Der Flugplatz Cottbus-Nord ist ein ehemaliger Militärflugplatz im Nordwesten der Stadt Cottbus. In den 1920er Jahren zur zivilen Nutzung errichtet, wurde er ab den 1930er Jahren nachfolgend von der Wehrmacht, der Roten Armee bzw. Sowjetarmee, der NVA, und der Bundeswehr genutzt.
Die Bauten aus der nationalsozialistischen Zeit auf dem Flugplatz Cottbus wurden nach dem Zweiten Weltkrieg weiterverwendet, Neubauten in der DDR-Zeit errichtet und nach der Wiedervereinigung ebenfalls genutzt.
Geschichte Erster Weltkrieg und 1920er Jahre mini|Blick über den Flugplatz auf die Gebäude für den Flugbetrieb (2011) Bereits im Ersten Weltkrieg war ein östlich der Burger Chaussee befindliches Gelände von Februar 1917 bis Juli 1919 von der FEA 12 (Fliegerersatzabteilung) zur Schulung von Flugzeugführern verwendet worden. Unter anderem durchlief dort Cornelius Edzard von Mai bis Oktober 1917 seine fliegerische Grundausbildung.Jan-Bernd Uptmoor: ...denn ich bin ja Bremer Flieger – Cornelius Edzard. Fast vergessen – Ein Fliegerleben. Rießelmann, Lohne 2021, ISBN 978-3-00-071085-8, S. 11. Auf Betreiben der Interalliierten Luftfahrt-Überwachungs-Kommission (ILÜK) musste der Flugbetrieb nach Kriegsende jedoch eingestellt und die Flugplatzgebäude abgerissen werden. Am 22. Juli 1919 erfolgte der vorerst letzte Start eines Flugzeugs.
Im Dezember 1925 wurde die Errichtung eines Verkehrsflugplatzes im Norden von Cottbus beschlossen, nachdem der Magistrat der Stadt im April Untersuchungen für einen geeigneten Standort hatte durchführen lassen. Gleichzeitig wurde der Verein zur Förderung des Flugwesens (D.L.V.) gegründet. Eine erste fliegerische Nutzung des Areals erfolgte ab dem 23. Mai 1927 als Verkehrslandeplatz der „Riesengebirgslinie“ der Luft Hansa mit der Landung eines F-13-Verkehrsflugzeuges. Anschließend wurde der Flugplatz am 26. Mai gleichen Jahres offiziell eröffnet. In den folgenden Jahren vergrößerte sich die Zahl der Flugbewegungen stetig. So fanden im Jahre 1931 7604 Starts und Landungen von Luftfahrzeugen statt. Im Oktober gleichen Jahres erhielt Cottbus die Einstufung als Flughafen I. Ordnung. Bereits zu dieser Zeit war der Flugplatz über einen 4,5 km langen Gleisanschluss der Spreewaldbahn mit dem Bahnhof Cottbus verbunden. Deren Schmalspurgeleise wurde als Teilabschnitt noch bis 1983 betrieben, nachdem der Betrieb der Bahn bereits 1970 eingestellt worden war, und zeitgleich auf Normalspur umgestellt. Die Strecke wurde 1998 stillgelegt und abgebaut.Preuß, S. 120
Anfang Juni 1927 wurde auf dem Cottbuser Flugplatz das beschädigte Flugzeug des Ozeanfliegers Clarence Chamberlin, der bei Klinge notgelandet war, repariert, so dass Chamberlin seinen Flug von Eisleben nach Berlin am 8. Juni fortsetzen konnte. Chamberlin war nur wenige Tage nach Charles Lindbergh als Erstem mit einem Passagier an Bord, Charles Levine, die Atlantiküberquerung gelungen. Ein Jahr später landete als weiterer Höhepunkt in der Geschichte des Platzes die W 33 „Europa“ am 26. Juni 1928 mit den Piloten Hermann Köhl, Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld und James Fitzmaurice, denen zwei Monate zuvor mit einem Flugzeug gleichen Typs die erste Atlantiküberquerung in Ost-West-Richtung gelungen war, in Cottbus. Anlass war die Grundsteinlegung für ein Denkmal zu Ehren Chamberlins. Dieser besuchte am 18. Oktober in Begleitung von Thea Rasche ein weiteres Mal Flugplatz und Stadt.Orphal, S. 11 ff.
