Der Angolapython, auch Angola-Zwergpython (Python anchietae) ist eine Schlangenart aus der Familie der Pythons (Pythonidae), genauer, der Gattung der Eigentlichen Pythons (Python). Das Verbreitungsgebiet dieses kleinen Pythons liegt in Südwest-Afrika und ist dort auf die relativ trockenen, felsigen Hochebenen Angolas und Namibias beschränkt. Zur Biologie dieser Schlange ist sehr wenig bekannt. Er ernährt sich von kleinen Säugetieren und Vögeln, ist wie alle Arten der Gattung Python eierlegend (ovipar) und gehören zu den Arten, bei denen die Weibchen die Bebrütungstemperatur durch Muskelzittern erhöhen können. Durch Schutzbemühungen und seinen abgelegenen Lebensraum gilt der Angolapython bisher als ungefährdet.
Beschreibung Körperbau, Länge, Gebiss Der Angolapython ist ein kräftig gebauter Python mit zylinderförmigem, auf dem Rücken ziemlich abgeflachten Körperquerschnitt und einem kleinen, deutlich vom Hals abgesetzten, abgeflachten Kopf.J. G. Walls: The Living Pythons – A complete guide to the Pythons of the World. T. F. H. Publications, 1998, ISBN 0-7938-0467-1, S. 108–113. Der relativ kurzeG. J. Alexander, J. Marais: A Guide to the Reptiles of Southern Africa. Struik Publishers, Cape Town 2007, ISBN 978-1-77007-386-9, S. 61–65. Schwanz kann bei Weibchen bis mindestens 10 % und bei Männchen bis gegen 12 % der Gesamtlänge ausmachen. Die Aftersporne sind bei Männchen prominent ausgebildet.H. Finkeldey: Python anchietae Bocage. Cimbebasia 6, 1963, S. 23–28.
Auf Grund der geringen Datenmenge liegen noch keine fundierten Angaben zur Durchschnitts- und Maximallänge der Art vor. In Gefangenschaft wurden bisher zumindest frisch aus der Wildnis stammende Männchen mit einer minimalen Gesamtlänge von 109 ZentimeterR. W. Patterson, H. Erasmus: Hatching of Anchieta’s dwarf python Python anchietae. International Zoo Yearbook 18, 1978, S. 99–101. und ebensolche Weibchen mit einer minimalen Gesamtlänge von 135 Zentimeter erfolgreich zur Fortpflanzung gebracht. Das längste bisher in der Wildnis vermessene Männchen besaß eine Gesamtlänge von 143 Zentimeter, das längste Weibchen eine von 168 Zentimeter.D. G. Broadley: FitzSimons’ Snakes of Southern Africa. Delta Books 1983, ISBN 0-908387-04-0, S. 69–70. Gemäß Broadley (1983) soll Haacke sogar ein Tier mit einer Gesamtlänge von mindestens 180 Zentimeter gefangen und vermessen haben. Im Houston Zoo hat ein Weibchen ebenfalls schon eine Gesamtlänge von zirka 180 Zentimeter (6 ft) erreicht.T. Logan: A note on attempted breeding in captive Python anchietae (at Houston Zoological Gardens). The Journal of the Herpetological Association of Africa 10, 1973, S. 8. Hinsichtlich Körperlänge und -gewicht zeigt die Art zumindest in Gefangenschaft einen Geschlechtsdimorphismus: Weibchen werden meist deutlich größer und schwerer als Männchen.
Das Gebiss besteht aus dünnen, länglichen Zähnen, die durchgehend spitz und zum Rachen hin gebogen sind und von der Maulspitze zum Rachen hin zunehmend kleiner werden. Am vorderen Teil der oberen Mundhöhle befindet sich das Zwischenkieferbein mit zwei kleinen Zähnen. Die Oberkieferknochen tragen jeweils 18 Zähne. Gegen die Mitte der oberen Mundhöhle liegen parallel zu den Oberkieferknochen vorne das Gaumenbein und weiter hinten das Flügelbein. Ersteres hat 5 bis 6 und letzteres 9 bis 12 Zähne. Die Unterkiefer tragen jeweils 19 Zähne.A. G. Kluge: Aspidites and the Phylogeny of Pythonine Snakes. Records of the Australian Museum, Supplement 19, 1993, ISBN 0-7310-1164-3, S. 44, 45, 48, 50, 65.
