mini|MTB 5, ein frühes 60-ft-Boot von British Power Boat Die britischen Motortorpedoboote () wurden unter dem Akronym MTB bekannt. Es waren größtenteils hölzerne Schnellboote von rund 20 bis 24 m Länge und 40 bis 50 t Verdrängung, die – was sie von den klassischen, dampfgetriebenen Torpedobooten unterscheidet – von Verbrennungsmotoren (mit wenigen Ausnahmen Benzinmotoren) angetrieben wurden. Überwiegend als Gleitboote ausgelegt, konnten sie bei ruhiger See zum Teil Geschwindigkeiten von weit über 40 Knoten (kn) (>74 km/h) erreichen. Die Bewaffnung bestand aus bis zu vier Torpedos, Maschinengewehren (MG) und teilweise Maschinenkanonen.
Die ersten Motortorpedoboote setzte Großbritannien bereits im Ersten Weltkrieg unter der Bezeichnung CMB ein, gab das Konzept zwischen den Weltkriegen aber wieder auf. Während des Zweiten Weltkriegs kamen dann über 400 MTB in verschiedenen Ausführungen um die britischen Inseln und im Mittelmeer zum Einsatz. Sie standen auch Pate bei der Entwicklung der US-amerikanischen sogenannten PT-Boote, deren Produktionszahl während des Krieges noch höher war. Nach dem Krieg wurde die Anzahl der MTB drastisch reduziert und in den 1950er Jahren nur noch etwa 35 Boote neu gebaut. Ende der 1960er löste die Royal Navy dann die letzten MTB-Flottillen auf.
Bezeichnung Die Royal Navy entwickelte Schnellboote im Ersten Weltkrieg unter der Bezeichnung Coastal Motor Boat (englisch für „Küstenmotorboot“) abgekürzt CMB, schaffte diese aber nach dem Krieg wieder ab. Erst mit der Wiederaufnahme des Schnellbootkonzepts ab 1932 wurde für Boote mit Torpedos und nur schwacher sekundärer Bewaffnung die Bezeichnung als Motor Torpedo Boats oder MTB eingeführt und diese von den Motor Gun Boats (englisch für „Motorkanonenboote“) oder MGB mit Artilleriebewaffnung, aber ohne Torpedos, unterschieden. Ebenfalls als MTB bezeichnen z. B. die kanadische, norwegische und US-Marine vergleichbare Boote. mini|Ein MGB, der gleiche Rumpf wurde auch für MTB verwendet Innerhalb dieser Typklassen war die Einteilung uneinheitlich, außerdem wechselten Boote auch durch Umrüstung die Zuordnung und mit den „Fairmile-Booten“ (s. u.) entstand eine Mischform, die fast willkürlich zugeordnet wurde. Da man vor dem Zweiten Weltkrieg den kleinen Booten vor allem eine Aufgabe in der Sicherung der Küsten zudachte, erhielten alle Boote eine Kennung mit dem Buchstaben P für Patrol.
Die MTB erhielten keine Namen, sondern fortlaufende Nummern, im Wesentlichen von P1 bis P539. Dabei wurden die Nummern aber den verschiedenen Herstellern jeweils für eine projektierte Anzahl von Booten zugewiesen, die zum Teil parallel abgearbeitet wurden, von denen aber auch ganze Nummernfolgen nie benutzt wurden. Darum ergibt die Nummerierung keine Chronologie.Angus Konstam: Britisch Motor Torpedo Boat 1939–45. Osprey Publishing, Oxford 2003, ISBN 1-84176-500-7, S. 42–44.
Am weitesten verbreitet ist die Einteilung nach Länge und Hersteller der Boote. Dazu kamen zum Teil Versionsangaben etwa in Form von 72 Foot Vosper Type I oder 72 Foot British Power Boat Mark V. Die Längenangabe in Fuß (ft) ist dabei oft gerundet. Die genaue Ausstattung mit Motoren und Waffen hing dann vom Fertigungszeitpunkt ab. Insgesamt ergibt sich daraus eine Vielfalt von Varianten.
Die Nachkriegsklassen waren von vornherein als Vielzweckfahrzeuge konzipiert und dazu ausgelegt auch als MGB, aber auch als schnelle Minenleger oder U-Jäger umgerüstet und eingesetzt werden zu können, so dass die Bezeichnung als MTB nicht mehr eindeutig möglich ist.
Geschichte Entwicklung Hersteller Die Entwicklung der britischen Schnellboote wurde im Wesentlichen von drei Herstellern getragen, aber viele andere Werften, auch in Kanada und den USA, fungierten als Zulieferer von Teilaufträgen oder fertigten für diese in Lizenz.
