ufer her, als architektonischen Akzent in schöner Landschaft wahrnehmen konnte. Es sollte privaten Charakter haben, einen Ruhe- und Rückzugsraum für den König und seine geliebte Wilhelmine bilden. Sie war an der Planung wesentlich beteiligt und sorgte vor allem für die Inneneinrichtung. Einem bestimmten Stil fühlte sie sich nicht verpflichtet. Von griechischen Bronzen bis zur Einrichtung eines Turmzimmers als Oteihitisches Kabinett, also als Bambushütte im Südseestil, reichte die Skala ihrer Einfälle. Der Gesamteindruck zeugt dennoch von ausgezeichnetem Geschmack; die Qualität der einzelnen Stücke ist hervorragend. Die ursprüngliche Ausstattung ist fast vollständig im Original erhalten, weil das Schloss nach 1840 nicht mehr bewohnt wurde und von Bränden oder Kriegsschäden verschont blieb – ein seltener Glücksfall.
Inseln hatten in der Blütezeit der Landschaftsparks einen gewissen sentimentalen und symbolischen Wert – man ließ sich über ein trennendes Wasser zu einem Ort der Abgeschiedenheit übersetzen. In anderen Parkanlagen musste eine solche Situation durch künstliche Wasserläufe mühsam hergestellt werden. Hier war sie seit jeher vorhanden, versehen mit einem breiten Schilfgürtel und einem Bestand von etwa 300 Eichen, die mehrere Jahrhunderte alt waren. Größere Neupflanzungen waren also nicht erforderlich, vielmehr galt es, das Vorhandene durch landschaftsgärtnerische Eingriffe und geeignete Architektur zu interpretieren und zu steigern. Entgegen einer oft geäußerten Ansicht wurden Schloss und Meierei nicht erbaut, um als Ruinen den Blick des Betrachters ernsthaft zu täuschen. Es waren vielmehr sichtlich funktionstüchtige Gebäude, die gewissermaßen maskiert als Darsteller in einer Inszenierung mitwirkten. Darin sollte das Schloss ein „verfallenes römisches Landhaus“ vorstellen.
mini|links|Die Meierei in einer Darstellung von 1855
Die 1794–1795 erbaute Meierei im entlegenen Nordosten der Insel stellt sich als Ruine eines gotischen Klosters dar, war aber tatsächlich das Hauptgebäude eines „Schmuckbauernhofs“ mit Milchviehhaltung, Pferden und Schafen. Die Meierei besteht aus einem zweigeschossigen, turmartigen Bau mit Meierwohnung, Molkenstube und darüber im Obergeschoss einem prächtig dekorierten, gut erhaltenen Festsaal im neugotischen Stil mit Stuckaturen von Constantin Philipp Georg Sartori. Im eingeschossigen östlichen Anbau befindet sich der Kuhstall. Während sich das Turmdach von außen hinter einer kunstvoll-ruinös wirkenden Attika verbirgt, erhebt sich über dem Stallteil hinter einer ähnlichen Attika ein hohes abgewalmtes Bogendach. Dieses Bohlendach stellt eine bautechnikgeschichtliche BesonderheitSiehe Eckart Rüsch: Baukonstruktion zwischen Innovation und Scheitern. Verona, Langhans, Gilly und die Bohlendächer um 1800. Michael Imhof Verlag, Petersberg 1997, ISBN 3-932526-00-7, S. 138–143, mit ausführlicher Darstellung der Baugeschichte. dar und ist gleichzeitig eines der ältesten erhaltenen Beispiele dieser Dachkonstruktion in Deutschland.
Ein Architekt wurde nicht beschäftigt. Zudem waren weder das Hofbauamt in Potsdam noch das Oberhofbauamt in Berlin beteiligt. Hofzimmermeister Johann Gottlieb BrendelEckart Rüsch: Baukonstruktion zwischen Innovation und Scheitern. Verona, Langhans, Gilly und die Bohlendächer um 1800. Michael Imhof Verlag, Petersberg 1997, ISBN 3-932526-00-7, S. 138, 269. aus Potsdam leitete den Bau des Schlösschens und der Meierei nach den Vorstellungen seines Dienstherrn. In zeitgenössischen Berichten bleibt unerwähnt, woher der König seine Ideen nahm. Allerdings: In einem Magazin jener Zeit wurden „Englische Tableaus“ als Wandschmuck mit Uhr angeboten, auf denen ein verblüffend ähnliches Gebäude zu sehen ist; und in der königlichen Bibliothek fand sich eine Ansicht der Insel Capri mit vergleichbarem Motiv.
Für die Besucher der Insel wurden zwei Landestellen angelegt; eine war der königlichen Familie vorbehalten, die andere diente sonstigen Besuchern und dem Lastverkehr. Annähernd gleichzeitig mit Schloss und Meierei entstanden Mitte der 1790er Jahre ein Küchenhaus, eine hölzerne „Eiskute“ in der Form eines über vier Meter hohen bogenförmigen Zeltes mit Keller für die Aufbewahrung von Eis und verderblichen Lebensmittel (1904 abgebrochen),Eckart Rüsch: Baukonstruktion zwischen Innovation und Scheitern. Verona, Langhans, Gilly und die Bohlendächer um 1800. Michael Imhof Verlag, Petersberg 1997, ISBN 3-932526-00-7, S. 144–145. das Haus des Schlosskastellans, mehrere Brunnen, eine Kegelbahn und eine als Heuschober verkleidete Unterkunft für die Pfauen, die in Gut Sacrow angekauft und nun auf der Insel angesiedelt wurden.
mini|Beelitzer Jagdschirm Aus Beelitz wurde der „Jagdschirm“ herbeigeschafft, wegen des mit Baumrinde bedeckten Äußeren auch Borkenhäuschen genannt – noch immer war der größte Teil der Insel wild bewachsenes Jagdrevier.
Als 1797 alles fertiggestellt war, starb der seit langem kränkliche König. Seine Mätresse Gräfin Wilhelmine von Lichtenau wurde wegen unrechtmäßiger Bereicherung angeklagt, zwar freigesprochen, aber dennoch für lange Zeit verbannt.
Friedrich Wilhelm III.
Allgemeine Entwicklung mini|Karte von 1810, gezeichnet von Ferdinand Fintelmann