mini|Englisches Titelbild Der Fänger im Roggen (Originaltitel: The Catcher in the Rye) ist ein 1951 erschienener und weltweit erfolgreicher Roman des amerikanischen Schriftstellers J. D. Salinger. Darin erzählt der 17-jährige Holden Caulfield rückblickend von drei Tagen seines sich zuspitzenden Lebens, als er 16 Jahre alt war.Page 13: “I was sixteen then, and I’m seventeen now and sometimes I act like I’m about thirteen.” Das Buch, das als einer der bedeutendsten Vorläufer der amerikanischen young-adult fiction gilt, machte Salinger weltberühmt. Es blieb sein einziger veröffentlichter Roman.
Titel Der Titel des Romans geht zurück auf das Gedicht Comin’ Through the Rye (1782) des schottischen Lyrikers Robert Burns, das zu einem bekannten Kinderlied wurde. Den Text seines Refrains „Gin a body meet a body, comin’ through the rye“ (dt. „Falls jemand jemanden trifft, der durch den Roggen geht“) missversteht Salingers Protagonist Holden Caulfield als „Gin a body catch a body, comin’ through the rye“ (dt. „Falls jemand jemanden fängt, der durch den Roggen geht“). Er stellt sich dabei vor, er stehe am Rande einer steilen Klippe in einem Roggenfeld und bewahre die ahnungslos darin spielenden Kinder davor, in den Abgrund zu stürzen.
Inhalt Ich-Erzähler des Romans ist der sechzehnjährige Holden Caulfield, der sich zur Zeit seiner Aufzeichnungen zur Erholung und psychiatrischen Behandlung in einem Sanatorium befindet und Rückschau hält auf „diesen Irrsinnskram, der mir so um letztes Weihnachten passiert ist“.
Der Roman handelt davon, wie Holden Caulfield nach einem Schulverweis wegen schlechter Leistungen kurz vor Beginn der Weihnachtsferien die Schule vorzeitig verlässt, um dem oberflächlichen, selbstdarstellerischen Verhalten seiner Kameraden und der Schulgesellschaft zu entfliehen. Er traut sich aus Angst vor der Reaktion der hysterisch-nervösen Mutter und des beruflich erfolgreichen Vaters nicht sofort nach Hause, sondern irrt drei Tage lang auf der Suche nach menschlicher Nähe und einer Zukunftsperspektive durch Manhattan.
Von den drei Tagen nimmt die Schilderung des Samstags etwa die Hälfte des Buches ein. Es ist in 26 Kapitel gegliedert. Das Buch trägt die Widmung „Für meine Mutter“.
Samstag Für Holden Caulfield, Sohn eines wohlhabenden New Yorker Anwalts, der schon an drei Schulen gescheitert ist, sind zum Jahresende 1949 auch am Internat Pencey Prep in Agerstown, Pennsylvania, die Tage gezählt. Trotz eindringlicher Ermahnungen hat er in vier von fünf Fächern nicht den erforderlichen Leistungsstand erreicht. Obendrein unterläuft ihm kurz vor Weihnachten ein großer Fehler: Als Manager des Fecht-Teams lässt er vor dem Wettkampf in New York versehentlich die Ausrüstung der gesamten Mannschaft in der U-Bahn liegen, sodass die Austragung nicht stattfinden kann. Er glaubt deshalb, sich beim anschließenden American-Football-Spiel der Schule gegen den Erzrivalen Saxon Hall nicht blicken lassen zu können, und beobachtet das Match nur aus der Ferne. Danach macht er einen Abschiedsbesuch bei seinem alten, grippekranken Geschichtslehrer Spencer, von dem er sich zu seinem Verdruss wohlmeinende Ermahnungen anhören muss.
Auf seiner Stube wird Holden vom unbeliebten und ungepflegten Zimmernachbarn Robert Ackley beim Lesen gestört. Dann trifft sein eitler Zimmergenosse Stradlater ein, der sich dreist Holdens beste Jacke ausleiht, weil er ein Rendezvous mit der attraktiven Jane Gallagher hat, was Holden in höchste Aufregung versetzt, da Jane auch Holdens heimlicher Schwarm ist. Nach dem Abendessen begibt sich Holden mit Ackley zum Flippern ins verschneite Agerstown, bevor er sich vor dem Schlafengehen endlich daran setzt, wie versprochen, Stradlaters Englisch-Hausaufgabe zu erledigen. Da Holden nichts zur Vorgabe Passendes einfällt, entscheidet er, die geforderte Beschreibung über den Baseballhandschuh seines geliebten jüngeren Bruders Allie zu schreiben, der mit kleinen Gedichten beschrieben ist. Allie starb drei Jahre zuvor an Leukämie.
