mini|Heinz Knobloch, 1976 mini|Heinz Knobloch 1982 bei einer Autogrammstunde mini|Berliner Gedenktafel am Haus, Masurenstraße 4, in Berlin-Pankow mini|Gedenktafel in Berlin-Pankow mini|Knobloch-Gedenkstein am Heinz-Knobloch-Platz in Pankow mini|Familiengrab Knobloch auf dem Tolkewitzer Johannisfriedhof in Dresden Heinz Knobloch (* 3. März 1926 in Dresden; † 24. Juli 2003 in Berlin-Pankow) war ein deutscher Schriftsteller und Feuilletonist.
Leben Knobloch war der Sohn eines Reproduktionsfotografen. Die Familie kam 1935 nach Berlin. Knobloch besuchte bis 1942 die Oberschule. Er begann eine Lehre als Verlagskaufmann, wurde aber 1943 für die Teilnahme am Zweiten Weltkrieg eingezogen. Von 1944 bis 1948 war er in den USA und in Schottland in Kriegsgefangenschaft, aus der er zur Arbeitsaufnahme in die sowjetische Besatzungszone ging. 1948 arbeitete er in Berlin als Bürohilfskraft und ab 1949 als Redakteur, ab 1953 bei der neugegründeten Wochenpost. 1952 siedelte er in die DDR über. Von 1954 bis 1960 machte er ein Fernstudium an der Fakultät Journalistik der Karl-Marx-Universität Leipzig, das er als Diplomjournalist abschloss. Ab 1957 war Knobloch verantwortlicher Redakteur im Kulturteil der Wochenpost, wo er dem Genre Feuilleton in der DDR zu neuer Blüte verhalf. Als Vorbilder galten ihm Vertreter des klassischen Feuilletons wie Heinrich Heine, Victor Auburtin, Alfred Polgar oder Kurt Tucholsky. Seine Feuilletons erschienen auch in vielen anderen Zeitungen und wurden in verschiedene Sprachen übersetzt.
Bereits Anfang der 60er Jahre gehörte er auch dem Deutschen Schriftstellerverband der DDR an und veröffentlichte eigene Werke, in denen er seinem feuilletonistischen Stil treu blieb.
Knobloch heiratete 1953 Helga Leutloff, aus der Ehe gingen die Tochter Dagmar (* 1957) und der Sohn Daniel Knobloch (* 1964) hervor.H. K.: Mein Leben zwischen den Zeilen. Fischer TB 14678, Frankfurt a. M. 1999, S. 94. Er starb 2003 im Alter von 77 Jahren, und wurde auf eigenen Wunsch in der Familiengrabstätte auf dem Johannisfriedhof in Dresden-Tolkewitz beigesetzt.
Werk Knobloch ist vor allem durch seine 1000 Feuilletons bekannt geworden, die über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren allwöchentlich in der Wochenpost unter der Kolumnen-Rubrik „Mit beiden Augen“ erschienen und von dem Grafiker und Maler Wolfgang Würfel illustriert wurden. Seine informativen und humorvollen Artikel erreichten eine sehr große Leserschaft. Es liegt eine Vielzahl von Sammelbänden seiner Feuilletons vor. Gleichzeitig beschäftigte er sich mit theoretischen Fragen des Feuilletons als literarischer Gattung, gab auch dazu mehrere Sammelbände heraus, und entdeckte für die Öffentlichkeit Berliner Feuilletonisten der Vergangenheit wieder, wie Auburtin, von dem er in der DDR Feuilletons herausgabSündenfälle. Rütten & Loening, Berlin, 1970; Lizenzausgabe mit Genehmigung des Albert Langen Georg Müller Verlags, München und Wien, und Julius Rodenberg.
Durch intensive Recherchen hat Knobloch mit seinen Büchern auch zur Wiederentdeckung von weiteren Persönlichkeiten und zur Aufklärung bis dahin unbekannter historischer Sachverhalte beigetragen. Sein Buch Herr Moses in Berlin beschreibt den Berliner Philosophen Moses Mendelssohn, in Meine liebste Mathilde porträtiert Knobloch Mathilde Jacob, die Sekretärin Rosa Luxemburgs, Der beherzte Reviervorsteher erzählt die Geschichte um den durch den Polizisten Wilhelm Krützfeld verhinderten Brand der Synagoge in der Oranienburger Straße während der Novemberpogrome 1938. Der arme Epstein bringt Licht in die Geschichte um den Tod des Berliner SA-Mannes Horst Wessel. Sein besonderes Augenmerk galt dem jüdischen Leben in Berlin und er steht in der Tradition der Berliner Aufklärung.
