Jens Lorenz Franzen (* 27. April 1937 in Bremen; † 21. November 2018Traueranzeige Jens Lorenz Franzen In: FAZ. 15. Dezember 2018. in Freiburg im Breisgau)Ottmar Kullmer, Stephan Schaal: In memoriam Jens Lorenz Franzen. In: Senckenberg Natur Forschung Museum. Band 149, Nr. 1-3, 2019, S. 42. war ein deutscher Paläontologe.Thorsten Wenzel: Der Herr der Urpferde. In: Senckenberg. Natur, Forschung, Museum. Band 147, Nr. 05/06 2017, S. 170–172. Zuletzt war er Leiter der Abteilung Paläoanthropologie und Quartär-Paläontologie am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main. Er nahm an Fossilfundstätten in Deutschland – wie Messel, Dorn-Dürkheim und Eppelsheim – wissenschaftliche Grabungen vor und entdeckte und beschrieb viele bis dahin unbekannte fossile Säugetierarten.
Leben Von 1968 bis 1969 war Franzen wissenschaftlicher Assistent am Geologisch-Paläontologischen Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, von 1969 bis 1970 wissenschaftlicher Assistent (DFG) von Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald und von 1971 bis 1977 wissenschaftlicher Assistent am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main. In den Jahren von 1973 bis 1984 befasste sich Franzen mit der Initiierung und Organisation des Protestes der Internationalen Wissenschaft gegen eine Mülldeponie in der Grube Messel bei Darmstadt.
Zwischen 1975 und 1984 folgte der Aufbau und die Leitung des Grabungsprogramms des Forschungsinstitutes Senckenberg in der Grube Messel. 1987 wirkte Franzen als wissenschaftlicher Berater der Gemeinde Messel beim Prozess vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel. Von 1977 bis 2000 war er Kustos und Sektionsleiter Paläoanthropologie am Forschungsinstitut Senckenberg, von 1982 bis 1999 Leiter der Abteilung Paläoanthropologie am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main und ab 1. Januar 2000 Leiter der Abteilung Paläoanthropologie und Quartärpaläontologie am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main und in Weimar. Von 1989 bis 2000 war er Mitglied und von 1992 bis 2000 Erster Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses des Forschungsinstitutes Senckenberg, zugleich Mitglied des Verwaltungsrates der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Seit dem 1. September 2000 war er im Ruhestand und ehrenamtlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut Senckenberg sowie an der Abteilung Geowissenschaften des Naturhistorischen Museum Basel.
Franzen wurde 1998 Erster Preisträger des Friedrich-von-Alberti-Preises (für seine Studien zur Stammesgeschichte des Menschen und zur Erforschung und Erhaltung des UNESCO-Weltnaturerbes Grube Messel. (Laudatio)) und 2003 Ehrenmitglied des Fördervereins Dinotherium-Museum Eppelsheim. Er hat das Konzept für das 2001 eröffnete Dinotherium-Museum in Eppelsheim geprägt, das den Namen des fossilen Rüsseltieres Dinotherium trägt. 2009 war er einer der Autoren der von einer großen Medienresonanz begleiteten Erstbeschreibung des fossilen Primaten Darwinius aus Messel, der stammesgeschichtlich dem letzten gemeinsamen Vorfahren der Trockennasenaffen und Feuchtnasenaffen nahestehtJ. L. Franzen, P. D. Gingerich, J. Habersetzer, J. H. Hurum, W. von Koenigswald u. a.: Complete Primate Skeleton from the Middle Eocene of Messel in Germany: Morphology and Paleobiology. In: PLoS ONE. Band 4, Nr. 5, 2009, Art. e5723. doi:10.1371/journal.pone.0005723.
Persönliches Seine Frau ist Elisabeth Franzen. Die Kunsthistorikerin und Museumsdirektorin Brigitte Franzen ist seine Tochter. Er starb im November 2018 im Alter von 81 Jahren in Freiburg im Breisgau.
Wirken Er befasste sich mit paläogenen Equoidea (Palaeotherien, Equiden, Messeler Urpferde), den Primaten von Messel, außerdem mit den eozänen Säugetieren des Eckfelder Maars (Eckfeld/Vulkaneifel) und den spätmiozänen Großsäugern (Tapire, Chalicotherien von Dorn-Dürkheim), sowie mit der Säugetierchronologie des europäischen Eozäns und Obermiozäns.
