Das Weltmuseum Wien, zuvor Museum für Völkerkunde, ist ein ethnologisches Museum in der Wiener Hofburg. Es enthält Sammlungen aus allen Kontinenten. Zudem verfügt es über eine Bibliothek, ein Archiv und eine bedeutende Fotosammlung.
Geschichte Ethnographische Sammlungen der Habsburgermonarchie mini|Erzherzog Franz Ferdinand mit Begleitung vor dem Fujiya-Hotel in Miyanoshita, August 1893 (aus dem Fotoalbum der Sammlung Este)
Bereits im 16. Jahrhundert wurden in den sogenannten Kunst- und Wunderkammern ethnographische Objekte gesammelt. Bedeutende Stücke, wie etwa eine Federkrone aus der Zeit Montezumas, fanden sich etwa in der „Ambraser Sammlung“ von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol, die in der Zeit der Napoleonischen Kriege nach Wien übersiedelt wurde.
Zuwachs bekam die Sammlung v. a. durch im 18. und 19. Jahrhundert unternommenen Expeditionen und Reisen, etwa durch den Weltumsegler James Cook (1728–1779) (Kaiser Franz I. ließ am Beginn des 19. Jahrhunderts Objekte in London ersteigern), den Naturforscher Johann Natterer (Österreichische Brasilien-Expedition 1817–1836) und durch die österreichische Fregatte Novara.Fakten und Geschichte zum Weltmuseum Wien. Weltmuseum Wien
Ab 1876 wurden die Bestände der Anthropologisch-Ethnographischen Abteilung des „k. k. Naturhistorischen Hofmuseums“, des späteren Naturhistorischen Museums übernommen. Darunter befand sich auch die Sammlung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este, der 1892/93 eine Weltreise unternommen hatte. Sie allein umfasst etwa 14.000 Objekte.
Museum für Völkerkunde Nach dem Scheitern des Projektes eines Kulturhistorischen Museums (ab 1925) erfolgte am 25. Mai 1928 schließlich die Eröffnung eines eigenen „Museums für Völkerkunde“ im ursprünglich als Wohntrakt geplanten Corps de Logis der Neuen Burg. Die ideologischen Machtkämpfe der Zwischenkriegszeit (Deutschnationalismus) schlugen sich auch in der Sammlungspraxis nieder.
In der Nachkriegszeit wurden entscheidende Umbaumaßnahmen vorgenommen. Dies ermöglichte eine Erweiterung des Programms, das durch zahlreiche Wechselausstellungen geprägt war. Schloss Matzen und die Kartause Gaming fungierten dabei als Außenstellen des Museums.
Sanierungsphasen In den 1990er und 2000er Jahren wurden zahlreiche Umbauarbeiten vorgenommen. So wurden etwa die Kellerräume zu Depots ausgebaut, in denen sich heute die Sammlungen des Museums befinden. 2001 wurde das Museum im Zuge der Ausgliederung der Bundesmuseen Teil des KHM Museumsverbandes Aufgrund weiterer Arbeiten am Gebäude musste das Haus von 2004 bis 2007 geschlossen werden. Mit einer großen Benin-Ausstellung wurde das Museum nach umfangreicher Sanierung im Mai 2007 wieder eröffnet. Das galt allerdings nur für Sonderausstellungen.Sonderausstellung «Naga – Schmuck und Asche» bis 11. Juni 2012 rezensiert von Samuel Herzog, NZZ vom 26. Mai 2012, abgerufen am 9. Juni 2012 Die Dauerausstellung war inzwischen schon seit 2001 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.
Weltmuseum Wien Im April 2013 wurde das Museum in Weltmuseum Wien umbenannt.Völkerkundemuseum mutiert zum Weltmuseum Wien. derStandard.at vom 4. April 2013.
Ab November 2014 war das Museum für Umbauten geschlossen. Kulturminister Josef Ostermayer forderte aus finanziellen Gründen eine Redimensionierung der Neugestaltung.orf.at – Weltmuseum: Umbaupläne abgelehnt. orf.at vom 26. November 2014. Im Jänner 2015 wurde bekannt, dass das Weltmuseum auf 3900 Quadratmeter Ausstellungsfläche verkleinert werden sollte. Gleichzeitig sollte ein Haus der Geschichte mit rund 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche geschaffen werden.Ostermayer zu Weltmuseum: „Nutzen Chance“. orf.at, 19. Jänner 2015. Das Weltmuseum Wien wurde am 25. Oktober 2017 mit einem von André Heller gestalteten Open-Air am Heldenplatz wiedereröffnet.Neu gestaltetes Weltmuseum Wien wird am 25. Oktober eröffnet. Salzburger Nachrichten, 30. Mai 2017.In 14 Sälen durch die Kontinente. Der Wert der kulturellen Vielfalt orf.at, 24. Oktober 2017.
