Gahlen, , ist ein Gemeindeteil von Missen, einem Ortsteil der Stadt Vetschau/Spreewald im Nordosten des südbrandenburgischen Landkreises Oberspreewald-Lausitz.
Lage Gahlen liegt in der Niederlausitz östlich des Naturparks Niederlausitzer Landrücken, ca. fünf Kilometer ostsüdöstlich von Calau und ca. 7,5 Kilometer Luftlinie südwestlich von Vetschau/Spreewald. Die Gemarkung von Gahlen wurde mit der Gemarkung von Missen vereinigt. Die Flur 4 entspricht der früheren Gemarkung von Gahlen. Sie grenzte im Norden an Saßleben und Bolschwitz, im Osten an Missen, im Süden an Ogrosen und Buchwäldchen und im Westen an die ehemalige Gemarkung von Altnau (heute in Calau aufgegangen). Der Ortskern liegt auf . Im Dorfmittelpunkt befinden sich eine Kirche und der Dorfteich.
Im Ortskern von Gahlen biegt die K6624 von Bolschwitz kommend nach Missen ab. Dort trifft sie auf die L525, die weiter nach Vetschau/Spreewald führt. Von der L52 Calau nach Ogrosen biegt westlich von Gahlen eine kleine Straße nach Gahlen ab. Im Nordwesten der ehemaligen Gemarkung verläuft das Neue Vetschauer Mühlenfließ. Vom Ortskern zieht der Gahlener Graben zum Vetschauer Mühlenfließ.
Auf der ehemalige Gahlener Gemarkung liegen die Wohnplätze Alte Schäferei und Gahlener Ziegelei.
Geschichte Gahlen wurde 1377 als Galyn erstmals in einer Urkunde dokumentiert. In den Jahren 1346 und 1495 wurde der Ort Galyn genannt, 1560 Galen und 1761 Golin. Der Name ist nicht ganz eindeutig zu interpretieren. Siegfried Körner nennt als eine Deutung eine Herkunft von aso. *Golyńa oder *Golina, zu aso. *gol'a Heide, Forst, Nadelwald, ebenso Ernst Eichler. Eine zweite Möglichkeit wäre eine Ableitung von einem Personennamen aso. *Golin Ort eines Gol-´. Nach der Dorfstruktur war es ein West-Ost ausgerichtetes, nach Osten rund geschlossenes Sackgassendorf mit einem Gut, das sich erst im Spätmittelalter/Frühen Neuzeit in der nördlichen Häuserzeile heraus bildete. Es ist somit ein Plandorf aus der Zeit der deutschen Kolonisationszeit, vermutlich aus dem Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhunderts.
Besitzgeschichte Gahlen war bis 1817 eine brandenburgische Enklave im Calauischen Kreis der Niederlausitz. Nach Gerhard Krüger wurden 1500 fünf Brüder von Zabeltitz mit Laasow, Kalkwitz und Gahlen belehnt, wie es ihre Eltern vor ihnen besessen haben. Eine Quelle nennt er nicht. Im Register der Lehensleute, welche dem Kurfürsten Joachim I. und Markgrafen Albrecht die Huldigung geleistet haben, von den Jahren 1499 bis 1500 erscheinen tatsächlich fünf Brüder von Zabeltitz, allerdings ohne Ortsangabe, von denen Siuert, Cristoff und Heinrich den Lehnseid leisteten, Nickel und Ott abwesend waren und (noch) nicht geschworen hatten. Nach der Zabeltitzschen Familiengeschichte, aus der wahrscheinlich die obige Angabe stammt, waren sie die Söhne des Nickel von Zabeltitz auf Reuden. Zu diesem Gut soll gehört haben neben Reuden, auch Laasow, Kalkwitz, Gahlen und Saßleben. Weiter, der Zabeltitzschen Familiengeschichte folgend, kam Gahlen schließlich noch 1500 an Heinrich von Zabeltitz. Er soll auch in Gahry und Ruben einige Güter besessen haben. 1514 wurde seinem Schwager Niklas Schetz, Kastner in Cottbus etliche Güter des Heinrich in Gahry wegen ausstehender Schuldzahlungen übertragen. 