mini|280px|Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2025 Tschiertschen-Praden war eine politische Gemeinde in der Region Plessur des Schweizer Kantons Graubünden. Sie wurde per 1. Januar 2009 aus den vormaligen Gemeinden Tschiertschen und Praden gebildet. Am 1. Januar 2025 fusionierte sie mit Chur.

mini|Praden und Parpaner Weisshorn im Hintergrund, historisches Luftbild von Werner Friedli (1955) mini|Praden mini|Kirche in Praden

Geographie Tschiertschen-Praden liegt auf der linken, südlichen Talseite des Schanfiggs, 7 km (Luftlinie) südöstlich von Chur.

Nachbargemeinden waren Arosa, Churwalden, Chur und Vaz/Obervaz.

Geschichte Ursprünglich war das bereits im 8. Jahrhundert als Cercene erwähnte Tschiertschen von Romanen besiedelt, woran heute noch viele Flurnamen erinnern. Der seit 1222 belegte Grundbesitz des Klosters Churwalden begründete die Zugehörigkeit zur Herrschaft Strassberg, später zum Gericht Churwalden des Zehngerichtenbundes. Um 1530 schloss sich Tschiertschen der Reformation an; Ende des 16. Jahrhunderts ging man von der romanischen zur deutschen Sprache über.

Das 1157 als Pradis (Name von lateinisch pratum «Wiese») erwähnte Praden wurde um 1300 von Walsern aus Langwies dauerhaft besiedelt. Folgerichtig gehörte Praden in den Drei Bünden als Nachbarschaft zum Gericht Langwies des Zehngerichtenbundes und kam erst 1851 zum Kreis Churwalden, als die heutigen Kreise geschaffen wurden.

Wappen

Bevölkerung Tschiertschen zählt rund 220 Einwohner mehrheitlich reformierter Konfession. Bevölkerungsentwicklung Jahr 1850 1900 1950 2000 2005 2020 Einwohnerzahl 124 139 174 225 219 300

Von den 113 Bewohnern Pradens waren 106 Schweizer Staatsangehörige (Stand: Ende 2004).

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1850 1900 1950 1980 2000 2005 Einwohnerzahl 144 131 98 51 101 114

Wirtschaft Im Dorf Tschiertschen gibt es eine Primarschule, ein evangelisches Pfarramt, das Büro der Fremdenverkehrsorganisation Schanfigg-Tourismus, vier Hotels und eine Mehrzweckhalle.

Der Grossteil der Bevölkerung lebt direkt oder indirekt vom Tourismus, hauptsächlich in der Wintersaison. Praden hat am Tourismusgeschäft der Umgebung (Tschiertschen, Lenzerheide, Arosa) kaum Anteil und bietet rund 20 Arbeitsplätze.

Verkehr Zwischen 1888 und 1890 wurde das Alpsträsschen Tschiertschen-Ochsenalp-Prätsch-Carmennahütte gebaut und 1893/94 die Tschiertscherstrasse von Chur über Passugg und Praden nach Tschiertschen. Tschiertschen und Praden sind mit der Postautolinie Chur–Tschiertschen ans Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen.

Skigebiet Hauptartikel: Skigebiet Tschiertschen

Das Skigebiet Tschiertschen bietet im Winter 25 Pistenkilometer, der höchste Punkt des Skigebiets ist der 2441 m hohe Gürgaletsch, der etwas mehr als 1000 Höhenmeter über der Talstation im Dorf liegt. Zwei 2001 eröffnete Vierersesselbahnen von Leitner (Waldstafel und Hüenerchöpf) und zwei Skilifte aus dem Jahr 1978 von Von Roll (Gürgaletsch und Jochalp) erschließen die Pisten, an der Sesselbahn Waldstafel befindet sich außerdem eine 3 Kilometer lange Schlittelbahn.

Die 2013/14 realisierte Skigebietsverbindung Arosa–Lenzerheide wurde vor Ort kontrovers diskutiert. Von den Gegnern wurden gravierende Eingriffe in die Landschaft des Farur- und Urdentals befürchtet. Die Befürworter unterstrichen demgegenüber die erheblichen touristischen Vorteile für die gesamte Region, von der auch Tschiertschen bei einem allfälligen künftigen Anschluss an diese neue Skiarena in bedeutender Weise hätte profitieren können. Seit 2019 ist erneut eine Anbindung an Arosa in Form einer Pendelbahn von Tschiertschen auf das Weisshorn mit einer Rückführpiste durch das Urdental in der Diskussion. Bei einer Bevölkerungsumfrage im August 2019 wurde von 89 % der Befragten eine Machbarkeitsstudie für das Pendelbahnprojekt gewünscht.

Sehenswürdigkeiten Holzhäuser in der walserischen Bautradition prägen den kompakten Dorfkern von Tschiertschen. Typisch sind die an nahezu sämtlichen älteren Häusern unter dem jeweiligen Dachgiebel kunstvoll aufgemalten Haussprüche, die fast alle der Bibel entnommen sind. Die reformierte Kirche ist ein gotischer Bau des 15. Jahrhunderts.

Persönlichkeiten Peter Zinsli (1934–2011), Komponist, Kapellmeister und Schwyzerörgelispieler

Literatur Die Gemeinden des Kantons Graubünden. Chur/Zürich 2003, ISBN 3-7253-0741-5. Hans Danuser/Walser-Vereinigung Graubünden (Hrsg.): Alte Wege im Schanfigg. Verlag Walser-Vereinigung Graubünden, Splügen 1997, S. 126 ff. Hans Danuser, Ruedi Homberger: Arosa und das Schanfigg. Eigenverlag Danuser/Homberger, Arosa 1988, S. 178 ff. Peter Masüger: Vom Alträtoromanischen zum „Tschalfiggerisch“. In: Terra Grischuna, 48. Jahrgang, Heft 1, Terra Grischuna Verlag, Chur 1990, . Christian Patt: Schanfigger Wörter. Eine Ergänzung zum Davoser Wörterbuch. Verlag Walservereinigung Graubünden, Chur 1986. Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden II. Die Talschaften Herrschaft, Prättigau, Davos, Schanfigg, Churwalden, Albulatal (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 9). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1937. .

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Tschiertschen-Praden Tourismus-Website von Tschiertschen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Schanfigg Kategorie:Walser Kategorie:Ehemalige politische Gemeinde in der Schweiz Kategorie:Gemeindeauflösung 2024 Kategorie:Geographie (Chur)