Ehringen (Plattdeutsch: Eiringen) ist ein Ortsteil der Stadt Volkmarsen im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.
Geographische Lage Ehringen liegt etwa vier Kilometer südöstlich der Kernstadt von Volkmarsen am Twiste-Zufluss Erpe, in den beim Einfluss in die Ortschaft der Viesebeckerbach mündet. Etwas oberhalb des Orts befindet sich an der Erpe das Hochwasserrückhaltebecken Ehringen. Zu den Nachbarortschaften gehören Viesebeck im Südsüdwesten, Niederelsungen im Ostnordosten und die Kernstadt von Wolfhagen im Südsüdosten (alle im Landkreis Kassel).
Geschichte Ortsgeschichte mini|hochkant|Kirche mini|Hochwassermarke am Haus Steenweg 27 Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Ehringen erfolgte unter dem Namen Erungun um das Jahr 1018 in der Vita Meinwerci, der Lebensbeschreibung des Bischofs Meinwerk von Paderborn. Spätere Erwähnungen erfolgten unter den Ortsnamen (in Klammern das Jahr der Erwähnung):: Eringen (1251); Eringen (1237); Eringen (1271); Eringen (1317); Iringen (1517); Eringen (1585); Eringen (1708/10) und Eringen (1733).
Die im Jahre 1431 von Graf Otto III. von Waldeck an den hessischen Landgrafen Ludwig I. getätigte Verpfändung des Dorfs (von Otto III. 1455 noch einmal erhöht, 1472 durch Otto IV. und 1534 durch Philipp III. noch jeweils ein weiteres Mal erhöht) führte zu viel Streit zwischen Waldeck und Hessen und wurde erst in einem 1635 erreichten und 1648 mit dem Westfälischen Frieden bestätigten Vergleich beendet, indem Waldeck die landesherrlichen Rechte an Hessen-Kassel abtrat, alle anderen Rechte (Mühlen, Kirchensatz usw.) aber weiterhin behielt.
Die Kirche wurde im gotischen Baustil erbaut. Sie hat einen nahezu quadratischen Westturm, einen romanischen Wehrturm. Das gotische Schiff in der Fluchtseite der Nordwand schließt sich an und ist in seiner Achse etwas nach Süden abgebogen. Vom Bistum Paderborn über das Erzbistum Mainz kam sie nach der Einführung der Reformation zu Waldeck.
Im Jahr 1852 erlebte Ehringen eine schwere Wassernot. Am 19. Juli des Jahres wurde das Dorf katastrophal überflutet. Vier Menschen kamen ums Leben und der größte Teil Ehringens wurde verwüstet. Bis heute wird in Ehringen am 19. Juli das „Wasserfest“ gefeiert als ein Tag der Besinnung. Viele Jahre wurden drei Gottesdienste an dem Tag gefeiert. Heute beschränkt man sich auf einen Gottesdienst, bei gutem Wetter auf dem Kirchhof, und gedenkt der Katastrophe des Jahres 1852. Die Veranstaltung ist ein Höhepunkt des dörflichen Lebens.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 1. Februar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ehringen im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Volkmarsen eingemeindet. Für Ehringen wurde, wie für alle nach Volkmarsen eingegliederten Gemeinden, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten, in denen Ehringen lag:
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Wolfhagen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Wolfhagen 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Wolfhagen ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Wolfhagen 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Wolfhagen ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Wolfhagen ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis WolfhagenVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 71.1922: Trennung von Justiz (Justizamt Volkmarsen) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Kassel ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Wolfhagen ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Wolfhagen ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Wolfhagen ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Wolfhagen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Wolfhagen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Wolfhagen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Wolfhagen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Wolfhagen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck, Stadt Volkmarsen ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Stadt Volkmarsen
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Ehringen 768 Einwohner. Darunter waren 18 (2,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 141 Einwohner unter 18 Jahren, 276 zwischen 18 und 49, 177 zwischen 50 und 64 und 174 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 312 Haushalten. Davon waren 69 Singlehaushalte, 90 Paare ohne Kinder und 126 Paare mit Kindern, sowie 27 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 66 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 189 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon 1585: 79 Haushaltungen 1747: 96 Haushaltungen
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1834: 554 evangelische (= 99,28 %), zwei katholische (= 0,36 %) Einwohner • 1961: 973 evangelische (= 94,79 %), 41 katholische (= 4,45 %) Einwohner
Sehenswürdigkeiten Grenzfeste Landsberg (auf Wolfhagener Gemarkung) Freistuhl im 14. Jahrhundert, am Weg von Ehringen nach Lütersheim
Verkehr Durch das Dorf Ehringen führt zwischen Volkmarsen und Wolfhagen die Landesstraße 3075. Von dieser Straße zweigt oberhalb der Mündung des Viesebeckerbachs die Kreisstraße 24 ab, die in die K 92 (Landkreis Kassel) übergeht und durch Viesebeck nach Gasterfeld verläuft. Im Dorf zweigt von der L 3075 die K 11 ab, die ostwärts zur Grenze des Landkreises Kassel in den nahen Naturpark Habichtswald und nach Niederelsungen verläuft.
Der Haltepunkt Ehringen liegt an der Bahnstrecke Volkmarsen–Vellmar-Obervellmar.
Linie Verlauf Takt
Persönlichkeiten Kurt Fürer (1900–1988), Wirtschaftsjurist George Ise (1763–1833), waldeckischer Stadtschreiber, Bürgermeister und Landstand Udo Ohm (* 1959), Fachdidaktiker, Hochschullehrer
Literatur Helmut Fornefelt: Die große Ehringer Flut. In: Ein Blick auf 150 Jahre Ehringer und Viesebecker Kirchengeschichte. Hrsg. Evangelische Kirchengemeinde Ehringen. Eigenverlag. Herausgegeben aus Anlass des Wasserfestes 2002 Rita Kunold, Günter Kunold und Hans-Georg Schmidt: Ehringen. Arolsen: Waldeckischer Geschichtsverein 2008 (Waldeckische Ortssippenbücher 85)
Weblinks Stadtteil Ehringen. In: Webauftritt der Gemeinde Volkmarsen.
Fußnoten Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg Kategorie:Geographie (Volkmarsen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Ersterwähnung 1018