Freiheit ist das fünfte Album des Mindener Rappers Curse. Es wurde am 26. September 2008 auf dem von ihm mitgegründeten Sublabel Alles Real Records veröffentlicht. Freiheit wurde von Kritikern und Fans zumeist gut aufgenommen. Es ist eines von Curse’ kommerziell erfolgreichsten Alben und das erste, welches in die Musikcharts dreier Länder einstieg. Mit Bis zum Schluss befindet sich zudem seine erste Single, die sich in den Top 10 der deutschen Singlecharts platzieren und den Mainstream erreichen konnte, auf dem Album.
Entstehung mini|Curse bei einem Auftritt, 2009 Bereits kurz nach der Veröffentlichung von Sinnflut im Dezember 2005 begann Curse wieder Texte zu schreiben und hatte bereits im Sommer 2006 mit zwölf Liedern genug Material aufgenommen, um ein neues Album veröffentlichen zu können. Den anfänglichen Plan, diese im August oder September desselben Jahres zu veröffentlichen, verwarf er jedoch wieder, da ihm die emotionale Bindung zu den Songs und ein Konzept fehlten. Nach einer Neubesinnung begannen die ersten Arbeiten an Freiheit im Dezember 2006. wildstylemag.com Zu einer Session lud Curse für zwei Wochen die Produzenten SaschliQ, Claud und Nicolay ein, mit denen er das Album konzipierte. In dieser Session entstanden etwa Der lange Weg zur… und 100 Jahre.„Track by Track“ auf der Bonus-DVD von Freiheit Aufgenommen wurde Freiheit dann im Kölner Tonstudio von Patrice Bart-Williams, der dort zeitgleich an seinem Album Free-Patri-Ation arbeitete, sowie teilweise auch im französischen Antibes. Für die Aufnahmen und die Produktion verwendete Curse überwiegend Analogtechnik, die für ihren warmen Klang bekannt sei; das Mikrofon, mit dem er die Stücke aufnahm, stammt aus dem Jahr 1947.Interview in der Juice, Ausgabe Oktober 2008, Seite 60 Im November 2007 begannen die ersten Mischarbeiten, Curse war aber mit den vorläufigen Ergebnissen nicht zufrieden; erst im Februar 2008 wurden die Arbeiten mit neuer Songkonstellation sowie neuen Ideen und weiteren verfügbaren Gastsängern fortgesetzt und im September abgeschlossen.
Der Titel des Albums wurde von Curse am 1. Februar 2008 offiziell auf seiner Homepage bekannt gegeben, das Cover-Design folgte am 25. Juli, die Titelliste am 28. August. Das am 31. Juli bekanntgegebene Veröffentlichungsdatum des Albums sowie der ersten Single Freiheit wurde am 21. August um eine Woche nach hinten verschoben.
Konzept und Inhalt Das Album, insbesondere sein Titelsong, basiert auf Curse’ Ansichten, was Freiheit ist und was nicht. Diese stellte er auch in mehreren Interviews dar, rap.de, 10. September 2008; abgerufen am 18. August 2009. betonte dabei allerdings, dass es sich bei Freiheit nicht um ein Konzeptalbum handele.Videointerview auf 16bars.de, 14. September 2008; abgerufen am 18. August 2009
In Liedern wie Schöne Wahrheit, Ich kann nicht mehr, Lila und Bis zum Schluss rappt Curse über das Unvermögen mancher Personen, die für sie richtigen Entscheidungen zu treffen und ihr Schicksal selbst zu steuern. In anderen Stücken (Stell dir vor, Nur ein ganz kleines Bisschen, Fantastisch und Willkommen zurück) geht es darum, was man in der Lage ist zu erreichen – etwa die persönliche Freiheit, gleichbedeutend mit der Glückseligkeit –, wenn man sein Leben selbst bestimmt und an seine Träume glaubt.
Der lange Weg zur … (auch: Der lange Weg zur Freiheit) ist der einzige Song auf Freiheit, der ohne eigenes Konzept auskommt. Er stellt für Curse eher ein „Brainstorming“, das auf „Gedanken und Situationen“ beruht, dar.Sämtliche in den Songinformationen verwendeten Zitate (sofern nicht anders angegeben) und Interpretationen beruhen auf der Rubrik „Track by Track“ auf der Bonus-DVD von Freiheit.
