Waidhofen an der Ybbs ist eine Statutarstadt mit Einwohnern (Stand ) in Niederösterreich. Die Geschichte der Stadt wurde von ihrer jahrhundertelangen Stellung als Zentrum der Eisenverarbeitung geprägt. 2016 wurde Waidhofen a. d. Ybbs der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Reformationsstädte Europas. In: reformation-cities.org, abgerufen am 28. September 2016. Zur Bedeutung Waidhofens in der Reformationsgeschichte siehe den Abschnitt Niedergang im 16. Jahrhundert sowie das Stadtporträt des Projekts Reformationsstädte Europas: Reformationsstadt Waidhofen an der Ybbs. Österreich. Evangelisch trotz des katholischen Grundherrn. In: reformation-cities.org/cities. Abgerufen am 20. Juli 2017.

Geografie Die Stadt Waidhofen an der Ybbs liegt im Südwesten Niederösterreichs in den niederösterreichischen Eisenwurzen im Mostviertel und grenzt im Westen an das Bundesland Oberösterreich. Die Stadt gehört in der Systematik der Landwirtschaftlichen Kleinproduktionsgebiete zu den Niederösterreichischen Kalkalpen, die zum Hauptproduktionsgebiet österreichische Voralpen gehören.

Waidhofen an der Ybbs ist eingebettet in voralpine Höhenzüge auf 362 m Seehöhe (gemessen bei der Stadtpfarrkirche). Der Fluss Ybbs durchschneidet die Stadt schluchtartig. Die höchste Erhebung des Gemeindegebietes ist der hohe Wetterkogel (an der Gemeindegrenze zu Opponitz). Die Hausberge Waidhofens sind der Buchenberg (790 m) und der Schnabelberg (958 m). Zum Verwaltungsgebiet der Stadt gehören auch die vier Orte Windhag (711 m), Konradsheim (651 m), St. Leonhard am Walde (714 m) und St. Georgen in der Klaus (665 m). Die Fläche der Stadt ist zu 48,62 % von Äckern und Weiden sowie zu 43,88 % von Wald geprägt.

Geologie Waidhofen an der Ybbs befindet sich am Übergang der Nördlichen Kalkalpen zur penninischen Flyschzone. Dazwischen eingeklemmt und kompliziert tektonisch eingeschuppt liegen die ultrahelvetische Grestener Klippenzone und die penninische Ybbsitzer Klippenzone.Geologische Bundesanstalt (Hrsg.): Geologische Karte von Niederösterreich 1 : 200.000, Niederösterreich Süd. Wien 2002.

Die kalkalpinen Gesteine, vorwiegend Hauptdolomit und Opponitz-Formation, finden sich südlich des Stadtkerns, z. B. am Buchenberggipfel, dem Schnabelberg und bis zum Wetterkogel hin.

Die Grestener Klippenzone besteht aus leicht erodierbaren bunten Mergeln von Kreide bis Paläogen (Buntmergelserie) und Härtlingen aus Kalken der Jura bis Kreide, zieht von der Pöchlau (Hochkogel) über die Klippe von Konradsheim und Vordereck zum Stadtkern und quert die Ybbs nach Zell Arzberg und Schwarzenberg hinüber.

Die Ybbsitzer Klippenzone, die hier vor allem aus Flysch-ähnlichen Gesteinen besteht, ist hier in zwei Äste aufgespalten: Der südliche zieht vom nördlichen Unterhang des Buchenbergs über die Ybbs zum Gehöft Großöd nach Osten; der nördliche beginnt im nördlichen Schwarzenberg, quert den Urnbach nach Norden und erstreckt sich über den Südteil von St. Leonhard in das Quellgebiet des Urnbachs.

Der ganze Nordteil der Stadtgemeinde vom Hirschberg über den Norden von Rien, St. Georgen in der Klaus, Windhag bis St. Leonhard am Walde gehört zur Flyschzone, die aus Sandsteinen, Mergeln und Tonsteinen der Oberkreide bis Paläogen besteht und zum Rutschen (schwyzerdütsch flyschen) neigt.

Klima

Gemeindegliederung Seit 1972 bilden die Gemeinden Waidhofen-Land, Zell an der Ybbs, Windhag und St. Leonhard zusammen mit der Stadtgemeinde die Großgemeinde Waidhofen an der Ybbs.

