mini|Protogeometrische Bauchhenkelamphore, um 950/900 v. Chr., gefunden wohl in Athen, heute im British Museum, London mini|Urteil des Paris auf einer rotfigurigen Vase des Malers des Hochzeitszuges im Kertscher Stil, um 360 v. Chr., heute im J. Paul Getty Museum, Los Angeles Die Attische Vasenmalerei ist der wichtigste und am besten erforschte regionale Stil der griechischen Vasenmalerei. Ab dem Übergang zur letzten Phase (Späthelladisch III C) der Mykenischen Kultur um 1200 v. Chr. bildete sich eine regionale attische Keramiktradition heraus. Über alle Stilformen, von der mykenischen Keramik des Späthelladikums III C über die Submykenische, Protogeometrische und Geometrische Keramik, den orientalisierenden und schwarzfigurigen Stil bis zur Rotfigurigen Vasenmalerei und den letzten Ausläufern figürlich oder ornamental bemalter Keramik etwa der Westabhangkeramik im 3. Jahrhundert v. Chr. war Athen und sein Umland Attika eines der griechischen Zentren der Produktion bemalter Keramik. Nicht selten war Athen hier ein einflussreicher Vorreiter und Impulsgeber für andere Regionen Griechenlands.

Schwarzfigurige Vasenmalerei

Pioniere mini|Namenvase des Nessos-Malers. Das Halsbild zeigt Herakles, wie er Nessos ersticht. Das Bauchbild zeigt die Begebenheiten um Perseus (nicht zu sehen) nachdem er die Medusa enthauptete. Sie liegt sterbend am Boden, während ihre Schwestern Sthele und Euryale Perseus fliegend über der See verfolgen. Um 620/610 v. Chr.; Archäologisches Nationalmuseum Athen Mit mehr als 20.000 erhaltenen Stücken sind die attischen schwarzfigurigen Vasen nach den attisch-rotfigurigen Vasen der größte überlieferte Vasenkomplex.Boardman, S. 7. Die erste Verwendung der schwarzfigurigen Technik fällt noch in die Zeit der Protoattische Vasenmalerei in die Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. Unter dem Einfluss der zu dieser Zeit qualitätvollsten Keramik aus Korinth wechselten die attischen Vasenmaler in der Zeit ab etwa 635 v. Chr. bis zum Ende des Jahrhunderts zur neuen Technik. Zunächst orientierten sie sich stark an den Methoden und Motiven der korinthischen Vorbilder. Am Beginn steht der Maler von Berlin A 34, der als erster individueller Künstler erkannt wurde. Der erste Künstler mit einem individuell fassbaren Stil war der Nessos-Maler. Er schuf mit der Nessos-Vase das erste herausragende Stück des attisch-schwarzfigurigen Stils.Mannack S. 104. Er war gleichzeitig ein früher Meister des Tierfriesstiles in Attika. Eine seiner Vasen war zudem die erste bekannte attische Vase, die nach Etrurien exportiert wurde.Fragment in Leipzig, gefunden in Cerveteri, es zeigt auf dem Bauch wie auch die Nessos-Vase Gorgonen Zudem sind von ihm die ersten Darstellungen der Harpyen und der Sirenen in der attischen Kunst. Anders als die korinthischen Vasenmaler nutzte der Nessos-Maler doppelte und sogar dreifache Ritzlinien, um die Teile der tierischen Anatomie besser zeigen zu können. Die doppelt geritzte Schulterlinie sollte zu einem kennzeichnenden Charakteristikum der attischen Vasen werden. Früh wurden auch die Möglichkeiten großer Vasen, etwa der Bauchamphora, als Bildträger erkannt. Weitere bedeutende Maler der Pionierzeit waren der Piräus-Maler, der Bellerophon-Maler und der Löwen-Maler.