Im Ersten Weltkrieg war der einzige Produzent John I. Thornycroft & Company Limited. Obwohl die Werft die Produktion in der Zwischenkriegsphase für den Export fortsetzte, verpasste sie die Entwicklung neuer Bootskonzepte und war im Zweiten Weltkrieg nur noch in geringem Umfang beteiligt. Das Unternehmen Thornycroft baute während des Ersten Weltkriegs CMB für die Royal Navy mit 40 und 55 ft (ft) Länge, sowie später MTB mit 72 und 75 ft Länge. mini|Drei 72 ft British Power Boat MTB 1944 auf Schnellboot-Abwehrpatrouille Die British Power Boat Company (BPB) setzte die ersten Impulse in der Neubelebung des Schnellbootdesigns vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, fiel dann aber anscheinend aufgrund persönlicher Differenzen zwischen Entscheidungsträgern in der Werft und der Admiralität in der Bedeutung als MTB-Produzent zurück. Allerdings war die Werft noch stärker an der Produktion von MGB beteiligt. BPB baute vor dem Krieg Boote von 60 ft und während des Krieges nur noch solche mit 72 ft Länge.
Vosper & Company trat als letzte der drei Firmen in das Rennen um Aufträge ein, wurde dann aber der Hauptlieferant für Motortorpedoboote und lieferte schließlich über zwei Drittel aller Boote. Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb Vosper als einziger Lieferant. Im Jahre 1966 erfolgte der Zusammenschluss mit Thornycroft, allerdings zu einer Zeit als das MTB-Konzept schon nicht mehr verfolgt wurde. Vosper baute Boote mit 60, 70, 72 und 73 ft Länge.
Weiterer Hersteller war die Fairmile Marine Company, die im Schnellbootbau zunächst als Subunternehmer von Vosper aktiv auftrat. Fairmile produzierte selbstständig vor allem Küstenschutzboote, brachte dann aber als Eigenentwurf die sogenannten „Fairmile 'D'“ Boote heraus, die überwiegend als MGB klassifiziert wurden. Einige vergleichbare Boote produzierte auch Camper & Nicholson. Außerdem kamen in geringer Stückzahl Boote nach Eigenentwürfen von J. S. White sowie Prototypen anderer Werften zum Einsatz. Die Boote (PT-Boote), die von der US Navy überlassen wurden, stammten von den Herstellern Electric Launch Company (Elco) und Higgins Industries.
CMB Die Entwicklung britischer MTB geht zurück auf das Jahr 1915, als Offiziere einen Plan ausarbeiteten, mit schnellen Motorbooten geringen Tiefgangs deutsche Minensperren zu überfahren, um die deutsche Küstenschifffahrt anzugreifen. Davon ausgehend spezifizierte die Admiralität die Anforderungen dahin gehend, dass die Boote einen 18-inch-Torpedo (≈45,72 cm) tragen und dabei über 30 Knoten (kn) erreichen sollten. Da geplant war, die Boote in den Davits von leichten Kreuzern an ihren Einsatzort zu bringen, sollten sie nicht schwerer als 4,5 tons und nicht länger als 40 ft (≈12,2 m) sein.
Die auch für den Bau luxuriöser Motoryachten bekannte Thornycroft-Werft erhielt den Zuschlag für zunächst sechs Boote. Ab 1916 baute die Werft während des Ersten Weltkrieges insgesamt 66 CMB, wobei ab 1917 eine weiterentwickelte Version von 55 ft (≈16,76 m) Länge mit zwei Torpedos zum Einsatz kam. Zu dieser Zeit hatte sich der Plan, die Boote als Beiboote von Kreuzern mitzuführen, schon als unpraktikabel erwiesen.
Nach dem Krieg wurden zunächst noch einzelne größere Boote zu Erprobungszwecken beschafft,Aufstellung der Einheiten der Royal Navy (englisch) dann verfolgte die britische Admiralität das Konzept nicht weiter und veräußerte die noch vorhandenen Boote an andere Länder oder stellte sie außer Dienst.
Die Herstellerfirma Thornycroft produzierte weiterhin für ausländische Marinen Boote auf Grundlage des 55-ft-Modells, so dass zu Beginn des Zweiten Weltkrieges mehrere fertiggestellte CMB verfügbar waren oder sich in Produktion befanden und von der Royal Navy übernommen werden konnten. Diese erwiesen sich aber schnell als überholt und die Produktion lief zugunsten modernerer Typen bis 1942 aus.
MTB Erst 1932 nahm die britische Admiralität die Schnellbootidee wieder auf und erteilte 1935 einen Auftrag für zunächst eine sogenannte Flottille mit sechs Booten an die British Power Boat Company, nun unter der Bezeichnung MTB. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs besaß die britische Marine drei Flottillen mit jeweils sechs dieser Boote.
