Will Schaber (* 1. Mai 1905 in Heilbronn; † 5. Juli 1996 in New York) war ein deutschsprachiger Journalist und Publizist.
Leben Nach dem Abitur 1923 absolvierte Will Schaber ein Volontariat unter Erich Schairer bei der Sonntags-Zeitung in Heilbronn. 1924 bis 1928 arbeitete er als Reporter und Feuilletonredakteur beim sozialdemokratischen Neckar-Echo, 1929 beim Sozialdemokratischen Pressedienst und von 1930 bis 1931 beim Volksblatt in Saalfeld.
Schaber verließ 1931 die SPD, schloss sich der Sozialistischen Arbeiterpartei an und arbeitete als Nachrichtenredakteur bei der Sozialistischen Arbeiterzeitung. Im März 1933 wurde er in München verhaftet und bis Ende April im Polizeigefängnis Corneliusstraße in Schutzhaft gehalten. Im Mai des gleichen Jahres emigrierte Schaber zusammen mit seiner Ehefrau Else RüthelRüthel-Schaber, Else, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,2. München: Saur, 1983, S. 1004 nach Estland. Nachdem ihm die Einreise nach Österreich verweigert worden war, ließ Schaber sich in Brünn nieder.
1934 bis 1938 fungierte er als Mitherausgeber (zusammen mit Rolf Reventlow und Richard Teclaw) der Korrespondenz Press Service, war außerdem Mitarbeiter beim Brünner Tagesboten sowie beim Montag Morgen und schrieb gelegentlich Beiträge für den Mittag, das Prager Tagblatt und die Brünner Zeitschrift Mesic (dt.: Der Monat). Im September 1938 gelang es ihm während der Sudetenkrise, über Rotterdam mit einem Besuchervisum in die USA zu gelangen, die US-Staatsbürgerschaft erlangte er 1949.
1941 bis 1962 arbeitete Will Schaber als Abteilungsleiter der British Information Services in New York, von 1962 bis 1965 als New Yorker Vertreter der Fernsehorganisation Peter von Zahns und 1967 bis 1972 als Redakteur der Emigrantenzeitschrift Aufbau.
Will Schaber war von 1967 bis 1972 Präsident des P.E.N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland und Ehrenmitglied der Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft bis zu seinem Tod 1996, außerdem ist er Namensgeber eines Preises, der vom Ex-Verein des Instituts für Journalistik der Technischen Universität Dortmund für die besten praxisbezogenen Abschlussarbeiten vergeben wird.
Schriften (Auswahl) Haben wir noch eine christliche Kirche?, 1927 Zeit und Zeitung, 1928 Thomas Mann – Drei Essays, 1935 Kolonialware macht Weltgeschichte, 1936 Weltbürger – Bürgen der Welt, 1938 USA – Koloß im Wandel, 1958 B. F. Dolbin – Der Zeichner als Reporter, 1976 Der Gratgänger – Welt und Werk Erich Schairers, 1981
Als Herausgeber Tat und Wille, Heilbronn, 1927/28 Weinberg der Freiheit, 1946 Leitartikel bewegen die Welt, mit Walter Fabian, 1964 Perspektiven und Profile, Schriften Veit Valentins, 1965 Aufbau. Reconstruction. Dokumente einer Kultur im Exil (Geleitwort Hans Steinitz). Kiepenheuer & Witsch, Köln 1972, ISBN 3-462-00841-2 (Mit Beiträgen von Manfred George, Thomas Mann, Hans Natonek, Alfred Polgar, Arno Reinfrank, Nelly Sachs, Oskar Maria Graf, Lion Feuchtwanger, Fritz von Unruh, Joseph Wechsberg, Johannes Urzidil, Hermann Broch, Karl Jaspers, Ludwig Marcuse, Stefan Zweig). Will Schaber (Hrsg.): Zeitzeuge Aufbau. Texte aus sechs Jahrzehnten. Bleicher, Gerlingen 1994, ISBN 3-88350-612-5.
Als Übersetzer Albert Einstein: Über den Frieden : Weltordnung oder Weltuntergang?, Lang, Bern 1975, ISBN 3-261-01384-2.
Auszeichnungen Goldene Ehrenmünze der Stadt Heilbronn, 1979 Ehrendoktor der Universität Dortmund, 1985 Ehrenring der Stadt Heilbronn, 1985 Ehrenmitglied der Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft
Seit 1998 ist in Heilbronn die Will-Schaber-Straße nach ihm benannt, der Grundsatzbeschluss zur Straßenbenennung wurde bereits 1995 zu seinem 90. Geburtstag gefasst.
Literatur
Schaber, Will. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Bd. 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. Saur, München 1980, S. 637f. Klaus G. Saur: Schaber, Will. In: Karin Peter, Gabriele Bartelt-Kircher, Anita Schröder (Hrsg.): Zeitungen und andere Drucksachen. Die Bestände des Dortmunder Instituts für Zeitungsforschung als Quelle und Gegenstand der Forschung. Klartext-Verlag, Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1015-7, S. 499f. Michael Groth: Eine deutsche Biographie : Wahlbürger – Bürge der Welt in New York. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 114, 18. Mai 1985. Michael Groth: The Road to New York : The Emigration of Berlin Journalists, 1933–1945. K. G. Saur, München 1988, S. 197f., 205, 221f., 247, 251ff., 288f., 316, 320ff., 349. Hartenstein, Elfi (Hrsg.): „Wahrscheinlich wäre ich heute ein Grüner“. In: Heimat wider Willen. Emigranten in New York – Begegnungen. Verlagsgem. Berg, Berg am See 1991, S. 273–286. Gert Niers: Exilforscher und engagierter Journalist. Zum 80. Geburtstag Will Schabers. In: Aufbau, 51. Jg., Nr. 17/18, 26. April 1985, S. 5. [Internet Archive] Karin Reinfrank-Clark (Hrsg.). Will Schaber. In: Ach, Sie schreiben Deutsch? Biographien deutschsprachiger Schriftsteller des Auslands-PEN. Bleicher Verlag, Gerlingen 1986, S. 104f. Gerhard Schwinghammer (Hrsg.): Will Schaber : Weltbürger aus Heilbronn. Mit einem Vorwort von Albert Großhans. Heilbronner Stimme, Heilbronn 1986. Stefan Berkholz: Will Schaber wird 90. Auch in New York bleibt sich der Schwabe treu: Der Publizist Will Schaber wird neunzig. In: Stuttgarter Zeitung 29. April 1995 [Erich-Schairer.de] (abgerufen am 6. Sept. 2025) Anon.: Chronist des Exils. Der Publizist Will Schaber ist gestorben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Juli 1996. Norbert Behr: Archivar der Emigration. Zum Tod des Publizisten und Exilforschers Will Schaber. In: Frankfurter Rundschau 10. Juli 1996. Joachim Trenkner u. a.: In memorian Will Schaber. In: Aufbau, 19. Juli 1996, S. 3, 4, 20, 21. [Internet Archive]
Weblinks
LeoBW Landeskundliches Informationssystem für Baden-Württemberg: Schaber, Wilhelm, später Will Karl Arnold. Findbuch (2005) zum Nachlass Will Schaber, Institut für Zeitungsforschung Dortmund Ehrenpromotion, TU Dortmund
Einzelnachweise
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