Bernhardswinden (fränkisch: „Bernadswin“E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 47. Dort folgendermaßen transkribiert: „bernədswin“.) ist ein Gemeindeteil der kreisfreien Stadt Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Bernhardswinden hat eine Fläche von 8,483 km². Sie ist in 1204 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7045,62 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Deßmannsdorf, Kurzendorf, Louismühle und Meinhardswinden.

Geografie Im Dorf entspringt der Bernhardswindener Graben, ein rechter Zufluss des Silberbachs. Im Südwesten liegt das Gemeindeholz, im Süden liegen die Schleifwegäcker, im Nordosten liegt das Mittelfeld und im Norden das Gsendnersfeld. Südlich von Bernhardswinden verläuft die A 6. Die Kreisstraße ANs 3/AN 55 führt nach Meinhardswinden (1,8 km nördlich) bzw. nach Rös (1,7 km südlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Deßmannsdorf (1,3 km östlich) und Kurzendorf (1,7 km westlich).

Geschichte Im Jahre 911 beschloss König Konrad I. auf dem Reichstag zu Forchheim, Wenden aus dem Maingebiet dem Ansbacher Gumbertuskloster zuzuweisen. Diese wurden im 10. Jahrhundert in einem Ring um Ansbach angesiedelt. 1288 wurde der Ort im Testament des Wolfram von Dornberg erstmals urkundlich als „Bernoltswinden“ erwähnt. An dem Grundwort des Ortsnamens „–winden“ ist erkennbar, dass es sich bei diesem Ort um eine solche Wendensiedlung handelt. Das Bestimmungswort ist Bernolt, wohl der Personenname des Siedlungsgründers.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 47f.

Im 16-Punkte-Bericht des Oberamtes Ansbach von 1684 wurden für Bernhardswinden 24 Mannschaften verzeichnet. Grundherren waren das Hofkastenamt Ansbach (8), das Stiftsamt Ansbach (4), der Bürgermeister und Rat zu Ansbach (1), das eichstättische Kastenamt Herrieden (1), die Herren von Eyb zu Vestenberg (1), die Herren von Eyb zu Neuendettelsau (4) und der Ansbacher Eigenherr von Mohr (5). Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Salbuch 127, 192. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 679.

Auch gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Bernhardswinden 24 Anwesen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte weiterhin das Hofkastenamt Ansbach aus. Grundherren waren das Fürstentum Ansbach (13 Anwesen; Hofkastenamt Ansbach: 1 Hof, 1 Halbhof, 2 Söldengüter, 1 Gütlein, 2 Leerhäuser, 1 Schmiedgut, 1 Wirtschaftsgut; Stiftsamt Ansbach: 3 Halbhöfe; Ansbacher Rat: 1 Gut), das Rittergut Neuendettelsau der Herren von Eyb (1 Hof, 1 Halbhof, 2 Güter), das Rittergut Frohnhof ebenfalls der Herren von Eyb (1 Hof), Ansbacher Eigenherren (von Mohr: 3 Güter, 1 Halbgut; von Appold: 1 Hof) und das Stiftskapitel Herrieden (1 Gut). Neben diesen Anwesen gab es noch kommunale Gebäude (Schulhaus, Hirtenhaus, Brechhaus).So M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 838. Nach (=J. K. Bundschuh, Bd. 1, Sp. 362) gab es 26 Untertansfamilien, von denen 15 ansbachisch waren. Zwei sollen eichstättisch gewesen sein (Vogtei Königshofen, Stiftskapitel Herrieden). Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Ansbach.

1806 kam Bernhardswinden an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Bernhardswinden dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Brodswinden und der 1811 gegründeten Ruralgemeinde Brodswinden zugeordnet.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–17. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 961. 1833 stellten Bernhardswinden, Dombach, Kurzendorf und Meinhardswinden einen Antrag auf Gemeindebildung. Dieser wurde abgelehnt. 1836 stellten Bernhardswinden, Meinhardswinden und Kurzendorf erneut einen Antrag zur Gemeindebildung. Dieser wurde 1839 mit der Auflage genehmigt, die Kosten von 600 Gulden für die Katasterumschreibungen zu tragen, wozu die Orte allerdings nicht in der Lage waren. Es folgten weitere Anträge 1842 und 1854, die ebenfalls ohne Erfolg waren. Am 20. September 1860 wurde der Bildung der Ruralgemeinde Bernhardswinden stattgegeben, zu der Deßmannsdorf, Louismühle und Meinhardswinden zählten. Die Zugehörigkeit von Kurzendorf wurde allerdings abgewiesen. Am 19. Oktober 1873 wurde nach weiteren Anträgen die Umgemeindung von Kurzendorf genehmigt, die 1875 vollzogen wurde.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 946 f.

Die Gemeinde Bernhardswinden war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt). Ab 1862 gehörte sie zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Ansbach, von 1870 bis 1879 war das Stadt- und Landgericht Ansbach zuständig, seit 1880 ist es das Amtsgericht Ansbach.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 978. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 8,459 km².

Die Siedlung Meinhardswinden wurde bereits im Oktober 1950 nach Ansbach eingemeindet. Am 1. Juli 1972 wurde Bernhardswinden mit zugehörigen Gemeindeteilen im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Ansbach eingemeindet.

Bodendenkmäler In der Gemarkung Bernhardswinden gibt es sechs Bodendenkmäler

Einwohnerentwicklung Gemeinde Bernhardswinden Jahr 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 Einwohner 359 334 332 468 522 505 507 521 504 480 473 466 479 455 649 1097 726 731 597 475HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1885 bis 1987 als Wohngebäude. 95 97 95 87 98 110 Quelle Die Gemeinde hatte zum Zeitpunkt der Volkszählung 963 Einwohner, da die Siedlung Meinhardswinden noch nicht umgemeindet war.

Ort Bernhardswinden Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2010 Einwohner 145 161 171 164 168 168 166 260 210 236 262 250Häuser 28 28 32 33 31 32 41 64 Quelle

Historische Beschreibung Gottfried Stieber beschrieb den Ort in seinem 1761 erschienenen Werk „Historische und topographische Nachrichten von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach“ folgendermaßen:

Religion Der Ort ist seit der Reformation protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession waren ursprünglich nach St. Johannis (Ansbach) gepfarrt,M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 838. seit 1961 ist die Pfarrei Christuskirche (Meinhardswinden) zuständig. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Ludwig (Ansbach) gepfarrt und gehören zu deren Filialkirchengemeinde Unsere Liebe Frau (Meinhardswinden).

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Ort in der kreisfreien Stadt Ansbach Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1288 Kategorie:Gemeindegründung 1860 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972 Kategorie:Gemarkung in der kreisfreien Stadt Ansbach