Als Peritonealkarzinose oder Karzinose des Bauchfells (auch Carcinosis peritonei oder Peritonitis carcinomatosa) wird ein flächiger Befall des Bauchfells (Peritoneums) mit bösartigen Tumorzellen bezeichnet.
Primärtumor In der Regel handelt es sich dabei um Metastasen anderer im Bauchraum gelegener Tumoren. Bei 10 bis 20 % aller Patienten mit einem malignen Tumor des Magens, des Darms und der Eierstöcke haben die Krebszellen bereits bei der Erstdiagnose in den Bauchraum und das die Bauchhöhle auskleidende Bauchfell gestreut.Cortés-Guiral, Hübner, Alyami et al. Primary and metastatic peritoneal surface malignancies. Nat Rev Dis Primers. 2021 16;7:91.
Symptome Das anwachsende Tumorvolumen kann im Spätstadium die Funktion anderer Bauchorgane beeinträchtigen. So kommt es häufig zum Darmverschluss durch Einengung des Darms von außen oder zum Nierenstau durch Behinderung des Urinabflusses. Zudem können die Metastasen eine lokale Ausschüttung von Entzündungsfaktoren provozieren, welche die Durchlässigkeit der Gefäßwände im Bauchraum erhöhen, so dass sich ein maligner Aszites (Bauchwassersucht) entwickelt. Peritonealkarzinosen stellen ein spätes Stadium einer Krebserkrankung dar und sind mit einer deutlich reduzierten Lebenserwartung verbunden.Schwenk, Mall, Neudecker: .
Therapie Peritonealkarzinosen sind nur sehr schlecht behandelbar, denn operative Entfernung ist oft unmöglich. Auch durch herkömmliche Chemotherapien ist Heilung wenig wahrscheinlich. Das liegt zum einen daran, dass Zytostatika über das Blutgefäßsystem verabreicht werden und so hauptsächlich in gut durchblutete Organe gelangen, das Bauchfell ist aber vergleichsweise schlecht durchblutet. Zum anderen handelt es sich bei Peritonealkarzinose oft um Rezidive mit entsprechenden Resistenzen.
An verschiedenen Kliniken ist seit einigen Jahren eine intraoperative Chemotherapie etabliert.Piso, Arnold. Multimodale Therapiekonzepte der Peritonealkarzinose bei kolorektalen Karzinomen. Dtsch Arztebl Int 2011; 108: 802-8. Bei diesem Verfahren wird eine Operation mit einer lokalen Chemotherapie kombiniert, wobei zellzerstörende Medikamente nach operativer Entfernung des Tumors direkt in den Bauchraum gespült werden. Die Flüssigkeit wird dabei zuvor auf 41–42 °C erwärmt, was Durchblutung des Bauchraumes und damit Wirksamkeit der Zytostatika verstärken soll. Das Verfahren, die Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC) gilt als technisch und personell aufwändig und erfordert Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachgebiete.
Ein weiteres kombiniertes Verfahren aus Operation und lokaler Chemotherapie stellt die Pressurized Intraperitoneal Aerosol Chemotherapy (PIPAC) dar.Solass, Kerb, Mürdter et al. Ann Surg Oncol. 2014;21:553-9: Intraperitoneal chemotherapy of peritoneal carcinomatosis using pressurized aerosol as an alternative to liquid solution: first evidence for efficacy. Hier wird das Chemotherapeutikum nicht flüssig in den Bauchraum gespült, sondern durch einen Vernebler direkt in der Bauchhöhle zum Aerosol zerstäubt. Dadurch erhöht sich die Eindringtiefe des Wirkstoffs ins Peritoneum, die Operationsdauer wird verringert und die Chemotherapie kann aufgrund geringerer Nebenwirkungen im Bedarfsfall wiederholt werden. PIPAC kann als ausschließlich minimal-invasives oder als kombiniertes offenchirurgisch/laparoskopisches Verfahren eingesetzt werden.Reymond, Tempfer, Strumberg: .
Literatur
Weblinks Chemotherapie direkt in der Bauchhöhle verbessert die Therapiechancen: Doppelte Chemotherapie für effektivere Eierstockkrebsbekämpfung. Fernsehbericht WDR Lokalzeit Ruhr: PIPAC.
Einzelnachweise
Kategorie:Metastasierendes Tumorleiden Kategorie:Krankheitsbild in Gynäkologie und Geburtshilfe Kategorie:Krankheitsbild in der Gastroenterologie