mini|hochkant=1.5|Zur Himmelspforte als älteste bestehende Münchberger Kirche Die Geschichte von Münchberg, einer Stadt im Landkreis Hof in Bayern, beginnt mit der Gründung der Siedlung, die um das Jahr 1000 vermutet wird. Während der Herrschaft des Adelsgeschlechts Sparneck konnte sich Münchberg zur Stadt entwickeln und wurde erstmals urkundlich 1298 als solche bezeichnet. Nach einem Verkauf ging die Stadt an die Burggrafen von Nürnberg und 1397 an die Bayreuther Linie der Hohenzollern. 1792 wurde die Stadt preußisch und 1806 von der französischen Armee besetzt. 1810 kam sie zum Königreich Bayern.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie 1940 als erste Stadt in Bayern Ziel eines Fliegerangriffs. Bis zur Gebietsreform war Münchberg Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Heute ist Münchberg mit 11.170 Einwohnern die größte Stadt im Landkreis Hof. Sie ist als Textilstadt bekannt und beherbergt mit der Fakultät Textil und Design der Hochschule Hof die einzige bayerische Textil-Hochschuleinrichtung.

Mittelalter Die erste Siedlung Die Entstehung einer Siedlung wird um das Jahr 1000 vermutet. Sie diente als Rastort an einer Altstraße, die schon in karolingischer Zeit vom Obermaintal nach Sachsen und Böhmen über die Münchberger Senke führte. Die ersten Häuser sollen sich nahe der Pulschnitzfurt befunden haben. Eine wesentlich frühere Besiedlung des Münchberger Raums gilt aufgrund der dichten Wälder und schlechten klimatischen Verhältnisse der Mittelgebirgsregion als ausgeschlossen.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963, S. 8–26. Die ersten Besitzer waren vermutlich die edelfreien Walpoten als Vertreter der Grafen des Radenzgaus. Ob der Ort von Mönchen gegründet wurde, wie es sich aus dem im Jahr 1224 urkundlich erschienenen Namen Munchiberc ableiten lässt, ist nicht nachweisbar. Zur Sicherung der Siedlung wurde etwa um das Jahr 1100 die Turmhügelburg Münchberg errichtet. Die Befestigung soll sich im Flusstal der Pulschnitz im Winkel zwischen der Bahnhofstraße und der Kirchenlamitzer Straße befunden haben. Die Seitenlänge des Kernhügels wird auf siebzehn, die Breite des umgebenden Grabens auf zehn und dessen Tiefe auf rund zwei Meter geschätzt.

In der Nähe des Turmhügels, bei den Gebäuden Bahnhofstraße 11, 13 sowie Ottostraße 1, 3 und 5, vermutet Karl Dietel einen Herrenhof. Mit dem Dorf entwickelte sich der Hochgerichtsbezirk Münchberg. Das Gericht war für den Kern des späteren Landkreises Münchberg zuständig. Erstmals urkundlich genannt wurde es am 21. Dezember 1315 als Gericht zu Monchberg.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963, S. 45–77.

Die Entwicklung vom Dorf zur Stadt Durch die Fernstraßen und den Sitz des Hochgerichts wuchs das Dorf. Es entstand eine Kapelle oder Kirche, wodurch sich Münchberg von den anderen Dörfern der Umgebung abhob. Nachdem die Oberherrschaft über den Radenzgau an die Familie von Andechs wechselte, verloren die Walpoten ihre Funktion als Vizegrafen. Damit begann ihr sozialer Abstieg, der zum Verlust ihrer Besitztümer führte. Zwischen 1220 und 1240 erwarben die Herren von Sparneck Münchberg. Die neuen Eigentümer verliehen dem Dorf das Marktrecht. Verschiedene Handwerksbetriebe wie Bäckereien, Metzgereien und Brauereien siedelten sich an.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963, S. 83–85.

Münchberg wurde am 7. Januar 1298 erstmals als Stadt bezeichnet. Die Herren von Sparneck errichteten eine Stadtmauer mit dem Unteren und dem Oberen Tor. Das Untere Tor wurde an ein Wohnhaus angebaut. Es befand sich am Ausgang der Torgasse, kurz vor der heutigen Fußgängerzone am Pfarrhaus. Das Obere sicherte die Straße nach Hof und hatte seinen Standort an der unteren Mauer der heutigen Fabrikantenvilla. 1308 wurde erstmals urkundlich die Pfarrei Münchberg bestätigt.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963, S. 85–102.