1529 verkaufte (ein) Heinrich von Zabeltitz die Güter in Gahry und Ruben durch seinen Bevollmächtigten Nikolaus Schetz, Kastner in Cottbus an Hans von Loeben. Nach Houwald müsste es sich bei letzterem Heinrich bereits um den gleichnamigen Sohn des obigen Heinrich gehandelt haben, denn 1527 wird ein Heinrich von Zabeltitz auf Reuden zusammen mit seinem Bruder Caspar in einem Gesamtlehnbrief genannt. Am 9. Januar 1543 wurde dieser Heinrich auch mit dem halben Dorf Bolschwitz belehnt, das er von Georg von der Zauche auf Lamsfeld gekauft hatte. Zur Gesamten Hand aufgenommen waren sein Bruder Caspar zu Reuden, die Brüder Benisch und Georg zu Laasow und Ogrosen, die Brüder Martin und Bastian von Zabeltitz und der Sohn ihres verstorbenen Bruders Wolf namens Otto zu Saßleben und Buchwäldchen. Offensichtlich besaß Heinrich auch die andere Hälfte von Bolschwitz, denn er bestellte 1550 das ganze Dorf Bolschwitz als Leibgedinge für seine Frau Martha geb. von Zabeltitz aus dem Hause Ogrosen. Heinrich von Zabeltitz gehörte zu den berechtigten Junkern, die im Winter (um 1570), wenn der Spreewald zugefroren war, mit zwei Schlitten Holz aus dem Spreewald holen durften. Bei der Musterung der Ritterpferde im Cottbusischen Weichbild 1565 stellten die Zabeltitzer zu Saßleben und Loß (= Laasow) drei gerüstete Pferde. 1570 starb Heinrich von Zabeltitz auf Gahlen ohne Leibeserben. Danach kam es unter den Mitbelehnten zu Streitigkeiten wegen des Erbes des Heinrich.
Nach dem Vergleich vom 12. Dezember 1570 erhielt Bastian von Zabeltitz das Dorf Gahlen. Das Erbe Heinrichs wurde von einer Kommission bewertet und zu diesem Wert dem Bastian von Zabeltitz überlassen. Er durfte aber vorher noch seinen Erbanteil in Höhe von 3.000 Talern abziehen. Die Vettern sollten ihre Gelder auf dem Lehn stehen lassen (gegen Verzinsung), bis sie das Geld zum Erwerb neuer Lehn oder zur Begleichung von Schulden benötigen würden. Die Witwe Heinrichs behielt halb Bolschwitz als ihr Leibgedinge. Bastian von Zabeltitz war mit Margarethe geb. von Zabeltitz verheiratet. Sie erhielt ein Leibgedinge bestehend aus den Dörfern Reuden und Plieskendorf, was Landvogt Jaroslav von Kolowrat am 29. Januar 1579 bestätigte. 1579 starb Bastian von Zabeltitz ohne männliche Erben und Gahlen fiel nun an den nächsten Agnaten Otto von Zabeltitz auf Saßleben, Reuden und Buchwäldchen, der Sohn seines schon lange vorher verstorbenen Bruders Wolf.
Schon 1574 wollte Otto von Zabeltitz mit dem Dorf Kolkwitz belehnt werden. 1579 fiel ihm das Erbe des Bastian von Zabeltitz zu. Otto war mit Anna von Zabeltitz der Tochter des Heinrich verheiratet. Am 20. Februar 1581 stellte er ihr ein Leibgedinge aus. Aus der Ehe gingen die drei Söhne Wolf, Heinrich und Hans Friedrich hervor. Nach dem Verzeichnis der Rossdienste im Cottbusischen Kreis 1585 musste Otto wegen der Dörfer Gahlen und Kalkwitz zwei Ritterpferde stellen. Im Jahr 1584 ist er verstorben.
Heinrich, Wolf und Hans Friedrich von Zabeltitz, die Söhne des Otto von Zabeltitz wurden am 3. Februar 1586 mit den niederlausitzischen Gütern ihres Vaters, Reuden, Gahlen, Plieskendorf und halb Bolschwitz belehnt. Bereits am 8. Januar 1585 war Wolf mit dem brandenburgischen Gahlen belehnt worden. Er wird als Ritter zu Cottbus bezeichnet. 1603 ist er verstorben. Seine Söhne Wolf Heinrich, Caspar Joachim und Wolf Ernst waren bei seinem Tod noch minderjährig. Sie wurden am 20. Juni 1603 mit den vom Vater ererbten Gütern belehnt. 1609 wurde Wolf Heinrich mit Gahlen belehnt. Ein weiterer Lehnbrief über Gahlen erhielt er am 28. Juni 1622. Er war mit Elisabeth Seyffertitz, Tochter des Bernhard von Seyffertitz aus dem Hause Wendisch Buchholz verheiratet. Er starb 1625 ohne männliche Erben, die Witwe starb 1637 in Frankendorf bei Dobrilugk (gemeint wohl Frankena) an der Pest.