Sammlungsschwerpunkte Das Museum besitzt über 250.000 ethnografische Objekte, über 140.000 historische Fotografien und 146.000 Druckschriften zur Kultur und Geschichte außereuropäischer Völker. Neben der Sammlung von Cook mit Objekten aus Ozeanien und Nordamerika gibt es präkolumbische Federarbeiten wie die letzte existierende Federkrone aus der Zeit Montezumas, die große Sammlung Johann Natterers von der österreichischen Brasilien-Expedition, Bronzen aus dem westafrikanischen Königreich Benin sowie etwa 14.000 Objekte, die Thronfolger Franz Ferdinand auf seiner Weltreise zusammentragen ließ.Wissenschaftliche Sammlungsbereiche Weltmuseum Wien
Das Weltmuseum Wien beherbergt neun Sammlungen: Afrika südlich der Sahara Nordafrika, Vorder-, Zentralasien und Sibirien Ostasien: Korea, China, Japan Süd-, SO-Asien, Himalaya Insulares Südostasien Südamerika Ozeanien und Australien Nord- und Mittelamerika Fotosammlung
Kolonialismus und Restitution Das Museum verfügt über eine weitläufige Sammlung von Artefakten aus ehemaligen europäischen Kolonien, ohne selbst Kolonialmacht gewesen zu sein. Durch die Tätigkeit österreichischer Beamter in Kolonialverwaltungen und Käufe österreichischer Sammler und Ethnologen fanden auch wertvolle Benin-Bronzen und Masken aus der Subsahara den Weg in die Sammlung.
Im Rahmen der Provenienzforschung und europäischer Projekte zur Rückgabe kolonial belasteter Objekte, richtete auch das Weltmuseum ein Expertengremium zur möglichen Rückgabe von Objekten in unrechtmäßigem Besitz des Museums ein, veranlasste jedoch noch keine konkreten Restitutionen an Herkunftsländer.
Jonathan Fine, damaliger Direktor des Weltmuseums, äußerte sich im Juli 2021 in Bezug auf die Diskussionen über Rückgaben von Kulturgut kolonialer Herkunft wie folgt:
Leitung Seit Februar 2025 ist Claudia Banz Direktorin des Weltmuseum Wien.
Direktoren seit 1928 Fritz Röck: 1928–1945 Robert Bleichsteiner: 1945–1953 Leopold Schmidt: 1954–1955 (kommissarische Leitung) Etta Becker-Donner: 1955–1975 Hans Manndorff: 1976–1993 Armand Duchateau: 1993–1994 (interimistische Leitung) Peter Kann: 1994–2002 Gabriele Weiss: 2002–2004 (interimistische Leitung) Christian Feest: 2004–2010 Sabine Haag: 2010–2012 (vertreten durch Barbara Plankensteiner) Steven Engelsman: 2012–2017Steven Engelsman wird neuer Direktor des Museums für Völkerkunde. In: derStandard.at vom 24. Oktober 2011. Christian Schicklgruber: 2018–2021 Jonathan Fine: 2021–2025 Claudia Banz: seit Februar 2025
Ausstellungsobjekte
Filme Weltmuseum Wien (= Museums-Check. Folge 51). Reportage, 30 Min., Moderation: Markus Brock, Produktion: 3sat. Erstausstrahlung: 8. Juli 2018.
Literatur Museum für Völkerkunde in Wien (Hrsg.): Das Museum für Völkerkunde in Wien. Residenz, Salzburg/Wien 1980, ISBN 3-7017-0260-8. Wilhelm P. Bauer (Hrsg.): Museum für Völkerkunde Wien. Westermann, Braunschweig 1980. Peter Linimayr: Wiener Völkerkunde im Nationalsozialismus. Lang, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-631-46736-2.
Weblinks
Offizielle Website des Weltmuseums Wien Weltmuseum Wien. In: Wien.info Der Standard vom 28. Juli 2021: Museumspolitik Neuer Weltmuseum-Direktor Fine: „Der Kolonialismus prägt unsere Welt“, Interview mit Stefan Weiss
Einzelnachweise
Kategorie:Museum in Wien Kategorie:Völkerkundemuseum in Österreich Kategorie:Hofburg Kategorie:Bundesmuseum Kategorie:Kunsthistorisches Museum Kategorie:Museumsgründung 1876