Der Bahnhof Freilassing ist ein Eisenbahnknoten im Südosten von Bayern und liegt an den Strecken Rosenheim–Salzburg, Mühldorf–Freilassing sowie Freilassing–Bad Reichenhall. Er liegt auf dem Gebiet der Stadt Freilassing im Landkreis Berchtesgadener Land. Als letzter deutscher Bahnhof an der Strecke nach Salzburg ist er Grenzbahnhof nach Österreich und verfügt über neun Bahnsteiggleise.

Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen nahmen den Bahnhof 1860 mit der Strecke Rosenheim–Salzburg in Betrieb. Mit der Eröffnung der Strecke nach Bad Reichenhall 1866 wurde er zum Trennungsbahnhof, mit Eröffnung der Lokalbahn von Laufen 1890 schließlich zum Knoten. Von 1905 bis 2002 existierte in Freilassing ein Bahnbetriebswerk, dessen Gelände seit 2006 durch das Eisenbahnmuseum Lokwelt Freilassing genutzt wird. Am 15. Dezember 2014 wurde mit dem Haltepunkt Freilassing-Hofham an der Strecke nach Bad Reichenhall eine weitere Bahnstation innerhalb Freilassings in Betrieb genommen.

Lage mini|hochkant=2.3|Umgebungskarte mit rot gekennzeichnetem Empfangsgebäude mini|Blick vom Rupertussteg auf das Bahnhofsgelände

Der Bahnhof Freilassing liegt südlich des Stadtzentrums. Das Bahnhofsareal wird nördlich durch die Rupertusstraße, südlich durch die Bahnhofsstraße begrenzt. Im Westen stellt die Fußgängerbrücke Rupertussteg eine Verbindung zwischen Bahnhof- und Rupertusstraße her. Das Bahnhofsgebäude befindet sich südlich der Bahnanlagen und hat die Adresse Bahnhofstraße 4. Die Gleisanlagen erstrecken sich von Westen nach Osten über circa zwei Kilometer.

In Freilassing zweigen die Strecken nach Mühldorf (Oberbay) (VzG-Nummer 5723) und Bad Reichenhall (VzG-Nummer 5740) von der Strecke Rosenheim–Salzburg ab. Letztere hat die VzG-Nummer 5703 und ist eine elektrifizierte zweigleisige Hauptbahn mit internationalem Fernverkehr. Beide abzweigenden Strecken sind hingegen eingleisige Hauptbahnen ohne Fernverkehr, die nach Mühldorf ist zudem nicht elektrifiziert.

Geschichte Der Weg zum Bahnanschluss mini|hochkant=1.3|Der im Staatsvertrag 1851 vorgesehene Linienverlauf

1828 schlug Friedrich List erstmals den Bau einer Bahnstrecke von Günzburg über Augsburg, München, Rosenheim nach Salzburg vor. In Österreich sollte sich diese Strecke nach Wien und Triest fortsetzen. Aufgrund mangelndem Interesse der österreichischen Regierung und Geldmangel auf bayerischer Seite stellte man die Planungen für das Projekt 1838 ein.

Trotzdem setzte man Verhandlungen über eine mögliche Bahnstrecke mit Österreich fort. Nachdem eine Einigung erzielt werden konnte und sich Österreich verpflichtete eine Bahnstrecke von Salzburg nach Bruck an der Mur zu bauen, verhinderte Anfang der 1840er Jahre vorerst eine Wirtschaftskrise den Bau der Strecke. 1851 schlossen Bayern und Österreich schließlich einen Staatsvertrag, der die Staaten zum Bau einer Bahnstrecke von München über Salzburg nach Bruck an der Mur bis 1858 verpflichtete. Noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten auf bayerischer Seite. Aufgrund Verzögerungen bei den Erdarbeiten konnte die erste Probefahrt erst am 16. Juli 1860 stattfinden. Am 1. August 1860 wurde die Strecke feierlich eröffnet.

Eröffnung und Entwicklung zum Eisenbahnknoten

Der Bahnhof Freilassing wurde im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Salzburghofen errichtet. Die Gemeinde hatte zum Zeitpunkt der Eröffnung der Bahnstrecke weniger als hundert Einwohner, der Bahnhof war jedoch aufgrund der Nähe zur Grenze nach Österreich notwendig. Er erhielt ein dreistöckiges Empfangsgebäude mit Vordach, in diesem waren Warte- und Diensträume untergebracht. Für den Güter- und Personenverkehr waren fünf durchgehende Gleise vorhanden. Der Bahnhof verfügte zudem über eine Drehscheibe mit mehreren Abstellgleisen, eine Waage und eine Ladehalle. Die Laderampe war über eine Wagendrehscheibe mit den restlichen Gleisanlagen verbunden. An beiden Bahnhofsausfahrten in Richtung Salzburg und Rosenheim waren jeweils zwei kleine Wärterhäuschen vorhanden, die als Aufenthaltsraum für die Weichenwärter, die für die Bedienung der Weichen zuständig waren, dienten.

