Freinsheim, pfälzisch „Fränsem“, ist mit rund 5000 Einwohnern eine der kleineren Städte in Rheinland-Pfalz. Sie ist ein Bestandteil des Landkreises Bad Dürkheim, innerhalb dessen sie gemessen an der Einwohnerzahl die viertgrößte Ortsgemeinde darstellt, und ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde, der sie auch angehört. Freinsheim ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Regionaldaten. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz.
Geographie Freinsheim liegt in der vorderpfälzischen Rheinebene, ungefähr 12 km westlich von Ludwigshafen zwischen Bad Dürkheim und Grünstadt, in der Nähe der Deutschen Weinstraße. Nachbargemeinden sind, von Norden im Uhrzeigersinn, Bissersheim, Großkarlbach, Weisenheim am Sand, Erpolzheim, Bad Dürkheim, Kallstadt, Herxheim am Berg und Dackenheim.
Eine Exklave im Pfälzerwald bildet die Waldung um das ehemalige Forsthaus Lindemannsruhe, in dem sich heute ein Waldgasthaus befindet. Sie umfasst die Nord- und Westflanke des Rahnfels. Innerhalb des Stadtgebiets entspringt der Fuchsbach, dessen größere Wassermenge über Schrakelbach und Eckbach den Rhein erreicht.
Geschichte
Frühgeschichte und Mittelalter mini|Moderner Schutzbau bei Freinsheim mit zwei spätantiken Sarkophagen Wie archäologische Grabungen belegen, ist die Gemarkung von Freinsheim seit etwa 5000 Jahren von Menschen besiedelt. Die spätantiken Gräber auf der Freinsheimer Höhe, sieben römische Bestattungen des 4. Jahrhunderts n. Chr., die 2006 ausgegraben wurden, belegen nahegelegene Ansiedlungen, vermutlich zwei villae rusticae nördlich des heutigen Ortes.Freinsheim – römische Sarkophage. pfalz.de; abgerufen am 5. Januar 2021. Ein geordnetes Gemeinwesen existierte wahrscheinlich ab dem 6. Jahrhundert, worauf die Entdeckung eines merowingerzeitlichen Reihengräberfriedhofs schließen lässt. Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung stammt von 773 und findet sich in Aufzeichnungen des im heutigen Elsass liegenden Benediktinerklosters Weißenburg. 985 wurde Freinsheim Opfer des Salischen Kirchenraubs.
Kurpfalz mini|links|Ansicht (um 1640) von Matthäus Merian
Im 15. Jahrhundert fiel Freinsheim an die Kurpfalz, die zum Kurrheinischen Reichskreis gehörte, in deren Auftrag die bereits vorhandenen Befestigungsanlagen ausgebaut wurden. Als letztes Bauteil der Stadtmauer wurde 1514 das Eisentor fertiggestellt, dessen Name aus dem pfälzischen Dialektausdruck für Äußeres Tor entstand. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Freinsheim 1689 stark zerstört, es blieben nur noch Grundmauern stehen. Im frühen 18. Jahrhundert erfolgte der Wiederaufbau. Herausgehobene Verwaltungsfunktionen innerhalb der Kurpfalz, vor allem die Einrichtung eines Unteramts, förderten den wirtschaftlichen Aufschwung.
1712 erwarb der kurpfälzische General und Heidelberger Oberamtmann Johann Wilhelm von Efferen das 300 Morgen umfassende jungkennsche Gut in Freinsheim mit dem heutigen Retzerhaus (Herrenstraße 10) als Adelssitz. 1724, in seinem Todesjahr, vermachte er die Liegenschaft dem Kölner Karmelitinnenkloster St. Maria in der Kupfergasse, damit man einen Filialkonvent in Heidelberg errichten konnte; zusätzlich sollten mit dem Besitz Kosten und Mitgift zum Eintritt von vier armen Novizinnen gedeckt werden. Hintergrund der Schenkung an das weit entfernte Kölner Kloster war, dass dort seit 1714 Prinzessin Maria Anna von Pfalz-Sulzbach (1693–1762), die Schwester des damaligen Kurpfälzer Thronprätendenten Joseph Karl von Pfalz-Sulzbach, als Nonne lebte; von dieser erbat General Efferen auch die Entsendung einer Priorin. Nach seinem Tod wurde das Projekt eines Heidelberger Filialklosters nicht verwirklicht, weil die Regierung nicht zustimmte. Die Kölner Nonnen erbten jedoch das große Freinsheimer Gut mit dem schlossartigen Retzerhaus. Dieser Umstand wurde von großer Bedeutung für die Freinsheimer Katholiken, die seit der Reformation keine eigene Kirche und keinen Pfarrer mehr besaßen. Aus Köln entsandte man 1728 den Priester Johann Jacob Creuzberg als Gutsverwalter dorthin, und die Karmelitinnen ließen in ihrem neuen Haus den „großen unteren Saal“ als katholische Ortskirche einrichten. Mit Einverständnis des zuständigen Wormser Bischofs übte der aus Köln stammende Geistliche in Freinsheim bis 1745 die reguläre Seelsorge aus. Nach seinem Weggang konnte wieder eine Pfarrei gegründet werden. Der Gutshof der Kölner Nonnen diente weiterhin als katholische Kirche, bis 1771–1773 eine neue gebaut wurde.Hans-Helmut Görtz: Der Erbauer des Lambsheimer Jagdschlosses. In: Heimat-Jahrbuch des Rheinpfalz-Kreises, Band 30 (2014), S. 110–118, ISBN 978-3-00-042960-6.Hans-Helmut Görtz: Höchst rühmlicher Fortgang unseres Christenthumbs undt schönen Gottesdienstes dahier – Ein Quellenbuch zur Geschichte der Freinsheimer Katholiken, Freinsheim 2014, ISBN 978-3-00-048474-2, S. 72–94, 99 und 531.
