Hohenems ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Dornbirn des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg.
In der Stadt befindet sich der Palast Hohenems, das ehemalige Residenzschloss der Grafen von Hohenems. Im 18. Jahrhundert wurden in der Schlossbibliothek zwei der drei bedeutendsten Handschriften des Nibelungenliedes gefunden. Hohenems war vom 17. bis zum 19. Jahrhundert Wohnsitz zahlreicher jüdischer Familien. Im 20. Jahrhundert wurde Hohenems durch das Musikfestival Schubertiade weltbekannt. Hohenems ist außerdem die einzige Stadtgemeinde in Vorarlberg, die kein Bezirksstandort ist.
Geografie Hohenems liegt in Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland von Österreich im mittleren Vorarlberger Rheintal an der Grenze zur Schweiz auf 432 Metern Höhe. Hohenems liegt am Fuße der Schuttannenberge und der Kugelgruppe, beides sind Untergruppen des Bregenzerwaldgebirges. 42,0 % der Fläche sind bewaldet.
Es existieren keine weiteren Katastralgemeinden in Hohenems.
Stadtteile Hohenems gliedert sich in elf Stadtteile:
„über der Bahn“ Klien unter der Burg Emsreute Markt Weiler Berg Schwefel„unter der Bahn“ Gmuand Sohl Herrenried Bauern
Gewässer Buchenauerbach Emsbach Ermenbach Fallbach Finsternaubach Gießenbach Gillbach Gsohlbach Haselwurzbach/Oberklienbach Hohenemserach Höllbach Koblacher Kanal Krebsgraben Kugelbach Landgraben (Friedgraben) Luchsfallabach Öhesackertobel Pelzreutebach Reutebach Rheintal-Binnenkanal Salzbach Schwefelbach Sohlgraben Sommerriesbach Steckenwegbach Spitzeneggbach Steinbach Stuarottelbach Tugsteinbach Unterklienbach Wildbach
Nachbargemeinden Die Stadtgemeinde Hohenems grenzt an sechs andere politische Gemeinden. Zwei von diesen, nämlich die Marktgemeinde Lustenau und die Bezirkshauptstadt Dornbirn, liegen im selben politischen Bezirk (Dornbirn), drei im Bezirk Feldkirch (Fraxern, Götzis und Altach) und die Gemeinde Diepoldsau im Schweizer Kanton St. Gallen. Im Fall von Diepoldsau bildet damit die Gemeindegrenze im Alten Rhein gleichzeitig die Staatsgrenze zwischen Österreich und der Schweiz. Diese ist gleichzeitig EU-Außengrenze, jedoch sind seit dem Beitritt der Schweiz zum Schengenraum im Jahr 2008 die systematischen Personenkontrollen an der Grenze abgeschafft.
Geschichte mini|hochkant|Erste Seite der Handschrift C des Nibelungenlieds (um 1220) mini|Hohenems 1613
Stadtwappen und Herkunft des Hauses Hohenems Das Stadtwappen von Hohenems, historisch auch Hohenembs, der Steinbock, dürfte auf dasselbe Wappentier im Wappen von Graubünden zurückzuführen sein, denn eine erste urkundliche Erwähnung des Geschlechts derer von Ems findet sich für das Jahr 1170 für Ober- oder Wälsch-Ems ob Chur. Ob die Emser Grafen aber tatsächlich von diesem Ort herstammen, ist umstritten, so findet sich bei Historiker Andreas Ulmer der Hinweis, dass die Grafen von Ems eventuell auch von Stammvater Hainricus de Amides, einem Halbbruder des letzten Grafen von Bregenz namens Rudolf (gest. 1160), abstammen könnten.Alfred Steinitzer; Geschichtliche und kulturgeschichtliche Wanderungen durch Tirol und Vorarlberg. Innsbruck 1905, S. 474.
Mittelalter Der Beginn der Besiedlung im Raum Hohenems ist nicht bekannt. Seit Ende des 12. Jahrhunderts gehörte die Burg Altems der Herren von Ems zu den mächtigsten und größten Burganlagen (350 Meter lang und 80 Meter breit) im süddeutschen Raum. Die Stauferfestung diente unter anderem als Verwahrungsort für prominente Gefangene wie ab 1195 Wilhelm III. (Sizilien) oder im Jahr 1206 Erzbischof Bruno von Köln. 1406 brannten die Appenzeller im so genannten Bund ob dem See den Ort Ems vollständig nieder.
Im Jahr 1333 wurde Hohenems das Stadtrecht zuerkannt, das jedoch nicht realisiert wurde, weil für den Bau der Stadtmauer die finanziellen Mittel nicht aufgebracht wurden.
Zur Geschichte des Heilbades siehe Schwefel-Bad.
