Die Mercedes-Benz Baureihe 212 (E-Klasse) ist ein Pkw-Modell der oberen Mittelklasse von Mercedes-Benz, das von Anfang 2009 bis Januar 2016 (Limousine) bzw. Mai 2016 (Kombi) gebaut wurde.

Es löste den Vorgänger Baureihe 211 ab und ist als Limousine (W 212) oder Kombi (S 212) verfügbar. Für den chinesischen Markt wird eine Langversion angeboten (V 212). Coupé und Cabriolet bilden als C 207, bzw. A 207 die eigenständige Baureihe 207.

Modellgeschichte Allgemeines Die Premiere der Limousine fand am 10. Januar 2009 auf der Detroit Motor Show statt, die Auslieferung begann am 28. März 2009. Das T-Modell, die Kombi-Version, wurde ab dem 21. November 2009 ausgeliefert.IAA 2009: Das neue E-Klasse T-Modell, 14. September 2009

Im Vergleich zum Vorgängermodell erscheint das Fahrzeug kantiger und wuchtiger. Das durch die Baureihe 210 1995 eingeführte „Vier-Augen-Gesicht“ wurde durch eckige Scheinwerfer ersetzt.

Das Automatikgetriebe der Sechs- und Achtzylindermotoren wird nun mit einem Wählhebel an der Lenksäule bedient, das der Vierzylindermotoren wurde bis September 2011 über den Schaltknauf in der Mitte bedient. Seit Anfang Oktober 2011 haben auch die Vierzylinder-Modelle, die mit der Siebengang-Automatik ausgestattet sind, den Wählhebel an der Lenksäule. Der E 350 BlueTEC ist seit September 2013 das weltweit erste mit einer Neungangautomatik ausgestattete Auto.Bauer Digital KG (2013): Mercedes E-Klasse 2013: 9-Gang-Automatik im E 350 BlueTec. Abgerufen am 29. August 2013.

Technologie und Innovation Im Vergleich zum Vorgängermodell wurde die statische Verwindungssteifigkeit um bis zu 30 % erhöht. Während der Entwicklung lag der Fokus insbesondere auf der Optimierung der Verbindungsstellen zwischen Fahrwerk und Karosserie sowie zwischen Antriebsstrang und Karosserie. Dadurch konnten Vibrationen reduziert und weniger stark an die Karosserie weitergeleitet werden.

Die Fahrwerkstechnik wurde neu entwickelt. Ein amplitudenabhängiges Dämpfungssystem, das auf hydromechanischem Weg funktioniert, Direct Control-Fahrwerk genannt, und dabei ohne Sensorik und Elektronik auskommt, ist serienmäßig. Bei normaler Fahrweise verringern sich die Dämpfkräfte automatisch – bei größerer Anregung am Stoßdämpfer, beispielsweise bei einer schnellen Kurvenfahrt, aktiviert sich die maximale Dämpfkraft und das gesamte Fahrzeug wird stabilisiert. Für die Vorderachse entwickelte man ein Dreilenkersystem mit MacPherson-Federbeinen. Durch Einsatz von Aluminium verringerte sich das Gewicht der Vorderachse gegenüber dem Vorgänger um 12 %. Die Federbeine sind aufrecht eingebaut, wodurch die auf das Zugstrebenlager wirkenden Kräfte verringert werden. Hinten ist eine Raumlenkerachse eingebaut, die im Vergleich zur ursprünglichen Entwicklung aus den 1980er Jahren weiter modifiziert wurde. Um das Gewicht des Autos zu verringern, sind Streben und Radträger überwiegend aus Aluminium hergestellt. Lediglich der Fahrschemel besteht aus hochfestem Stahlblech. Außer dem Direct Control-Fahrwerk gibt es serienmäßig für die Ausstattungslinie Avantgarde und für alle anderen gegen Aufpreis das Agility-Control-Fahrwerk. Es ist mit stärkeren Drehstabstabilisatoren sportlicher abgestimmt und die Karosserie um 15 Millimeter tiefergelegt. Als dritte Fahrwerksoption steht die Airmatic genannte Luftfederung zur Wahl.

Auch die Lenkung wurde neu entwickelt. Serienmäßig ist eine servounterstützte Zahnstangenlenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Lenkkraftunterstützung (Parameterlenkung). Durch eine andere Auslegung der Mittellager sind das Ansprechverhalten und der Lenkkomfort gegenüber dem Vorgänger verbessert worden. Eine Direktlenkung ist als Sonderausstattung erhältlich. Mit zunehmendem Lenkradwinkel wird die Übersetzung direkter, wodurch die Lenkradbewegungen, beispielsweise beim Einparken oder beim Durchfahren eines Kreisverkehrs, verringert werden.