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 10 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Konradsheim () Kreilhof () Rien () St. Georgen in der Klaus () St. Leonhard am Walde () Waidhofen an der Ybbs () Windhag () Wirts () Zell Arzberg () Zell Markt ()

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Konradsheim, Kreilhof, Rien, St. Georgen in der Klaus, St. Leonhard am Walde, Waidhofen an der Ybbs, Windhag, Wirts, Zell Arzberg und Zell Markt.

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden von Waidhofen an der Ybbs sind: Randegg Biberbach Neuhofen an der Ybbs Sonntagberg Allhartsberg Ertl Opponitz Seitenstetten Ybbsitz Maria Neustift Gaflenz

Geschichte Name

Die Herkunft des Namens ist unsicher. Nach alter Überlieferung leitet er sich von einem Waidhof (d. h. Jagdsitz) der bischöflich-Freisinger Vögte ab. Eine neuere Theorie geht von einem Zusammenhang des Namens mit der Weidewirtschaft aus.Peter Maier: Waidhofen a. d. Ybbs. Spuren der Geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. vom Magistrat Waidhofen an der Ybbs. Waidhofen an der Ybbs 2006, .

Mittelalter

1033 wurden die schon seit 955 bestehenden Besitzungen des Freisinger Bistums im Gebiet des unteren Ybbstales durch Schenkung von Kaiser Konrad II. (990–1039) bis zur steirischen Grenze ausgedehnt. Die erste Erwähnung des Namens waidhouen und einer capella (Seelsorgestelle) ist 1186 in einer Bestätigungsurkunde von Papst Urban III. (1120–1187) belegt. Im Jahre 1215 wird erstmals der Begriff forum (Markt, Wirtschaftsstandort) für Waidhofen verwendet.

Die Bedeutung der im 12. Jahrhundert errichteten Burg war anfangs sehr gering, da der Verwaltungssitz für die Freisinger Gebiete im oberen Ybbstal die Burg Konradsheim (3 km vom Stadtzentrum) war. Da der Freisinger Vogt Konrad II. Graf von Peilstein († 1195), der selbst weite Gebiete im heutigen Niederösterreich besaß, diese Burg ohne Erlaubnis des Lehnsgebers errichtete, entbrannte ein Generationen dauernder Rechtsstreit, der erst durch das Aussterben der Peilsteiner (bzw. einer letzten Seitenlinie) 1218 mit Rückfall aller Besitzungen an Freising endete.

In den darauffolgenden Jahrzehnten erfolgten die erste Befestigung und der planmäßige Ausbau der Stadt an der strategisch günstigen Terrasse am Zusammenfluss von Ybbs und Schwarzbach. Waidhofen besitzt keine Stadterhebungsurkunde, doch wird es schon 1273 erstmals in einem Schriftstück als civitas (Stadt) bezeichnet. Seit dieser Zeit besteht auch die typische Anlage der beiden parallel verlaufenden Stadtplätze auf unterschiedlicher Höhenstufe.

Im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen dem Habsburger Herzog Rudolf IV. (1339–1365) und dem Hochstift Freising kam es 1360 zur Besetzung der Burg Konradsheim und der Stadt. Die Burg wurde unter nicht genau geklärten Umständen abgebrochen, weshalb nach dem Friedensschluss fünf Jahre später das schon recht bedeutende Waidhofen Sitz der Freisinger Pfleger und damit der Landgerichtsbarkeit wurde.

Der Freisinger Bischof Berthold von Wehingen, gleichzeitig Kanzler von Österreich, ließ zwischen 1390 und 1410 das Verteidigungssystem der Stadt durchgreifend modernisieren, unter anderem durch den Bau von 13 Türmen entlang der Mauern.

Zentrum der Eisenverarbeitung

Ab dem 12. Jahrhundert begann am steirischen Erzberg der Eisenerzabbau. In Waidhofen an der Kreuzung zweier Handelsstraßen (aus dem Ybbstal bzw. aus Weyer im Ennstal) entwickelten sich rasch die ersten Schmiedebetriebe. Im Jahre 1236 besang der Minnesänger Neidhart von Reuenthal die Qualität eines Waidhofner Schwertes. Die Eisenwurzen als dezentraler – aber wohlorganisierter – Wirtschaftsraum entstand erst im Spätmittelalter. Damals wurden in dieser Region 10 %, und um die Mitte des 16. Jahrhunderts sogar 20 % der europäischen Eisenproduktion abgewickelt.