Frühattische Vasen mini|links|Namenvase (Dinos) des Gorgo-Malers. Perseus wird von den Gorgonen verfolgt, um 580 v. Chr., Louvre mini|links|Komosszene auf einer Komastenschale des KY-Malers, um 570 v. Chr., Louvre Um das Jahr 600 v. Chr. hatte sich der schwarzfigurige Stil in Athen etabliert. Eine frühe Eigenentwicklung der Athener war die Pferdekopf-Amphore. Sie bekamen ihren Namen wegen der Pferdeköpfe, die in einem Bildfenster gezeigt wurden. Die Entwicklung des Bildfensters sollte auch in der folgenden Zeit viel verwendet werden und später selbst in Korinth rezipiert werden. Aus dem Umkreis der Pferdekopf-Amphoren stammten der Kerameikos-Maler und der Gorgo-Maler. Die Orientierung an Korinth wurde nicht nur beibehalten, sondern intensiviert. Der Tierfries wurde als allgemein verbindlich anerkannt und zumeist genutzt. Dies hatte nicht nur stilistische, sondern auch wirtschaftliche Gründe. Denn Athen konkurrierte nun mit Korinth um Absatzmärkte. Attische Vasen wurden ins Schwarzmeergebiet, Libyen, Syrien, Unteritalien und Spanien sowie innerhalb des griechischen Mutterlandes verkauft. Neben der Orientierung an Korinth zeigten die Athener jedoch auch eigene Entwicklungen. So entstand zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. die Lekythos des sogenannten „Deianeira-Typus“, eine langgestreckte, ovale Form.Mannack S. 105; Boardman S. 18 f. Wichtigster Maler der Frühzeit war der Gorgo-Maler (600–580 v. Chr.). Er war ein sehr produktiver Künstler, der selten mythologische Bilder oder menschliche Figuren zeigt und diese dann immer von Tieren oder Tierfriesen begleiten lässt. Andere seiner Vasen beschränken sich wie viele korinthische Vasen auf die Tierdarstellungen. Nach dem Gorgo-Maler sind vor allem Künstler aus der Komasten-Gruppe (585–570 v. Chr.) zu nennen. Die Gruppe verziert mit Lekanen, Kotylen und Kothonen für Athen neuartige Gefäße. Die wichtigste Neuerung ist jedoch die Einführung der Komastenschale, die neben den „Vorkomastenschalen“ der Oxford-Palmetten-Klasse am Beginn der Entwicklung der attischen Schale steht. Wichtigste Maler der Gruppe waren der ältere KX-Maler und der nicht ganz so talentierte KY-Maler, der jedoch den Kolonettenkrater in Athen einführte.Boardman 20 Verziert werden diese für Gelage gedachten Gefäße häufig mit zum Thema passenden Komasten. mini|Signatur des Sophilos: Sophilos me egrafsen (Sophilos hat mich gemalt) Der letzte bedeutende Vertreter der ersten Malergeneration war Sophilos (580–570 v. Chr.). Er ist der erste namentlich bekannte attische Vasenmaler. Insgesamt signierte er vier Vasen, davon drei als Maler, eine als Töpfer. Schon bei Sophilos zeigt sich, dass die Töpfer des schwarzfigurigen Stils auch Vasenmaler waren. Eine grundsätzliche Trennung beider Bereiche scheint es erst im Verlauf der Entwicklung des rotfigurigen Stils gegeben zu haben, wenngleich Spezialisierungen nicht auszuschließen sind. Sophilos ist mit seinen Beischriften sehr großzügig. Er war offenbar auf größere Gefäße spezialisiert, sind von ihm doch besonders Dinoi und Amphoren bekannt. Sophilos zeigt weitaus öfter als seine Vorgänger mythologische Szenen wie die Leichenspiele für Patroklos. Bei ihm beginnt der Niedergang des Tierfrieses, auch andere Ornamente wie Pflanzenornamente verlieren an Qualität, da ihnen nun weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. An anderer Stelle zeigt Sophilos jedoch, dass er ein ambitionierter Künstler war. Auf zwei Dinoi zeigt er die Hochzeit von Peleus und Thetis. Die Vasen entstand etwa zur selben Zeit wie die Françoisvase, die dasselbe Thema in Perfektion zeigt. Doch Sophilos verzichtet auf einem seiner beiden Dinoigefunden auf der Akropolis in Athen, heute Akropolismuseum, Inventarnummer 587 alles Beiwerk in Form von Tierfriesen und vermischt auch nicht verschiedene Mythen auf mehreren Darstellungsebenen der Vase. Es ist die erste große griechische Vase, auf der auf mehreren untereinander angeordneten Abschnitten ein einzelner Mythos gezeigt wurde. Eine Besonderheit der Dinoi des Malers ist, dass er das Deckweiß für die Frauen nicht wie üblich auf den schwarzen Glanzton aufträgt, sondern direkt auf den Tongrund. Die Binnenzeichnungen und Konturen sind in einem matten Rot ausgeführt. Diese Technik findet sich sehr selten, in der Vasenmalerei findet sie sich nur in der Werkstatt des Sophilos. Daneben findet sie sich auf bemalten Holztafeln, die im 6. Jahrhundert v. Chr. im korinthischen Stil bemalt wurden. Sophilos bemalte auch einen der seltenen Kalyxe (eine spezielle Kelchvariante) und schuf die erste Serie von Grabtafeln. Er selbst oder einer seiner Nachfolger verzierte zudem den ersten erhaltenen Lebes Gamikos.Boardman, S. 21. Weitere nennenswerte Künstler der ersten Generation waren der Panther-Maler, der Anagyrus-Maler, der Maler der Dresdener Lekanis und der Polos-Maler.