Freie Reichsgrafschaft Kaiser Ferdinand I. erhob am 27. April 1560 Ems zu einer Reichsgrafschaft. Am Fuß des Schloßberges wurde ein Renaissance-Palast errichtet. 1570 stattete Karl Borromäus Graf Jakob Hannibal, dem Gatten seiner Halbschwester Hortensia, einen kurzen Besuch ab. Dem wegen seiner Verdienste um die Gegenreformation heiliggesprochenen Karl Borromäus ist die Stadtpfarrkirche geweiht, er ist Stadtpatron von Hohenems. Graf Kaspar erwarb die Reichsgrafschaft Vaduz sowie die Freiherrschaft Schellenberg und verlieh der Grafschaft Hohenems das Marktprivileg.
Ende des 18. Jahrhunderts erlangte Hohenems mit dem Fund von Teilen des Nibelungenliedes Bekanntheit: 1755 wurde im Palast in der Bibliothek des Lindauer Arztes Jacob Hermann Oberreit die „Handschrift C“ entdeckt, und 1779 tauchte, wiederum im Palast, auch die „Handschrift A“ auf.
Herrschaft der Habsburger 1765 kam es zum Erwerb der Grafschaft Hohenems durch Österreich. Die Habsburger regierten sie wechselnd von Tirol bzw. Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Von 1805 bis 1814 gehörte der Ort zu Bayern, dann, nach vierjährigem Streit um die Besitzrechte, wieder zu Österreich. Die jeweiligen habsburgischen Herrscher wiesen den Titel eines Grafen von Hohenems im Großen Titel aus. Franz Joseph I. pflegte bei privaten Auslandsreisen unter dem Titel eines Grafen von Hohenems unterwegs zu sein, um seinen Gastgebern störende protokollarische Pflichten zu ersparen.Baier/Demmerle, Otto von Habsburg, Amalthea, o. J., S. 72 f.
Zum österreichischen Bundesland Vorarlberg gehört Hohenems seit dessen Gründung 1861.
1595 wurde die Schwefelkapelle errichtet, 1607 die Kapelle hl. Sebastian und hl. Antonius, 1617 die Kapelle hl. Karl Borromäus und 1898 die Kapelle hl. Josef in Unterklien.
Emser Chronik Im Jahre 1616 wurde von Bartholomäus Schnell (* 1580 in Langenargen, † 19. April 1649 in Hohenems) die erste Druckerei Vorarlbergs, die Gräflich Hohenemsische Buchdruckerei (1616–1730) in Hohenems errichtet.Alois Niederstätter: (PDF; 195 kB) Mit der von ihm im selben Jahr vorgelegten Emser Chronik gelang Schnell gleich zu Beginn seiner Tätigkeit in Hohenems ein „Meisterwerk der Buchdruckerkunst“, das mehrfach als „das schönste je in Vorarlberg gedruckte Buch“ bezeichnet wurde.Veranstaltung zu Bartholomäus Schnell. Landesbibliothek 2005. Ein gut erhaltenes Exemplar zählt heute zu den Kostbarkeiten der Landesbibliothek in Bregenz.
Das von Johann Georg Schleh aus Rottweil 1613 fertiggestellte Werk bedeutete gleichzeitig den „Beginn der Vorarlberger Landesgeschichtsschreibung“: Etwa 100 Wappen werden in diesem Werk dargestellt – ebenso wie kartografische Holzschnitte, unter anderem die älteste überlieferte Karte Vorarlbergs. Nicht zuletzt deshalb stellt die Emser Chronik wohl den Höhepunkt der Buchdruckerkunst in Vorarlberg dar. Die politischen Absichten, die hinter diesem Werk steckten, werden in der Vorarlberger Landkarte, die das gesamte heutige Vorarlberg zeigt, deutlich: Mit schraffierten Grenzen ist darin jenes Gebiet gekennzeichnet, das, wenn es nach dem Willen des Initiators Graf Kaspar von Hohenems gegangen wäre, als „Unterrätien“ einen souveränen Territorialstaat unter der Herrschaft der Emser Grafen bilden sollte.
1663 wurde die Druckerei von Johann Kaspar Schwendimann geleitet, der mit dem „Philotheus“ (autobiographischer Schäferroman) des Barockdichters Laurentius von Schnüffis den neben der Emser Chronik wohl bekanntesten Hohenemser Druck hervorbrachte.Norbert Schnetzer: Die Anfänge des Buchdrucks in Vorarlberg. ISBN 3-85376-203-4.
Jüdische Gemeinde
1617 legte ein Schutzbrief des Reichsgrafen Kaspar von Hohenems die rechtliche Grundlage für die Ansiedelung von jüdischen Familien und den Aufbau einer jüdischen Gemeinde. Der Reichsgraf erhoffte sich dadurch wirtschaftliche Impulse für seinen Markt. Im 17. Jahrhundert kam es zu Vertreibungen, nachdem aber den jüdischen Familien die Rückkehr gestattet wurde, florierte die jüdische Gemeinde. Es kam zum Bau einer Synagoge, eines Ritualbads (Mikwe) und eines Armenheims, auch ein Friedhof wurde angelegt.