Die Burggrafen und das Nürnberger Stadtrecht mini|hochkant=1.3| Die Burggrafen von Nürnberg erweiterten ab etwa 1300 ihr Territorium in großem Umfang. Am 22. April 1328 erhielten sie durch Kaiser Ludwig der Bayer das Recht, Mussen zur Stadt auszubauen. Um diese nahe Konkurrenz zu verhindern und Münchberg zu stärken, verliehen die Sparnecker dem Ort am 13. Juli 1364 die Nürnberger Stadtrechte. Damit wurden Rechte, Pflichten und Privilegien der Reichsstadt Nürnberg auf Münchberg übertragen, wie das erweiterte Marktrecht und die Hilfe des Stadtgerichts Nürnberg in schwierigen Rechtsfällen.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963, S. 105–110.

Die Herren von Sparneck verloren durch die aufkommende Territorialstaatenbildung zunehmend an Einfluss. Münchberg selbst rückte in den Fokus einer Übernahme durch die Grafen. Am 22. Februar 1373 verkauften die Herren von Sparneck einen Teil der Stadt an Burggraf Friedrich V. Noch im selben Jahr errichteten die Burggrafen ein Verwaltungsamt für die Gebiete um Münchberg und machten die Stadt zum Amtssitz. Ein Rückkaufsrecht der Sparnecker war vereinbart, wurde aber nie eingelöst. Ab 1381 gehörte die Stadt vollständig den Burggrafen von Nürnberg. In einem Erbvertrag vom 19. Mai 1385 legte Friedrich V. fest, dass sein Besitz nach seinem Tode an seine Söhne aufgeteilt werden sollte. Münchberg gehörte zum so genannten Oberland, aus dem sich das Fürstentum Bayreuth entwickelte. In einer Urkunde von um 1400 wurden erstmals der Stadtrat und ein Bürgermeister von Münchberg genannt. Aus einem burggräflichen Register von 1408 geht als Folge der Übernahme ein Wechsel der Oberen Gerichtsbarkeit hervor. Das Hochgericht Münchberg hatte sich bei schwierigen Streitfällen nun an das Gericht in Hof zu wenden und nicht mehr an das Nürnberger Stadtgericht.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963, S. 118–138.

Im Jahr 1430 war die Region von den Kriegszügen der Hussiten und ihrer Gegner betroffen. Inwieweit dies Auswirkungen auf Münchberg hatte, ist nach Karl Dietel unklar.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963, S. 158–160. Das zwei Jahre vorher veröffentlichte Buch von Tim Breuer geht hingegen von einer Zerstörung der Stadtkirche während des Hussiteneinfalls aus.Tim Breuer: Landkreis Münchberg: 1961 S. 25.

Am 6. September 1434 trat in Münchberg eine allgemeine Stadt- und Gerichtsordnung in Kraft, mit der beispielsweise Wahlverfahren, die Erteilung von Bürgerrechten und die Pflichten der Gemeinde geregelt wurden. Markgraf Johann der Alchemist erteilte am 3. März 1448, 78 Jahre nach dem Erwerb, erneut das Stadtrecht und bestätigte damit bereits vorhandene Rechte.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963, S. 145–147. Die erste Schule, vermutlich eine Lateinschule, wurde am 22. April 1516 beurkundet.Siegfried Geisler: Münchbergs Schulen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: 2005 S. 7–9.

Nach Daten der Gesellschaft für Leprakunde ist in Münchberg ab 1451 ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das an der Straße nach Hof lag; 1790 wurde das Gebäude abgerissen.siehe