Franzen nahm an Ausgrabungen und Expeditionen in Europa, Afrika und Amerika teil. Er grub in der Fossilienfundstätte Grube Messel bei Darmstadt in Hessen (1975–1984), in Dorn-Dürkheim in Rheinland-Pfalz (1973–1979, 1985–1986, 1989–1996) und in Eppelsheim in Rheinland-Pfalz (1996–2002). In Eppelsheim und Dorn-Dürkheim befinden sich Ablagerungen des Ur-Rheins (Dinotheriensande). Außerdem nahm Franzen paläontologische und paläoanthropologische Untersuchungen in Marokko (1971), Libyen (1972), Griechenland (1963, 1975) und Mexiko (1991, 1992) vor.
Er war Mitglied bei zahlreichen renommierten Gesellschaften: Society of Vertebrate Paleontology, Paläontologische Gesellschaft, Oberrheinischer Geologischer Verein, Naturforschende Gesellschaft Freiburg i. Br., Archäologische Gesellschaft Hessen, Museumsverein Messel und Förderverein Dinotherium-Museum Eppelsheim.
Der Paläontologe untersuchte zahlreiche fossile Säugetiere aus dem Tertiär – vor allem aus dem Eozän und Miozän –, beschrieb und benannte sie.
Neue Gattungen Pseudopalaeotherium , 1972 Messelobunodon , 1981 Hallensia & , 1986 Neufferia , 1994 Lutzia , 1994, präokkupiert durch Lutzia , 1903, gültig jetzt Herbertlutzius , 2009 Godinotia , 2000 Eurohippus , 2006 Darwinius et al., 2009
Neue Arten Palaeotherium pomeli , 1968 Pseudopalaeotherium longirostratum , 1972 Messelobunodon schaeferi , 1981 Messelobunodon ceciliensis & , 1980 Europolemur koenigswaldi , 1987 Hallensia matthesi & Haubold 1986 Hallensia parisiensis , 1990 Neufferia manderscheidi , 1994 Lutzia eckfeldensis , 1994 Lophiotherium sondaari , 1999 Europolemur kelleri , 2000 Plesiosorex roosi , & , 2003
Neue Unterarten Palaeotherium castrense robiacense , 1968 Palaeotherium crassum robustum , 1968 Palaeotherium muehlbergi praecursum , 1968 Palaeotherium curtum villerealense , 1968 Palaeotherium curtum frohnstettense , 1968 Palaeotherium duvali priscum , 1968
Dedikationsnamen Zu Ehren von Franzen sind etliche fossile Tierarten benannt worden. Im Bereich der Gattungen und Untergattungen Franzenium n.g. ( & , 1989) und Franzenitherium n.subg. (, 1992). Außerdem die neuentdeckten Arten Palaeotherium franzeni n.sp. (, 1980), Masillabune franzeni n.sp. & , 1989, Neochelys franzeni n.sp. (, 1993) und Tachypteron franzeni n.sp. (, & , 2002)
Wissenschaftliche Publikationen (Auswahl) Neue Säugerfunde aus dem Eozän des Eckfelder Maares bei Manderscheid (Eifel). In: Mainzer Naturwiss. Arch. Beiheft 16, Mainz 1994, S. 189–211. Die Equoidea des europäischen Mitteleozäns. In: Hallesches Jb. Geowiss. Band 17, Halle 1995, S. 31–45. Ein Koprolith als Leckerbissen. Der siebte Primatenfund aus Messel. In: Natur u. Museum. Band 127, Nr. 2, Frankfurt am Main 1997, S. 46–53. Der sechste Messel-Primate (Mammalia, Primates, Notharctidae, Cercamoniinae). In: Senckenbergiana lethaea. Band 80, Frankfurt am Main 2000, S. 289–303. First fossil primates from the Eckfeld Maar, Middle Eocene (Eifel, Germany). In: Eclogae geologicae Helvetiae. Band 97, Basel 2004, S. 213–220. Die Urpferde der Morgenröte. Ursprung und Evolution der Pferde. Spektrum Akademischer Verlag (Elsevier), Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8274-1680-3.
Weblinks
Jens Franzen bei senckenberg.de Jens Lorenz Franzen auf der Homepage des Naturhistorischen Museums Basel
Einzelnachweise
Kategorie:Paläontologe Kategorie:Paläoanthropologe Kategorie:Friedrich-von-Alberti-Preisträger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1937 Kategorie:Gestorben 2018 Kategorie:Mann