Als Stradlater gegen 22:30 Uhr von seinem Rendezvous zurückkehrt und sich über das nach seiner Ansicht unbrauchbare Thema aufregt, zerreißt Holden den Aufsatz. Weil Stradlater ihm daraufhin nicht verraten will, ob er mit Jane intim geworden ist, wird Holden dermaßen von Eifersucht gepackt, dass er sich auf eine Schlägerei mit dem viel athletischeren und älteren Stradlater einlässt, bei der er sich eine blutige Nase holt.
Voller Verzweiflung und Empörung hat er zunächst vor, die Nacht im Bett von Ackleys abwesendem Zimmergenossen zu verbringen. Doch dann trifft er die Entscheidung, das Internat auf der Stelle zu verlassen. Anstatt seine Eltern in der New Yorker 71. Straße aufzusuchen, will er lieber die Zeit bis Mittwoch abwarten und sich so lange in einem billigen Hotel einquartieren, bis die Nachricht seiner Entlassung zu Hause eingetroffen ist und sich die Wogen etwas geglättet haben. Holden macht seine Schreibmaschine zu Geld und fährt noch in der gleichen Nacht nach Manhattan.
Im Zug trifft er auf die Mutter seines Mitschülers Ernest Morrow, wobei er sich unter falschem Namen einen Spaß daraus macht, den verhassten Jungen der Mutter zuliebe als sympathisch und von allen bewundert zu schildern. In New York eingetroffen, fragt sich Holden unschlüssig, wen er gegen Mitternacht noch anrufen könne. Die geliebte zehnjährige Schwester Phoebe dürfte längst schlafen. So checkt er im Edmont Hotel ein, einer heruntergekommenen Absteige für Sonderlinge, und telefoniert mit der ihm als Ex-Stripperin empfohlenen Faith Cavendish, die sich aber zu so später Stunde nicht mehr zu einem Cocktail überreden lassen will. Stattdessen gesellt er sich in der hoteleigenen Bar zu drei mäßig attraktiven Touristinnen, mit denen er ein wenig tanzt. Diese interessieren sich allerdings kaum für ihn, hören ihm gar nicht zu, sondern halten ständig Ausschau nach dem Filmstar Peter Lorre, den sie eine Nacht zuvor in der Bar gesehen haben wollen. mini|Der Teich im Central Park Noch immer in Gedanken an Jane Gallagher, mit der er einst öfter ins Kino gegangen ist und regelmäßig Golf und Dame gespielt hat, fährt Holden nach Greenwich. Unterwegs bringt er – wie schon auf dem Weg zum Hotel – den Taxifahrer unbeabsichtigt in Rage, indem er ihm wiederholt seine Lieblingsfrage stellt: wo die Enten aus dem Central Park im Winter bleiben.
Im vollbesetzten Nachtclub des Pianisten Ernie begegnet er Lillian Simmons, einer Ex-Freundin seines älteren Bruders D. B., der nach seinem Militärdienst im Zweiten Weltkrieg als Drehbuchautor in Hollywood gelandet ist. Um ihr und ihrem Begleiter, einem zackigen Marineoffizier, zu entkommen, verlässt Holden den Club überstürzt und streift durch die Nacht zum Hotel zurück.
Dort lässt er sich von einem aufdringlichen Angebot des Liftboys Maurice überreden und bekommt die junge Prostituierte Sunny aufs Zimmer geschickt. Die Situation deprimiert ihn mehr, als dass sie ihn stimuliert. Anstatt mit ihr ins Bett zu gehen, versucht er daher, sie unter dem Vorwand, angeblich erst kürzlich eine „Operation am Klavichord“ gehabt zu haben, vom Sex abzulenken und als Gesprächspartnerin zu gewinnen. Da Sunny davon nichts wissen will, zahlt er ihr die mit Maurice vereinbarten fünf Dollar aus, doch sie verlangt das Doppelte. Holden lehnt ab und schickt sie davon. Er will sich gerade schlafen legen, als Sunny mit ihrem Zuhälter Maurice zurückkommt, der sich unsanft Zugang zu Holdens Zimmer verschafft und ihn tätlich bedroht. Während sich Sunny den angeblich noch ausstehenden Betrag aus seinem Portemonnaie nimmt, kann sich Holden eine Schimpfkanonade nicht verkneifen. Maurice verpasst ihm mehrere Boxhiebe und streckt ihn mit einem gezielten Schlag in den Magen zu Boden.