Die Witwe Elisabeth Seyffertitz und die Brüder des Wolf Heinrich von Zabeltitz hatten Gahlen und halb Bolschwitz für etliche Jahre (d. h. auf Wiederkauf) schon um 1625 an den brandenburgischen Oberstleutnant Veit von Kracht auf Ranzow. Er war aber 800 Gulden Kaufgeld schuldig geblieben, wofür sich sein Bruder Georg von Kracht auf Mallenchen, Hans von Gersdorf auf Pritzen und Hans von Flanß auf Buchholz verbürgten. Veit von Kracht hatte 1625 außerdem ein Darlehen in Höhe von 1.500 Gulden von seiner Schwester Margarethe von Bernheim geb. von Kracht erhalten; dazu gab der Landvogt Siegmund Seifried von Promnitz seinen Konsens. Veit von Kracht war der Sohn des Isaac von Kracht und der Eva geb. von List von Lindenberg (Ortsteil der Gemeinde Tauche). Er scheint keine Leibeserben gehabt zu haben. 1637/8 war Veit von Kracht gestorben und sein Bruder Hildebrand von Kracht suchte nun um die Gesamte Hand an Gahlen nach, wie sie sein 1638 verstorbener Bruder Georg auf Mallenchen und andere Vettern gehabt hatten. 1640 saß noch die Witwe des Veit von Kracht auf dem Gut Gahlen. 1644 wird vermerkt, dass ein Zabeltitz Gahlen an Veit von Kracht verkauft hatte. Bei der Huldigung für den 1640 an die Regierung gekommenen brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm im Oktober 1644 hat sich jedoch keiner der Agnaten gemeldet.
1652 gehörte Gahlen den Gläubigern des verstorbenen Oberstleutnant Veit von Kracht. Es wurde von dem als Schiedsmann von den Gläubigern eingesetzten (Georg) Christoph von Klitzing verwaltet. 1654 kaufte schließlich Georg Christoph von Klitzing Gahlen für 2.000 Taler von den Kracht’schen Erben. 1660 prozessierte Georg Christoph von Klitzing zu Gahlen gegen den Rat zu Calau wegen der Schaftrift auf dem Altnauer Felde. Georg Christoph war der Sohn des Christian von Klitzing und der Christine von Schlieben. Ihm gehörte auch Bronkow und Rutzkau. 1666 verkaufte er Gahlen an seinen Bruder Adam von Klitzing, der 1674 als in Gahlen ansässig erwähnt wird. Er war mit Anna Catharina von Minkwitz verheiratet.
1691 verkauften die drei namentlich nicht bekannten Söhne des Adam von Klitzing Gahlen an Christoph Siegmund von Raußendorf auf Saßleben. Dieser stammte aus Wolffersdorf in Böhmen, das er wegen seines evangelischen Glaubens hatte verlassen müssen. In der Niederlausitz hatte er 1686 das Gut Saßleben gekauft, 1691 auch Jehschen. Später erwarb er noch das benachbarte, aber zur Herrschaft Cottbus gehörende Gut Kalkwitz hinzu. Zum Kauf von Saßleben hatte ihm der Geheime Rat und Kammerdirektor Ludwig Gebhard Freiherr von Hoym eine ansehnliche Summe gegeben, die Raußendorf nicht zurückzahlen konnte. 1693 musste Raußendorf dem Freiherrn von Hoym Saßleben und Jehschen überlassen. Bei den Kaufverhandlungen gab es jedoch über den Preis sehr unterschiedliche Vorstellungen. Während Hoym 18.000 Taler für Saßleben bot, forderte Raußendorf mindestens 24.000 Taler. Letzterer betonte vor allem die von ihm für etliche Tausend Taler vorgenommenen Meliorationen. Der Verkauf von Saßleben wurde ihm jedoch unter Androhung einer Strafe von 300 Gulden vom damaligen Landesherrn der Niederlausitz, Herzog Christian II. untersagt, der Saßleben selber kaufen wollte. Er erhielt aber die Genehmigung einen Kredit über 10.000 Taler bei Johann Patow auf Mallenchen aufzunehmen. Einige Jahre später erlosch das Interesse des Herzogs an Saßleben und so konnte Christoph Siegmund von Raußendorf 1696 endlich Gahlen an Hans Caspar von Muschwitz für 9.400 Taler verkaufen, und am 2. August 1697 auch Saßleben für 20.500 Taler an Johann Wilhelm von Hake. Kalkwitz verkaufte er 1697 an Caspar Heinrich von Löben, Jehschen ging 1698 an Nicol Gotthard von Wehlen auf Repten.