mini|Operationskarte Cedar Falls Die Operation Cedar Falls war eine Militäroperation während des Vietnamkriegs, ausgeführt hauptsächlich von US-Streitkräften. Das Ziel dieser massiven Search-and-Destroy-Operation war es, das sogenannte Eiserne Dreieck zu säubern, ein Gebiet, das der Vietcong zu einer Hochburg ausgebaut hatte und das nur zwanzig Kilometer von Saigon entfernt lag. Die Operation begann am 8. Januar 1967 und endete am 28. Januar 1967.

Operation Cedar Falls war die größte Einzelbodenoperation des Vietnamkriegs: Zwei Armeedivisionen, eine Infanterie- und eine Fallschirmjägerbrigade, so wie ein gepanzertes Kavallerieregiment nahmen daran teil; insgesamt waren 30.000 Soldaten der USA und Südvietnams darin involviert. Der Vietcong entschloss sich jedoch dazu, diesen massiven Militäraufmarsch zu meiden, indem er einerseits nach Kambodscha floh oder sich andererseits in einem komplexen, unterirdischen Tunnelsystem versteckte. Die alliierten Streitkräfte entdeckten und zerstörten jedenfalls einige der Tunnelanlagen sowie größere Mengen von Vietcong-Nachschubgütern. Im Verlauf der Operation wurden erstmals sogenannte Tunnelratten eingesetzt, um die Tunnelanlagen der Vietcong zu infiltrieren.

Mit dem Versuch, das Eiserne Dreieck permanent als Vietcong-Rückzugsraum zu zerstören, beinhaltete Operation Cedar Falls auch die komplette Deportation der Zivilbevölkerung in sogenannte „Neues-Leben“-Dörfer, die Zerstörung ihrer bisherigen Heimatdörfer und die komplette Entlaubung des Gebiets.

Die meisten Führungsoffiziere dieser Operation beurteilten sie später als Erfolg. Die meisten Journalisten und Militärhistoriker zeichneten jedoch ein düstereres Bild. Sie argumentierten damit, dass die Operation Cedar Falls ihr Hauptziel nicht erfüllen konnte, da sich der Rückzug des Vietcong aus dem Eisernen Dreieck nur als vorübergehend erwies. Darüber hinaus argumentieren die Kritiker, dass die harte Behandlung der Zivilbevölkerung moralisch fragwürdig war und sogar den Bemühungen der USA, die Köpfe und Herzen der Vietnamesen zu gewinnen, entgegen liefen, so dass einige zu den Vietcong überliefen. Deswegen betrachten manche Autoren die Operation Cedar Falls als ein Hauptbeispiel für die Fehlkonzeption der US-Strategie in Vietnam und ihre moralisch problematischen Konsequenzen.

Hintergrund Das Eiserne Dreieck Die Planung der Operation Cedar Falls entwickelte sich aus den weiteren Zielen des MACV (amerikanisches Oberkommando in Südvietnam), die es im Jahr 1967 formuliert hatte. Während der frühen Phase des Vietnamkrieges, in welcher die Zuführung großer US-Bodentruppen den Kollaps der südvietnamesischen Streitkräfte verhindert hatte und die Amerikaner ihre Streitkräfte aufbauten, plante der Oberkommandierende des MACV General William C. Westmoreland, noch im Jahr 1967 in die Offensive zu gehen. Im Speziellen plante er, die Vietcong-Hochburgen zu säubern und die kommunistischen Kräfte in die leichter bevölkerten Grenzgebiete Südvietnams abzudrängen, wo den US-Streitkräften ein stärkerer Einsatz ihrer schweren Waffen möglich wäre. Eine Region, die von den amerikanischen Militärplanern als Kriegszone C bezeichnet wurde, stellte dabei das Hauptgebiet kommunistischer Aktivitäten nördlich von Saigon dar. Auf General Westmorelands Befehl begann Lt. General Jonathan O. Seaman, kommandierender General der II Field Force, mit der Planung einer Operation namens Junction City und dem Ziel, dieses FLN-Gebiet auszulöschen. Da die Stärke von Gen. Seamans Streitkräften durch den laufenden Truppenausbau zunahm, schlug er vor, eine weitere Vietcong-Hochburg als Ziel hinzu zu nehmen, das Eiserne Dreieck. Das war der Spitzname für ein Gebiet von ca. 155 km² ca. 20 km nördlich von Saigon, eingegrenzt durch den Saigon-Fluss im Südwesten, den Than Dien-Wald im Norden und dem Song Thi Thinh-Fluss im Osten, wodurch es eine dreieckige Fläche aufwies. Seit dem zweiten Indochinakrieg war dieses Gebiet ein Hauptaufmarschgebiet und Rückzugsraum der Kommunisten, südvietnamesische Offizielle und Militärstreitkräfte hatten sich seit Jahren nicht mehr dorthin gewagt. Wegen der Lage des Eisernen Dreiecks, seiner Form und dem Brennpunkt der Vietcong-Aktivitäten dort wurde es auch als „ein Dolch, der auf das Herz von Saigon zielt“, bezeichnet. Westmoreland stimmte zu, und so wurde beschlossen, dass die Operation Cedar Falls der Operation Junction City vorangehen sollte.