Sein Nachlass befindet sich in der Staatsbibliothek zu Berlin.
Auszeichnungen (Auswahl) 1963: Literaturpreis des FDGB 1965: Heinrich-Heine-Preis des Ministeriums für Kultur der DDR 1979: Goethepreis der Stadt Berlin 1980: Louis-Fürnberg-Preis des Rates des Bezirks Erfurt 1986: Lion-Feuchtwanger-Preis 1986: Nationalpreis der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur 1994: Moses-Mendelssohn-Preis für Toleranz (gemeinsam mit Inge Deutschkron) 1998: Verdienstorden des Landes Berlin
Nachwirkung Nach Knoblochs Tod hat sich in Berlin der „Freundeskreis Heinz Knobloch“ gebildet, um sein Werk und Andenken zu pflegen. des Heinz-Knobloch-Freundeskreises Am 3. März 2005 wurde in Berlin-Pankow die Grünanlage vor dem langjährigen Wohnhaus Knoblochs (zwischen Masurenstraße, Samländischer Straße, Berliner Straße und Mühlenstraße) zeremoniell zum Heinz-Knobloch-Platz umbenannt. Der dort aufgestellte Stein mit Heinz Knoblochs Profil in Bronze stammt von dem Pankower Bildhauer Gerhard Thieme. Am 24. Juli 2013 wurde an Knoblochs früherem Wohnhaus in der Masurenstraße 4 in Berlin-Pankow eine Berliner Gedenktafel angebracht.Berliner Gedenktafel für Heinz Knobloch in Berliner Morgenpost, 19. Juli 2013 Aus Anlass des 100. Geburtstages wurde neben dem Gedenkstein eine Informationstafel durch den Bezirk Pankow und den Freundeskreis Heinz Knobloch am 24. Juli 2026 der Öffentlichkeit übergeben.
Heinz Knobloch hat in Berlin mindestens sechs Gedenktafeln „verursacht“, wie er im Jahr 2000 in einem Interview erklärte. Diese sind auch heute noch im Stadtbild zu finden. Es sind dies:
Mahntafel auf dem Bebelplatz 2 am Alten Palais (jetzt Juristische Fakultät der Humboldt-Universität) Gedenktafel für Moses Mendelssohn, dem jüdischen Aufklärer in Berlin, am Jüdischen Gymnasium Große Hamburger Straße 27 Gedenktafel zur Verhinderung des Brandes der „Neuen Synagoge“ in Berlin durch einen preußischen Polizeibeamten, Oranienburger Straße Gedenktafel und Platzbenennung für Mathilde Jacob, der Vertrauten von Rosa Luxemburg, Rathaus Tiergarten in Moabit Gedenktafel für Lina Morgenstern, Einrichterin der ersten Volksküchen in Berlin, Linienstraße 47 in Berlin-Mitte Gedenktafel für die französischen Opfer des 2. Weltkrieges, Schönfließer Straße 13–19 in Berlin-Reinickendorf
Werke
Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten Ein gewisser Reginald Hinz. (Kurzgeschichten). Eulenspiegel-Verlag, Berlin 1963 Pardon für Bütten. (Erzählung). Mit Illustrationen von Henry Büttner. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 1965 Man sieht sich um und fragt. Verlag der Nation, Berlin 1973
Gesammelte Feuilletons
Monografien Vom Wesen des Feuilletons. Mit Studienmaterial. Verlag Sprache und Literatur, Halle an der Saale 1962 Herr Moses in Berlin. Auf den Spuren eines Menschenfreundes. Buchverlag Der Morgen 1979, 1985, 1993, Taschenbuchausgaben: Das Arsenal 1982, 1987; 1996, Jaron 2006, ISBN 978-3-89773-076-2.„Kurios sind die Varianten der »Herr Moses«-Ausgaben. 1979 in der DDR‚ 1982 als Lizenz im Westen, nach 1991 wegen umstrittener Verlagsrechte (ohne Anhörung des Autors) mehrfach vor Gericht, deshalb 1993 in alter Fassung neu, 1996 mit alten Druckfehlern als Taschenbuch, 1997 in korrigierter Fassung.“ (Aus: Heinz Knobloch: Mit beiden Augen, S. 135) Meine liebste Mathilde. Die Freundin der Rosa Luxemburg. 1985, Fischer, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-596-12803-X. Der beherzte Reviervorsteher. Ungewöhnliche Zivilcourage am Hackeschen Markt. 1989, Jaron 2003, ISBN 3-89773-072-3. Der arme Epstein. Wie der Tod zu Horst Wessel kam. 1993, Aufbau, Berlin 1996, ISBN 3-7466-8021-2. in Focus Nr. 31/1993 Die Suppenlina. Wiederbelebung einer Menschenfreundin. Mit über achtzig Rezepten aus ihrem berühmten Kochbuch. Edition Hentrich, Berlin 1997, ISBN 3-89468-241-8.