hochkant=1.1|miniatur|links|Seitenansicht des Kopfes hochkant=1.1|miniatur|links|Kopfoberseite
Beschuppung Für die Art kennzeichnend, sind die meisten Schilde auf der Kopfoberseite sowie auf dem Rücken und den Flanken auffallend gewölbt und nur gering bis gar nicht überlappend.W. R. Branch: The Dwarf Angolan Python, Python anchietae: an endangered species. Litteratura Serpentium 3, Heft 4, 1983, S. 121–125. Das Rostrale (Schnauzenschild) hat, wie bei den meisten anderen Pythons auch, zwei tiefe Labialgruben. Die Nasenlöcher sind jeweils im oberen hinteren Teil des auf der Kopfseite gelegenen, großen Nasale (Nasenschild) positioniert. Zur Kopfmitte hin sind die Nasalia von einem Paar großer Internasalia (Zwischennasenschilde) separiert, welches zur Mittellinie hin selbst durch mehrere kleine Schilde getrennt wird. Von der Schnauzenspitze her entlang der Mittellinie der Kopfoberseite folgen den Internasalia ein großes Paar Präfrontalia (Vorstirnschilde), welches auf Grund von mehreren kleinen Schildreihen auf der Mittellinie ebenfalls den Kontakt zueinander verloren hat. Charakteristischerweise, ist die dahinter folgende übrige Kopfoberseite komplett von zahlreichen kleinen, rundlichen Schilden bedeckt; Frontalia (Stirnschilde) und Parietalia (Scheitelschilde) sind durch die starke Fragmentierung nicht mehr auszumachen. Um das Auge liegt ein Ring aus 15 bis 18 ähnlichgroßer, kleiner Circumorbitalia (augeumfassende Schilde), wovon meist fünf bis sechs auf die Infraocularia (Unteraugenschilde) entfallen. Gelegentlich ist von den Circumorbitalia ein Supraoculare (Überaugenschild) vergrößert. Auf der Seite des Kopfes zwischen Auge und Nasenloch liegt ein Areal mit zahlreichen kleineren und größeren Lorealia (Zügelschilden). Von den 14 bis 15 Supralabialia (Oberlippenschilden) tragen die vordersten drei große, tiefe, dreieckige Labialgruben und die dahinter folgenden zwei bis drei eine kleinere, oberflächlichere Labialgrube. Gelegentlich ist das Supralabiale Nummer 11 oder 12 horizontal geteilt. Infralabialia (Unterlippenschilde) gibt es 15 bis 16, wovon 3 bis 4, bei Infralabiale Nummer 9 oder 10 beginnend, relativ oberflächliche Labialgruben besitzen.
Die Anzahl der Ventralia (Bauchschilde) variiert zwischen 252 und 268, die Anzahl der dorsalen Schuppenreihen in der Körpermitte zwischen 57 und 63. Von der Kloake bis zur Schwanzspitze finden sich 46 bis 57 meist paarige Subcaudalia (Schwanzunterseitenschilde). Das Anale (Analschild) kann geteilt oder ungeteilt sein.
Färbung Die Körperoberseite adulter Tiere weist eine rötlichbraune bis braune Grundfarbe auf, die nach der Körpermitte und zum Schwanz hin zunehmend dunkler und kontrastreicherS. Spawls: Python anchietae – Anchieta’s dwarf python. Habitat, behaviour, colour and diet. Journal of the Herpetological Association of Africa 39, 1991, S. 24. wird. An den Flanken zur Bauchseite hin, wird die Grundfarbe zunehmend aufgehellt. Von der Flankenunterseite her steigen in unregelmäßigen Abständen in ihrer Form und Länge stark variierende weißliche, dunkelbraun bis schwarz gesäumte Bänder zum Rücken auf. Diese Bänder können teilweise mit Bändern der gegenüberliegenden Seite fusionieren und auf derselben Seite besonders im unteren Teil der Flanken vereinzelt miteinander verschmelzen und so den Flanken entlang einen unkontinuierlichen Längsstreifen bilden. Hierdurch wird die Grundfarbe vielerorts in kleine bis große quadratische, rechteckige bis vieleckige unregelmäßige braune Areale unterteilt. Zudem sind mehrere weißliche, schwarz umrandete, runde bis längliche Flecken unregelmäßig über den Rücken verteilt, die auf der hinteren Körperhälfte und dem Schwanz in ihrer Anzahl zunehmen. Die Bauchseite ist weißlich bis weißgelb und mit wenigen braunen bis dunkelbraunen Flecken den Seitenrändern des Bauches entlang versehen.
