Die deutsch-argentinische Militärkooperation bestand zum einen im Austausch bei der Ausbildung von Offizieren (von 1900 bis 1944), zum anderen in deutschen Waffenexporten nach Argentinien (vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg).
Deutsche Offiziere als Lehrer an der Escuela Superior de Guerra und als Militärberater Am 7. März 1900 wurde von Präsident Julio Argentino Roca die Escuela Superior de Guerra (Kriegsschule) in Buenos Aires eröffnet. Die Vorarbeiten für deren Gründung hatte General Luis María Campos geleistet. Ihr erster Dekan war der deutsche Oberst (und spätere General) Alfred Arent. Auch vier der ersten zehn Dozenten waren deutsche Offiziere.Fernando García Molina: Apogeo de la influencia militar alemana sobre el ejército argentino (1904–1910). In: Enrique M. Barba, In Memoriam. Estudios de Historia dedicados por sus amigos y discípulos. America Edita, Buenos Aires 1994, ISBN 950-43-5780-6, S. 233–251. Der argentinische Militärattaché in Berlin hatte sie angeworben. Unterrichtet wurden Kriegsgeschichte, allgemeine und Militärgeografie, Topografie, militärische Planspiele, Taktik, Heeresorganisation, Waffenkunde und Ballistik, Festungsbau usw.Guillermo Palombo: Bajo el águila prusiana. La influencia militar prusiana en el Ejército Argentino. In: Anales, Universidad Católica de La Plata, Facultad de Ciencias Sociales, Jg. 2005, S. 23–31.
Die deutschen Dozenten der Escuela Superior de Guerra Folgende deutsche Offiziere waren an der Escuela Superior de Guerra tätig:Enrique Rodolfo Dick: La profesionalización en el Ejército Argentino (1899–1914). Academia Nacional de la Historia, Buenos Aires 2014.
Vollständiger NameBeginnEnde Alfred Arent 1899 1902 Hans von Below 1906 1910 Günther Bronsart von Schellendorff 1900 1904 Edwin Brüggerman Ferno 1911 1914 Hermann Denk 1911 1914 Wilhelm Faupel 1911 1914 Georg Felgenhauer 1899 1902 Franz von Gagern 1913 1914 Friedrich von der Goltz 1907 1911 Carl Alexander Krethlow, Generalfeldmarschall Colmar Freiherr von der Goltz, Eine Biographie, Paderborn 2012, S. 280 Friedrich Heussler 1911 1914 Johann Kestens 1904 1908 Eberhard F. F. Kintzel 1903 1906 Herbert von Kleist 1906 1906 Rollo von Kornatzki 1900 1902 Wilhelm Hans Kretzschmar 1907 1912 Karl von Lücken 1906 1910 Gustav Adolf E. Moshack 1903 1906 Etienne Perrinet von Thauvenay 1907 1911 Herrmann von Pfistermeister 1913 1914 Alfred W. Poten 1909 1914 Ernst Pusch 1909 1912 Albrecht Reinecke 1906 1911Albrecht Reinecke: Síntesis sobre historia de la civilización argentina. Essener Verlagsanstalt, Essen 1939Albrecht Reinecke: 1936-1938 Director do Instituto Ibero-Americano (PDF; 130 kB). S. 4 Heinrich-Unico von Ripperda-Cosyn 1900 1902 Richard Schlegner 1911 1912 Bertrand Schunck 1899 1902 Hans Weiland 1911 1914 Hans Wilde 1912 1914
Dominanz deutscher Reformprogramme für Argentinien Umgekehrt kamen zwischen 1902 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs – Militärattachés, Armeeärzte und junge Kadetten mitgerechnet – 196 Offiziere nach Deutschland.Enrique Rodolfo Dick: Los oficiales del Ejército Argentino que se capacitaron en Alemania entre los años 1900-1914 y sus familias. In: Temas de historia argentina y americana, Jg. 16 (2010), S. 177–187, hier S. 180. Sie wurden in verschiedene deutsche Regimenter und Einheiten abkommandiert, auch in die Preußische Kriegsakademie, die Militärtechnische Akademie, auf Schießplätze und zu Manövern. Ein hoher Anteil der nach Deutschland entsandten Offiziere (59 der 196) stiegen später bis in den Generalsrang auf.Enrique Rodolfo Dick: Los oficiales del Ejército Argentino que se capacitaron en Alemania entre los años 1900-1914 y sus familias, hier S. 181. Zwei wurden Generalstabschefs, einer, José Félix Uriburu, nach einem Militärputsch argentinischer Präsident.Enrique Rodolfo Dick: Los oficiales del Ejército Argentino que se capacitaron en Alemania entre los años 1900-1914 y sus familias, hier S. 183.