Biografisches Nase im Wind – Zivile Abenteuer. Transit, Berlin 1994, ISBN 3-88747-091-5 Eierschecke – Eine Dresdner Kindheit. Transit, Berlin 1995, ISBN 3-88747-104-0 Eine Berliner Kindheit. Jaron, Berlin 1999, ISBN 3-89773-002-2 Mit beiden Augen, Band 1: Von Dresden nach Tennessee. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-14677-1 Mit beiden Augen, Band 2: Mein Leben zwischen den Zeilen. Transit, Berlin 1997, ISBN 3-88747-124-5; Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-14677-1 Das Lächeln der Wochenpost. Jaron, Berlin 2002, ISBN 3-89773-050-2 Schriftwechsel 1997–2003 Heinz Knobloch – Rolf Pfeiffer. Edition Hüne, Berlin 2006, ISBN 3-8334-4468-1 Ein Leben zwischen den Zeilen. Gespräch mit Ludger Bült, 55 Minuten, Ursendung: 27. Dezember 2000, MDR Kultur
Nachworte zu Julius Rodenberg: Bilder aus dem Berliner Leben. Herausgegeben von Gisela Lüttig, Rütten und Loening, Berlin 1987, S. 355–374. ISBN 3-352-00072-7 (Nachdruckt der Erstausgabe von 1885–1887).
Literatur
Knobloch, Heinz. In: Kurt Böttcher (Gesamtredaktion): Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1974; Band 1, S. 478 Christiane Reichart-Burikukiye: „Lauter Ausgrabungen“ – Erinnerung und Gegen-Erinnerung im archäologischen Schreiben in Heinz Knoblochs „Herr Moses in Berlin“. In: Carsten Gansel (Hrsg.): Gedächtnis und Literatur in den „geschlossenen Gesellschaften“ des Real-Sozialismus zwischen 1945 und 1989. Göttingen 2007, S. 187–206.
Gunter Reus: Mit beiden Augen. In: Michael Haller und Walter Hömberg: „Ich lass mir den Mund nicht verbieten!“ Journalisten als Wegbereiter der Pressefreiheit und Demokratie. Ditzingen (Reclam) 2020, S. 264–268. Reus, Gunter: Knobloch, Heinz. Beitrag in der Rubrik „Weltjournalisten und journalistische Persönlichkeiten“ im Journalistikon - Wörterbuch für Journalistik - vom 31. März 2020.
Weblinks
Berlin, ick liebe Dir (Ein Heinz-Knobloch-Abend mit den Schauspielern Hella Stövesand und Frank Ciazynski) Was Flugblätter erzählen (von Heinz Knobloch, aus Ossietzky 5/2002) Werner Standfuß: Freundlicher Umgang. Im Gedenken an Heinz Knobloch Nachruf auf Heinz Knobloch (der Freitag 1. August 2003) Programm der Zeremonien zur Einweihung des Heinz-Knobloch-Platzes (Stadt Berlin online 24. Februar 2005) Heute wäre Heinz Knobloch 80 Jahre geworden: Misstraut den Grünanlagen! (Berliner Zeitung vom 3. März 2006) Biographie Im Fokus: Heinz Knobloch – Mit Feuilletons gegen Geschichtsvergessenheit - SBB aktuell Ausstellung im Stabi Kulturwerk 2026
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Schriftsteller (Berlin) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Essay Kategorie:Sachliteratur Kategorie:Kolumnist Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Berlin Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur Kategorie:Träger des Goethepreises der Stadt Berlin Kategorie:Journalist (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1926 Kategorie:Gestorben 2003 Kategorie:Mann