Neuzeit Die Reformation Am 26. September 1524 beschloss ein Landtag unter Markgraf Kasimir mit Vertretern des Adels, der Städte sowie evangelischen und katholischen Geistlichen, die Lehre Martin Luthers zuzulassen. Der erste evangelische Pfarrer in Münchberg war Johann Schmidt, der erstmals um 1529 eine deutschsprachige Messe feierte. Im Oktober desselben Jahres beschuldigte der Bamberger Bischof Weigand von Redwitz Markgraf Georg, ihm die geistliche Jurisdiktion über die Pfarrei Münchberg entzogen zu haben. Georg antwortete, dass der Bischof in Münchberg keine Rechte auf die Gerichtsbarkeit habe, außer denen, die er und seine Geistlichen sich selbst angemaßt hätten. Der Markgraf ordnete an, dass am 8. Januar 1530 alle Wertgegenstände der Pfarrei abzugeben waren. Der nachfolgende Markgraf Albrecht Alcibiades versuchte mehrmals, den evangelischen Glauben zurückzudrängen, scheiterte aber am Widerstand der Adeligen im Fürstentum. Die Pfarrei Münchberg wurde 1558 der Superintendentur Hof zugeteilt. Ab etwa 1565 war die Stadt entsprechend der Entscheidung des Landesherrn evangelisch.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963 S. 261–273.vgl. Johann Gebauer: 700 Jahre Kirche in Münchberg, 2008, S. 13–18.

Am 6. Juli 1534 wurde Münchberg durch ein am Oberen Stadttor ausgelöstes Großfeuer nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau kam nur sehr langsam voran und dauerte mehrere Jahre. 1547 zählte Münchberg etwa 800 Einwohner. Während der Regierungszeit von Albrecht Alcibiades wurde das Fürstentum Bayreuth in die vier Hauptmannschaften Bayreuth, Kulmbach, Neustadt an der Aisch und Hof aufgeteilt. Münchberg kam zur Hauptmannschaft Hof. Im von Albrecht Alcibiades ausgelösten Zweiten Markgrafenkrieg hatte die Stadt keine Zerstörungen zu beklagen, Hof ging jedoch 1553 in Flammen auf. Ob es um Münchberg zu Plünderungen oder Geldzahlungen kam, ist nicht bekannt. Am 28. November 1553 wurden in der Stadt die Übernahmebedingungen der belagerten Stadt Hof unterzeichnet.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963 S. 176–229.

Der Dreißigjährige Krieg Kurz vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges kam es am 8. März 1617 zu einem Großbrand, bei dem 48 Häuser, das Pfarrhaus und beide Diakonatsgebäude vollständig zerstört wurden. Das Fürstentum Bayreuth und Münchberg blieben während der ersten Jahre des Krieges durch eine Neutralitätserklärung des Markgrafen Christian von Kriegshandlungen verschont. Jedoch passierten bald fremde Truppenverbände das Gebiet, die keine Rücksicht auf die Neutralität nahmen, und die mehrmals in der Stadt einquartiert werden mussten. Um die Bevölkerung vor Übergriffen zu schützen, wurde ein militärischer Verband (Ausschuss) aus 200 Einwohnern gebildet. Am 1. April 1631 kam es erneut zu einer Brandkatastrophe, bei der Kirche, Pfarrhaus, Schule, Rathaus, 96 Privathäuser und 17 Scheunen niederbrannten.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963 S. 287–301.

Noch im selben Jahr wurde durch Markgraf Christian die Neutralität aufgehoben; das Fürstentum Bayreuth trat auf Seiten der Schweden in den Krieg ein. In der Folge zogen verschiedene Konfliktparteien durch das stark zerstörte Münchberg. Dabei litt der Ort unter Gegnern und Verbündeten gleichermaßen. Immer wieder wurde von Raub, Mord und Einquartierungen berichtet. Besonders das Jahr 1633, als große Teile des Fürstentums von kaiserlichen Truppen kontrolliert wurden, gilt als Schreckensjahr. Allein durch die eingeschleppte Pest kamen 330 Einwohner im Kirchensprengel um.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963 S. 305–320.

1635 kam es zu einer kurzen Phase der Ruhe. Markgraf Christian trat dem Prager Frieden bei. Das Bündnis mit den Schweden wurde beendet und am 24. Juni mit kaiserlichen Gesandten ein Vertrag abgeschlossen. Im Verzeichnis Spezialextrakt der Hauptmannschaft Hof vom September 1635 sind für Münchberg 40 Witwen mit 61 Kindern, 56 Vollwaisen, 98 abgebrannte Häuser und 72 verlassene Höfe, Häuser und Gehöfte aufgezählt. 1636 flammte der Krieg aufs Neue auf. Es kam zu weiteren Einquartierungen, Plünderungen und Grausamkeiten.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt: 1963 S. 320–332.