19. und 20. Jahrhundert Von 1798 bis 1814, als die Pfalz ein Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend ein Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Freinsheim in den Kanton Dürkheim eingegliedert und der Sitz einer eigenen Mairie. 1815 hatte der Ort 1568 Einwohner. Im selben Jahr wurde er Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort mit der gesamten Region in das Königreich Bayern, das daraus die Rheinpfalz bildete. Von 1818 bis 1862 gehörte Freinsheim dem Landkommissariat Neustadt an; aus diesem ging das Bezirksamt Neustadt hervor.
1902 wechselte Freinsheim in das neu geschaffene Bezirksamt Dürkheim, ehe dieses 1931 wieder in sein Neustadter Pendant eingegliedert wurde. Ab 1939 war der Ort Bestandteil des Landkreises Neustadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Freinsheim innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des 1946 neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte der Ort am 7. Juni 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Seit 1972 ist Freinsheim Verwaltungssitz einer Verbandsgemeinde. Mit Wirkung vom 23. Juni 1979 erkannte die Landesregierung Freinsheim wegen seiner historischen Bedeutung den Titel Stadt zu.
1846 wurde eine Synagoge gebaut, die bis 1894 genutzt wurde. Das Gebäude überstand das Dritte Reich. Die Judengasse weist ebenfalls auf die einstige jüdische Gemeinde hin.
Seit 1993 steht in der Stadt das Bait us-Salam, übersetzt Haus des Friedens, der islamischen Ahmadiyya-Gemeinschaft.Ahmadiyya Mosques. wordpress.com; abgerufen am 28. Dezember 2022.
Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 50,0 % evangelisch und 22,6 % römisch-katholisch. 27,4 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Freinsheim Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Derzeit (Stand Februar 2026) liegt der Anteil der evangelischen Bürger bei 32,4 % und der katholischen bei 17,3 %. 50,3 % sind konfessionslos oder gehören einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Freinsheim. ewois.de; abgerufen am 12. März 2026.
Einwohnerentwicklung
Politik
Stadtrat Der Stadtrat besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat:
Wahl SPD CDU FDP Grüne FWG Gesamt 2024 5 7 2 2 4 20 Sitze 2019 4 5 2 3 6 20 Sitze 2014 6 5 1 1 7 20 Sitze 2009 8 5 2 – 5 20 SitzeKommunalwahl Rheinland-Pfalz 2009, Gemeinderat. (PDF; 2,1 MB) wahlen.rlp.de 2004 8 7 1 – 4 20 Sitze 1999 9 6 2 1 2 20 Sitze * FWG = Freie Wählergruppe der Stadt Freinsheim e. V.
Stadtbürgermeister Der Winzermeister Jochen Weisbrod (CDU) wurde am 11. Juli 2024 Stadtbürgermeister von Freinsheim. Bei der Direktwahl war er bei einer Wahlbeteiligung von 71,3 % ohne Gegenkandidaten mit 73,1 % der Stimmen gewählt worden.
Weisbrods Vorgänger, der Diplom-Pädagoge Matthias Weber (FWG), war im Juni 2016 zum Nachfolger von Jürgen Oberholz (FWG) gewählt und bei der Wahl im Mai 2019 im Amt bestätigt worden. Zur Wahl 2024 trat er nicht erneut an.
