mini|Topographische Karte mit dem Gebiet des Landkreises und dem restlichen Württembergischen Allgäu von 1907–21 (Collage aus 12 Karten) mini|Altes Ortsschild in Gumpeltshofen, Stadt Isny im Allgäu Der Landkreis Wangen war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.
Geographie
Lage Der Landkreis Wangen lag im Südosten Baden-Württembergs. Geographisch war er im Wesentlichen identisch mit dem sogenannten „Württembergischen Allgäu“.
Nachbarkreise Seine Nachbarkreise waren Anfang 1972 im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten Memmingen, Kempten (Allgäu) und Lindau (Bodensee) in Bayern sowie Tettnang, Ravensburg und Biberach in Baden-Württemberg.
Außerdem grenzte er bis 1968 im Südwesten an Achberg, das als Exklave zum Landkreis Sigmaringen gehörte und erst dann dem Landkreis Wangen angegliedert wurde.
Geschichte Das Gebiet des Landkreises Wangen gehörte vor 1800 zu einer Vielzahl von Herrschaften, darunter zu Vorderösterreich sowie zu den Reichsstädten Wangen im Allgäu, Leutkirch im Allgäu und Isny im Allgäu. Zwischen 1805 und 1810 wurde das Gebiet Teil des Königreichs Württemberg. Im späteren Kreisgebiet Wangens wurden die Oberämter Leutkirch, Waldsee und Wangen gebildet, die zur Landvogtei am Bodensee und ab 1818 zum Donaukreis gehörten. 1924 wurde der Donaukreis aufgelöst. 1934 wurden die Oberämter in Landkreise umbenannt und 1938 wurden die Landkreise Leutkirch i. A. und Waldsee aufgelöst. Das Gebiet des Landkreises Leutkirch und einige Gemeinden des Landkreises Waldsee kamen zum Landkreis Wangen, die übrigen Gemeinden des Landkreises Waldsee kamen zu den Landkreisen Biberach und Ravensburg. Einige Gemeinden des Landkreises Leutkirch kamen auch zum Landkreis Ravensburg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der Landkreis Wangen in die Französische Besatzungszone und kam in der Folge zunächst zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. Seit der Länderneugliederung am 25. April 1952 gehörte der Landkreis Wangen zum Land Baden-Württemberg und damit bis zur Auflösung mit Ablauf des 31. Dezember 1972 zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern. Am 1. Januar 1969 wechselte die Gemeinde Achberg vom Landkreis Sigmaringen in den Landkreis Wangen.
Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Wangen aufgelöst. Sein Gebiet wurde unter Protest der Bevölkerung dem vergrößerten Landkreis Ravensburg zugeordnet, der damit Rechtsnachfolger des Landkreises Wangen wurde.
Einwohnerentwicklung Alle Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse. Jahr Einwohner 17. Mai 1939 53.794 13. September 1950 65.631 Jahr Einwohner 6. Juni 1961 71.451 27. Mai 1970 81.129
Politik Landrat Die Landräte des Landkreises Wangen 1933–1972: 1933–1938: Albert Eitel 1938–1945: Hermann Röger 1945–1946: Josef Kraus 1946–1949: Norbert Kiechle 1949: Albert Pfitzer (Amtsverweser) 1949–1972: Walter Münch
Die Oberamtmänner des früheren Oberamts Wangen von 1810 bis 1933 sind im Artikel Oberamt Wangen dargestellt.
Wappen Das Wappen des Landkreises Wangen zeigte in gespaltenem Schild vorne in Gold einen halben schwarzen Adler mit roter Kralle und rotem Schnabel, hinten in Rot eine aufrechte silberne Hand.
Das Wappen wurde dem Landkreis am 29. September 1970 verliehen. Der Adler symbolisiert die Kreisstadt Wangen im Allgäu, die ehemals eine Reichsstadt war.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch das Kreisgebiet führte keine Bundesautobahn (Die A 96 gab es damals noch nicht). Daher wurde er nur durch die Bundesstraßen 18 und 465 sowie durch mehrere Landes- und Kreisstraßen erschlossen.
