Wolfsau ist ein Gemeindeteil der Stadt Windsbach im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Wolfsau liegt in der Gemarkung Retzendorf.

Geografie In der Nähe des Weilers entspringt das Rößigbächlein, der rechte Oberlauf des Goldbachs, einem linken Zufluss der Fränkischen Rezat. Unmittelbar südlich grenzt das Waldgebiet Steinmauern an. 0,75 km nordöstlich liegen die Flurgebiete Krähenloh und Breiten, 1 km nördlich die Schwalbleiten. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Leipersloh (2,2 km nordöstlich) bzw. die Staatsstraße 2220 kreuzend zur Hölzleinsmühle (1 km südöstlich).

Geschichte Etwa 200 Meter nordöstlich von Wolfsau fand Karl Dunz einen gut erhaltenen Keltenhügel.K. Dunz: Windsbach, S. 271. An der Straße nach Hergersbach kommen in den Wolfsauer Äckern eigenartige Steine vor. Es ist unklar, ob sie von einem Meteoriten stammen oder Abfälle einer Schmiede der Keltenzeit sind.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 1, S. 22f.

Der Ort selber wurde 1166/68 als „Wolfesouwe“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist das Tier Wolf oder die Kurzform der Personennamen Wolfgang oder Wolfram. Es kann somit entweder ein Eigentumsbezug einer Person zu einer Auwiese bezeichnet worden sein, oder schlicht eine Aue, in der regelmäßig Wölfe zu sehen waren.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 206.

Im Salbuch des eichstättischen Kollegiatstifts St. Nikolaus zu Spalt von 1380 werden für Wolfsau drei abgabenpflichtige Untertansfamilien verzeichnet. Im Salbuch von 1517 wird nur noch eine Untertansfamilie angegeben, 1549 sind es wieder zwei. Der Hauptmannschaft Hergersbach der Reichsstadt Nürnberg unterstanden 1529 zwei Untertansfamilien.F. Eigler: Schwabach, S. 347.

Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach aus dem Jahr 1608 wurden für Wolfsau 4 Mannschaften verzeichnet: 2 Güter unterstanden dem eichstättischen Kastenamt Abenberg, 2 Höfe der Reichsstadt Nürnberg. Außerdem gab es ein Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 10. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 733.Die 2 Güter, die laut 16-Punkte-Bericht den Kastenamt Abenberg unterstehen sollen, wurden im Salbuch des Spalter Kollegiatstiftes von 1619 für Wernsbach aufgelistet. F. Eigler: Schwabach, S. 114. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort zerstört und erst 1670 durch den österreichischen Exulanten Jakob Reingruber wieder instand gesetzt.K. Dunz: Windsbach, S. 272.

Laut den Vetter’schen Oberamtsbeschreibungen des Jahres 1732 gab es in Wolfsau wieder 4 Anwesen, die allesamt unterschiedliche Grundherren hatten: das Reiche Almosen der Reichsstadt Nürnberg, das St.-Klara-Klosteramt, das eichstättische Kastenamt Spalt und der Kollegiatstift Spalt.K. Dunz: Windsbach, S. 271. In der Amtsbeschreibung des Pflegamtes Lichtenau aus dem Jahr 1748 werden für den Ort ebenfalls 4 Untertansfamilien angegeben, wovon zwei dem Pflegamt unterstanden und zwei Fremdherren.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 748.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Wolfsau mit der Hölzleinsmühle eine Realgemeinde. In Wolfsau gab es drei Anwesen und ein Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus. Grundherren waren das Kastenamt Spalt (1 Hof) und die Reichsstadt Nürnberg (Landesalmosenamt: 1 Hof; St.-Klara-Klosteramt: 1 Hof).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 932f. Es gab zu dieser Zeit 4 Untertansfamilien.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 6, Sp. 284. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Windsbach.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1006f.

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Wolfsau dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Mitteleschenbach und der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Mitteleschenbach zugeordnet.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Wolfsau in die neu gebildete Ruralgemeinde Retzendorf umgemeindet. Es bestand wenig später der Plan, mit der Hölzleinsmühle eine eigene Gemeinde zu bilden, was jedoch nicht genehmigt wurde.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 964. Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Retzendorf mit ihren Gemeindeteilen im Zuge der Gebietsreform in Bayern in die Stadt Windsbach eingegliedert.

Bodendenkmal Westlich des Ortes befinden sich Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung.

Einwohnerentwicklung Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 23 35 29 26 19 24 30 37 21 20 16 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 4 4 4 4 4 4 4 4Quelle

Religion Bis 1613 gehörte Wolfsau zu St. Georg in Bertholdsdorf, wurde dann aber auf Antrag nach St. Margareta in Windsbach gepfarrt, weil der Weg dorthin kürzer war.K. Dunz: Windsbach, S. 271f. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Bonifatius (Windsbach) gepfarrt.

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Ortsteil von Windsbach Kategorie:Weiler im Landkreis Ansbach Kategorie:Ersterwähnung 1166