Die Geschichte der Stadt Salzburg beginnt bereits in der Jungsteinzeit mit der ersten Besiedelung des heutigen Stadtgebietes um die Salzach. Die Stadt Salzburg besitzt eine besonders lange kulturelle Tradition. Mit der ausdrücklichen Nennung eines erzbischöflichen Stadtrichters (urkundlich zuerst 1120/1130) ist Salzburg die älteste Stadt im Gebiet des heutigen Österreich. Hier finden sich etwa der älteste Straßentunnel des heutigen Österreichs, das Sigmundstor und der älteste Wasserstollen Mitteleuropas, der Stiftsarmstollen des Almkanals. Auch die weltweit älteste erhaltene Standseilbahn, der Reißzug auf die Festung Hohensalzburg und die älteste erhaltene herrschaftliche Allee Europas, die Hellbrunner Allee befinden sich im Stadtgebiet. Das Stift Nonnberg ist das älteste ununterbrochen bestehende Frauenkloster Europas, das Stift St. Peter ist das älteste noch bestehende Kloster im deutschen Sprachraum. mini|Buchrücken: Salzburger Geschichte von Joseph Mezger (1692)
Frühgeschichte Seit der Jungsteinzeit ist das Gebiet der Stadt Salzburg um den heutigen Rainberg, Festungsberg, Kapuzinerberg, Hellbrunnerberg besiedelt. Kleine Siedlungskerne bestanden auch an der Kleßheimer Allee sowie in Liefering-Rott. In keltischer Zeit kamen außerdem Siedlungen am Bürglstein, in Parsch, Gnigl und Maxglan dazu. Diese Siedlungen bildeten zuletzt ein bedeutendes Verwaltungszentrum der keltischen Alaunen.
Römische Antike Die Bevölkerung auf den Stadtbergen wurde nach dem römischen Einmarsch 15 v. Chr. in den Raum der Altstadt übersiedelt, die unter dem Namen Iuvavum neu angelegt wurde. Der Name Iuvavum leitet sich nicht von einer römischen Gottheit her, sondern dürfte keltischen Ursprungs sein (Iuvavo). Die Stadt entwickelte sich vor allem am linken Salzachufer, wo die Salzach und der Mönchsberg einen natürlichen Schutz boten, nur nach Süden hin war eine starke Befestigung nötig. Um 45 n. Chr. erhielt die Stadt durch Kaiser Claudius das Munizipalrecht und hieß dann Municipium Claudium Iuvavum. Salzburg war eine der wichtigsten Städte der neuen römischen Provinz Noricum und in spätrömischer Zeit von „Ufernoricum“ auf dem Weg nach Germanien. 171 zerstörten Markomannen und Quaden die Stadt weitgehend, die dann unter Septimius Severus (193–211) großteils wieder aufgebaut wurde. 241 verwüsteten Alamannen die Stadt erneut. Unter Diokletian und unter Konstantin dem Großen (306–337) erlebte Iuvavum eine letzte Blüte. 488 verließ mit der Aufgabe der Provinz Noricum ein großer Teil der romano-keltischen Bevölkerung auf Befehl Odoakers die Stadt Salzburg. In der Folge zog sich der Rest der Bewohner auf den Nonnberg und den Festungsberg, vielleicht auch auf Rainberg und Kapuzinerberg zurück. mini|Der heilige Rupert, meist dargestellt mit einem Salzfass
Salzburg als bajuvarische und bayerische Stadt (Zur historisch neuen Namensgebung Salzburg siehe den entsprechenden Abschnitt im Artikel Salzburg.)
Frühmittelalter Aus dem 5. Jahrhundert nach Christus ist ein Kloster bezeugt, das vermutlich die Zeit der Völkerwanderung überdauerte. Bischof Rupert erhielt 696 die Reste der alten Römerstadt von Herzog Theodo II. von Bayern geschenkt, um das Land im Osten und Südosten zu missionieren. Er begründete bzw. erneuerte das Kloster St. Peter und gründete das Benediktinen-Frauenstift Nonnberg. Der Name Salzburg ist 755 erstmals nachweisbar. 739 wurden Salzburg Bischofssitz, 774 der erste Salzburger Dom fertig gestellt. Am 20. April 798 wurde Salzburg von Papst Leo III. auf Bitten des Frankenkönigs Karl des Großen zum Erzbistum erhoben. Als Kirchenprovinz umfasste es fast das gesamte altbairische Stammesgebiet. Hierzu gehörten damals Niederbayern, Oberbayern, Oberpfalz, sowie ein Großteil des heutigen Österreich.