Nachdem Deutschland vor allem seit 1907 mit militärischen Kooperationen in Argentinien Fuß gefasst hatte, war das nächste Ziel, daraus auch politisches und wirtschaftliches Kapital zu schlagen. Die hier immer noch bestehende Vorherrschaft Großbritanniens sollte gebrochen, um damit dann eigene Ziel verfolgen zu können. Anfang 1910 war aus Anlass der Hundertjahrfeier zur Unabhängigkeit Argentiniens von der spanischen Kolonialmacht die Entsendung eines deutschen General befürwortet worden. Dieser Besuch hatte eine politische und eine militärische Bedeutung. So waren in den letzten Jahren die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland gefestigt und das argentinische Heer befand sich in der Umstrukturierung. Unter den als deutsche Instrukteure im Land weilenden deutschen Offiziere befand sich auch der Sohn des Generaloberst Colmar von der Goltz, Friedrich von der Goltz (1873–1945). Am 25. Mai 1910 wurde er ausgewählt, Deutschland in Argentinien zu vertreten und im Namen des Kaisers die Glückwünsche aussprechen zu dürfen. Dazu wurde er in den Rang als „außerordentlicher deutscher Gesandter“ erhoben. Daneben war es Ziel, zur weiteren Unterstützung Argentinien, Bolivien und Chile deutsche Hilfe in Form von militärischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Reformprogrammen anzubieten. Jürgen Schaefer: Deutsche Militärhilfe an Südamerika. Militär- und Rüstungsinteressen in Argentinien, Bolivien und Chile vor 1914. Bertelsmann-Universitäts-Verlag, Düsseldorf 1974, ISBN 3-571-09148-5, S. 86. Dieser Schritt gelang 1910 durch ein klar umrissenes Besuchsprogramm, vorbereitet und begleitet durch die deutsch-argentinische Presse. Nach seiner Rückkehr erstattete von der Goltz Bericht bei Kaiser Wilhelm II. und betonte darin, dass, es gelungen war viele Anreize für deutsche Einwanderung zu schaffen und Investitionen der deutschen Wirtschaft für das Land zu fördern. Carl Alexander Krethlow, Generalfeldmarschall Colmar Freiherr von der Goltz, Eine Biographie, Paderborn 2012, S. 266ff. Damit war Deutschland neben den USA, in Argentinien in harte Konkurrenz mit Großbritannien getreten, den dortigen Vorherrschaftsplatz streitig zu machen.
Nach dem Ersten Weltkrieg: Wilhelm Faupel als Militärberater in Argentinien Während des Ersten Weltkrieges wurde der Militäraustausch unterbrochen. Von 1921 bis 1928 war Wilhelm Faupel Militärberater in Argentinien.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr, Günther Maihold, Günther Vollmer (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Iberoamerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. Vervuert, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-89354-589-1, S. 131–280. Einer seiner Kadetten war Juan Perón. Faupel genoss die Protektion von José Félix Uriburu, damals Inspector General del Ejército, dessen Lehrer er an der Escuela Superior de Guerra gewesen war.
