mini|Innenraum der Kirche St. Peter und Paul in Węgorzewo, 2008 Die Kirche St. Peter und Paul ist eine aus dem beginnenden 17. Jahrhundert stammende Kirche im polnischen Węgorzewo () im Nordosten der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sie befindet sich im Ostteil der Stadt an der ulica Zamkowa neben dem neu aufgebauten Ordensschloss.
Kirchengebäude Geschichte Die Kirche wurde als evangelische Kirche im Jahr 1611 fertiggestellt.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 87, Abb. 345–347 1729 wurde sie um einen Querflügel erweitert. Der Abschluss des Turms erfolgte 1741, Turmhaube und Laterne wurden 1829 aufgesetzt. Seit 1945 firmiert das Gotteshaus als katholische Kirche St. Peter und Paul.
Baubeschreibung Die Kirche wurde im spätgotischen Stil mit dreiseitig geschlossenem Chor errichtet. Die aus Backstein erbaute Kirche verfügt über einen Kirchturm mit Kupferdeckung und aufgesetzter Laterne.
Ausstattung In der Kirche sind noch viele Teile der ursprünglichen Ausstattung vorhanden. Dazu gehört ein barocker Altar aus dem Jahr 1652, der aus einer Königsberger Werkstatt stammt. Der mit zahlreichen Figuren geschmückte Altar weist lateinische und deutsche Inschriften auf. Die Kanzel stammt vom Anfang des 17. Jahrhunderts; sie wurde im 18. Jahrhundert umgebaut.
Die zwei Beichtstühle stammen von 1696 und 1715.
Orgel In der Kirche steht die älteste erhaltene Orgel in Ostpreußen. Sie ist zudem die einzige mit noch wesentlichen originalen Teilen erhaltene dreimanualige Orgel des 17. Jahrhunderts im ehemaligen Nordostdeutschland. Sie verfügt noch über den originalen Barockklang.
Das Instrument wurde von 1643 bis 1648 von Joachim Thiele in Rastenburg () gefertigt. Die Registermechanik ist aus Eichenholz und Schmiedeeisen gefertigt. Die Metallpfeifen sind stark bleihaltig. Die Flügelgemälde wurden 1651 fertiggestellt. mini|Die Orgel auf der Westempore Im Jahr 1708 reparierte Johann Josua Mosengel aus Königsberg die Orgel. Ab 1713 war sein aus Angerburg stammender Schüler Georg Barsenick mit der Pflege des Instruments beauftragt. Ein Reparaturkostenanschlag aus dem Jahr 1754 von Johann Preuß nennt für das Instrument 30 Stimmen, dabei fünf Rohrwerke, sowie vier Bälge. Preuß änderte die Disposition im Hauptwerk.
Die Orgel wurde 1806/1807 durch Soldaten beschädigt. Der Orgelbauer Scherweit fertigte daraufhin das Pfeifenwerk des Brustwerkes neu an und ersetzte Teile des Pedalpfeifenwerks. 1853 bekam das Instrument neue Klaviaturen und 1912 wurden durch Carl Novak drei Stimmen im Rückpositiv durch grundtönige Register ersetzt. Novak ersetzte zudem die Trompet 8′ im Pedal durch ein Cello 8′.
Im Zweiten Weltkrieg gingen die bemalten Flügeltüren verloren sowie das Pfeifenwerk des Brustwerks. Wegen dieses Verlustes wurden auch die Klaviatur und Registereinschaltung des Brustwerks entfernt.
I Hauptwerk CDEFGA–c3Urspr. II. Manual Quintadon 16′ Principal 8′ Spitzflöte 8′ Octav 4′ Flöte 4′ Quint 3′ Octav 2′ Mixtur III Trompet 8′ II Rückpositiv CDEFGA–c33Urspr. III. ManualGedeckt 8′Gamba 8′Principal 4′Flet kyty 4′Dolce 4′Superoctav 2′ III Unterpositiv CDEFGA–c33Urspr. I. ManualFlaut Amabile 8′Flötminor 4′Nasat 3′Octav 2′Mixtur II Pedal C–c1/d1Violon 16′Subbas 16′Principalbass 8′Octavenbass 4′Blockflöt 4′Posaune 16′Cello 8′
Koppeln: Koppel Nebenregister: Cymbelstern Spielhilfen: Drei Sperrventile, Kallkant
Anmerkungen
Kirchengemeinde Geschichte Schon bald nach Einführung der Reformation entstand in Angerburg im Jahr 1528 eine evangelische Kirchengemeinde mit einem dazugehörigen weitflächigen Kirchspiel.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 476. Hier taten bis 1945 zwei Geistliche ihren Dienst, zu Beginn des 20. Jahrhunderts um einen Hilfsprediger verstärkt.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 16. Bis 1726 gehörte die Angerburger Kirchengemeinde zur Inspektion Rastenburg (). Dann wurde Angerburg selbst bis 1945 Sitz und Namensgeber für einen Kirchenkreis in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 zählte die Kirchengemeinde insgesamt etwa 10.000 Gemeindeglieder, von denen zwei Drittel im Stadtgebiet lebten. Die kriegsbedingte Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ließ nach 1945 das evangelisch-kirchliche Leben in der jetzt Węgorzewo genannten Stadt zum Erliegen kommen. Polnische Katholiken ließen sich danach hier nieder und ließen das kirchliche Leben wieder aufleben. Heute gibt es drei römisch-katholische Kirchen und eine griechisch-katholische Kirche in Węgorzewo. Sie sind Teil des Dekanats Węgorzewo im Bistum Ełk (Lyck) bzw. der Erzeparchie Przemyśl-Warschau. Das griechisch-katholische Gotteshaus, die einstige Kreuzkirche und Bethesda-Anstaltskirche, steht den evangelischen Kirchengliedern zur gottesdienstlichen Mitbenutzung offen. Sie gehören zur Pfarrei in Giżycko (Lötzen) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Angerburg gehörten außer dem Stadtgebiet noch zahlreiche Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort.
Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name *Angerburg Węgorzewo *Ogonken1938–1945 Schwenten Ogonki Angerburg, Gut Węgorzewko *Paulswalde Pawłowo Angerhof *Prinowen1938–1945 Primsdorf Prynowo *Groß Strengeln Stręgiel Reussen Ruska Wieś *Jakunowen1929–1945 Angertal Jakunowo Rothof Czerwony Dwór Johanneshof Janówko Schönbrunn Maćki *Kehlen Kal *Stullichen Stulichy *Kehlerwald Kalskie Nowiny *Thiergarten Trygort Leitnersfelde Waldheim Wysiecza Miltalersberg *Wilkowen1938–1945 Geroldswalde Wilkowo
Pfarreiorte (seit 1945) Zur Pfarrei der Kirche St. Peter und Paul gehören heute neben der Stadt die Orte:
Name Deutscher Name Name Deutscher Name Czerwony Dwór Rothof Ogonki Ogonken1938–1945: Schwenten Kalskie Nowiny Kehlerwald Prynowo Prinowen1938–1945: Primsdorf Kolonia Rybacka Stulichy Stullichen Maćki Schönbrunn Wysiecza Waldheim
Pfarrer (bis 1945) An der Pfarrkirche Angerburg amtierten bis 1945 als evangelische Geistliche (die Inhaber der zweiten Pfarrstelle waren auch für das Landgebiet zuständig):
NN., 1528/1530 J. Tortilowitz von Batocki, 1537–1545 Johann Gsimerski, 1550–1574 NN., 1552 Michael Danovius, 1573–1576 Vincentius Barfuß, 1574–1593 Albertus Brosinna, 1576–1590 Nicodemus Pogerzelski, 1591–1602 Elias Wolf, 1594–1604 Michael Molterus, 1602–1603 Christoph Kaulperska, 1603–1624 Hans Samuel, 1604–1630 Andreas Kofnatius, 1624–1630 Uriel Bertram, 1630–1657 Albert Gembalowski, 1631–1650 Daniel Nebe, 1649–1657 Jacob Schultz, 1657–1685 Andreas Helwing, 1658–1705 Jacob Nebe, 1685–1710 Georg Andreas Helwing, 1691–1748 Johann Friedrich Boretius, 1709–1726 Georg Chr. Boretius, 1726–1768 Georg Aemilius Helwing, 1738–1767 Jacob Ludwig Pisanski, 1760–1810 Johann Friczewski, 1768–1793 Friedrich Th. Wollweber, 1793–1820 Johann Friedrich Hecht, 1811–1825 Samuel Neumann, 1820–1845 Gottfried Schulz, 1825–1837 Wilhelm Schulz, 1838–1846 Gottlieb Treskatis, 1844 Paul Nathanael Paulini, 1845–1873 Julius Linck, 1846–1847Angehöriger des Corps Masovia Johann Friedrich Anders, 1848–1858 Karl Christoph Tyrol, 1858–1864 Karl Adolf Schrage, 1864–1875 Carl Eduard Cludius, 1874–1876 Philipp Salkowski, 1875–1881 Theophil Carl Tribukait, 1877–1879 Hermann Adalbert Braun, 1881–1925 Friedrich Julius Leopold Skierlo, 1883–1888 Johann Otto Adalbert Müller, 1890–1906 Erich Braun, 1902–1903 Kurt Rudloff, 1903–1911 Friedrich Ludwig Johann Wolter, 1907–1916 Karl Venski, 1917–1921 Walter Segschneider, 1921–1933 Gustav Boersch, 1922–1923 Franz Gabler, 1925–1945 Arno Dumschat, 1933 Ernst Zander, 1933–1939 Kurt Thude, 1940–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrkirche Angerburg vor 1945 haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie (DZfG) in Leipzig aufbewahrt:
Stadtgebiet: Taufen: 1605 bis 1606, 1625 bis 1874 Trauungen: 1691 bis 1874 Begräbnisse: 1646, 1673, 1696 bis 1874
Landgebiet: Taufen: 1715 bis 1874 Trauungen: 1710 bis 1874 Begräbnisse: 1710 bis 1874.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Wegorzewo Wegorzewo Wegorzewo, Peter und Paul Kategorie:Węgorzewo Wegorzewo, Peter und Paul Wegorzewo Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Wegorzewo Kategorie:Bauwerk in der Gmina Węgorzewo Kategorie:Erbaut 1611