Das Heer war neben Kriegsmarine und Luftwaffe eine der drei Teilstreitkräfte der Wehrmacht und umfasste die große Masse der deutschen Landstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg. Neben dem Heer gab es auf deutscher Seite jedoch auch die Waffen-SS und die Bodentruppen unter dem Befehl des Oberbefehlshabers der Luftwaffe Hermann Göring sowie seit 1944 auch den der NSDAP-Parteileitung unterstellten Volkssturm.
Verbände und Kommandobehörden Der Überblick über Verbände und Kommandobehörden umfasst alle Großverbände der Bodentruppen unbeschadet ihrer Zugehörigkeit zu Heer, Luftwaffe, Waffen-SS usw. Im normalen Frontbetrieb wurde hier eng zusammengearbeitet; für die Kampfeinsätze waren z. B. die 1. Fallschirm-Armee den entsprechenden Heeresgruppenkommandos unterstellt, die Eigenständigkeit machte sich vor allem bei Fragen der Erziehung im nationalsozialistischen Geist, beim Disziplinarrecht und der Gerichtsbarkeit bemerkbar.
mini|hochkant|Werner von Fritsch (1932)
mini|hochkant|Walther von Brauchitsch (1939)
mini|Sowjetunion-Nord. Lagebesprechung Oktober 1942, von rechts: Wilhelm Keitel, Adolf Hitler, Walther von Brauchitsch, Friedrich Paulus im OKW
Kommandobehörden Oberkommando des Heeres
Das eigentliche Oberkommando des Heeres (OKH) wurde 1935 im Zuge des ersten Schrittes der Restrukturierung der Wehrmacht geschaffen. Es war die höchste Kommandobehörde des Heeres mit Standort Wünsdorf bei Zossen. Es gliederte sich in den Generalstab des Heeres und das Heerespersonalamt. Hinzu kamen noch die Adjutantur des Chefs des OKH und seit 1938/39 der Beauftragte des Führers für die militärische Geschichtsschreibung Walter Scherff. Dem OKH waren der Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres und ein bzw. ab dem 20. April 1940 zwei Führungsnachrichtenregimenter (Führungsnachrichtenregiment 40 und Führungsnachrichtenregiment 601) nachgeordnet, um die Führungsfähigkeit des Hauptquartiers sicherzustellen.
Das Oberkommando des Heeres (OKH) zählte mit dem Oberkommando der Wehrmacht (OKW), dem Oberkommando der Marine (OKM) und dem Oberkommando der Luftwaffe (OKL) zu den höchsten Stabsorganisationen der Wehrmacht. Das OKW und die Oberkommandos der drei Teilstreitkräfte übernahmen in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich Planungsaufgaben. Sie waren dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, Adolf Hitler, unterstellt. Eine Unterstellung des OKH unter das erst 1938 eingerichtete Oberkommando der Wehrmacht (OKW) bestand nicht. Dieses konnte an das OKH nur Befehle Hitlers weitergeben.
Oberbefehlshaber des Heeres (OBdH) Generaloberst Werner von Fritsch, 1. Januar 1934 bis 4. Februar 1938 Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch, 4. Februar 1938 bis 19. Dezember 1941 Adolf Hitler, 19. Dezember 1941 bis 30. April 1945 Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner, 30. April bis 8. Mai 1945
Chefs des Generalstabes des Heeres General der Artillerie Ludwig Beck, 1. Oktober 1933 bis 31. Oktober 1938 Generaloberst Franz Halder, 31. Oktober 1938 bis 24. September 1942 Generaloberst Kurt Zeitzler, 24. September 1942 bis 10. Juli 1944 Generalleutnant Adolf Heusinger, 10. bis 20. Juli 1944 (mit der stellvertretenden Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt) Generaloberst Heinz Guderian, 21. Juli 1944 bis 28. März 1945 (mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt) General der Infanterie Hans Krebs, 29. März bis 1. Mai 1945 (mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt) Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, 1. bis 13. Mai 1945 (mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt) Generaloberst Alfred Jodl, 13. bis 23. Mai 1945 (mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt)
Struktur von Korps, Armeen und Heeresgruppen Bei den Heeresgruppen, Armeen und Korps handelte es sich zunächst einmal nicht um Truppenverbände, sondern um Befehlshaber und deren Stäbe mit dem Chef des Generalstabes (Chef d. Gen.St.).Dass letzterer häufig kurz nur als „Chef“ bezeichnet wurde, hat in der Literatur zu einer Fülle von Missverständnissen, besonders auch bei der Übersetzung fremdsprachiger Werke, geführt: So wird aus dem „Chef der 4. Armee“ schnell einmal ein „Oberbefehlshaber der 4. Armee“. Dabei war der Chef des Stabes im deutschen System seinem Befehlshaber fast gleichgestellt und vertrat diesen auch bei Abwesenheit im Kommando – anders als bei den alliierten Armeen, wo der Stabschef nur eine Art „Bürovorsteher“ war.Vgl. Tom Ripley, Die Geschichte der Wehrmacht 1939–1945, Wien 2003, S. 211 f. – Häufig ergibt sich die Kontinuität in einer Kommandobehörde anhand der Person des Stabschefs. So war z. B. General Georg von Sodenstern Stabschef der Heeresgruppe A vom 6. Februar 1940 bis 9. Februar 1943 und erlebte dabei vier Umbenennungen der Kommandobehörde (A – OB West – A – Süd – B) und vier Oberbefehlshaber (Rundstedt, Reichenau, Bock, Weichs).
