Die Operation Battleaxe (ursprünglicher Deckname: Operation Bruiser; manchmal auch als Schlacht von Sollum bezeichnet) war ein militärisches Unternehmen der Alliierten in Nordafrika während des Zweiten Weltkriegs. Es war der zweite Versuch, die von den Achsenmächten seit April 1941 belagerte Stadt Tobruk zu entsetzen. Die Operation scheiterte nach nur drei Tagen, wobei die britische 8. Armee hohe Verluste an Panzern und Material hinnehmen musste und schlussendlich nur knapp der Einkesselung und Vernichtung entgehen konnte. Als Folge des Fehlschlags wurde Archibald Wavell als Oberkommandierender des Middle East Command abberufen und durch Claude Auchinleck ersetzt.

Hintergrund Italien hatte Frankreich und Großbritannien am 10. Juni 1940 den Krieg erklärt. Der italienische Diktator Benito Mussolini ging von einem nur kurzen Krieg aus und hoffte, durch ein Bündnis mit dem Deutschen Reich einige der Gebietsansprüche Italiens befriedigen zu können. In Nordafrika bestanden diese zum einen aus einer Vergrößerung der Kolonie Italienisch-Libyen Richtung Westen um das französische Protektorat Tunesien. In östliche Richtung strebte Italien eine Kontrolle über Ägypten und den strategisch wichtigen Sueskanal an sowie die Herstellung einer direkten Landverbindung zu seinen Kolonien in Ostafrika. Nachdem Frankreich im Westfeldzug geschlagen worden war und Tunesien zum nun verbündeten Vichy-Frankreich gehörte, richteten sich die italienischen Expansionsziele in Nordafrika ganz auf Ägypten. Am 9. September 1940 marschierte Italien schließlich mit der 10. Armee in Ägypten ein, und der Krieg in Nordafrika begann.

Kriegsverlauf in Nordafrika Die Invasion verlief allerdings wenig erfolgreich und kam aufgrund der schlechten Versorgung und Ausrüstung der Truppen nur wenig mehr als 100 km hinter der ägyptisch-libyschen Grenze zum Stehen. Am 8. Dezember starteten die Alliierten mit der Operation Compass eine Gegenoffensive. Das ursprünglich auf nur wenige Tage begrenzte und der Vertreibung der italienischen Armee aus Ägypten gerichtete Unternehmen erwies sich als derart erfolgreich, dass der Vormarsch bis nach Libyen fortgesetzt wurde. Bis Anfang Februar 1941 hatten die alliierten Truppen die Kyrenaika bis einschließlich El Agheila besetzt und die 10. italienische Armee nahezu restlos aufgerieben.

Die vollständige Einnahme Italienisch-Libyens unterblieb allerdings, da Teile der in Nordafrika eingesetzten alliierten Truppen zur Abwehr des sich ankündigenden Balkanfeldzugs des Deutschen Reichs im April 1941 benötigt wurden. Während die Alliierten somit ab Februar 1941 Truppen zur Verteidigung Griechenlands abzogen, verschiffte Deutschland im so genannten Unternehmen Sonnenblume zeitgleich und heimlich erste Truppenkontingente nach Tripolis und begründete das Deutsche Afrikakorps. Nur wenige Wochen nach seinem Eintreffen ging das von Erwin Rommel kommandierte Afrikakorps zusammen mit den italienischen Divisionen in Libyen zu einer erneuten Offensive über. Die wenigen und überwiegend unerfahrenen alliierten Truppen zogen sich hastig aus der Kyrenaika wieder zurück.

Im Laufe des April waren die Achsenmächte erneut bis zum Halfaya-Pass auf ägyptisches Territorium vorgedrungen. Lediglich der strategisch bedeutsame Tiefwasserhafen Tobruk wurde weiterhin von einer alliierten Besatzung gehalten. Nachdem eine Reihe von Angriffen auf Tobruk im April und Anfang Mai 1941 gescheitert war, stellte sich Rommel zur Schonung seiner begrenzten Ressourcen auf eine längere Belagerung der Stadt ein. Das alliierte Oberkommando im Nahen Osten unter Archibald Wavell begann zeitgleich mit der Planung und Vorbereitung einer Gegenoffensive, um die Kontrolle über die Kyrenaika zurückzuerlangen und die belagerte Stadt zu entsetzen. Die erste Gegenoffensive, genannt Operation Brevity, startete bereits am 15. Mai, konnte allerdings wenig mehr als die Rückeroberung des Halfaya-Passes (und das auch nur bis zum 27. Mai) erreichen. Zeitgleich (20. Mai – 1. Juni 1941) wurde die Luftlandeschlacht um Kreta geführt, die, sollte das Deutsche Reich erfolgreich sein, die Luftunterstützung und die Versorgung der Achsenmächte deutlich verbessern würde. Aufgrund eines mit Ultra abgefangenen Funkspruchs von Friedrich Paulus, in dem dieser von seinem Frontbesuch bei Rommel berichtet und dessen Position vor Tobruk als schwach bezeichnete, gingen die Alliierten davon aus, dass das Afrikakorps mit einer groß angelegten Offensive schnell geschlagen werden könne.