Sonntag Nach einem Bad legt er sich bis 10 Uhr kurz schlafen, verstaut seinen Koffer in einem Bahnhofsschließfach und geht frühstücken. Er kommt mit zwei Nonnen ins Gespräch, denen er trotz knapper Kasse eine Spende von zehn Dollar gibt. Beim Spaziergang über den belebten Broadway fällt ihm ein kleiner Junge auf, der das Lied If a body catch a body coming through the rye singt. In einem Plattenladen kauft er die Platte Little Shirley Beans für seine kleine Schwester Phoebe. Er hält nach ihr im Central Park Ausschau, wo sie sonntags gerne Rollschuh läuft, jedoch vergeblich. mini|Haupteingang des Naturgeschichtlichen Museums Nach einem Abstecher zum Museum of Natural History trifft er sich dann um 14 Uhr mit seiner Mitschülerin Sally Hayes zu einem Theaterbesuch. Eigentlich hält er nicht viel von ihr, doch sieht sie heute so blendend aus, dass er sich benimmt, als wäre er in sie verliebt. Seine Zuneigung schwindet bald, weil sie sich in den Theaterpausen mit einem Wichtigtuer unterhält und Holden das Gespräch kaum ertragen kann. Trotzdem geht er mit Sally noch zum Schlittschuhlaufen in die Radio City Music Hall, wo er ihr seinen Weltschmerz klagt. Er schlägt ihr vor, mit ihr im Auto nach Vermont und Massachusetts durchzubrennen, das Geld zu verprassen und einen Job zu suchen. Sally findet die Idee aber zu verrückt und reagiert verärgert, als Holden ihr deswegen Vorwürfe macht, sodass sich die beiden im Unfrieden trennen.
Vergeblich versucht er, Jane Gallagher ans Telefon zu bekommen. Stattdessen trifft er sich nach einem Kinobesuch um 22 Uhr mit seinem Ex-Mitschüler Carl Luce in der Wicker Bar. Mit seinen indiskreten Fragen nach dessen Sexualleben sorgt Holden für eine angespannte Atmosphäre, sodass Carl bald wieder geht. Holden betrinkt sich, bis er nach Mitternacht den Mut aufbringt, noch einmal bei Sally anzurufen. Sie bemerkt, dass er getrunken hat, und beendet das Gespräch. Zudem hat er sein Geld, das eigentlich bis Mittwoch reichen sollte, bereits bis auf einen kleinen Rest ausgegeben. Ratlos, wo er die Nacht verbringen soll, begibt er sich zu dem Teich im Central Park, um hinter das Geheimnis der Enten zu kommen. Er setzt sich auf eine Bank und stellt sich seine eigene Beerdigung vor.
Schließlich steuert er sein Elternhaus an; er möchte endlich Phoebe sehen. Er schleicht sich in die Wohnung und weckt Phoebe, von der er erfährt, dass die Eltern auf eine Party gegangen und noch nicht zurück sind. Da Holden sich eigentlich erst für Mittwoch angesagt hat, durchschaut seine Schwester bald, dass ihr Bruder schon wieder von der Schule geflogen ist. Sie reagiert verstimmt. Sie fragt ihn eindringlich, ob es überhaupt irgendetwas gebe, das er wirklich möge oder gerne tue. Die Frage bringt Holden in Verlegenheit. Er denkt über Verschiedenes nach und findet keine Antwort. Schließlich erinnert er sich an das Kinderlied, das der kleine Junge am Broadway gesungen hat, und erzählt Phoebe, er stelle sich vor, dass Kinder in einem Roggenfeld, das an einer Klippe liegt, Fangen spielen; er würde gerne derjenige sein, der die Kinder vor dem Sturz in den Abgrund bewahrt, indem er sie vorher fängt. Das würde ihm gefallen.
Holden und Phoebe reden, tanzen und albern eine Weile miteinander herum. Holden telefoniert mit seinem alten Lehrer Mr. Antolini und darf zu später Stunde zu ihm kommen. Als die Eltern heimkommen, versteckt er sich vor ihnen im Kleiderschrank. Dann leiht er sich von seiner Schwester etwas Geld. Plötzlich muss er sehr weinen. Er sitzt lange weinend bei Phoebe auf ihrer Bettkante. Dann verschwindet er unbemerkt aus der Wohnung.
Montag