Kaulstoß ist der nach Bevölkerungszahl kleinste Ortsteil der Stadt Schotten im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Geographie Das kleine Dorf am südlichen Rande des Vogelsbergs befindet sich an einer Verbindungsstraße, welche die Bundesstraße 276 mit der parallel dazu verlaufenden Landesstraße 3338 verbindet. Es liegt am rechten Rand der Nidder.
Etwa 1,2 km östlich des Dorfs befindet sich, direkt am Wanderweg Vulkanring Vogelsberg, der als Geotop und Naturdenkmal ausgewiesene Berg Alte Burg (616,8 m). Nördlich des Dorfs befindet sich die ebenfalls als Naturdenkmal geschützte Quelle Sauborn.
Historische Flächennutzung 1854 Morgen: 2537, davon 936 Acker, 1182 Wiesen, 316 Wald 1961 Hektar: 634, davon 223 Wald
Geschichte Ortsgeschichte Das Datum der ältesten bekannten Erwähnung des Orts unter dem Namen Kulstoß wird mit 1352 angegeben.Heinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Teil 3. Leipzig 1891, S. 51–53 Nr. 48. Am 15. Juli 1357 wird Heinrich Kaulstoß, Bürger zu Gelnhausen und Kirchenrechner der dortigen Pfarrei, urkundlich erwähnt.Heinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Teil 3, Leipzig 1891, S. 259 Nr. 230. Kaulstoß ist vermutlich sein Herkunftsort oder der seiner Familie.Werner Wagner: Die Dörfer und Städte des 1972 aufgelösten Landkreises Büdingen und die Ersterwähnung jedes einzelnen Ortes. In: Büdinger Geschichtsblätter 22, 2011, S. 225 ff., S. 234. Ein Henne Kaulstoß wird in einem Weistum des Gerichts Wolferborn am 28. Februar 1399 genannt.Friedrich Battenberg, Isenburger Regesten I, S. 267, Nr. 1002. Außerdem ist ein Henne Kaulstoß, Bruder des Prämonstratenserklosters zu Selbold, am 13. Januar 1400 urkundlich fassbar.Heinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Teil 3. Leipzig 1891, S. 767 Nr. 839.
Die Bedeutung des Ortsnamens ist ungeklärt. Zum einen wurde argumentiert, er bedeute „der kühle Hang“ bzw. „Aufstieg“.Karl Glöckner, Kaulstoß. In: MOHG 43, 1959, S. 65. Eine andere Version (nach Fritz Sauer, Schriftleiter der Zeitschrift Vogelsberger Heimat, Ausgabe Nr. 5 aus dem Jahr 1928) verweist auf eine Köhlerei, denn Kaulstoß bedeutet „Kohlenstoß“.
In einer Urkunde vom 22. September 1419 wird der Ort als Kulsthoß genannt. Damals wurden die Dörfer und Gerichte Burkhards, Crainfeld, Eschenrod, Herchenhain, Kaulstoß und Schmalenbach von Hermann II. von Buchenau, der damalige Verweser und späterer Abt des Klosters Fulda an die Brüder Johann II. und Gottfried IX. von Ziegenhain-Nidda für 300 Gulden verpfändet.Ludwig Baur, Hessische Urkunden Bd. 4, S. 58 f, Nr. 71.
Um 1809 begingen die Räuber Nicolaus Vierheller aus Kaulstoß und Jakob Heinrich Vielmetter, vulgo Jacob Heinrich, zwei Diebstähle zu Schotten und Sichenhausen.Friedrich Ludwig Adolph Grolman: Actenmäßige Geschichte der Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden und mehrerer mit ihnen in Verbindung gestandenen Verbrecher. Nebst Personal-Beschreibung vieler in alle Lande teutscher Mundart dermalen versprengter Diebe und Räuber; Mit einer Kupfertafel, welche die getreuen Bildnisse von 16 Haupt-Verbrechern darstellt. Gießen 1813. Kap. XXXI, S. 226 ff, S. 234. Vielmetter war der eigentliche Kopf der Wetterauer Bande.Hermann Bettenhäuser: Räuber- und Gaunerbanden in Hessen. Ein Beitrag zum Versuch einer historischen Kriminologie Hessens. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Bd. 75/76, 1964/65, S. 275–348, S. 338.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Kaulstoß:
Die Freiwillige Feuerwehr Kaulstoß wurde 1932 gegründet.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde 1936 eine sogenannte „rassenkundliche Untersuchung“ über Kaulstoß und Burkhards angefertigt.Brigitte Richter: Burkhards und Kaulstoß, zwei oberhessische Dörfer. Eine rassenkundliche Untersuchung. (= Deutsche Rassenkunde/Forschungen über Rassen und Stämme, Volkstum und Familien im Deutschen Volk, hg. v. Eugen Fischer, Bd. 14), Jena 1936.