Das Lied Freiheit definiert das gleichnamige Wort und repräsentiert das Konzept des Albums („Freiheit bedeutet […] sich selbst zu erfüllen, anstatt die Erwartungen von anderen Leuten“Booklet des Albums Freiheit).
In dem Song Stell dir vor beschreibt Curse die Vorstellung eines anderen, besseren Lebens, mit der er dazu aufrütteln will, sein Leben zu ändern, anstatt sich mit der eigenen Unzufriedenheit zufriedenzugeben. Den Anreiz, sein unbefriedigendes Leben aktiv umzugestalten, soll die sich wiederholende Zeile „Es kann passieren“ im Refrain geben.
Schöne Wahrheit ist laut Curse „sehr introvertiert“ und „vielleicht der persönlichste Song auf dem Album“. Er rappt über Selbstzweifel an seinem Handeln und seinen Plänen (Zweifel war der Arbeitstitel des Stücks) und die Angst vor Erwartungen und der Verantwortung für sein eigenes Schicksal.
Nur ein ganz kleines Bisschen beschreibt Curse’ Streben nach der Verwirklichung eines Traums, wobei er sich von dem, der oder den Angesprochenen Verständnis und Unterstützung wünscht. Ob es sich bei seinem Gegenüber um eine Freundin, seine Plattenfirma oder das Hip-Hop-Genre handelt, lässt er bewusst offen.
Die Idee zu Gold basiert auf dem Sprichwort „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“ Dies entwickelt Curse in humorvollen und zynischen Zweideutigkeiten weiter („Nicht jeder, der den Mund voll nimmt, ist Genießer/Und nicht jede Mona lächelt wie Lisa“). Im Refrain fordert er mehr Erfolg für sich ein und eine Goldene Schallplatte für Freiheit.
In dem Lied 100 Jahre (auch: Hundert Jahre) beschäftigt sich Curse mit dem Leben seiner Großeltern und ihrer Generation anhand von zwei Strophen, die deren Erlebnisse während der Bombardierung Dresdens und der Kriegsgefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg beschreiben. In zwei weiteren Strophen setzt er sich mit dem gegenwärtigen Leben dieser Generation auseinander. Der Refrain des Stücks stellt eine Bearbeitung des Gelassenheitsgebets von Reinhold Niebuhr dar.„Die Zeilen im Hook basieren auf dem ‚Serenity Prayer‘ von Reinhold Niebuhr.“ – Curse im Booklet von Freiheit
God, give us grace to accept with serenity The things that cannot be changed Courage to change the things Which should be changed And the Wisdom to distinguish The one from the other.
The Serenity Prayer von Reinhold Niebuhr skdesigns.com; abgerufen am 18. August 2009 Gott, bitte gib uns die Kraft Um zu ändern, was wir können und zu akzeptieren Dass manche Dinge einfach sind wie sie sind Bitte gib uns die Weisheit Sodass sie sehen, was der Unterschied ist.
100 Jahre von Curse
Ich kann nicht mehr reflektiert konkrete Situationen aus Curse’ Freundeskreis, in denen Personen Dinge, die ihnen angetan werden, ignorieren und denselben Fehler erneut machen. „Das Fazit von dem Song ist: Ich kann nicht mehr tun, als dir sagen, was ich denke, aber du musst selber für dich entscheiden, ob du hörst, was ich sage.“
Mit Baby richtet Curse sich an sein noch ungeborenes Kind und beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, die ihnen in der Zukunft die Chance nehmen könnten, sich überhaupt kennenzulernen. Er sieht das Lied als „Präventivschlag“, indem er seinem Kind sagt, dass er es trotz jedweder Umstände immer lieben wird.
Feier dich selbst stellt laut Curse einen Gegenentwurf zu den vielen beleidigenden Battle-Rap-Stücken anderer Rapper dar, indem er rappt, dass man sich stets selbst „feiern“ sollte, egal wie man aussieht oder was für ein Leben man führt, da abends im Licht des Stroboskops schließlich alle Menschen gleich aussähen.