Auf der Schnauze der rotbraunen Kopfoberseite entspringen zwei kontrastreiche schwarz gerahmte weiße Streifen, die jeweils einzeln in gerader Linie vom einen Nasenloch über das Auge zur Schläfenregion oberhalb des Maulwinkels ziehen, sodann abrupt abgewinkelt Richtung Nacken laufen und hier wieder lückenhaft bis komplett zusammentreffen. Diese beiden weißlichen Bänder umgrenzen so einen großen, rotbraunen, dreieckigen Fleck auf der Kopfoberseite. Auf diesem Dreieck können im Zentrum hinter den Augen ein bis drei undeutliche weiße Flecken liegen. Häufig befindet sich ein einzelnes dunkelbraun gefärbtes Schild über dem Auge, welches den hier durchziehenden weißen Streifen unterbricht. Die Oberlippe ist insbesondere zum Augenunterrand hin weißlich aufgehellt.
Angolapythons durchlaufen einen geringen ontogenetischen Farbwechsel. Jungtiere zeigen eine dunkelbraune bis schwärzliche Grundfarbe mit kontrastreicher zitronengelber Musterung. Mit zunehmender Reifung hellen sich die Farben auf und verblassen bei gewissen Tieren. Die Färbung und Musterung variiert generell beträchtlich innerhalb der Art. Dahinter werden genetische Unterschiede entlang der geographischen Verbreitung vermutet.CITES Secretariat: Review of Python anchietae. in: Periodic Review of Animal Taxa in the Appendices – Evaluation of Species selected at AC15. Doc. AC.16.8.1. Sixteenth meeting of the Animals Committee Shepherdstown, United States of America, 11-15 December 2000, S. 47–51, .
Verbreitung hochkant=1.06|miniatur|Approximatives Verbreitungsgebiet des Angolapythons Das Verbreitungsgebiet des Angolapythons konnte bisher nur lückenhaft erforscht werden. Es liegt in Südwest-Afrika und verläuft hier auf dem Hochlandgürtel hinter der Westküste, streifenförmig über näherungsweise 1250 Kilometer, von Süd-Angola bis nach Zentral-Namibia. Begrenzt wird es östlich durch die Namib-Wüste und östlich durch die Kalahari-Wüste. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge stammen die nördlichsten Funde in Angola aus Hanha in der Provinz Benguela und die dort östlichsten aus Ruacana in der Provinz Cunene. Mit großer Wahrscheinlichkeit kommt er jedoch noch weiter nördlich über die Hochebenen bis in die Provinz Cuanza Sul und östlich durch die Provinz Huambo bis in die Provinz Bié vor.D. Barker, T. Barker: The Maintenance and Reproduction of the Dwarf Python of Angola and Namibia. The Vivarium 7, Heft 1, 1995, S. 30–34, online, pdf. In Namibia, wo bisherigen Erkenntnissen nach zirka 75 % seines Verbreitungsgebietes liegen, reicht seine östliche Ausdehnung über das Kaokoveld und die Otaviberge nach Tsumeb und seine Südliche über die Umgebung der Hauptstadt Windhoek bis ins Khomas-Hochland und die Hakos-Berge. Geeignete Habitate beständen auch hier weiter südlich bis zu den Einzugsgebieten von Oranje und Fischfluss nahe der südlichen Grenze. Innerhalb seiner Verbreitung scheint es keine größeren Lücken zu geben. Isolierte Populationen wären jedoch auf Inselbergen im Westen oder Osten des bisher bekannten Areals denkbar.
Lebensraum Sein Vorkommen ist offenbar primär auf die ariden und semiariden felsigen Hochebenen beschränkt. Diese harschen Hochebenen sind bekannt für ihre geringen Niederschläge und ihre ziemlich starken saisonalen Temperaturschwankungen mit Tagestemperaturen bis über 55 °C im Sommer und großen Temperatursprüngen bis unter den Gefrierpunkt in Winternächten. Hier bewohnt er in klimatisch günstigen Gebieten Geröllhänge, Felslandschaften und zerklüfteten Sandböden von Halbwüsten, Buschsteppen und Savannen.B. Branch, W. R. Branch: Field guide to Snakes and other Reptiles of Southern Africa. Struik Publishers 1998, ISBN 0-88359-042-5, S. 59. Gelegentlich dringt er auch auf vom Menschen beeinflusstes Weideland, Ackerland und sogar Farmen vor. Voraussetzung für all seine Habitate ist die Nähe zu permanenten bis saisonal wasserführenden Gewässern oder zumindest Gebieten mit einer gewissen Restfeuchtigkeit. In Angola lebt er in Waldsavannen (Miombo) auf bis 2000 Meter über Meer und in Namibia wurde er auf dem Brandbergmassiv in 2573 Meter über Meer sowie auf dem Berg Regenstein in 2479 Meter nachgewiesen.
Verhalten