Alle Sitze haben innen gefüllte Pfeifen, was bedeutet, dass unter dem Stoff- oder Lederbezug eine zusätzliche Schaumstofffüllung eingearbeitet ist. Bei dem Basismodell und der Ausstattungslinie Avantgarde sind die Sitzbezüge in Querrichtung konturiert, bei Elegance – in Erinnerung an das Sitzdesign der 1960er- und 1970er-Jahre bei Mercedes – in Längsrichtung. Auch die Dicke des Schaumstoffes ist nicht an allen Stellen des Sitzes gleich und variiert an insgesamt acht Stellen je nach aufliegendem Körperteil. Das Gewebe der Stoffe hat einen bis zu 30-prozentigen Anteil an Wolle, wodurch sich die Feuchtigkeitsaufnahme bei hohen Temperaturen verbessert. Der Fahrersitz ist serienmäßig mit einer Lordosenstütze ausgestattet, mit der die Lendenwirbelsäule abgestützt wird. In Verbindung mit der als Sonderausstattung erhältlichen Memory-Funktion, sind Fahrer- und Beifahrersitz mit einer elektropneumatisch einstellbaren Vier-Wege-Lordosenstützen ausgestattet, durch die sich die Stütze seitlich, in der Höhe sowie in der Ausprägung justieren lässt. Im Vergleich zum Vorgänger ist die Lehnenhöhe um gut 30 % vergrößert.

Die Karosserie ist um 16 Millimeter länger, 10 Millimeter niedriger und 32 Millimeter breiter als die des Vorgängermodells. Auch der Radstand ist 20 Millimeter größer.

Die Oberfläche der Instrumententafel, die auf Wunsch zweifarbig gestaltet werden kann, besteht aus einer Haut aus Polyurethanschaum. Sie ist zusätzlich hinterschäumt. In Verbindung mit dem optional erhältlichen Exklusiv-Paket ist die Instrumententafel mit Planware kaschiert und durch Ziernähte akzentuiert. Zudem sind bei dem Paket Dachhimmel, Sonnenblenden und Säulenverkleidungen mit Alcantara bezogen. Das Handschuhfach bietet rund 6,8 Liter Fassungsvermögen und kann durch die Klima-Automatik gekühlt werden. Zusätzlich sind eine Zwölf-Volt-Steckdose und eine Anschlussbuchse für ein externes Audiogerät integriert. Auf Wunsch findet hier auch die Medien-Schnittstelle zum Anschluss eines MP3-Spielers Platz.

Den Fahrer informieren fünf Instrumente über Fahrgeschwindigkeit, Motordrehzahl, Uhrzeit, Kühlmitteltemperatur und Tankinhalt. Mit der sogenannten „Black-Panel-Technik“ sind die auf die einzelnen Rundinstrumente verteilten Warn- und Kontrollleuchten nur beim Einschalten der Zündung oder bei einer Störung sichtbar. In der Mitte des großen Tachometers ist ein zweiteiliges, weiß hinterleuchtetes monochromes Zentral-Display mit einer Diagonale von 4,5 Zoll eingebaut, das im oberen Bereich für wechselnde Anzeigen (zum Beispiel Kilometerstand, Reichweite, Fahrstrecke, Verbrauch) genutzt werden kann. Seit Sommer 2011 ist es ein Farbdisplay.

Mittig im Cockpit sitzt ein Farb-Display im 16:9-Format, das über alle Funktionen des Infotainmentsystems Comand informiert, wobei je nach Gerät verschiedene Größen angeboten werden. Für die Geräte Audio 20 und Audio 50 APS handelt es sich um ein Display mit 5,8-Zoll, bei Comand APS um 7,0 Zoll. Die Geräte werden über einen Controller in der Tunnelverkleidung bedient.

Für die 2013er-Generation wurde ein Geisterfahrerwarnsystem eingeführt.

Serienausstattung mini|Interieur bei Ausstattungslinie Avantgarde (2009–2012)

Zu der Serienausstattung (ehemals Ausstattungslinie Classic) gehört unter anderem die Klimatisierungsautomatik Thermatic, die die Lüftung und Temperatur mit Hilfe von Sensoren für Fahrer und Beifahrer regelt, ein gekühltes Handschuhfach und im Fondbereich zwei Luftaustrittsöffnungen bietet. Das Direct-Control-Fahrwerk mit adaptivem Dämpfungssystem passt die Stoßdämpfer automatisch der Fahrsituation an. Der erstmals bei Mercedes erhältliche Attention Assist analysiert das Fahrverhalten, warnt den Fahrer im Geschwindigkeitsbereich zwischen 80 und 180 km/h, sobald Anzeichen von Ermüdung oder Unachtsamkeit entdeckt werden, und mahnt zu einer Pause. Die Serienausstattung umfasst außen unter anderem Heckleuchten in LED-Technik (außer Blinkleuchten), Tagfahrlicht mit Halogentechnik vorne neben den Nebelscheinwerfern, H7-Projektionsscheinwerfer, Kühlergrill mit drei verchromten Lamellen, 16-Zoll-Leichtmetallräder mit neun Speichen (17 Zoll bei Allradantrieb 4Matic). Im Interieur gibt es ein Kombiinstrument mit fünf analogen Rundinstrumenten, ein Multifunktionslenkrad mit Nappaleder mit 12 Tasten sowie Zierteile in Eukalyptusholz (auf Wunsch auch in Aluminium), Reifendruckkontrollsystem, Regensensor und Lichtsensor, vier elektrische Fensterheber sowie elektrische Höhen- und Lehnenverstellung der Vordersitze. Als Radiosystem wird mit Radio Audio 20 ein Radio- und CD-System angeboten, Bestandteil ist auch ein zentrales Farbdisplay oberhalb der Mittelkonsole. Bedient wird das Gerät über einen Controller mit Drucktasten auf der Konsole zwischen den Sitzen. Er ergänzt die Bedienmöglichkeiten des Multifunktionslenkrades.