Wappen Banner, Wappen und Hissflagge 63px 100px 100px
Städtepartnerschaften Freinsheim unterhält Städtepartnerschaften mit den Kleinstädten Marcigny in Burgund (Frankreich) und Buttstädt im thüringischen Landkreis Sömmerda.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Literatur Zur Erinnerung an den Schriftsteller Hermann Sinsheimer wird seit 1983 der Hermann-Sinsheimer-Preis für Literatur und Publizistik verliehen, der im Jahr 2000 um die Hermann-Sinsheimer-Plakette ergänzt wurde. Bisherige Preisträger sind unter anderen Siegfried Lenz, Hilde Domin, Carola Stern, Marcel Reich-Ranicki und Marion Gräfin Dönhoff.
Seit 2010 findet die Literarische Lese statt. Das Literaturfestival wurde von Hasan Özdemir initiiert und wird von Kultur Rhein-Neckar e. V. in Kooperation mit Partnern veranstaltet. Zu Gast waren u. a. Dimitré Dinev, Nora Iuga, Karl-Heinz Ott und Sibylle Lewitscharoff.
Bauwerke
Stadtmauer
Die spätgotische Stadtmauer mit Türmen und Toren ist fast vollständig erhalten.Christian Kayser: Mauer zwischen den Zeiten: Die Freinsheimer Stadtbefestigung. In: INSITU 2025/1, S. 47–68. Sie ist etwa 1000 m lang und prägt das Stadtbild. Besonders bemerkenswert ist das Vortor zum Eisentor mit Flankierungstürmen und kurpfälzischem Wappen. Die Stadtmauer ist in ihrem gesamten Umfang ein Kulturdenkmal aufgrund des rheinland-pfälzischen Denkmalschutzgesetzes.Georg Peter Karn, Ulrike Weber (Bearb.): Kreis Bad Dürkheim. Stadt Grünstadt, Verbandsgemeinden Freinsheim, Grünstadt-Land und Hettenleidelheim = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 13.2. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2006, ISBN 3-88462-215-3, S. 74–78.
Der Stadtkern ist außerordentlich gut restauriert. Aufgrund des intakten historischen Ortskerns wird Freinsheim auch als das „pfälzische Rothenburg“ bezeichnet, in Anlehnung an den fränkischen Ort, der als Sinnbild des romantischen deutschen Städtchens weltweite Bekanntheit erlangt hat.
Protestantische Kirche mini|Rathaus und protestantische Pfarrkirche
Die alte Hauptkirche am Markt, die seit dem 16. Jahrhundert protestantisch ist, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.
Ehemaliges Schloss
Die seit 1471 in kurpfälzischem Besitz stehende Wasserburg lag außerhalb der Stadtmauern. Der umgebende Graben ist noch mit Wasser gefüllt, der jetzige Hauptbau ist ein Wohnhaus vom Anfang des 19. Jahrhunderts.
Bildstock mini|Bildstock Schwarzes Kreuz
In den Weinbergen an der Straße nach Ungstein steht ein spätgotischer Bildstock mit Kreuzigungsgruppe in spitzbogigem Gehäuse. Er trägt den Namen Schwarzes Kreuz; nach ihm ist auch eine Freinsheimer Weinlage benannt.
Kapellenruine
Auf dem Bergfriedhof südlich und etwas außerhalb der Stadt steht ein romanischer Westturm als ehemaliger Eingangsturm in die ebenfalls romanische Kapelle Zu unserer lieben Frau auf dem Berge. Formen am Westportal lassen auf eine Entstehung um die Mitte des 11. Jahrhunderts schließen, die ursprüngliche Dachausbildung ist nicht mehr vorhanden.Eduard Finke: Die romanischen Kirchtürme in der Pfalz. Mainz 1994, ISBN 3-929135-03-5
Museen Historisches Spielzeugmuseum Freinsheim Handwerkermuseum Freinsheim
Regelmäßige Veranstaltungen Rotweinwanderung
Die Rotweinwanderung wird am vierten Wochenende des Januars veranstaltet. Zur Eröffnung findet freitags mit Einbruch der Dunkelheit eine Fackelwanderung statt, bei der unterwegs Schwedenfeuer aufgebaut sind. Samstags und sonntags findet die Wanderung über Tag statt. Entlang des Wanderwegs durch die Weinberge um Freinsheim bieten dabei die örtlichen Winzer ausgesuchte Rotweine und begleitende Speisen an.
Blütenfest
Das Blütenfest findet jedes Jahr zur Frühlingszeit statt. Teilnehmer können in den Winzerhöfen mit einer Weinkarte zum Festpreis die verschiedenen neu abgefüllten Weine probieren.
Freinsheimer Altstadtfest