Das Stück Lila beruht einerseits auf der Geschichte der Hauptfigur des Films Die Farbe Lila, die es trotz gegebener Möglichkeiten über Jahre hinweg nicht schafft, ihre Lebensumstände zum Positiven zu ändern. Andererseits ist der Inhalt des Songs auf eine Erzählung zurückzuführen, die Curse auf Sri Lanka gehört hat: Die dortigen Elefanten werden von Geburt an angekettet, um nicht fortzulaufen. Mit der Zeit gewöhnen sie sich an diese Situation, während die Ankettungsmaßnahmen kontinuierlich reduziert werden. Schließlich sind die Elefanten nur noch an einen Bindfaden gebunden und hätten die Möglichkeit zu fliehen, tun dies aber selbst in Gefahrensituationen nicht, aufgrund ihrer Konditionierung. Dieser Hintergrund dient als Parabel für die Geschichte des Stücks. In Lila geht es um eine Jugendliche, die früh schwanger wird. Von ihrem Freund verlassen und auch familiär auf sich allein gestellt, kommt sie mit ihrem Leben nicht mehr zurecht und sieht schließlich ihren einzigen Ausweg darin, ihre Kinder umzubringen, woraufhin sie in die Psychiatrie eingewiesen wird. Curse sieht in dieser Konditionierung auf ein festgefahrenes Leben eine mögliche Antwort auf die medial häufig präsenten Fälle von Kindstötungen junger Eltern. Die Farbe Lila, für Curse eine melancholische Farbe, zieht sich dabei als Leitmotiv durch das Stück. Lila sei „definitiv der schwerste Song auf dem Album“.
Wenn ich die Welt aus dir erschaffen könnte behandelt auf metaphorische Weise „die Schöpfung anhand der Attribute einer Frau“ („Würd deinen Rücken nehmen/Um jedweden Berg zu stützen/Als Atmosphäre deine Wärme/Um den Mensch zu schützen“). Lyrisch ist der Text inspiriert von Johann Wolfgang von Goethe.Interview. jetzt.de, 18. September 2008; abgerufen am 18. August 2009.
In Bis zum Schluss setzt sich Curse mit einer aufgrund unüberbrückbarer Differenzen zum Scheitern verurteilten Beziehung auseinander, die aber keiner der beiden Partner bereit ist aufzugeben, da keiner von ihnen die Konsequenzen tragen möchte.
Mit Fantastisch will Curse das Gefühl von „losgelöst sein und sich gut fühlen“ vermitteln sowie „die schönen Dinge im Leben zu sehen, aber auch die schlechten Dinge im Blickfeld zu haben“.
Du sagst / Du meinst beschreibt auf humorvolle Weise den Unterschied zwischen dem, was Mann und Frau in einer Beziehung sagen, und dem, was sie eigentlich meinen.
Willkommen zurück behandelt die Schicksale dreier Menschen, die „weg waren vom Leben“, aber eine zweite Chance erhalten, es in die richtigen Bahnen zu lenken. Die erste Strophe handelt von einem Mann, der im Krankenhaus aufwacht und seinen Autounfall, der ihn an diesen Ort gebracht hat, rekonstruiert. Vom Arzt, der ihn anscheinend gerettet hat, bekommt er „willkommen zurück“Die Songtexte der drei Bonussongs sind im Booklet nicht abgedruckt; dazu dann lyricwiki.org abgerufen am 18. August 2009. zu hören. Die zweite Strophe beschäftigt sich mit einer schwangeren Frau, die ihr Kind verliert und dadurch auch ihren Willen zu leben. Später erfährt sie aber von ihrem Arzt, „dass in ihr drin wieder neues Leben entsteht“. In der dritten Strophe berichtet Curse über einen ehemaligen Soldaten, der in den Krieg zog, um „von dem Leben Abstand zu nehmen“. Wieder zu Hause angekommen, stellt er aber fest, dass das Leben, vor dem er floh, mittlerweile das größte Glück für ihn bedeutet.
Freiheit (Epilog) ergänzt die auf dem Lied Freiheit zu hörenden Aussagen in zwei weiteren Strophen.
Stil