Modifiziert werden kann die Serienausstattung mit zwei Ausstattungslinien, Elegance und Avantgarde genannt, sowie mit einem Exklusiv-Paket, einem Sport-Paket Exterieur und einem Sport-Paket AMG.

Bei der Linie Elegance ist der Bordkantenzierstab in Edelstahl poliert; Chromzierstäbe sind seitlich und an den Stoßfängern vorne und hinten angebaut. Der Kühlergrill erscheint mit vier verchromten Lamellen und es gibt seit 2012 17-Zoll-, bis 2011 16-Zoll-Leichtmetallräder mit zehn 10-Doppelspeichen (17 Zoll bei 4MATIC). Im Interieur gibt es Ablageboxen unter den Vordersitzen sowie in der Mittelkonsole, eine Beleuchtung hinter den Zierteilen und in den Türen. Die Zierteile sind in Nussbaumwurzelholz gehalten, auf Wunsch in braun gebeizter Esche. Die Linie Avantgarde umfasst über die Linie Elegance hinaus unter anderem eine um 15 mm tiefergelegte Karosserie, einen Kühlergrill mit drei verchromten Lamellen, eine leicht geänderte Frontschürze, 17-Zoll-Leichtmetallräder mit 5 Doppelspeichen, seit September 2011 eckige, fest in die Heckstoßstange integrierte Endrohre, bis 2011 auch das sogenannte Intelligent Light System (unter anderem mit Bi-Xenon-Scheinwerfern, Tagfahrlicht und LED-Blinklicht – aber ohne Adaptiven Fernlicht-Assistenten) und Zierteile in dunkler Esche (wahlweise Aluminium). Ab Anfang 2012 erhalten Modelle mit der Ausstattungslinie Avantgarde darüber hinaus ein neues Dreispeichen-Lederlenkrad aus dem CLS.

Das Exklusiv-Paket bietet Dachhimmel, Säulen und Sonnenblenden in Alcantara in Grau oder Beige, Fussmatten in Velours, Instrumententafel und Türverkleidung mit Ziernähten sowie Sitze mit Nappaleder. Das Sport-Paket Exterieur verfügt über 18-Zoll-Leichtmetallräder im Fünf-Speichen-Design, vergrößerte und gelochte Bremsscheiben vorne sowie über das sportlicher abgestimmte, Direct Control-Fahrwerk mit tiefergelegter Karosserie. Außerdem sind alle Modelle, die mit diesem Paket ausgestattet sind, an den eckigen, fest in der Heckstoßstange integrierten Endrohren erkennbar. Anfang 2012 wurde das Sport-Paket Exterieur um Front- und Heckschürze sowie Seitenschweller in AMG-Optik aus dem Sport-Paket AMG ergänzt. Das Sport-Paket AMG umfasst unter anderem 18-Zoll-AMG-Leichtmetallräder, AMG-Styling an Front, Seitenschweller und Heck, seit September 2011 eckige, fest in der Heckstoßstange integrierte Endrohre, sportlicher abgestimmtes Direct-Control-Fahrwerk, AMG-Lenkrad, Sportpedalanlage (Pedalanlage aus gebürstetem Aluminium), Schaltwippen am Lenkrad in Verbindung mit Automatikgetriebe sowie schwarzem Dachhimmel.

Änderungen während der Modelljahre Seit Juli 2009 war der E 200 CGI BlueEFFICIENCY mit Start-Stopp-System bestell- und seit September 2009 lieferbar. Serienmäßig wurde der Becken-Airbag für Fahrer und Beifahrer eingebaut.

Zum Sommer 2010 konnte das Paket MercedesSport als Sonderausstattung bestellt werden (siehe dazu auch unten). Ebenfalls ab diesem Modelljahr wurde das LED-Tagfahrlicht mit einer anderen Anreihung ausgeliefert, die bisherige Bumerangform wurde ausschließlich dem AMG-Sportpaket vorbehalten und ansonsten durch eine LED-Leiste ersetzt. Parallel dazu erhielt die Ausstattungslinie Avantgarde serienmäßig das Intelligent Light System inklusive des Fernlichtassistenten, der bislang Sonderausstattung war.