1930er Jahre und Zweiter Weltkrieg Ab Mai 1933 entstanden erste Pläne zur militärischen Nutzung des Flugplatzes und ab dem Herbst wurden im nördlichen Teil die ersten Unterkünfte und Wartungshallen durch den Deutschen Luftsportverband errichtet, nachdem der zivile Luftverkehr am 30. September offiziell eingestellt worden war. Aus Verschleierungsgründen, Deutschland war zu dieser Zeit der Besitz einer Luftwaffe verboten, agierte die am 1. Februar 1934 aufgestellte Flugzeugführerschule vorerst als „Deutsche Verkehrsfliegerschule Cottbus“ oder „Fliegerübungsstelle Cottbus des Deutschen Luftsportverbandes“. Einer der Flugschüler war der spätere General der Jagdflieger Werner Mölders. Am 15. Mai 1934 war der Ausbau abgeschlossen und es erfolgte die Aufstellung einiger Aufklärungseinheiten. 1938 entstanden weitere Gebäude auf dem ehemaligen FEA-12-Areal. Im Oktober 1938 wurde in Cottbus aus Teilen der Schlachtgruppe 40 die I. Gruppe des KG 252 aufgestellt und mit Do-17M-Bombern ausgerüstet. Auch erfolgte die Verlegung der mit Ju 87 ausgerüsteten I. Gruppe des Sturzkampfgeschwaders Immelmann. Beide Einheiten verlegten im Mai bzw. August 1939 auf andere Plätze. Stattdessen wurde in Vorbereitung des Überfalls auf Polen die I. Gruppe des Sturzkampfgeschwader 76 stationiert, die wenige Tage später am 15. August 1939 beim Stuka-Flugunfall von Neuhammer 13 ihrer Sturzkampfflugzeuge samt Besatzungen verlor. Im Jahre 1939 wurden die drei sternförmig angelegten Start- und Landebahnen befestigt.
Vom 1. November 1939 bis zum 1. Oktober 1941 lag das Fluganwärterregiment 82 am Platz und bildete Piloten aus. Im Rahmen der Vorbereitungen zum Überfall auf die Sowjetunion diente Cottbus zur Zwischenstationierung und Auffüllung wiederum von Stuka-Einheiten. Ab Anfang Juni 1941 waren das die III./StG 1 sowie Stab und I./StG 2.
1941 siedelte sich die Focke-Wulf GmbH am Platz an und betrieb bis Kriegsende mit etwa 4000 Beschäftigten die Montage des Fernaufklärers Fw 200C und des Jagdflugzeuges Fw 190 sowie dessen Nachfolgemodells Ta 152. Zahlreiche Cottbuser Betriebe wurden dafür als Zulieferer von Bauteilen in die Produktion mit einbezogen. Für den Einflugbetrieb wurde auch der Flugplatz Neuhausen genutzt. Der Transport der Flugzeuge dorthin erfolgte über den hauseigenen Gleisanschluss. 1944 wurde der Platz am 11. April und am 25. Mai zweimal durch US-amerikanische Flugzeuge angriffen, jedoch nur gering beschädigt. Allerdings wurden beim zweiten Angriff die Produktionsanlagen zu 50 % zerstört. Der Ausstoß konnte jedoch nach kurzer Zeit auf 60 % seines Anfangsstandes hochgefahren werden. Anfang Februar 1945 wurde die Fertigung aufgrund des nahen Frontverlaufs eingestellt und das Werk, das zu der Zeit 4656 Angehörige beschäftigte, nach Bremen evakuiert.Reinhold Thiel: Focke–Wulf Flugzeugbau. Hauschild, Bremen 2011, ISBN 978-3-89757-489-2, S. 237.
Mit dem Näherrücken der sowjetischen Truppen wurde Cottbus-Nord ab Januar 1945 Frontflugplatz und von verschiedenen Einheiten genutzt, hauptsächlich durch Teile des Schlachtgeschwaders 77, die mit Schlachtflugzeugen Ju 87G Einsätze gegen die Rote Armee flogen.
Die folgende Tabelle zeigt eine Auflistung ausgesuchter fliegender aktiver Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe, die hier zwischen 1934 und 1945 stationiert waren.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 109–110, abgerufen am 12. September 2014.
Von Bis Einheit AusrüstungApril 1934Dezember 19351.(H)/Aufkl.Gr. 114 (1. Staffel der Nahaufklärungsgruppe 114) Heinkel He 45, Heinkel He 46April 1936September 1937Aufkl.Gr. 212 (Aufklärungsgruppe 212)Oktober 1937Oktober 1938Aufkl.Gr. 52November 1938April 1939Stab, I./KG 252 (Stab und I. Gruppe des Kampfgeschwaders 252)März 1939März 1939II./LG 1 (II. Gruppe des Lehrgeschwaders 1)Heinkel He 111Oktober 1939Oktober 1939I./KG 2Dornier Do 17Juni 1941Juni 1941Stab, I./StG. 2 (Stab und I. Gruppe des Sturzkampfgeschwaders 2)Junkers Ju 879./StG. 1 (9. Staffel des Sturzkampfgeschwaders 1)Juli 1944Juli 1944III./TG 4 (III. Gruppe des Transportgeschwaders 4)Junkers Ju 52Januar 1945Februar 1945I./SG 1 (I. Gruppe des Schlachtgeschwaders 1)I./TG 3Junkers Ju 52Februar 1945März 1945Stab, II., III./SG 77Focke-Wulf Fw 190Februar 1945I./JG 6
Am 23. April 1945 besetzten Einheiten der Roten Armee das Gelände. Zuvor waren die unterirdischen Tankanlagen noch am 21. April durch Wehrmachtseinheiten gesprengt worden.
