Ein Stück Himmel ist eine deutsche Miniserie von Franz Peter Wirth nach der 1964 erschienenen gleichnamigen Autobiographie von Janina David. Die Serie zeigt ihre Kindheit als Jüdin in Polen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Der Titel spielt auf die Wohnungen im Ghetto an, deren Bewohnerzahl anhand der Fenster berechnet wurde. Das Fenster erlaubte es Janina, den beengten Wohnverhältnissen im Zimmer zu entkommen und trotz des engen Innenhofs ein Stück des Himmels sehen zu können.
Vom 19. April bis 7. Juni 1982 zeigte die ARD acht einstündige Folgen in Erstausstrahlung. Zwei weitere Folgen doppelter Länge wurden im November 1986 gezeigt. 1982 erhielt die tschechische Hauptdarstellerin Dana Vávrová für Ein Stück Himmel die Goldene Kamera und den Goldenen Gong. 1983 wurden Wirth, Vávrová und Leo Lehman mit dem Adolf-Grimme-Preis mit Gold ausgezeichnet.
Folgen # Titel Ort u. Jahre Premiere Gastdarsteller 1 Das Ende des Friedens Kalisch 1939 19. April 1982 2 Die verbotene Stadt Kalisch 1939 26. April 1982 Maria Singer: Mutter Gold Andreas Pauls: Sohn Simon Gold Margot Hruby: Schwiegertochter Sarah Gold Astrid Boner: Dame im Warschauer Stadtpark 3 Im Ghetto gefangen Warschauer Ghetto 1940/41 3. Mai 1982 Grete Zimmer: Frau Katz Josef Glas: Herr Katz Miriam Mahler: Rachel Michaela Geuer: Yola Anja Jaenicke: Tosia Wega Jahnke: Fräulein Bloch Anja Müssiggang: Chufka Peter Capell: Augenarzt Volkert Kraeft: deutscher Offizier Michael Brennicke: deutscher Hauptmann mit Ritterkreuz 4 Die Endlösung Warschauer Ghetto 1942 10. Mai 1982 Helga Storck: Celias Schwester Lola Gert Posdzich: Celias Schwager Georg Adem Rimpapa: Celias Neffe Richard 5 Abschied von der Kindheit Warschauer Ghetto 1943 17. Mai 1982 6 Zuflucht im Kloster Warschau 1943 24. Mai 1982 Zora Vesecká: Krysia Stanislava Coufalová: Alicia Alena Karešová: Mutter Oberin Hana Pastejříková: Schwester Margareta Eva Jakoubková: Schwester Ludovika Lenka Pichlíková: Schwester Monika 7 Kampf um Warschau Warschau 1944 6. Juni 1982 Milena Dvorská:Schwester Zofia Marie Tomášová:Mutter Oberin Libuse Heczkova: Mitschülerin Eliska Petraskova: Mitschülerin Monika Markova: Mitschülerin Mahulena Bočanová: Mitschülerin Katerina Argayova: Mitschülerin Jana Novotna: Mitschülerin Andrea Kratochvílová: Mitschülerin Gabriela Volfova: Mitschülerin 8 Die letzten Tage des Krieges Auf dem Land 1944 7. Juni 1982
Das Ende des Friedens In Kalisch
Marek Dawidowicz lebt gemeinsam mit seiner Frau Celia und seiner neunjährigen Tochter Janina in Kalisch. Sie beschäftigen das Hausmädchen Stefa. Erich Grabowski und seine Frau Lydia fertigen eine Fotografie von Janina für die Großeltern an. Der Vater Erichs ist Deutscher, Erich selbst Pole. Lydia äußert dabei den Wunsch, genauso eine hübsche kleine Tochter wie Janina zu haben. Celia schickt Janina mit Hausmädchen Stefa in den Sommerferien zu Frau Wolfska – einem älteren Hausmädchen – aufs Land. Dort verliebt sich Janina in den katholischen Jungen Tadek. Gemeinsam tollen sie durch die Wälder, spielen Indianer. Die Eltern sind mit der Freundschaft Janinas mit einem Christen einverstanden. So erlaubt Marek, dass Tadek mit zum Kino kommen darf, wenn dort der Film Schneewittchen läuft. Janina soll Tadek versprechen, katholisch zu werden, wenn sie älter wird.