Waffenlieferungen aus Frankreich und dem Deutschen Reich Brasilien, Peru und Uruguay verfügten über französische Militärmissionen und kauften dementsprechend ihre Waffen in Frankreich. Argentinien, Chile und Ecuador hatten bis 1928 Waffenlieferverträge mit deutschen Waffenherstellern und warben in Berlin um Militärberater. Argentinien kaufte von 1864 bis 1913: 125.000 Gewehre und Karabiner Modell 1889, 236.000 Modell 1891 und 157.000 Modell 1909 bei Mauser 1.433 Kanonen bei Krupp dazu Munition, Sprengstoffe, Zünder, Hülsen, Treibpulver, Bajonette, Ferngläser usw. Argentinien stockte seine Waffenkäufe auf, als es schon bald nach Abschluss des Grenzvertrages von 1881 mit Chile zum Streit um den Grenzverlauf am Beagle-Kanal und zum Beagle-Konflikt kam. In den 1890er Jahren wurde die Bewaffnung der argentinischen Armee nahezu ausschließlich bei deutschen Herstellern gekauft.Jürgen Schäfer: Deutsche Militärhilfe an Südamerika. Militär- und Rüstungsinteressen in Argentinien, Bolivien und Chile vor 1914. Bertelsmann-Universitätsverlag, Düsseldorf 1974.
Seit 1923 wurde die Do J als Militär-Wal mit Rolls-Royce „Eagle“-Motoren auch an Argentinien geliefert.
Deutsche Militärinstrukteure in Argentinien (von 1936 bis zum 1. August 1940)
Major Rudolf Berghammer (Kavallerie) Major Otto Kriesche (Luftwaffe) Major Joachim Hans Moehring (Quartiermeister) General Günther Niedenführ (Berater des argentinischen Generalstabs) Oberst Friedrich Wolf (Artillerie)Oliver Gliech, „Die deutsch-argentinischen Militärbeziehungen (1900-1945)“, S. 75 bis 95, 93, online; unter Berufung auf: Newton, Ronald C. (1991): The Nazi Menace in Argentina, 1931–1947. Palo Alto: Pacific Books 1991, S. 115. In: Peter Birle (Hrsg.), Die Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien. Band 135 der Reihe Bibliotheca Ibero-Americana, Vervuert Verlag, Frankfurt am Main 2010, online
Literatur Enrique Rodolfo Dick: La profesionalización en el Ejército Argentino (1899–1914). Academia Nacional de la Historia, Buenos Aires 2014, ISBN 978-987-178-697-8. Enrique Rodolfo Dick: Los oficiales del Ejército Argentino que se capacitaron en Alemania entre los años 1900–1914 y sus familias. In: Temas de historia argentina y americana, Jg. 16 (2010), S. 177–187. Oliver Gliech: Die deutsch-argentinischen Militärbeziehungen (1870-1945). In: Peter Birle (Hg.): Die Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien. Vervuert, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-86527-597-4, S. 75–96. Fernando García Molina: Apogeo de la influencia militar alemana sobre el ejército argentino (1904–1910). In: Enrique M. Barba, In Memoriam. Estudios de Historia dedicados por sus amigos y discípulos. America Edita, Buenos Aires 1994, ISBN 950-43-5780-6, S. 233–251. Guillermo Palombo: Bajo el águila prusiana. La influencia militar prusiana en el Ejército Argentino. In: Anales, Universidad Católica de La Plata, Facultad de Ciencias Sociales, Jg. 2005, S. 23–31. Jürgen Schäfer: Deutsche Militärhilfe an Südamerika. Militär- und Rüstungsinteressen in Argentinien, Bolivien und Chile vor 1914. Bertelsmann-Universitätsverlag, Düsseldorf 1974, ISBN 3-571-09148-5. Elizabeth Barrett White: German Influence in the Argentine Army, 1900 to 1945. Garland, New York 1991, ISBN 0-8153-0413-7.
Einzelnachweise
Kategorie:Militär (Deutsches Reich) Kategorie:Militär (Argentinien) Kategorie:Argentinisch-deutsche Beziehungen