Waidhofen wurde neben Steyr zum wichtigsten Zentrum der Eisenverarbeitung. Zum Zeitpunkt der Hochblüte im 14. und 15. Jahrhundert waren in der Stadt 200 Schmiedebetriebe der unterschiedlichen Sparten aktiv und handelten mit den Erzeugnissen nicht nur im gesamten Habsburgerreich, sondern exportierten diese auch über Venedig in den Vorderen Orient. Aus dieser Zeit stammt der Waidhofener Wahlspruch: , . Zeichen für den Wohlstand dieser Zeit sind die spätgotische Stadtpfarrkirche und die einzigartige Messerer-Monstranz.

Ungarn und Türken

Zahlreiche Gefahren bedrohten die Stadt durch die Jahrhunderte: So kämpften die Ungarn 1490 vergeblich vor den Mauern der Stadt und versuchten danach, Waidhofen durch eine Belagerung in die Knie zu zwingen, was aber durch den überraschenden Tod des Ungarnkönigs Matthias Corvinus (* 1443; † 1490) verhindert wurde.

Das markanteste Ereignis der Stadtgeschichte fand 1532 statt: Nach der ersten Wiener Türkenbelagerung (1529) zogen in einem weiteren Vorstoß berittene, leichtbewaffnete Hilfstruppen (Akıncı) als Renner und Brenner durch Niederösterreich und verwüsteten in einer Art Terrorkrieg das Land. Den 500 Bewaffneten, die Waidhofen aufbieten konnte, gelang es in drei Ausfällen ohne wesentliche Kampfhandlungen, die Feinde in die Flucht zu schlagen. Diese mussten reiche Beute zurücklassen so wie auch ihre Gefangenen, die aber großteils vorher von ihnen ermordet worden waren: 339 Zivilisten kamen so ums Leben. Dank den Mitteln durch den „Türkenschatz“ wurde der Stadtturm auf 50 m aufgestockt. In der Waidhofner Geschichtsschreibung wurde vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert dieses Ereignis zur heldenhaften Bewährungsprobe Waidhofens hochstilisiert.

Niedergang im 16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert kam es zum wirtschaftlichen Niedergang der Stadt, der vor allem auf der Bevorzugung der landesfürstlichen Stadt Steyr durch Kaiser Maximilian I. (* 1459; † 1519) im harten Konkurrenzkampf um die Metallverarbeitung beruhte. Auch von schweren Stadtbränden und Schädlingsplagen wird aus dieser Zeit berichtet.

Die größte Katastrophe Waidhofens entwickelte sich im Zuge der Gegenreformation: Entsprechend den weitläufigen Handelsbeziehungen waren zahlreiche junge Waidhofner an der Universität Wittenberg in Sachsen inskribiert. Einer von ihnen, der Dramatiker Paul Rebhun, wurde sogar zu einem engen Mitstreiter Martin Luthers. Die neuen Ideen fassten schnell in Waidhofen Fuß, und Ende des 16. Jahrhunderts war die Stadt großteils protestantisch. Gleichzeitig gebärdete sich die Stadt als von Freising faktisch unabhängig und ignorierte das kaiserliche Generalmandat von 1585. Die aufkeimende Gegenreformation nutzend, gelang es dem Bischof, den Landesfürst Rudolf II. auf seine Seite zu bringen, und 1587/88 wurde der gesamte protestantische Stadtrat von einer kaiserlichen Kommission abgesetzt und des Landes verwiesen. Der Stadtschreiber Wolf Ebenperger, Führer der protestantischen Gemeinde, wurde im Schlossturm unter miserablen Bedingungen eingekerkert, wo er nach zwei Jahren verstarb. 1590 vertrieben die Bewohner die Reformkommission, und es gab einen Aufstand gegen die gegenreformatorischen Maßnahmen. Der Landesfürst ergriff wirtschaftliche Sanktionen gegen die Stadt, so dass der Widerstand zusammenbrach. Vor allem um 1600 wurde die Rekatholisierung durch die freisingischen Pfleger kompromisslos durchgesetzt, und viele Schmiedefamilien wanderten in protestantische Gebiete aus; nahezu die Hälfte der Häuser stand nun leer. Die Krise war nachhaltig: Noch 100 Jahre später waren 87 Häuser in Waidhofen unbewohnt.Simone Gloria Engelbrechtsmüller: Der Protestantismus in Waidhofen an der Ybbs bis zum Erlass des Toleranzpatents 1781 mit besonderer Berücksichtigung der Frage nach Kryptoprotestantismus im Großraum Waidhofen/Ybbs, Diplomarbeit, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, Universität Wien, Wien 2012

Gegenreformation und Blütezeit des 18. Jahrhunderts

mini|hochkant=2|Waidhofen an der Ybbs 1702 auf einem Gemälde im Fürstengang Freising