Hocharchaische Zeit mini|Françoisvase, um 570 v. Chr., Museo archeologico di Firenze Ab etwa dem zweiten Drittel des 6. vorchristlichen Jahrhunderts v. Chr. wächst das Interesse der attischen Künstler an mythologischen Bildern und anderen Figurendarstellungen. Die Tierfriese treten nun zunehmend in den Hintergrund. Nur wenige Maler widmen sich ihnen mit größerer Sorgfalt, zumeist werden sie aus dem Blickzentrum in unbedeutendere Zonen der Vasen verbannt. Für diesen neuen Stil steht in besonderem Maße die Françoisvase des Töpfers Ergotimos und des Malers Kleitias (570–560 v. Chr.). Beide Künstler haben den Krater signiert. Sie kann als bekanntestes Werk der griechischen Vasenmalerei angesehen werden.Mannack, S. 111. Die Vase ist der erste bekannte Volutenkrater aus Ton. Auf mehreren Friesen werden verschiedene mythologische Begebenheiten geschildert, Tierfriese werden außerhalb des Hauptblickfeldes gezeigt. Auf der Vase erscheinen mehrere ikonografische und technische Details erstmals. Manche davon, etwa die Darstellung eines umgelegten Mastes eines Segelschiffes bleiben einmalig, andere, so sitzende Personen, die nun ein Bein zurücksetzen, anstatt beide Füße direkt nebeneinander stehen zu haben, werden Standard.zur Françoisvase siehe Boardman, S. 37 f. und Mannack, S. 111 f. Von Ergotimos und Kleitias sind weitere vier signierte, allerdings kleinere Vasen überliefert, zudem werden ihnen weitere Vasen und Fragmente zugeschrieben. Kleitias zeigt darauf weitere Neuerungen wie die erstmalige Darstellung der Geburt der Athene oder den Tanz auf Kreta. mini|links|Panathenäische Preisamphora der Burgon-Gruppe (sogenannte Burgon-Amphora), Athene in Waffen zwischen zwei Säulen, 566/65 v. Chr., British Museum, London Nearchos (565–555 v. Chr.) signierte als Töpfer und Maler. Er zeigte besonders gern große Figuren. Von ihm stammte die erste Darstellung des Anschirrens eines Wagens. Eine weitere seiner Neuerungen war das Auftragen des Zungenblattes unter der Vasenlippe auf einem weißen Untergrund.Mannack, S. 113. Weitere qualitätvolle Künstler waren der Maler von Akropolis 606 und der Ptoon-Maler, dessen bekanntestes Werk die sogenannte Hearst-Hydria ist. Ebenfalls von Bedeutung ist die Burgon-Gruppe, von der die erste vollständig erhaltene Panathenäische Preisamphora stammt (siehe unten).

mini|Raub der Thetis: Peleus dringt beim brennenden Altar ein, wo Nereiden tanzen, Knickfries-Sianaschale des C-Malers, um 560 v. Chr., Staatliche Antikensammlungen mini|Boxer auf einer Doppeldecker-Sianaschale, in der Art des Heidelberg-Malers, um 575–550 v., Louvre