Idealerweise sollte bei Korps, Armee und Heeresgruppe zwischen den Kommandobehörden/Stäben und den durch sie zusammengefassten Truppen unterschieden werden und dies wird in der Literatur gelegentlich auch gemacht: Die Führung eines Korps wird dann als „Generalkommando“ oder „Höheres Kommando“ mit dem „Kommandierenden General“ (KG) an der Spitze bezeichnet, eine Armee wird von einem „Armeeoberkommando“ (AOK) mit seinem „Oberbefehlshaber“ (OB) geführt, eine Heeresgruppe von einem „Heeresgruppenkommando“ (H.Gr.K) und dem OB. In der Praxis ist diese Unterscheidung eher selten notwendig, jedoch muss darauf hingewiesen werden, dass in bestimmten Fällen die Beachtung des Unterschieds unbedingt erforderlich ist, nämlich immer dann, wenn eine Heeresgruppe „neu aufgestellt“ oder „aus der Front herausgezogen wurde“. So wurde z. B. am 27. November 1942 im Süden der Ostfront nach dem Durchbruch der Roten Armee die Heeresgruppe Don eingeschoben; hierbei handelte es sich nicht um neue Kampftruppen, sondern lediglich um den umbenannten Stab + OB (Manstein) der 11. Armee – deren Truppen wiederum auf andere Armeen verteilt wurden –, die die Führung von vier Armeen der Heeresgruppe B übernahmen. Als die Heeresgruppe B am 9. Februar 1943 aus der Front herausgezogen wurde, bedeutete dies lediglich, dass der Stab nebst Oberbefehlshaber (Weichs) in die Heimat verlegt wurde und die Truppen auf die Heeresgruppen Mitte und Don (ab 12. Februar „Süd“) verteilt wurden. Ähnliches gilt für sämtliche Neuaufstellungen von Heeresgruppen, die besonders ab 1943 inflationäre Ausmaße erreichten:1943–1945 wurden folgende Heeresgruppen neu eingesetzt oder ganz neu aufgestellt: E, Afrika, F, C (Italien), B (Kanalküste), G, H, Oberrhein, Weichsel. Es handelte sich jeweils nicht um neue Truppen, sondern nur um neu aufgestellte Kommandobehörden, denen nur gelegentlich eine geringe Anzahl neuer Verbände zugeführt wurde. Ähnlich besaß z. B. die im November 1944 an der Schweizer Grenze aufgestellte sogenannte 24. Armee zu keinem Zeitpunkt eigene Kampftruppen, weswegen die terminologisch einwandfreie Bezeichnung auch nur „AOK 24“ lauten kann.
Abteilungen in den Führungsstäben des Heeres Die Generalstabs- bzw. Stabsabteilungen waren auf allen Ebenen gleich gegliedert. Folgende Bezeichnungen wurden dabei verwandt: Ia Führungsabteilung Ib Quartiermeisterabteilung Ic Feindaufklärung und Abwehr; geistige Betreuung im NS-Sinn Id Ausbildung IIa 1. Adjutant (Offizierpersonalien) IIb 2. Adjutant (Unteroffiziere und Mannschaften) III Gericht IVa Intendant (Rechnungswesen, allgemeine Verwaltung) IVb Arzt IVc Veterinär IVd Geistlicher
Heeresgruppen
Das Heer verfügte mit Stand vom 3. Januar 1939„Das Deutsche Heer 1939, Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939“, herausgegeben von H. H. Podzun, Bad Nauheim 1953. über sechs Heeresgruppenkommandos (1–6), denen die Armeekorps (AK) und gegebenenfalls weitere Stäbe und Truppen unterstanden.
Die (im Frieden bestehenden sechs) Heeresgruppenkommandos wurden alle bei Mobilmachung am 26. August 1939 aufgelöst und zur Aufstellung von fünf Armeenoberkommandos und eines neuen Heeresgruppenkommandos verwandt.