Gemeinden Zum Landkreis Wangen gehörten ab 1938 zunächst 41 Gemeinden, davon 4 Städte.
Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang im Landkreis Wangen machte am 1. Juli 1971 die Gemeinde Altmannshofen, die sich mit der Gemeinde Aichstetten vereinigte. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig, bis der Landkreis Wangen schließlich am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.
Die größte Gemeinde des Landkreises war die Kreisstadt Wangen im Allgäu. Die kleinste Gemeinde war Siggen.
In der Tabelle stehen die Gemeinden des Landkreises Wangen vor der Gemeindereform. Heute gehören alle Gemeinden zum Landkreis Ravensburg. Die Einwohnerangaben beziehen sich auf die Volkszählungsergebnisse in den Jahren 1961 und 1970. frühere Gemeinde heutige Gemeinde Einwohneram 6. Juni 1961 Einwohneram 27. Mai 1970 Achberg ¹) Achberg 743 955 Aichstetten Aichstetten 1.305 1.569 Aitrach Aitrach 1.977 2.320 Altmannshofen Aichstetten 512 418 Amtzell Amtzell 2.160 2.430 Arnach Bad Wurzach 832 869 Bad Wurzach, Stadt Bad Wurzach 2.788 3.954 Beuren Isny im Allgäu 786 768 Christazhofen Argenbühl 777 791 Deuchelried Wangen im Allgäu 1.183 1.372 Diepoldshofen Leutkirch im Allgäu 582 596 Eglofs Argenbühl 1.521 1.595 Eintürnen Bad Wurzach 692 659 Eisenharz Argenbühl 1.077 1.136 Friesenhofen Leutkirch im Allgäu 647 658 Gebrazhofen Leutkirch im Allgäu 1.568 1.525 Gospoldshofen Bad Wurzach 623 667 Göttlishofen Argenbühl 488 412 Großholzleute Isny im Allgäu 1.268 1.279 Hauerz Bad Wurzach 968 963 Herlazhofen Leutkirch im Allgäu 2.281 2.274 Hofs Leutkirch im Allgäu 876 858 Immenried Kißlegg 586 636 Isny im Allgäu, Stadt Isny im Allgäu 6.954 7.956 Karsee Wangen im Allgäu 580 533 Kißlegg Kißlegg 4.576 5.218 Leupolz Wangen im Allgäu 913 1.088 Leutkirch, Stadt Leutkirch im Allgäu 7.247 9.899 Neuravensburg Wangen im Allgäu 1.383 1.595 Neutrauchburg Isny im Allgäu 741 1.078 Niederwangen Wangen im Allgäu 1.134 1.244 Ratzenried Argenbühl 824 891 Reichenhofen Leutkirch im Allgäu 1.263 1.367 Rohrdorf Isny im Allgäu 667 660 Schomburg Wangen im Allgäu 1.262 1.502 Seibranz Bad Wurzach 914 946 Siggen Argenbühl 158 168 Waltershofen Kißlegg 727 829 Wangen im Allgäu, Stadt Wangen im Allgäu 13.317 14.561 Winterstetten Leutkirch im Allgäu 430 396 Wuchzenhofen Leutkirch im Allgäu 1.504 1.812 Ziegelbach Bad Wurzach 617 682 ¹) erst ab 1. Januar 1969 beim Landkreis Wangen rahmenlos|links|566x566px
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen WG zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1972 ausgegeben. Am 19. November 2019 beschloss der Ravensburger Kreistag die Wiedereinführung der Altkennzeichen WG (Wangen im Allgäu), ÜB (Überlingen) und SLG (Bad Saulgau).
Ab dem 22. Juli 2020 wird WG im Landkreis Ravensburg wieder ausgegeben.
Literatur Landkreis Wangen. (= Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl; Heft 4). Hrsg. vom Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, Bearbeitung und Druck Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 1964.
Einzelnachweise
Wangen Kategorie:Geschichte (Landkreis Ravensburg) Kategorie:Wangen im Allgäu Kategorie:Westallgäu Wangen Kategorie:Aufgelöst 1973