Vorbereitung auf die Offensive Alliierte Pläne mini|Kampfgebiet der Operation Battleaxe Am 28. Mai gab Archibald Wavell die Befehle für die Operation Battleaxe aus. Diese sah drei Angriffsspitzen vor, von denen eine entlang der Küste bis zum Halfaya-Pass, die zweite entlang des großen Steilhangs bis Fort Capuzzo und Sollum, sowie die dritte zum Hafid-Bergrücken und den dort vermuteten deutschen Panzerkräften vorstoßen sollte. Die sollten dann zwischen den beiden letztgenannten Angriffskeilen eingeklemmt und vernichtet werden. Sobald die unmittelbar an der Front stehenden feindlichen Kräfte überwunden wären, würde die alliierte Armee nach Norden marschieren und zur Befreiung von Tobruk ansetzen. In den folgenden Wochen sollte dann schließlich die gesamte Kyrenaika besetzt werden.

Zur Unterstützung der Operation wurden starke Luftstreitkräfte nach Nordafrika verlegt. Diese sollten drei Tage vor Beginn der Bodenoffensive mit den Angriffen auf die Versorgungslinien des Gegners sowie auf Bengasi, dem wichtigsten Nachschubhafen der Achsenmächte, beginnen. Generalmajor Noel Beresford-Peirse, der Kommandant des XIII. Korps bekam den operativen Oberbefehl der Offensive. Generalmajor Frank Messervy befehligte die beiden Infanterieangriffsspitzen im Osten und Generalmajor Michael O’Moore Creagh die 7. Panzerdivision sowie ihre Unterstützungskräfte im Westen des Operationsgebietes. Der Beginn der Operation war ursprünglich für den 7. Juni angesetzt, musste aber schließlich auf den 15. Juni verschoben werden, da die für den Angriff vorgesehenen neuen Panzer überhaupt erst am 9. Juni in Alexandria eintrafen.

Vorbereitung der Achsenmächte Nach der Operation Brevity im Mai 1941, dem gescheiterten ersten Versuch der Alliierten, Tobruk zu entsetzen, war Rommel klar geworden, wie verwundbar die Frontlinie entlang der libysch-ägyptischen Grenze war. Zu deren Verstärkung ließ er zusätzliche Minenfelder und Panzerabwehrstellungen entlang der Küstenstraße (Via Balbia) errichten. Die Verteidigung der Grenze im Süden sollte die 15. Panzer-Division übernehmen. Durch abgefangenen und versehentlich unverschlüsselt gesendeten britischen Funkverkehr erfuhr Rommel am 8. Juni von den Plänen der bevorstehenden zweiten alliierten Offensive. Als Reaktion ließ er die 5. leichte Division in Stellungen südlich von Tobruk verlegen, so dass sie bei Bedarf schnell als mobile Reserve in mögliche Kämpfe an der Frontlinie eingreifen konnte. In der Nacht vor dem Beginn der Offensive ließ Rommel Tobruk intensiv mit Artillerie beschießen, um ein mögliches Eingreifen der dortigen Garnison in die Kämpfe zu verhindern.