1938 wurde Kaulstoß bei der Auflösung des Landkreises Schotten in den Landkreis Büdingen eingegliedert.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreformen Anfang der 1970er Jahre beschloss der Gemeinderat, Kaulstoß mit Wirkung vom 31. Dezember 1971 der Stadt Gedern anzuschließen. Allerdings stand dieser Beschluss unter dem Vorbehalt, dass sich Gedern dem neuen Vogelsbergkreis anschließen würde. Da sich Gedern jedoch für den Wetteraukreis entschied, wurde der Beschluss hinfällig. Mit Wirkung vom 1. August 1972 wurden durch Landesgesetz Kaulstoß, Burkhards und Sichenhausen daher zu Stadtteilen von Schotten und somit Teil des Vogelsbergkreises. Für den Stadtteil Kaulstoß wurde ein Ortsbezirk errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Kaulstoß angehört(e):
Vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ziegenhain, Amt Nidda, Gericht Burkhards 1450–1495: Erbstreit zwischen der Landgrafschaft Hessen und den Grafen von Hohenlohe ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Nidda, Gericht Burkhards ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Nidda, Gericht Burkhards 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Nidda, Gericht Burkhards 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Nidda und Lißberg, Gericht Burkhards ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt und (seit 1803) Gericht Lißberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Lißberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk SchottenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Schotten) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Büdingen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Schotten ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Schotten
Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Kaulstoß das Amt Lißberg zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Kaulstoß fiel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Schotten“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.
Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten und Kaulstoß kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Nidda. Zum 1. Januar 2012 wurde auch das Amtsgericht Nidda gemäß Beschluss des hessischen Landtags aufgelöst Bezieht sich auf das und Kaulstoß dem Amtsgericht Büdingen zugeteilt.
Kirchliche Verhältnisse Im 14. Jahrhundert gehörten Kaulstoß und andere Dörfer in das Kirchspiel Wingershausen.
Seit der Reformationszeit waren Burkhards, Busenborn, Eichelsachsen, Eschenrod und Kaulstoß Filialen., vgl. auch Gerhard Kleinfeld, Hans Weirich, Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum. Marburg 1937 S. 35 f. Ein aus Böhmen vertriebener evangelischer Geistlicher soll Burkhards und Kaulstoß zu einer selbständigen Pfarrei geeinigt haben.
Schulgeschichte Nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden Filialschulen im Vogelsberg, u. a. in der Pfarrei Burkhards in den Dörfern Eschenrod, Kaulstoß und Busenborn. Nach einer Erhebung aus dem Jahre 1798 war der Kaulstoßer Lehrer gleichzeitig auch Leineweber.Wilhelm Diehl: Die Schulordnungen des Großherzogtums Hessen. Im Auftrage der Gruppe Großherzogtum Hessen der Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte. 3. Band: Das Volksschulwesen der Landgrafschaft Hessen –Darmstadt. Berlin 1905, S. 90 und 174. 1825 kaufte die Gemeinde ein Haus und nutzte es als Schulhaus. Das spätere Schulhaus soll 1835 erbaut worden sein.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Kaulstoß 168 Einwohner. Darunter waren 3 (1,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 21 Einwohner unter 18 Jahren, 60 zwischen 18 und 49, 42 zwischen 50 und 64 und 45 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 69 Haushalten. Davon waren 15 Singlehaushalte, 21 Paare ohne Kinder und 21 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 18 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 36 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1791: 278 Einwohner • 1800: 262 Einwohner • 1806: 271 Einwohner, 53 Häuser • 1829: 302 Einwohner, 54 Häuser • 1867: 216 Einwohner, 41 bewohnte Gebäude • 1875: 236 Einwohner, 36 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit 1961: 202 evangelische (= 87,07 %), 30 katholische (= 12,93 %) Einwohner
Politik Für Kaulstoß besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Kaulstoß) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung 82,31 %. Alle Kandidaten gehören der „Bürgerliste Kaulstoß“ an. Der Ortsbeirat wählte Ruben Schneider zum Ortsvorsteher.
Kultur In der Liste der Kulturdenkmäler in Schotten sind für Kaulstoß neun einzelne unter Denkmalschutz stehende Kulturdenkmäler aufgeführt.
Die Band Birth Control arbeitete zeitweise in Kaulstoß; ein Lied der Band ist nach Kaulstoß benanntTracklist Hoodoo Man auf birth-control.de.
Literatur Karl Glöckner: Vornamensgebung in einem Vogelsberger Bauerndorf (Kaulstoß). In: Volk und Scholle 8, 1938, S. 245.
Weblinks
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise Die Zugehörigkeit des Amtes Nidda anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und
In: Internetauftritt der Stadt Schotten. Abgerufen im April 2020.
Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Geographie (Schotten, Stadt) Kategorie:Ersterwähnung 1352 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971