Diese ersten Boote waren mit zwei 18-inch-Torpedos sowie zwei 0,303-inch-Maschinengewehren aus dem Ersten Weltkrieg bewaffnet.
mini|Im Mittelmeereinsatz. Ein in Lizenz in den USA gefertigtes 72-ft-6-inch-Vosper-Boot folgt einem 78-ft-Boot von Higgins (ehemaliges PT-Boot) in Kiellinie
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden etwa 450 Boote gebaut, die auf allen Kriegsschauplätzen zum Einsatz kamen. Allerdings sind in dieser Zahl auch 12 Experimentalboote eingeschlossen, die nie in den Kampfeinsatz kamen und einige Boote, die anderen Verwendungen zugeführt wurden,Angus Konstam: British Motor Torpedo Boat 1939–45. Osprey Publishing, Oxford 2003, ISBN 1-84176-500-7, S. 47. wie die acht untermotorisierten 75-ft-(≈22,86-m)-Boote von Thornycroft, die nach kurzer Zeit als Zielschleppboote eingesetzt wurden. Etwa 60 Boote gaben die Briten auch an andere Marinen ab. Im Gegenzug stellte die Royal Navy 21 Boote aus US-Produktion in Dienst, die im Rahmen des Lend-Lease-Programms von den USA gestellt wurden.Angus Konstam: British Motor Torpedo Boat 1939–45. Osprey Publishing, Oxford 2003, ISBN 1-84176-500-7, S. 18.
Nach Querelen des Chefkonstrukteurs von BPB mit der Admiralität stieg Vosper zum Hauptlieferanten von Schnellbooten für die Royal Navy auf. Der am weitesten verbreitete Typ war schließlich das 72-ft-(≈22-m)-Vosper-Boot. Der Konstrukteur von BPB Hubert Scott-Payne verließ England und beteiligte sich an der Entwicklung der US-PT-Boote vor allem in Zusammenarbeit mit Elco.Angus Konstam: British Motor Torpedo Boat 1939–45. Osprey Publishing, Oxford 2003, ISBN 1-84176-500-7, S. 6–7.
MGB/MTB mini|Fairmile-D-Boot in der MGB-Konfiguration
Speziell um der Bedrohung durch deutsche Schnellboote zu begegnen, entwickelte man einen Bootstyp, der sich der üblichen Klassifizierung entzog und darum in den Aufstellungen uneinheitlich aufgeführt ist. Diese Boote nehmen eine Sonderstellung unter den MTB ein und werden darum an dieser Stelle gesondert auch mit ihren technischen Details dargestellt.
Ab 1942 wurden unter Führung der Fairmile Marine Company über 200 sogenannte Fairmile-D-Boote mit 115 ft (≈35 m) Länge und etwa 100 tons Verdrängung produziert, die eine Weiterentwicklung der von Fairmile in großer Zahl gebauten Küstenschutzboote (Motor Launch) darstellten. Sie sollten die Anforderungen von MGB und MTB gleichzeitig erfüllen. Zwei Drittel der Boote rechnete man zu den MGB, zum Teil wurden die Boote aber auch gar keiner der Klassen mehr zugeordnet und als MGB/MTB geführt. Außerdem werden Boote doppelt aufgeführt, da sie nach Umrüstungen umklassifiziert wurden. Inoffiziell nannte man sie „Dog Boats“. Die Boote trugen Kennungen von P600 bis P800 und einige P5000er Nummern.
Die Boote waren Rundspantboote und relativ unempfindlich gegen raue See. Der Antrieb erfolgte mit vier Packardmotoren (insges. 4800 PS), die auf vier Wellen wirkten. In der schwereren MTB-Ausstattung erreichten die Boote damit nur etwa 27 kn und hatten eine Reichweite von etwa 500 sm bei voller Fahrt und bis zu 2000 sm bei 11 kn. Einige der Boote setzte auch die RAF wegen der großen Reichweite und Wetterunempfindlichkeit ganz oder zeitweise als Langstreckenrettungsboote für abgeschossene Piloten ein.
Schon 1940 baute Camper&Nicholson im Auftrag der türkischen Marine acht Boote von 117 ft Länge und 95 tons Verdrängung, die nach ihrer Fertigstellung von der Royal Navy übernommen wurden. Zu dieser Zeit bestand allerdings noch kein definierter Bedarf an solchen Booten, sie entsprachen aber weitgehend dem, was zwei Jahre später auch von Fairmile entwickelt wurde. Fünf von diesen Booten wurden zu Blockadebrechern mit 45 tons Zuladung umgebaut, die vor allem Kugellager und Maschinenwerkzeuge aus Schweden holten. 1944 erfolgte dann ein Auftrag über weitere zehn Boote, die allerdings vor dem Kriegsende nicht mehr zum Einsatz kamen.