Die am 1. Juli 1866 eröffnete Strecke nach Reichenhall zweigte ursprünglich im Süden des Bahnhofs von der Salzburger Strecke ab. Sie hatte keine Änderungen im Gleisplan zur Folge, sie wurde mit einer zusätzlichen Weiche an die bisherigen Bahnanlagen angeschlossen. In den folgenden Jahren stieg das Güteraufkommen in Freilassing an, da sich hier aufgrund der günstigen Lage an der Bahnstrecke und zur Stadt Salzburg Industriebetriebe und kleinere Unternehmen ansiedelten. Da dadurch auch die Einwohnerzahlen der Gemeinde Salzburghofen anstiegen, gewann der Bahnhof auch im Personenverkehr mehr Bedeutung. Aufgrund der Grenznähe hielten auch fast alle Schnellzüge in Freilassing, der Bahnhof diente auch als Umsteigestation Richtung Bad Reichenhall.

mini|Rechteckschuppen des ehemaligen Bahnbetriebswerks

Ab 1889 bauten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen den Bahnhof zur Einbindung der Stichbahn aus Laufen um, dabei wurden zwei neue Weichen und fast zwei Kilometer neue Gleise verlegt. Die Arbeiten wurde am 14. Juni 1890 mit der Eröffnung der Strecke abgeschlossen.Reinhard Wanka, Wolfgang Wiesner: Die Hauptbahn München–Simbach und ihre Zweigbahnen. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1996, ISBN 3-922138-59-4, S. 15. 1893 verlegte man das bisher im Bahnhofsgebäude untergebrachte Postamt in ein eigenes Nebengebäude. Von 1895 bis 1897 folgten die nächsten Umbauten der Gleisanlagen, da die Strecke Rosenheim–Salzburg zweigleisig ausgebaut wurde. Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen ließen die Gleisanlagen in Richtung Norden erweitern, für den zweigleisigen Ausbau mussten nochmals mehrere hundert Meter Gleis verlegt werden. Gleichzeitig verlegte man den Abzweig der Strecke nach Bad Reichenhall auf die gegenüberliegende Bahnhofsausfahrt, um den Fahrtrichtungswechsel der Züge aus Richtung Salzburg in Richtung Bad Reichenhall und umgekehrt zu vermeiden. Für diesen Umbau war die Neutrassierung der Strecke über einige Kilometer notwendig. Der zweigleisige Ausbau der Strecke Rosenheim–Salzburg war 1898 abgeschlossen.

1899 beschlossen die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen einen Teil der Wartungsanlagen für Wagen und Lokomotiven von Salzburg nach Freilassing zu verlegen. Da das Verkehrsaufkommen zuvor immer stärker zunahm, plante man ursprünglich die Betriebswerkstätten in Salzburg zu erweitern. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass dies aufgrund von beengten Platzverhältnissen nicht mehr möglich war. Deshalb beschloss die bayerische Staatsregierung 1899 die Betriebswerkstätte und die Behandlungsanlagen für Dampflokomotiven nach Freilassing zu verlegen. 1902 wurde der Bau des an der Bahnhofsausfahrt in Richtung Rosenheim gelegenen Betriebswerks begonnen. Am 1. Oktober 1905 wurde es mit einem 20-ständigen Ringlokschuppen eröffnet. Neben mehreren Abstellgleisen und Behandlungsanlagen für die Dampflokomotiven waren auch Übernachtungsgebäude und Wohnhäuser für die Bahnbediensteten errichtet worden. 1904 wurden die Bahnsteige mit einer Unterführung miteinander verbunden. Zuvor musste man über ebenerdige Übergänge die Gleise überqueren. Mit der Inbetriebnahme der durchgehenden Bahnverbindung nach Mühldorf entstanden in Freilassing weitere Abstellgleise. Außerdem wurde die Zahl der Bahnsteige auf die heutige Zahl erhöht.Karl Bürger: Kurvig und bucklig – Die „Bayerische Tauernbahn“ Landshut–Mühldorf–Freilassing (Teil 1). In: EisenbahnGeschichte Nr. 31 (2008), S. 46–54.