Hochmittelalter Der Erzbischof und damit auch Stadt und Land Salzburg standen während des Investiturstreites zwischen Kaiser und Papst im 11. und 12. Jahrhundert großteils auf Seiten des Papstes. Der damals noch vom Kaiser ernannte Erzbischof war aber dem Papst und dem Kaiser verpflichtet. Auch Erzbischof Gebhard bekannte sich trotz seines früheren Amtes als Reichskanzler zum Papst Gregor VII. und in der Folge zu Gegenkönig Rudolf von Schwaben. Er wurde daher von Heinrich IV. wegen Untreue vertrieben.
Friedrich Barbarossa verhängte 1166 die Reichsacht über Salzburg, da Erzbischof Konrad II. von Babenberg die Herrschaft Salzburgs ohne die kaiserliche Belehnung antrat und zudem Papst Alexander III. und nicht den kaiserlichen Gegenpapst unterstützte. Im Jahr 1168 brannten die kaisertreuen Grafen von Plain im Auftrag des Kaisers die Stadt zur Strafe nieder. Dabei wurden auch der Dom und sechs Kirchen zerstört. Konrad III. von Wittelsbach und sein Nachfolger bauten nach 1181 den Dom neu auf (Konradinischer Dom). Dieser neue Dom besaß fünf Türme, war größer als der heutige Dom und zählte zu den größten und bedeutendsten Kirchen nördlich der Alpen.
Erzbischof Eberhard II., gelang es mit Klugheit und Diplomatie zwischen 1200 und 1246, aus Grafschaften, Gerichten und Vogteien innerhalb Bayerns ein geschlossenes erzbischöfliches Herrschaftsgebiet aufzubauen. Stadt und Land Salzburg erlebten damals eine drei Jahrhunderte lang nicht mehr erreichte wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Zu dieser Zeit wurde eine neue Stadtbrücke erbaut (möglicherweise die erste Stadtbrücke), erste Brauereien siedelten sich in der Stadt an, die Franziskanerkirche wurde neu erbaut und der Chiemseehof als Residenz der Bischöfe von Chiemsee errichtet. 1275 wurde Salzburgs westliche Grenze (Rupertigau) zum Chiemgau durch den Landshuter Herzog Heinrich bestätigt. Salzburg wurde in der Folge immer einflussreicher und löste sich immer mehr vom Mutterland Bayern. Haupteinnahmequelle von Stadt und Land Salzburg bildete damals neben dem Bergbau vor allem die Gewinnung und der Handel mit Salz vom Dürrnberg. Der Reichtum der Residenzstadt sollte noch bis in die Zeit des Hochbarock wesentlich in dem „weißen Gold“ begründet sein.
Salzburg als fürsterzbischöfliche Residenzstadt Spätmittelalter und frühe Neuzeit mini|links|Salzburg um 1460 von J. Wolgemut In der Zeit der Schlacht bei Mühldorf im Jahr 1322, in der Salzburg an der Seite der Habsburger gegen Bayern gekämpft hatte, war das Erzbistum mit dem Mutterland Bayern verfeindet. 1328 wurde in Salzburg eine eigene Landesordnung durch den Erzbischof erlassen. In den folgenden Jahrzehnten wurde es so zum weitgehend selbständigen Staat innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Kirchlich blieb der Salzburger Erzbischof bis 1816 das Oberhaupt der altbayerischen Landeskirche. 1348–1350 wurden viele Salzburger Bürger das Opfer einer großen Pestepidemie. Dessen ungeachtet wuchs in der Folge die Stadtbevölkerung rasch. 1481 gewährte Kaiser Friedrich III. im Zuge seiner Auseinandersetzungen mit Erzbischof Bernhard von Rohr den Bürgern der Stadt Salzburg in einem Ratsbrief das Recht der freien Wahl des Stadtrats und des Bürgermeisters. 1511 beendete Erzbischof Leonhard von Keutschach die folgenden jahrelangen Auseinandersetzungen mit der Salzburger Bürgerschaft und den Ratsherrn der Stadt durch List und Gewalt: Er nahm Bürgermeister und Ratsherren gefangen, die nichtsahnend zu einem Bankett gekommen waren und erzwang ihren Verzicht auf alle städtischen Privilegien.