HeeresgruppeStandortUnterstellungenUmgliederung 1 Berlin I., II., III. und VIII. ArmeekorpsKommandanturen der Befestigungen bei Breslau, Glogau, Neustettin und OppelnGrenzkommandantur Küstrin; Inspektion der Ostbefestigungen AOK 2 (wurde Heeresgruppe Nord) 2 Frankfurt am Main V., VI. und XII. ArmeekorpsGeneralkommando der Grenztruppen SaarpfalzKommandostäbe Eifel und Oberrhein, Landwehrkommandeure Hanau und Heilbronn (Neckar)Inspektion der Grenzbefestigungen Heeresgruppe C 3 Dresden IV., VII. und XIII. Armeekorps AOK 8 4 Leipzig XIV., XV. und XVI. Armeekorps AOK 10 5 Wien XVII. und XVIII. Armeekorps4. leichte Division und 2. Panzer-DivisionFestungsinspektion XI AOK 14 6 Hannover IX., X. und XI. Armeekorps AOK 4
Demgegenüber entstand das Heeresgruppenkommando „Süd“ bei der Mobilmachung aus dem AOK 12.
Im Krieg wurden Heeresgruppen normalerweise mit Buchstaben bezeichnet. Dies gilt auch mit Abstrichen für die ersten drei Heeresgruppen der Jahre 1939–1941, auch wenn die Heeresgruppen A und B beim Überfall auf Polen kurzzeitig umbenannt wurden, sodass die Namen im September 1939 „Süd“, „Nord“ und „C“ lauteten. Mit dem Beginn des Feldzugs gegen die Sowjetunion wurden diese drei Heeresgruppen an der Ostfront umbenannt, und die Praxis, bereits bestehende Heeresgruppenkommandos im Osten umzubenennen, wurde bis zum Ende des Krieges beibehalten. Die Heeresgruppen auf den sogenannten OKW-Kriegsschauplätzen hingegen behielten ihre einmal erhaltenen Bezeichnungen. Insgesamt gab es 15 Heeresgruppenkommandos:Die Anzahl reduziert sich auf 13, falls die Heeresgruppe B (3) als Fortsetzung der Heeresgruppe B (2) und die HGr Weichsel als Fortsetzung der Heeresgruppe Oberrhein gewertet wird; da jedoch die Unterstellung von OKH zu OKW bzw. von OKW zu OKH wechselte und die Umwandlung nicht genau eins zu eins geschah, werden beim Bundesarchiv – Abteilung Militärarchiv – und in der einschlägigen Literatur die einzelnen Stäbe normalerweise getrennt gezählt.
Heeresgruppen Umbenennungen während des KriegesEinsatzort Heeresgruppe Süd (1)* – A (1)* – Süd (2)* – B (2; inoffiziell auch „Stalingrad“)* Polen – Frankreich – Ostfront Heeresgruppe Nord (1)* – B (1)* – Mitte (1)* – Nord (3)* Polen – Frankreich – Ostfront Heeresgruppe C (1)* – Nord (2)* – Kurland Frankreich – Ostfront Heeresgruppe D Westfront Heeresgruppe A (2; inoffiziell auch “Kaukasus”)* – Südukraine – Süd (4)* – Ostmark Ostfront Heeresgruppe Don – Süd (3)* – Nordukraine – A (3)* – Mitte (2)* Ostfront Heeresgruppe E Balkan Heeresgruppe Afrika Tunesien Heeresgruppe B (3)* Westfront Heeresgruppe C (2)* / OB Südwest Italien Heeresgruppe F Balkan Heeresgruppe G Westfront Heeresgruppe H Niederlande Heeresgruppe Oberrhein Westfront Heeresgruppe Weichsel Ostfront* Die Namen A, B, C, Süd, Nord und Mitte wurden mehrfach durch Neuaufstellung oder Umbenennung vergeben;die Zahlen in Klammern waren nicht Teil der offiziellen Bezeichnung, sie dienen hier lediglich der Unterscheidung.Reihenfolge nach Signaturen im Bundesarchiv – Abteilung MA – Signaturen RH 19-I bis RH 19-XV.
Generalkommandos und Wehrkreise
mini|Wehrkreise im Deutschen Reich 1939 mini|Wehrkreise 1944
Zum Zeitpunkt der Mobilmachung am 26. August 1939 bestanden 15 Generalkommandos, vier Korpskommandos der motorisierten Truppen und drei Generalkommandos der Grenztruppen. Die Generalkommandos umfassten sowohl die Armeekorps als auch die Wehrkreise, in denen die Wehrersatzorganisation sowie die ortsfesten Einrichtungen territorial zusammengefasst waren und die sich über das gesamte Gebiet des Deutschen Reiches erstreckten. Bei der Mobilmachung wurden in den Wehrkreisen stellvertretende Generalkommandos gebildet, die dem Ersatzheer unterstanden. Die Tabelle zeigt den letzten Stand des Friedensheeres vor der Mobilmachung.Friedrich Stahl: Heereeinteilung 1939. Dörfler, ISBN 3-89555-338-7.