Beteiligte Streitkräfte Alliierte Kräfte mini|Britische Panzer in einem Depot in Ägypten, 5. September 1941 Während die Planung der Operation unter Leitung des britischen Oberbefehlshabers in Nordafrika, Archibald Wavell, erfolgte, führte General-Major Noel Beresford-Peirse schließlich den operationellen Oberbefehl über das XIII. Korps. Die beiden auf Fort Capuzzo und den Halfaya-Pass gerichteten Angriffsspitzen wurden von General-Major Frank Messervy geführt, während der Großteil der gepanzerten Kräfte, die in der auf den Hafid-Bergrücken zielenden Angriffsspitzen versammelt waren, unter dem Kommando von General-Major Michael O’Moore Creagh stand. Die Bodentruppen umfassten insgesamt etwa 20.000 Mann und ca. 190 Panzer, davon etwa 90 Cruiser-Panzer (etwa 40 ältere Modelle Cruiser MKI–IV, sowie 50 neuere Modelle MKVI). Sowohl die 4. indische Infanteriedivision als auch die 7. Panzerdivision waren unterbesetzt. Die 4. indische Division hatte nur eine ihrer Brigaden, die 11. indische Infanteriebrigade, während die anderen beiden, die 7. und die 4. indische Infanteriebrigade, in Syrien und Ostafrika stationiert waren. Um dies zu kompensieren, wurden ihr für die Operation die 22. Guards-Brigade sowie die 4. Brigade der 7. Panzerdivision beigeordnet. Die 7. Panzerdivision verfügte dementsprechend ebenfalls nur über zwei der üblichen drei Brigaden.Latimer, S. 26

Zusätzlich wurden die Streitkräfte für diese Operation durch eine starke Luftwaffe, die so genannte Desert Air Force, unterstützt. Sie umfasste sechs Bomberstaffeln und acht Jägerstaffeln (105 bzw. 98 Flugzeuge) und stand unter dem Kommando von Arthur Coningham mit Hauptquartier in Maaten Baggush.

XIII Corps, General-Major Noel Beresford-Peirse (am 3. Tag: Archibald Wavell) 4. Indische Infanteriedivision, General-Major Frank Messervy Divisionstruppen 11. Indische Brigade 22. Guards-Brigade 4. Gepanzerte Brigade 7. Panzerdivision, General-Major Michael O’Moore Creagh Divisionstruppen 7. Gepanzerte Brigade Unterstützungsgruppe

Achsenmächte mini|Deutsche Panzer werden kurz vor Beginn der Operation Battleaxe verlegt. Ein Großteil der in der Kyrenaika stationierten Truppen war in der Belagerung von Tobruk gebunden. Die Sicherung der Grenzlinie zwischen Libyen und Ägypten wurde von Teilen der italienischen Division „Trento“ und der deutschen 15. Panzer-Division übernommen. Die italienische Division übernahm dabei die Sicherung des Raums Sollum/Fort Capuzzo, während die Panzerdivision westlich bzw. südlich entlang der Grenze stationiert war. Der strategisch wichtige Halfaya-Pass wurde von einer gemischten deutsch-italienischen Truppe unter dem Kommando von Hauptmann Wilhelm Bach mit etwa 900 Mann gehalten, die sich aus der Division Trento (400 Mann) und dem 104. Schützenregiment (500 Mann) der 15. Panzerdivision zusammensetzte. Die 5. Leichte Division wurde von Rommel kurz vor Beginn der Operation Battleaxe in eine Bereitschaftsstellung südlich von Tobruk verlegt, damit diese im Bedarfsfall als mobile Reserve eingesetzt werden konnte. Insgesamt konnten die Achsenmächte knapp über 13.000 Mann zur Abwehr der Operation Battleaxe einsetzen, sowie 196 Panzer (davon 89 leichte, 107 mittlere und schwere Panzer), 130 Jagdflugzeuge (60 deutsche, 70 italienische) und 84 Bomber (59 deutsche, 25 italienische).

Deutsches Afrikakorps, Generalleutnant Erwin Rommel 15. Panzerdivision 5. Leichte Division 102. Motorisierte Division “Trento”

Verlauf der Operation Tag 1 Die Operation Battleaxe lief zunächst wie geplant an. Die alliierten Luftstreitkräfte griffen wie geplant wiederholt feindliche Versorgungskolonnen und Flugplätze an. Aufgrund des starken Begleitschutzes sahen sich die Achsenmächte zunächst nur zu sporadischen Gegenangriffen in der Lage. Insgesamt konnten die drei alliierten Angriffskeile weitgehend ungehindert in die vorgesehenen Angriffsstellungen vorrücken.

Angriff auf den Halfaya-Pass mini|Ein nach mehreren Treffern in Trümmern liegender britischer Matilda-Panzer, 17. Juni 1941 Im Osten griff um 5:15 Uhr die so genannte Coast Force, kommandiert von Brigadier Reginald Savory, die Stellungen der Achsenmächte am Halfaya-Pass an. Die Angriffsspitze wurde vom 2. Bataillon des Highlanderregiments sowie 13 Panzern des 4. Panzerregiments und einer Artilleriebatterie gebildet. Es folgten zwei indische Bataillone, kleinere Teile des 4. Panzerregiments und einige 25-Pfünder-Geschütze.