1797 gründete der aus Augsburg stammende Herz Jakob Kitzinger das erste Kaffeehaus Vorarlbergs. Das „Kaffeehaus Kitzinger“ war bald Treffpunkt für die verschiedensten israelitischen Geselligkeitsvereine. So gründeten jüdische Bürger 1813 in diesem Haus die Lesegesellschaft. Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde kontinuierlich, den Höhepunkt erreichte die Zahl der jüdischen Einwohner 1862 mit 564 Menschen. Die Staatsgrundgesetze von 1867 und die damit verbundene freie Wahl des Wohnortes für Juden führten dann zu einer starken Abwanderung in umliegende Städte, sodass 1890 nur noch 118 Juden in der Stadt lebten.
1935 zählte die jüdische Gemeinde nur mehr 35 Mitglieder. 1938 nach dem Anschluss Österreichs wurde jüdisches Eigentum durch die Gemeinde Hohenems „arisiert“. Dem folgte die Zwangsauflösung der Kultusgemeinde im Jahr 1940 und die Deportation verbliebener Gemeindemitglieder in die Vernichtungs- und Konzentrationslager. Als letzte Jüdin wurde Frieda Nagelberg am 25. Februar 1942 aus Vorarlberg deportiert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wurden vorübergehend jüdische Displaced Persons (DPs) angesiedelt. Von den ehemaligen Gemeindemitgliedern kehrte keines zurück.
Nach 1945 erwarb die Gemeinde Hohenems die Liegenschaften der Synagoge von der IKG Innsbruck, um sie in ein Feuerwehrhaus umzuwandeln. Das daneben liegende Rabbinatshaus wurde abgerissen. Auf Grund des großen Engagements der Kultusgemeinde St. Gallen konnte verhindert werden, dass die Grabsteine vom Friedhof entfernt und aus den alten Zedern Bleistifte gemacht wurden. Der Friedhof selbst hätte zur Christbaumpflanzung genutzt werden sollen. (Dreier 1988: 232 f.)
Gad Hugo Sella, der 1912 als Hugo Silberstein in Innsbruck geboren wurde und 1938 Österreich noch rechtzeitig verlassen konnte, schildert in einem Vor-Ort-Bericht aus dem Jahre 1977 seine Erfahrungen:
Heute sind zahlreiche Bauten im Jüdischen Viertel wieder in sehr gutem Zustand. Die ehemalige Synagoge wurde im Zuge aufwändiger Restaurierungen äußerlich wieder nahe an den Originalzustand versetzt und dient heute als öffentlicher Saal (siehe Bauwerke). Auch zahlreiche Privathäuser und ehemalige Kultuseinrichtungen, darunter die Mikwe und die ehemalige jüdische Schule, wurden restauriert. Der jüdische Friedhof wird weiterhin aktiv als Grabesstätte benützt.
2014 wurden Stolpersteine als Erinnerung verlegt.
20. Jahrhundert Mit dem Diepoldsauer Rheindurchstich und der Rheinregulierung endete 1923 die seit Jahrhunderten bestehende ständige Gefahr von Überschwemmungen und eine weitere Besiedlung der Talsohle wurde ermöglicht.
Der Ort war nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich. Seit 1969 gehört die Gemeinde zum neu gegründeten Bezirk Dornbirn.
1983 wurde Hohenems von der Vorarlberger Landesregierung anlässlich des 650-Jahre-Jubiläums des Stadtrechts von 1333 zur Stadt erhoben und ist somit die jüngste Stadt in Vorarlberg.
Seit 1998 ist Hohenems Standort des ersten Krematoriums in Vorarlberg,Österreichischer Gemeindeverband: (PDF; 70 kB) 30. Oktober 2007. eines von derzeit (Stand 2021) 17 aktiven Krematorien in Österreich.
2014 wurden auch in Hohenems Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt.Hohenems: Die Familie Elkan vol.at, 7. Juli 2014, abgerufen am 5. Juli 2023.
Bevölkerungsentwicklung
Hohenems beherbergt aktuell Einwohner (Stand ), wobei der Ausländeranteil zum Jahresende 2002 14,5 Prozent betrug und damit über dem Landesdurchschnitt lag.
Politik Stadtvertretung
In Vorarlberg wählen die Bürger alle fünf Jahre die Mitglieder der Stadtvertretung durch Ankreuzen eines Listen-Wahlvorschlages bzw. durch Mehrheitswahl wenn kein Listenvorschlag vorliegt. Weiters den Bürgermeister durch Ankreuzen eines Wahlvorschlages.