Da frühere Versuche, das Eiserne Dreieck von Vietcong-Kräften zu säubern, fehlgeschlagen waren, hatte die Operation Cedar Falls nicht weniger als die komplette Auslöschung dieses Gebiets als Basis und Rückzugsraum für den Vietcong zum Ziel. Deswegen sollte die Operation Cedar Falls nicht nur einen Angriff auf reguläre Vietcong-Streitkräfte und ihre Infrastruktur beinhalten, sondern auch die Deportation der gesamten Zivilbevölkerung des Gebiets, die totale Zerstörung ihrer Häuser, die Entlaubung der Fläche und ihre Einstufung als spezielle Feuerzone, was bedeutete, dass jedes darin befindliche Individuum als dem Vietcong zugehörig betrachtet würde (sogenannte free-fire-Zone).

Streitkräfte und Gelände Die amerikanische Aufklärung wies darauf hin, dass sich das Hauptquartier des IV. FLN-Militärbezirks in diesem Gebiet befinden würde; dessen Zerstörung wurde zu einem Hauptziel der Operation Cedar Falls. Darüber hinaus wurden das 272. Regiment, das 1. und 7. Bataillon des IV. Militärbezirks unter Führung des 165. VietCong-Regiments plus drei Kompanien lokaler Streitkräfte, sowie das 2., 3. und 8. Bataillon des 165. Regiments im Eisernen Dreieck vermutet.

Um diese feindlichen Streitkräfte zu schlagen, organisierte das II Field Force die größte Bodenoperation der USA im Vietnamkrieg mit 30.000 teilnehmenden Soldaten, was dem Äquivalent von drei US-Divisionen entsprach. Die US-Streitkräfte bestanden aus der 1. und der 25. Infanteriedivision, der 196. Infanteriebrigade, der 173. Airborne Brigade und dem 11. gepanzerten Kavallerieregiment. Es war beabsichtigt, dass diese Einheiten die Hauptlast der Kämpfe tragen sollten, die südvietnamesischen Streitkräfte waren dazu vorgesehen, die Dörfer der Gegend zu durchsuchen, logistische Aufgaben durchzuführen und die Deportation der Zivilbevölkerung zu organisieren.

Wie schon oft während des Vietnamkriegs stellte das Operationsgelände ein ernsthaftes Problem für die Militärplaner dar. Tatsächlich war es dem Vietcong auch hauptsächlich deswegen gelungen, sich im Eisernen Dreieck zu etablieren, da die Geländegegebenheiten größeren Verbänden den Zugang erschwerten. Aus diesem Grund war ein weiteres Ziel der Operation Cedar Falls, das Gebiet zu entlauben und Bulldozer einzusetzen, um später einen leichteren Zugang zu diesem Gebiet zu gewährleisten.

