mini|Gustav Brecher; Porträtfoto von Rudolf Dührkoop (ca. 1903–1911) mini|Brecher leitete auch die Uraufführung von Ernst Kreneks Oper Gustav Brecher (* 5. Februar 1879 in Eichwald, Österreich-Ungarn; † Mai 1940 bei Ostende) war ein deutscher Dirigent, Komponist und Musikkritiker.
Leben Seine jüdische Familie zog 1889 aus Böhmen nach Leipzig. Brecher wurde dort von Salomon Jadassohn unterrichtet. Nach der Aufführung einer seiner Tondichtungen durch Richard Strauss 1896 debütierte er 1897 an der Leipziger Oper und dirigierte 1901 an der Wiener Hofoper „neben“So Jürgen Kesting: Auch ein Freitod kann Mord sein. In: Hamburger Abendblatt. 23. November 2006. Gustav Mahler. Zwischen 1903 und 1911 war er Kapellmeister am Hamburgischen Stadttheater und dirigierte dort die Uraufführung von Busonis Die Brautwahl. Nach weiteren Dirigaten in Köln und Frankfurt wurde Brecher ab 1924Oper Leipzig Generalmusikdirektor an der Leipziger Oper. Er war dort insbesondere wegen der Uraufführungen von Jonny spielt auf, Leben des Orest oder Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny umstritten.
Obwohl die Jonnyoper ein Erfolg war, wurde Brecher nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen. In der Zeitschrift für Musik schrieb der Musikwissenschaftler Alfred Heuß einen hämischen Kommentar anlässlich der Rienziaufführung im Rahmen der Wagner-Festspielwoche am 12. Februar 1933:
Die wohl letzte Premiere unter seiner Leitung in Leipzig war Kurt Weills Der Silbersee – Ein Wintermärchen am 18. Februar 1933. Er verließ noch während dieser Veranstaltung das Dirigentenpult, weil die anwesende SA wegen seiner jüdischen Herkunft und anderer als Provokation empfundenen Eigenarten des Silbersees fortlaufend randalierte und störte. Am 4. März dirigierte Gustav Brecher seine letzte Vorstellung in Leipzig, Wagners Die Meistersinger, nachdem bereits am 1. März ein Mitglied der NSDAP zum Nachfolger bestimmt worden war. Der Oberbürgermeister Leipzigs Carl Friedrich Goerdeler beurlaubte ihn am 11. März 1933.
Sein Weg daraufhin ins Exil lässt sich im Einzelnen nicht mehr nachzeichnen. Er dirigierte in Leningrad das Rundfunk-Orchester und lebte in Berlin und Prag, von wo er 1938 erneut fliehen musste. Im Mai 1940 nahm er sich zusammen mit seiner Frau Gertrud Deutsch (Tochter von Felix Deutsch) das Leben, aus Angst, den deutschen Besatzern in Belgien in die Hände zu fallen.
Der ungarische Dirigent Georges Sebastian (1903–1989) schreibt 1934 in Leningrad:
Erich Ebermayer notiert in Berlin, den 13. Oktober 1935 in sein Tagebuch:
Gedenken Vor der Hamburgischen Staatsoper in Hamburg-Neustadt und der Oper Leipzig in Leipzig-Zentrum erinnern Stolpersteine an sein Schicksal sowie in Markkleeberg an ihn und seine Frau. Zur Erinnerung Brechers benannte die Oper Leipzig am 13. Mai 2022 ihre Probebühne 1 in Gustav-Brecher-Probebühne um.Oper Leipzig würdigt ihren einstigen Chefdirigenten Gustav Brecher. Artikel in der Leipziger Volkszeitung vom 16. Mai 2022
Literatur
Jürgen Schebera: Gustav Brecher und die Leipziger Oper 1923–1933. Mit einem Beitrag von Heinrich Creuzburg: Erinnerungen an Gustav Brecher. Edition Peters, Leipzig 1990, ISBN 3-369-00230-2. Richard Wagner gepfändet: ein Leipziger Denkmal in Dokumenten 1931–1955. Ausgewählt und begleitet von Grit Hartmann. Forum-Verlag, Leipzig 2003, ISBN 978-3-931801-35-9, S. 57. Hannes Heer, Jürgen Kesting, Peter Schmidt: Verstummte Stimmen: die Bayreuther Festspiele und die „Juden“ 1876 bis 1945; eine Ausstellung. Festspielpark Bayreuth und Ausstellungshalle Neues Rathaus Bayreuth, 22. Juli bis 14. Oktober 2012. Metropol, Berlin 2012, ISBN 978-3-86331-087-5, 26
Weblinks
Nachlassverzeichnis in der Zentralbibliothek Zürich
Jürgen Kesting: Auch ein Freitod kann Mord sein. In: Hamburger Abendblatt. 23. November 2006 Jitka Balatková: Eine kurze Nachricht über Gustav Brecher in Olmütz (online, PDF, 1,5 MB), in: Musikgeschichte in Mittel- und Osteuropa, Band 3 (1998), Leipzig: Gudrun Schröder Verlag, S. 253–266. Brecher, Gustav. In: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main : S. Fischer, 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 75.
Einzelnachweise
Kategorie:Dirigent Kategorie:Generalmusikdirektor (Oper Leipzig) Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Person, für die in Hamburg-Neustadt ein Stolperstein verlegt wurde Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1879 Kategorie:Gestorben 1940 Kategorie:Mann Kategorie:Person, für die in Leipzig ein Stolperstein verlegt wurde