Nutzung durch die Rote Armee / Sowjetarmee mini|Die ehemalige, 1933/1934 als „Haus Börner“ errichtete Flugleitung (2012) Nach der Einnahme des Flugplatzes nutzten die sowjetischen Luftstreitkräfte diesen in den letzten Kriegstagen als Einsatzflugplatz. Stationiert waren verschiedene mit Jak-3, Jak-9 und La-5 ausgerüstete Jagdfliegerregimenter. Anschließend waren bis 1949 Schlachtfliegereinheiten stationiert, die durch Bomberverbände abgelöst wurden. Diese blieben bis 1952. Das 20. Gardejagdfliegerregiment kam im gleichen Jahr nach Cottbus und übernahm die Ausbildung der ersten KVP-Angehörigen. Die letzten sowjetischen MiG-15-Jäger verlegten bis Oktober 1953 auf andere Plätze der GSBT und der Flugplatz wurde unter deutsche Verwaltung gestellt.
Von Bis Einheit AnmerkungenMai 1945Juni 194511. Gw IAD (11. Gardejagdfliegerdivision), bestehend aus:5. Gw IAP (5. Gardejagdfliegerregiment), 106. GwIAP, 107. Gw IAPAusrüstung mit Jak-3, Jak-9 und La-519451946300. SchAD (300. Schlachtfliegerdivision)mit Stab1946194911. Gw SchAD (11. Gardeschlachtfliegerdivision)mit Stab, Bezeichnung ab 1949 200. Gw SchAD174. Gw SchAP (174. Gardeschlachtfliegerregiment)Ausrüstung mit IL-1019491952unbekanntes FrontbombenfliegerregimentAusrüstung mit Pe-2 und IL-281952195320. Gw IAP (später 20. Gw APIB)Ausrüstung mit MiG-15,Stationierung zur Ausbildung von KVP-Personal,anschließend nach Neu-Welzow verlegt
Nutzung durch die NVA mini|Zwei Mi-24D des KHG-3 in Cottbus Ab 1950 waren die Kriegsschäden beseitigt und der Flugplatz durch Ankauf von Land im Westteil vergrößert worden. Die in Ost-West-Richtung verlaufende Start- und Landebahn wurde 1950/51 verlängert. Die beiden anderen wurden nicht mehr genutzt, sind aber heute noch erkennbar. Am 16. August 1952 wurden in Cottbus das 1. Jagdfliegerregiment aufgestellt und ab 1. Oktober die ersten Piloten für die KVP-Luft – anfangs noch durch sowjetische Lehrer – ausgebildet. Cottbus-Nord gilt somit als Wiege der NVA-Luftstreitkräfte. 1956 musste die Start- und Landebahn wegen des Einsatzes von Strahlflugzeugen der im selben Jahr gegründeten NVA in westlicher Richtung verlängert werden. 1970 wurde Cottbus-Nord nochmals modernisiert und ausgebaut. Von 1956 bis 1982 war das aus dem 1. Jagdfliegerregiment hervorgegangene Jagdfliegergeschwader 1 der Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee in Cottbus stationiert. Auch das Jagdfliegergeschwader 2 der 1. LVD wurde 1956 in Cottbus aufgestellt, 1958 nach Rothenburg und 1961 zum Flugplatz Trollenhagen verlegt. Am 7. März 1969 flog ein Angehöriger und ehemaliger Jagdpilot des JG-1 von Cottbus aus mit einem Verbindungsflugzeug vom Typ Jak-18A entlang der deutsch-polnischen Grenze über die Ostsee und landete auf der Südspitze der dänischen Insel Bornholm. Dies war die einzige geglückte Flucht aus der DDR mit einem Luftfahrzeug der NVA.Claus Gerhard: Der überwachte Himmel. Die staatlichen Sicherungsmaßnahmen der DDR zur Verhinderung von Fluchten mit Fluggeräten. Metropol, Berlin 2020, ISBN 978-3-86331-562-7, S. 309–318.