Ausbruch des Krieges, Flucht nach Lodz und nach Warschau
Auf dem Land erfährt Janina, dass der Krieg ausgebrochen ist. Celias Bruder Kuba geht zur polnischen Armee. Janina, Celia und die Großeltern fahren mit dem Zug nach Lodz, in die Wohnung einer Cousine Helen, die bereits weiter in das Landesinnere geflüchtet ist. Der Großvater hört täglich das Radio. Alle hoffen, dass die polnische Armee siegen wird.
Am Morgen des 1. September 1939 berichtet das Radio über den Einmarsch der deutschen Truppen. Marek kehrt zu seiner Familie zurück; Janina spürt sein Kommen wenige Augenblicke früher. Marek möchte, dass seine Familie weiter nach Osten zieht. So zieht die Familie nach Warschau, zu Mareks Schwester Mirijam und ihrem gleichaltrigen Vetter Siggi, einem Diabetiker. Es sollen neue Einheiten außerhalb Warschaus gebildet werden, wofür der Oberbürgermeister der Stadt alle Bürger aufruft. Marek meldet sich erneut, da er früher Soldat gewesen ist. Als Warschau bombardiert wird, bringt der Großvater Celia und Janina in seinen Luftschutzkeller. Dort erlebt Janina zum ersten Mal, wie Celia auf Hebräisch betet: „Schma Israel, adonaj elohejnu, adonaj ächad“.
Einnahme Warschaus und Rückkehr nach Kalisch
mini|links|Kalisz Als Warschau eingenommen wird, wollen die Großeltern, Celia und Janina nach Kalisch zurückkehren. Da das Mädchen unterwegs schwer erkrankt, bringt der Großvater Celia und Janina bei einem jüdischen Gastwirt unter. Dort erlebt sie zum ersten Mal wie Shabbat gefeiert und Jiddisch gesprochen wird. In Kalisch angekommen, offenbart sich der Tierarzt Herr Junge Celia gegenüber als „Reichsdeutscher“, was ihn berechtigt, in Polen Eigentum zu erwerben. Er möchte über einen Abtretungsvertrag Celias Wohnung erwerben. Celia lehnt ab und wirft den Mann aus ihrer Wohnung. Die Großeltern berichten Celia, dass sie aus dem Haus geworfen werden und nichts von den Sachen mitnehmen dürfen. Celia muss später erleben, wie der Tierarzt die Wohnung erwirbt und verlässt mit ihrer Tochter Kalisch. Nach Kriegsende erhängt sich Herr Junge auf dem Speicher und der Hausmeister Stanislaw präsentiert Janina stolz das Seil, mit dem sich der Tierarzt erhängt hat.
Die verbotene Stadt In Kalisch
Celia und Janina müssen zusehen, wie das Haus der Großeltern geräumt wird. Die Großeltern ziehen darauf in die Kowalski-Mühle. Janina spielt zuhause auf dem Klavier, die Mutter rührt einen Kuchen an, als deutsche Soldaten klingeln. Sie müssen hinunter auf die Straße. Alle Juden von Kalisch werden zusammengetrieben und auf einen Hof gebracht. Zufällig finden sie im Verschlag auf der Rückseite des Hofs eine Fluchtmöglichkeit. Sie entkommen und kehren zur Wohnung zurück. Der Hausmeister und die Söhne hebeln die inzwischen versiegelte Türe aus, Nina steht Schmiere. Celia und Tochter nehmen mit, soviel sie können. Der Hausmeister organisiert eine Droschke und Mutter und Tochter fahren zur Mühle zu den Großeltern.
In Warschau bei der Familie Gold
mini|Große Synagoge Warschau Celia und Janina fahren einige Tage später mit den Großeltern nach Warschau. Dort hoffen sie unterzutauchen. Sie finden Unterschlupf in der Wohnung von Frau Gold, die mit ihrem Sohn Simon und Schwiegertochter Sarah eine Wohnung teilt. Sie verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit einem Lampengeschäft und Wolle. Dort erhält die Familie Davidowicz Mareks Brief aus dem russisch besetzten Polen. Er schickt jemanden, der Celia und Janina über die Grenze in die Ukraine und dann hinter den Ural bringen soll. Sie verwerfen den Vorschlag, weil der Winter 1940 kein Ende nehmen möchte. Bevor das Ghetto entsteht, kehrt Marek zu ihnen zurück. Janina spürt sein Kommen wenige Momente zuvor. Wie eng die Bindung zwischen Vater und Tochter ist beweist der Dialog, den die beiden wenig später führen. Es zeigt, dass Janina die Anwesenheit ihres Vaters spüren kann: So meint Marek: „Als ich durch Warschau geirrt bin damals auf der Suche nach euch, den ganzen Tage habe ich deinen Namen gerufen.“ und Janina antwortet darauf: „Ja ich weiß, ich habe Dich gehört“.