Schlachtplan Operation Cedar Falls wurde als Hammer-und-Amboss-Operation geplant. Unter dem Deckmantel von Manövern, die routinemäßige Verlegungen vortäuschten, wurden die 25. Infanteriedivision und die 196. Infanteriebrigade westlich des Eisernen Dreiecks stationiert, eine Brigade der 1. Infanteriedivision ging östlich des Dreiecks in Stellung, während die restlichen Verbände als Hammer schnell durch das Gebiet ziehen und die Vietcong-Verbände vor sich her gegen die Ambosse treiben sollten. Dadurch sollte das Gebiet von feindlichen Truppen, Stützpunkten und Zivilisten gesäubert werden. Eine enge Einkesselung des Gebiets sollte kommunistischen Einheiten den Rückzug abschneiden.

Der Beginn der Operation Cedar Falls war für den 5. Januar 1967 vorgesehen, da die Wettervorhersage für diesen Tag am günstigsten war. Außerdem war die Operation in zwei Ausführungsphasen unterteilt. Während der Vorbereitungsphase I vom 5. bis 9. Januar wurde der Amboss in Position gebracht, indem die dafür vorgesehenen Einheiten ihre Stellungen westlich und östlich des Dreiecks einnahmen, außerdem wurde am 8. Januar ein Luftangriff auf Ben Suc, ein Dorf, dem eine Schlüsselposition in der Vietcong-Verteidigung zukam, durchgeführt. Diese sollte erfolgreich durch die Einkesselung des Gebiets abgeschlossen werden, bevor in Phase II ein konzentrierter Angriff der US-Streitkräfte (der Hammer) von Westen und Süden in das Dreieck stattfinden sollte.

Die Schlacht Phase I Beginnend mit dem 5. Januar bezogen die Amboss-Streitkräfte westlich (25. Infanteriedivision und 196. Infanterieregiment) und östlich (1. Infanteriedivision) des Eisernen Dreiecks ihre Positionen. Die restlichen Einheiten bezogen ihre Stellung, um den Hammer zu schwingen. Am D-Day (8. Januar 1967) führten Teile der 2. Brigade der 1. Infanteriedivision schließlich den geplanten Angriff auf das Dorf Ben Suc aus.

Ben Suc war die Hauptsäule der Vietcong-Herrschaft im Eisernen Dreieck. Dieses befestigte Dorf fungierte als Hauptnachschubbasis und politisches Zentrum, die Bevölkerung war als Hinterland-Serviceteams organisiert. Den Amerikanern gelang ein kompletter taktischer Überraschungsschlag, so dass sie das Dorf gegen nur leichten Widerstand umzingeln und einkesseln konnten. Danach wurde ein südvietnamesisches Bataillon eingeflogen, um das Dorf zu durchsuchen und die Bevölkerung zu verhören. Als Resultat dieser Aktion konnte ein komplexes Untergrund-Tunnel- und Lagersystem entdeckt werden, und große Mengen von Nachschubgütern wurden sichergestellt und später zerstört. Jedoch waren die alliierten Streitkräfte nur in der Lage, FLN-Militärs und Politiker von niedrigem Rang festzunehmen.

Nach der Durchsuchung des Dorfs wurden 106 Bewohner festgenommen, die restlichen Bewohner von Ben Suc und den umgebenden Dörfern, ca. 6000 Einwohner, davon zwei Drittel Kinder, wurden deportiert. Zusammen mit ihren Habseligkeiten und ihrem Vieh wurden sie mit LKWs, Flussbooten und Helikoptern in Umsiedelungslager gebracht. Nach der Deportation der Dorfbevölkerung wurde Ben Suc von amerikanischen Pionieren systematisch ausgelöscht, indem sie zuerst die Gebäude vollständig niederbrannten und dann Bulldozer benutzten, um die Überreste zusammen mit der umgebenden Vegetation dem Erdboden gleichzumachen. Anschließend wurde das Gebiet einem schweren Luftbombardement unterzogen, um Tunnels, die für Sprengteams zu tief unter der Erde lagen, zum Einsturz zu bringen.