mini|270px|Haus Nr. 8: Ehemaliges Austragshaus

Rutzendorf (fränkisch: RutsndorfE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 163.) ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Sachsen bei Ansbach im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Rutzendorf liegt in der Gemarkung Volkersdorf.

Geografie Nördlich des Dorfes fließt die Fränkische Rezat, südlich der Schwarzleitengraben, ein rechter Zufluss der Fränkischen Rezat. Westlich liegt die Flur Wolfsstall, 0,5 km südwestlich die Seeholzäcker, 0,5 km südöstlich befindet sich der Grüttenberg (). Gemeindeverbindungsstraßen verlaufen nach Büchenmühle (1 km westlich), die Staatsstraße 2223 kreuzend nach Sachsen (0,8 km nördlich) und am Stritthof vorbei zu einer Gemeindeverbindungsstraße (2,5 km südlich) zwischen Steinhof (0,2 km nördlich) und Oberrammersdorf (0,6 km südlich).

Geschichte Der Ort wurde im Würzburger Lehenbuch von 1303 als „Ruzzendorf“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Ruzzo. Eine Person dieses Namens ist als Gründer der Siedlung anzunehmen. Gottfried von Heideck erhielt im selben Jahr die Vogteiherrschaft über den Ort als bischöfliches Lehen, Gottfried von Feldbrecht erhielt zwei Güter als bischöfliches Lehen. Das Gumbertusstift hatte im Ort ebenfalls Ansprüche, wie aus einer Urkunde um 1400 hervorgeht, in der der Hofbesitzer Hans Walder verpflichtet war jährlich vier Metzen Korn an das Stift zu liefern.G. Rusam: Geschichte der Pfarrei Sachsen und der zugehörigen Orte, S. 25. 1406 verkaufte Friedrich von Heideck seine Besitzungen, zu der auch Rutzendorf zählte, an die Reichsstadt Nürnberg.H. Dallhammer: Sachsen b. Ansbach: eine Chronik, S. 95.

Im Salbuch des nürnbergischen Pflegamtes Lichtenau von 1515 wurden für Rutzendorf mit Mühle 10 Untertansfamilien angegeben, die alle der Reichsstadt Nürnberg unterstanden.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 744. 1539 erwarb das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach ein Gut von Wolf Wurm zu Gunzenhausen.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 697. Nach G. Rusam: Geschichte der Pfarrei Sachsen und der zugehörigen Orte, S. 25, soll dieser Kauf 1506 erfolgt sein.

Infolge des Dreißigjährigen Krieges verödete der gesamte Ort.G. Rusam: Geschichte der Pfarrei Sachsen und der zugehörigen Orte, S. 118.

Im 16-Punkte-Bericht des Oberamtes Ansbach von 1684 wurden für Rutzendorf mit Mühle wieder 12 Mannschaften verzeichnet. Grundherren waren das Hofkastenamt Ansbach (1 Anwesen) und das Pflegamt Lichtenau (11 Anwesen). Das Hochgericht übte das Pflegamt Lichtenau aus.Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Salbuch 128, 3026. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 697.

Laut der Amtsbeschreibung des Pflegamtes Lichtenau aus dem Jahr 1748 zählte der Ort zur Hauptmannschaft Sachsen. Es gab weiterhin 12 Untertansfamilien, von denen 11 nürnbergisch waren.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 747.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Rutzendorf 13 Anwesen und ein Ochsen- und ein Kuh-Hirtenhaus, beides kommunale Gebäude. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das Pflegamt Lichtenau aus. Grundherren waren das Pflegamt Lichtenau (2 Höfe, 4 Halbhöfe, 2 Güter, 1 Gütlein, 1 Mühle, 1 Tafernwirtschaft, 1 Leerhaus) und das Hofkastenamt Ansbach (1 Gut).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 905 f.

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Rutzendorf dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Sachsen und der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Sachsen zugeordnet.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Rutzendorf in die neu gebildete Ruralgemeinde Volkersdorf umgemeindet. Am 1. April 1971 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Eingemeindung nach Sachsen.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1013.

Baudenkmäler Haus Nr. 8: Wohnstallhaus eines Bauernhofes, eingeschossiges Gebäude mit Steildach, einseitig mit Schopfwalm, Sandsteinquaderbau, um 1800; anschließend ehemaliges Austragshaus, zweigeschossiger Satteldachbau, zweite Hälfte 19. Jahrhundert; Scheune, eingeschossiger Satteldachbau, Sandsteinquader, 19. Jahrhundert; Keller, in anstehendes Gelände gebaut, massiv, 19. Jahrhundert Rezatbrücke, wohl 17./18. Jahrhundert, nördlich der Ortschaft. Sandsteinquaderbau mit zwei gemauerten Bögen. zwei Fraischsteine wohl aus dem frühen 18. Jahrhundert der ehemals nürnbergischen Pflegschaft Lichtenau südwestlich des Ortes; hohe Sandsteine mit satteldachartigem Abschluss und Nürnberger Wappenrelief, ein Stein am Seevasen, der andere im Lindachfeld

Einwohnerentwicklung Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 96 92 101 95 85 88 81 119 89 70 56 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1885 bis 1987 als Wohngebäude. 20 15 19 19 14 12 12 15Quelle

Religion Rutzendorf ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und nach St. Alban (Sachsen bei Ansbach) gepfarrt. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession waren ursprünglich nach Unsere Liebe Frau (Heilsbronn) gepfarrt, heute ist die Pfarrei St. Johannes (Lichtenau) zuständig.

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Ortsteil von Sachsen bei Ansbach Kategorie:Ersterwähnung 1303 Kategorie:Ort an der Fränkischen Rezat