Während des Deutschen Bauernkriegs kam es 1525 auch zu einem Aufstand der Bauern und Bergknappen in Salzburg. Die Aufständischen zogen dabei nach Salzburg und wurden dort von den Bürgern als Verbündete in die Stadt eingelassen. Der Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg musste samt Gefolge auf die Festung fliehen, die darauf drei Monate lang erfolglos belagert wurde. Herzog Ludwig von Bayern vermittelte nach dem Eingreifen von Truppen des Schwäbischen Bundes einen Waffenstillstand und einen Frieden, in dem unblutig der Abzug der Aufständischen bei gleichzeitiger Amnestie vereinbart wurde. Der Salzburger Bauernaufstand des Jahres 1526 blieb auf den Pongau und Pinzgau beschränkt.
mini|Residenzbrunnen, größter barocker Brunnen Mitteleuropas
Salzburg im Barock mini|links|Salzburg 1644 von Ph. Harpff mini|links|Salzburg 1710 von J. Fr. Probst Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gestaltete Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau die Stadt Salzburg als „ideale“ und repräsentative Stadt neu, was der heutigen Altstadt von Salzburg ihr charakteristisches Aussehen gab. Als Baumeister für einen Neubau des Salzburger Doms, der 1598 zum achten Mal abgebrannt war, wurde zuerst Vincenzo Scamozzi berufen. Streitigkeiten mit den Bayern um Salz und Zölle veranlassten Wolf Dietrich 1611, die reichsunmittelbare Fürstpropstei Berchtesgaden zu besetzen. Bayern besetzte daraufhin Salzburg und sorgte für die Wahl von Markus Sittikus als Nachfolger Wolf Dietrichs. Nach der Absetzung Wolf Dietrichs wurde als Architekt für den Dom der Schweizer Meister Santino Solari beauftragt, der bis 1628 den heutigen kleineren Dom fertigstellen konnte. Die Domtürme wurden erst 1655 vollendet. Dem Nachfolger von Markus Sittikus, Paris von Lodron, gelang es durch eine kluge und vorsichtige Neutralitätspolitik, Salzburg aus dem Dreißigjährigen Krieg herauszuhalten.
Als Vorstufe zur Universität wurde 1617 ein Gymnasium eingerichtet, frühere Versuche waren meist am Platzmangel gescheitert. 1622 wurde aus dem Gymnasium die Universität Salzburg mit theologischer und philosophischer Fakultät. Diese Gründung war wesentlicher Teil der gegenreformatorischen Politik der Fürsterzbischöfe. Sie sollte vor allem der besseren Ausbildung der Priester dienen. mini|Salzburger 3 Kreuzermünze von 1681, Porträtseite mini|Salzburger 3 Kreuzermünze von 1681, Wertseite
Bereits wenige Jahre nach Luthers Thesenanschlag war die Mehrheit der Bürger Salzburgs dem Protestantismus gegenüber sehr aufgeschlossen gewesen. Die Unzufriedenheit der Bürger mit dem absolut regierenden Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg kam hinzu. Die Bauernkriege von 1525 offenbarten erneut die Sympathie vieler Handwerker und Bürger für den Protestantismus. Der Prediger Paul Speratus nutzte eine Gelegenheit, um in der Salzburger Franziskanerkirche im evangelischen Geist zu predigen. In der Stadt Salzburg hatten schon vor dem Jahr 1590 fast alle protestantischen Familien das Land verlassen müssen. Kinder unter 15 Jahren, darunter auch Säuglinge, mussten dabei oft zurückgelassen werden und wurden unter katholischen Familien verlost. Erzbischof Leopold Anton von Firmian erließ schließlich 1731 gemeinsam mit seinem dogmatischen Hofkanzler Christani di Rallo das Emigrationspatent, das die Ausweisung von weiteren 20.000 Salzburger Protestanten (Salzburger Exulanten) anordnete. Diese Ausweisung traf aber fast keine Bewohner der Stadt Salzburg, da es damals in der Stadt so gut wie keine Protestanten mehr gab. 1772 bis 1803, während der Regierungszeit von Erzbischof Hieronymus Colloredo, wurde Salzburg zum Zentrum der Spätaufklärung. Das Schulwesen wurde nach österreichischem Vorbild reformiert und zahlreiche Wissenschaftler und Künstler nach Salzburg gerufen. mini|links|Salzburg im Jahre 1791 (Radierung von Anton Amon nach Franz Heinrich von Naumann)
Salzburg als Reiseziel im 18. Jahrhundert Laut dem Aufklärer und Publizisten Lorenz Hübner musste sich der Reisende auch bei gutem Wetter und trockenen Straßen wenigstens vier Monate Zeit nehmen, um die Stadt Salzburg und das Umland kennenzulernen. Die Gründe dafür waren die schlechten Wege – zumeist lediglich Sandpisten – und hölzernen Brücken. Die erste „Kunststraße“ war die Linzer Straße, 1736 errichtet, die Salzburg mit Straßwalchen verband. Sie entspricht etwa dem Verlauf der heutigen Bundesstraße 1. Erst im 19. Jahrhundert änderte sich die Situation grundlegend.Gerhard Ammerer: Reise-Stadt Salzburg: Salzburg in der Reiseliteratur vom Humanismus bis zum beginnenden Eisenbahnzeitalter. Archiv u. Statist. Amt der Stadt Salzburg, Salzburg 2003, S. 12.