Celia und Janina im Warschauer Stadtpark
Der Stadtpark von Warschau ist für Juden verboten. Trotzdem gehen Celia und Janina hin, weil Celia meint, dass Janina frische Luft bräuchte. Vorher nehmen sie jedoch die Armbinde mit dem Davidstern ab. Im Stadtpark setzen sie sich auf eine Bank, auf der es Juden verboten ist zu sitzen. Eine Dame sitzt dort, häkelt und plaudert mit Celia. Als sie jedoch bemerkt, wie erschreckt Celia und Janina auf deutsche Soldaten reagieren, steht sie prompt auf, ruft ihre beiden Kinder – Christina und Jaschek – und geht weg. Celia und Janina verlassen verstört den Park. Es soll das letzte Mal sein, dass sie einen Park aufsuchen.
Janina spielt die Hauptrolle bei Schneewittchen
Janina probt bei der Familie Gold das Theaterstück Schneewittchen, wo sie die Hauptrolle spielt. Frau Katz ist zu Gast bei Frau Gold. Während Janina probt, schneidert Celia das Korsett für Janina. Frau Gold kritisiert, dass Celia ihrer Tochter ein schwarzes Korsett mit roten Strapsen näht. Celia findet nichts dabei, doch als das von Janina gespielte Schneewittchen bei der Aufführung tot zu Boden gleitet, kommt das Kleid oberhalb der Oberschenkel zu fallen und die roten Strapse sind zu sehen. Der ganze Saal brüllt vor Lachen. Da erscheint dann der Prinz, der Schneewittchen wachküsst. Janina tanzt daraufhin durch den ganzen Saal und singt dabei das Lied von Herta Mayen „Kommt erst mein Prinz zu mir … und führt mich fort von hier … wir ziehen beide ins Himmelsschloss ein“ aus dem damals bekannten Kinofilm Schneewittchen. Frau Katz ist von Janinas Schauspiel und insbesondere von Celia begeistert, die sie an ihre Tochter Ruth in Amerika erinnert. Frau Katz lädt Celia und ihre Familie dazu ein, bei sich einzuziehen.
„Epidemieschutzmauern“
Im Sommer 1941 werden um das Ghetto die sogenannten „Epidemieschutzmauern“ gebaut. Das Viertel wird zusehends von der Außenwelt abgeschlossen. Hunger und Armut sind das Resultat.
Janinas Vater arbeitet bei der jüdischen Ghetto-Polizei
Zuhause wächst die Unzufriedenheit von Celia und Marek. Celia beschimpft ihren Mann, weil dieser noch keine Stellung gefunden hat und sie ihre Mutter ständig um Geld bitten muss und sie zusammen mit den Großeltern bei der Familie Gold wohnen müssen. Da Marek früher Soldat war und den Umgang mit der Waffe kennt, findet er schließlich eine Stellung bei der jüdischen Ghetto-Polizei. Celia reagiert darauf mit Entsetzen. Er sagt ihr nur: „Eines Tages wirst Du dafür dankbar sein.“ Er spielt damit auf die Unentbehrlichkeit des jüdischen Ordnungsdienstes als Funktionäre der deutschen Besatzungsmacht an.
Im Ghetto gefangen Familie Katz und Rachel
Marek, Celia und Janina ziehen 1940/1941 in eine neue Wohnung in dem nun entstandenen Ghetto ein, wo sie zusammengedrängt in einem Zimmer mit Blick zum Hinterhof leben. Wenn sie aus dem Fenster steil nach oben sehen, erblicken sie über den Dächern des Hofs noch ein Stück Himmel. Janina meint, dass das Stück Himmel ein bisschen Farbe, Glück und damit Hoffnung in ihr Leben bringt: „Es wird immer blauer umso länger man hinaufblickt.“ Dieses Gedanken bringt Janina später wieder in einem Aufsatz über die Renaissance in Europa zum Ausdruck.
Im Hauptzimmer wohnen die Eheleute Katz. Da Juden für Polen nicht mehr arbeiten dürfen verliert Herr Katz seine Arbeit und Frau Katz wird zunehmend ungehalten. Ihr Brüllen und Schreien ist ständig im Hinterzimmer der Dawidowicz zu vernehmen. Frau Katz hat aus Mitleid die junge Rachel bei sich aufgenommen, die keine Eltern mehr hat.
Janinas Freundeskreis – Yola, Tosia und Cufka