Elektrifizierung und Betrieb zwischen den Weltkriegen Mit Aufnahme des elektrischen Betriebs zwischen Salzburg und Berchtesgaden im Jahr 1916 wurde der Bahnhof Freilassing elektrifiziert. Am 20. April 1928 fuhren schließlich auch zwischen Rosenheim und Freilassing die ersten Elektrolokomotiven. Im Bahnbetriebswerk Freilassing wurden daraufhin Elektrolokomotiven beheimatet, für die ein eigener kleiner dreiständiger Lokomotivschuppen errichtet wurde. Die Drehscheibe mit dem Ringlokschuppen wurde wenige Jahre später ebenfalls elektrifiziert.

In den 1920er Jahren verfügte Freilassing bereits über 20 durchgehende Gleise sowie über einige weitere Stumpfgleise. Um 1925 wurde die Ladestraße und Laderampe ausgebaut und verlängert. Auch der Güterschuppen wurde für ein größeres Güteraufkommen ausgebaut. Bis 1945 überstand der Bahnhof den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden. Kurz vor Ende des Kriegs wurde der Bahnhof am 25. April 1945 bei einem Luftangriff der Alliierten jedoch fast komplett zerstört. Neben den Bahnsteigen und den umliegenden Gleisanlagen fiel auch das Empfangsgebäude dem Bombenangriff zum Opfer. Da die Bombe während des planmäßigen Betriebes explodierte, wurden mehr als 70 Menschen getötet.

Betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Rangierlokomotive am Bahnbetriebswerk

Nach dem Ende des Kriegs war die Bahnstrecke Rosenheim–Salzburg größtenteils nur eingleisig befahrbar, die in Freilassing abzweigenden Strecken mussten zeitweise komplett gesperrt werden. Da die Strecke von Rosenheim nach Salzburg auch für die amerikanischen Besatzer zur Versorgung des Militärs wichtig war, wurde sie noch im selben Jahr weitgehend wieder aufgebaut. Die Reste des zerstörten Empfangsgebäudes wurden abgerissen und durch ein Provisorium aus Holz, in dem man den Fahrkartenschalter und einige Diensträume unterbrachte, ersetzt. Für ein neues Bahnhofsgebäude fehlten der neu gegründeten Deutschen Bundesbahn die finanziellen Mittel. Erst 1953 konnte mit dem Bau begonnen werden, als die Finanzierung des 654.000 D-Mark teuren Bauwerks geklärt werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg das zuletzt gesunkene Verkehrsaufkommen im Personen- und Güterverkehr wieder an.

1976 wurde der Rangierbahnhof Freilassing eine Außenstelle von Rosenheim. Bis in die 1980er Jahre ging die Menge der in Freilassing abgefertigten Güter stark zurück, 1988 wurden noch circa 30 Wagen täglich abgefertigt. Im November 1978 wurden die fünf mechanischen Stellwerke an den Bahnhofsausfahrten, im Empfangsgebäude und an den Abstellgleisen durch ein Spurplanstellwerk der Bauart SpDrS60 ersetzt. Der Fahrdienstleiter steuert seit 1978 auch den Bahnhof Hammerau an der Strecke nach Bad Reichenhall von Freilassing aus fern, durch das neue Stellwerk entfielen fast dreißig Arbeitsplätze. Im Sommer 1985 und Sommer 1986 hielt in Freilassing der Flügelzug des TEE Rheingold von Mainz nach Salzburg.

Seit 1994 wird das Bahnbetriebswerk nicht mehr zur Wartung von Lokomotiven und Wagen verwendet. Mit Schließung der Lehrwerkstätte 1998 wurde es von der Deutschen Bahn endgültig aufgelöst. Im Jahr 2003 erwarb die Stadt Freilassing in Kooperation mit dem Deutschen Museum das Gelände. Die Sanierungs- und Aufbauarbeiten für das Museum „Lokwelt Freilassing“ begannen im Herbst 2004. Fast zeitgleich wurde der Verein „Freunde des Historischen Lokschuppens 1905 Freilassing e. V.“ gegründet, der das Museum tatkräftig unterstützt. Am 2. September 2006 wurde das Eisenbahnmuseum Lokwelt Freilassing offiziell für Besucher eröffnet.

Die Modernisierung des Bahnhofs mit einer Erhöhung der Bahnsteige begann 2022.

Ausblick Der Knoten Freilassing soll im Zuge des „Starterpakets“ der Digitalen Schiene Deutschland, als Teil des TEN-Kernnetzkorridors Skandinavien–Mittelmeer, bis 2030 mit Digitalen Stellwerken und ETCS ausgerüstet werden. Ein Vergabeverfahren für erste Planungsleistungen in den Netzbezirken Rosenheim und Freilassing wurde im September 2022 eingestellt.

Aufbau Gleisanlagen miniatur|rechts|Gleisanlagen des Bahnhofs